Freitag, 6. März 2009
Gandhi und das Zuckeressen
'Sage meinem Sohn, er soll aufhören, Zucker zu essen.'.
Der Mahatma besann sich und sagte: 'Gute Frau, komm in zwei Wochen wieder mit deinem Sohn.'
Verwirrt bedankte sich die Frau und sagte, sie würde tun, wie ihr geheißen.
Nach zwei Wochen kam sie wieder mit ihrem Sohn. Gandhi schaute dem Kleinen fest in die Augen und sagte:
'Hör auf, Zucker zu essen.' "
Dankbar, aber ziemlich verwundert, fragte die Frau den Mahatma:
'Warum sollte ich zwei Wochen warten? Damals hättest du ihm dasselbe sagen können.'
'Vor zwei Wochen', antwortete Gandhi, 'habe ich selbst noch Zucker gegessen.'
Quelle: http://anekdoten.rainbownet.ch/mahatma-gandhi.php
Freitag, 27. Februar 2009
Sprich mit der Hand
Gestikulierende Kinder haben größeren Wortschatz
Kleinkinder, die mit 14 Monaten häufig gestikulieren, verfügen im Alter von viereinhalb Jahren über einen größeren Wortschatz als ihre gestikulationsfaulen Altersgenossen. Das haben US-Wissenschaftler in einer Langzeitstudie an fünfzig Familien herausgefunden. Besonders häufig benutzen Kinder aus sozial besser gestelltem Elternhaus ihre Hände, um auf etwas zu zeigen, weil die Eltern mehr über Zeichensprache mit ihnen kommunizierten.
Meredith Rowe und Susan Goldin-Meadow (Universität von Chicago) Science (Bd. 323, S. 951).
ddp/wissenschaft.de – Helmine Braitmaier
Quelle:http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/300502
Relief "Eros und Fabel" - 3.Bildtafel
Von dem Schwert war ein eisernes Stäbchen in den Hof gefallen. Als es der Knabe Eros berührte, sprang er als Jüngling aus der Wiege und hielt das Kleinod, das sich nach Norden ausrichtete, in der Hand.
Ginnistan (rechts) erschrak. Der Schreiber (links) fiel beinah vor Entsetzen von seinem Stuhl.
Sophie sagte zu Eros: Du kannst sogleich reisen. Ginnistan mag dich begleiten. Sie knieten nieder, Sophie segnete sie und gab ein Gefäß voll Wasser aus ihrer Schale mit. Es war Nacht, als sie abreisten. Der Mond stand mit bleichem, abgehärmten Gesicht hoch am Himmel.
Die Mutter war sehr bekümmert (über die Abreise), die kleine Fabel wäre gern mitgegangen. (links, Mitte)
Sonntag, 22. Februar 2009
Der kleine Adler in der Wiederkäuerschule

Christiane Feuerstack
Der kleine Adler in der Wiederkäuerschule
Geleit
Als Gott den Menschen erschuf, nahm er von den mächtigsten Tieren die besten Kräfte: vom Adler den scharfen Blick und kühnen Gedankenflug, vom Löwen Mut und Herzenswärme und vom Stier Kraft und Ausdauer. Er selbst gab dem Menschen Würde und Weisheit, um alle Teile ins rechte Maß zu bringen.
Die Weisheit, das rechte Maß zu finden hatten aber erst ganz Wenige. Den übrigen sah man ihre tierische Herkunft noch an: einige sahen dem Adler ähnlich, andere dem Löwen und wieder andere dem Stier. Erst im Lauf der Jahre nahmen die Menschen ihre heutige Gestalt an, aber in ihrem Inneren sahen sie so verschieden aus wie vorher. Die Weisen, die schon das rechte Maß gefunden hatten, wurden das Vorbild und die Führer der anderen. Damit die Menschen niemals ihre Aufgabe vergessen würden, meißelten sie aus großen Steinen das Abbild ihres Wesens: Die Sphinx; mit einem Menschengesicht, Löwenbrust, Stierleib und Adlerflügeln. Aber immer noch sind nur wenige den ersten Weisen nachgefolgt.... .
Wie hatte sich der kleine Adler auf die Schule gefreut! Endlich würde er alles lernen, was er so brennend gerne wissen wollte: warum Gott die Welt erschaffen hat und ob Gott auch das Böse gemacht hat und wo die Toten hingehen und ob alle Engel gut sind und… und… und… . Doch der Lehrer schüttelte bei jeder Frage des kleinen Adlers den Kopf: „In der Schule darfst du solche unnützen Fragen nicht stellen. Das würde die anderen Schüler nur verwirren, und es gibt niemanden, der auf diese Fragen eine Antwort weiß." Der kleine Adler schaute den Lehrer erstaunt und misstrauisch an. Unnütze Fragen? Ohne Antwort auf diese Fragen war doch das ganze Leben unnütz! Ob der Lehrer wirklich nichts wusste oder ob er nur sein Wissen für sich behalten wollte?
Der kleine Adler spürte, dass der Lehrer unsicher wurde und fragte darum schnell: „Was lernen wir denn sonst in der Schule?"Fortsetzung:http://christiane.feuerstack.net/cf_07.html zu wahre Geschichte
Freitag, 20. Februar 2009
Relief "Eros und Fabel" - 2.Bildtafel
Holzrelief von Peter Lampasiak, Hannover, für die Freie Waldorfschule Braunschweig- 2009
König Arctur und seine Tochter Freya saßen am Tisch. Der König mischte die Blätter mit den Sternbildern. Die Sterne bewegten sich genau nach diesem Spiel. Auf einmal rief der König: "Alles wird gut! Eisen wirf dein Schwert in die Welt."
Zu dieser Zeit lag der schöne Knabe Eros in seiner Wiege. Ginnistan, seine Amme, schaukelte sie und reichte seiner Milchschwester Fabel die Brust. Der Schreiber (ganz links) schriebunverdrossen. Eine göttergleiche Frau (Sophia) tauchte die Finger in eine Schale und spritzte einige Tropfen auf Ginnistan und die Kinder.
Samstag, 14. Februar 2009
Wie sieht Ihr Kopf von innen aus, Mister Tammet?
In folgendem Interview mit einem Autisten, der auch über synästhetische Erfahrungen berichtet, findet man viele nützliche pädagogische Hinweise.
Er schildert, wie man Worte einer fremden Sprache schon allein an ihrer Lautgestalt erkennen kann, ohne ihre Bedeutung zu wissen:
"Nehmen wir zum Beispiel das Adjektiv „pambalaa“ aus der afrikanischen Siwu-Sprache. Meinen Sie, damit ist eine runde Person gemeint oder eine dünne?"
Oder über das Lernen von reinem Fakten-Wissen:
"Viele Menschen haben vergessen, dass die Information nicht so wichtig ist wie die Idee dahinter. Informationen sind eine Ansammlung von Daten, jede Information für sich ist nutzlos, wenn wir sie nicht in einen Zusammenhang setzen und interpretieren können."
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Ein Mann mit erstaunlichen Fähigkeiten: Daniel Tammet
07. Februar 2009
Daniel Tammet ist eine sogenannte Inselbegabung. Er kann sich die Kreiszahl Pi bis auf 22.514 Stellen hinter dem Komma merken, eine Fremdsprache lernt er innerhalb einer Woche, das Autofahren hingegen nie. Ein Gespräch über freundliche und scheue Zahlen, fette und schwere Wörter und das Lernen mit dem Körper.
Mister Tammet, ich wurde am 6. September 1976 geboren. Was für ein Tag ist das gewesen?
Ein Montag.
Sind Sie sich sicher? Sie haben keine drei Sekunden nachgedacht.
Kalender haben ein bestimmtes Muster, eine Woche hat sieben Tage, und die Tage wiederholen sich. Mein Gehirn ist sehr gut darin, sich Muster einzuprägen und zu erinnern...
Ihr Gehirn kann Außergewöhnliches leisten, Sie haben eine phänomenale Begabung für Sprache und Zahlen. Die Kreiszahl Pi zum Beispiel können Sie bis auf 22.514 Stellen nach dem Komma rezitieren. Wie ist das möglich?
Ich bin ein sogenannter „Prodigious Savant“, ein Inselbegabter. Als Kind hatte ich epileptische Anfälle, außerdem diagnostizierten Ärzte bei mir das Asperger-Syndrom, eine Form von Autismus. Wissenschaftler, die mich untersucht haben, glauben, dass beides, die Epilepsie und der Autismus, miteinander verknüpft für meine Fähigkeiten verantwortlich ist. Bei den meisten Menschen ist ein Großteil kognitiver Aufgaben, zum Beispiel Sprache und Zahlenverständnis, hochspezialisiert und wird getrennt voneinander in unterschiedlichen Hirnregionen ausgeführt. Höchstwahrscheinlich gibt es bei mir eineCross-Kommunikation zwischen den Zahlen- und Sprachregionen meines Gehirns.
Wie nehmen Sie Zahlen wahr?
Jede Zahl hat für mich eine bestimmte Form. Zahlen haben auch unterschiedliche Farben und sind von verschiedener Beschaffenheit. Manche sind groß, manche klein, andere schmal. Es gibt auch laute und freundliche Zahlen. Die 7 zum Beispiel ist rund, ein bisschen wie diese Olive hier.
Das klingt nach einer innigen Beziehung. Was bedeuten Ihnen Zahlen?
Ich liebe Zahlen. In der Schule war es schwer für mich, Freunde zu finden, also spielte ich in meinem Kopf mit Zahlen. Die Zahlen wurden meine Freunde, sie waren wie Menschen für mich.
...
Ich spiele mit Zahlen, ich spaziere durch eine Landschaft, die in ununterbrochener Bewegung ist. Es ist wie ein Kunstwerk, das entsteht und sich ständig verändert, ein numerischerVisualisierungsprozess . Zahlen stehen für mich untereinander in semantischen Beziehungen, das hilft mir, sie in Faktoren zu zerlegen. Meine Rechenfähigkeiten laufen intuitiv ab, vergleichbar mit der Syntaxberechnung bei Ihnen, wenn Sie einen Satz bilden.
...
Sie sprechen mehrere Sprachen. Welche sind das?
Englisch, Französisch, Finnisch, Walisisch, Spanisch, Rumänisch, Isländisch, Esperanto, Litauisch und Gälisch.
Stimmt es, dass Sie innerhalb einer Woche eine Sprache so gut lernen können, dass Sie mühelos in der Lage sind, ein Gespräch führen?
Ja, das ist so.
Haben Sie nicht ein paar Tricks für uns, wie wir eine Sprache schneller lernen können?
Ich bin überzeugt, dass jeder von uns von Geburt an einen Instinkt, eine Intuition für Sprache hat. Diese Begabung verlieren wir aber mit der Zeit, wir werden älter, unser Gehirn verändert sich. In der Schule lehrt uns niemand, diese Intuition zu nutzen. Stattdessen bringt man uns langweilige Techniken bei. Wir tun uns schwer, diese zu benutzen und sie in unserem Gedächtnis zu speichern. Deshalb glauben viele Menschen, sie seien unbegabt, und empfinden Angst vor Sprachen.
Was raten Sie uns?
Vergessen Sie, was Sie in der Schule gelernt haben.
Und stattdessen?
Wenn Sie eine Sprache lernen, denken Sie darüber nach, was der Klang eines Wortes bedeuten könnte. Vermuten Sie, um was für eine Art Wort es sich handeln könnte. Ist es ein schmales Wort, ein fettes Wort oder ein schweres Wort?
Das hört sich, ehrlich gesagt, merkwürdig an.
Nehmen wir zum Beispiel das Adjektiv „pambalaa“ aus der afrikanischen Siwu-Sprache. Meinen Sie, damit ist eine runde Person gemeint oder eine dünne?
Eine runde.
Genau. Und bedeuten die japanischen Farbbezeichnungen „aka“ und „midori“ Rot und Grün oder Grün und Rot?
Ich würde sagen: Rot und Grün.
Richtig, diese Intuition existiert. Sie werden staunen, wenn Sie darauf achten, wie viele Verbindungen es gibt. Das macht Spaß! In vielen Sprachen haben Sie übrigens einen hohen Klang bei Wörtern, die etwas Kleines benennen. Im Englischen zum Beispiel „little“, „tiny“, oder „itty-bitty“. Außerdem beschreibt die Lautfolge „gl“ häufig etwas, das mit Licht zu tun hat, wie „glimmer“, „glow“ oder „gleam“. Viele Wörter im Isländischen, die mit „hn“ beginnen, stehen für Rundes. „hné“ bedeutet Knie, „hnúi“ Knöchel und „hnöttur“ Orbit. Wenn wir uns diese Verknüpfungen bewusst machen, fällt uns das Erinnern leichter.
Haben wir auch ein Gefühl für Zahlen?
Ja! Es gibt Tests, die beweisen, dass wir ebenso wie einen Sprach- auch einen Zahleninstinkt haben. Wissenschaftler haben kleine Kinder Folgendes gefragt: Wenn John 15 Süßigkeiten bekommt,July 27 und Ann 51, wer hat dann die meisten Süßigkeiten? Ein Großteil der Kinder hat die Frage richtig beantwortet. Vielleicht fühlt sich in unserem Kopf die 51 schwerer an als die 17 oder die 27. Wir alle haben dieses Gefühl.
Was können wir tun, um unser Gedächtnis zu trainieren?
Egal, was Sie lernen, es geht darum, ein tieferes Verständnis zu entwickeln und sich nicht nur auf die Fakten zu konzentrieren. Um die Daten amerikanischer Präsidenten oder britischer Monarchen zu lernen, kann man sie wieder und wieder aufsagen. Man kann sich aber auch bewusst machen, dassEduard VI. nach Heinrich VIII. kam, dann Maria I. und Elizabeth I., weil Männer immer die Ersten in der Thronfolge sind. Lernen hat nicht nur was mit unseren Köpfen zu tun, es bezieht auch unseren Körper mit ein. Es hängt davon ab, wo wir sind, wie wir uns bewegen. Denken Sie an Schauspieler, die sich große Textmengen merken können, weil sie sich mit ihrem Körper behelfen. Auch Musik kann als Gedächtnisstütze dienen.
Erklären Sie uns das bitte genauer.
Musik arbeitet mit Wiederholungen und mit Rhythmus. Man hat herausgefunden, dass unser Gehirn während des Musikhörens ständig Vorhersagen über den Takt trifft. Diese Vorhersagen basieren auf Lernerfahrungen, und diese Vorhersagefähigkeit ist ausschlaggebend für ein gutes Gedächtnis. Wir können auf diese Weise besser einschätzen, ob wir genügend gelernt haben. Hören wir Musik, während wir lernen, erinnern wir uns später, wenn diese Musik wieder läuft, besser an das Gelernte.
Es macht aber keinen Unterschied, ob wir Bach oder Britney Spears hören.
Nein. Ich weiß, dass es Leute gibt, die behaupten, man müsse Mozart hören, dann werde man klüger. Aber wenn Sie klüger werden wollen, dann müssen Sie lesen, ins Museum gehen, Sie sollten eine Menge dafür tun, aber nicht erwarten, dass eine Sache Sie auf magische Weise schlauer macht.
Und wie können wir unserem Gehirn dabei helfen, sich in der Flut von Informationen zurechtzufinden, also Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden?
Sie müssen eine Beziehung zu Informationen aufbauen, die keinen Zweifel daran lässt, dass Sie die Kontrolle über die Informationen haben und nicht umgekehrt. Dazu gehört auch, nicht andauernd seine E-Mails zu lesen.
Sie meinen, das Internet schadet unserem Denken?
Es hat das Potential, unserem Denkens sehr zu schaden. Viele Menschen haben vergessen, dass die Information nicht so wichtig ist wie die Idee dahinter. Informationen sind eine Ansammlung von Daten, jede Information für sich ist nutzlos, wenn wir sie nicht in einen Zusammenhang setzen und interpretieren können. Informationen als Selbstzweck zu sehen kann sehr gefährlich werden...
...
Zur Person
Daniel Tammet wird am 31. Januar 1979 in London geboren.
Ärzte diagnostizieren bei ihm eine leichte Form von Autismus. Als Kind leidet er unter einer Reihe epileptischer Anfälle, danach tritt plötzlich seine Inselbegabung auf, die ihn befähigt, komplexe Rechenaufgaben zu lösen und innerhalb kürzester Zeit eine neue Sprache zu erlernen.
Menschen wie Daniel Tammet nennt man „Prodigious Savants“. Weltweit gibt es nur etwa fünfzig dieser Genies.
2005 dreht der britische Sender Channel Five einen Dokumentarfilm über Daniel Tammet: „Brainman“ macht ihn bekannt.Heute führt Daniel Tammet ein beinahe normales Leben. Er schreibt Bücher und unterrichtet Englisch. Doch erst ein jahrelanger Lernprozess der sozialen Kodes, die für uns selbstverständlich sind, hat das ermöglicht.
Daniel Tammets neues Buch „Wolkenspringer“ ist kürzlich im Patmos Verlag erschienen.
Freitag, 13. Februar 2009
Relief "Eros und Fabel" - 1.Bildtafel
Das eiskalte, himmlische Reich des König Arctur. Seine Tochter Freya erwacht auf ihrem Lager. Der alte Held schlägt an seinen Schild. Der Vogel Phönix schwebt herab. Die Sternscharen kommen herein.
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"Für guten Unterricht braucht man nicht unbedingt so viel Material."
Es mag schon ein wenig sonderbar anmuten, dass auf einer "Bildungsmesse", auf der es doch hauptsächlich darum geht, dass Firmen, die viel Geld damit verdienen, dass sie die Pädagogen davon überzeugen, möglichst viel teueres Material im Unterricht zu verwenden, dass hier die Waldorfpädagogik plötzlich in den Mittelpunkt rückt. Wo man doch mit ihr kaum Geld verdienen kann:
Den Artikel können Sie hier lesen:
http://www.welt.de/welt_print/article3197070/Vom-Hinterzimmer-ins-Rampenlicht-der-Paedagogik.html
Vom Hinterzimmer ins Rampenlicht der Pädagogik
Von Margita Feldrapp 13. Februar 2009, 03:12 Uhr
Auf der Bildungsmesse Didacta stehen auf einmal die Theorien der Waldorf-Pädagogen im Mittelpunkt
Hannover - Sie können ihren Namen tanzen, jeder Buchstabe eine Bewegung, und sie sagen, für manche Kinder sei das wichtiger, als ihren Namen zu schreiben. Sie halten wenig von Schulbüchern und Computern, nichts von Noten. Bisher wurden sie dafür belächelt, die Waldorf-Pädagogen, und es war ihnen ganz recht. Es gehörte zum Konzept, anders zu sein. Doch plötzlich sind sie diejenigen, die auf der Didacta, der größten Bildungsmesse, einen Weg aus der Bildungsmisere zu wissen scheinen.
Über 700 Verlage und Hersteller von Lernmedien buhlen noch bis Samstag auf 30 000 Quadratmetern in Hannover um die Aufmerksamkeit der Besucher, vor allem Lehrer und Erzieher. ...
Die Didacta bietet dazu einen Themenschwerpunkt der Vereinigung der Waldorfkindergärten an, unterstützt vom Didacta-Verband.
...
Wie eine fremde Welt wirkt dann die von Waldorf-Pädagogen organisierte Sonderschau zu den "Bildungshäusern" im Herzen der Ausstellungsfläche. "Die Zukunft hat begonnen" heißt es auf einem Transparent. Doch die Zukunft kommt reichlich altbacken daher, mit mattgelben Stellwänden und einem Klecks Propolis-Salbe als Werbegeschenk.
Auch bei den Vorträgen liegt ein Schwerpunkt auf der Waldorf-Pädagogik. Als Ansprechpartner trifft man vornehmlich Waldorf-Leute, außerdem Vertreter der Laborschule Bielefeld oder der Sophie-Scholl-Schule Gießen.
Klaus-Peter Freitag, in der Fortbildung für Waldorf-Lehrer tätig, empfängt den Messebesucher mit zerzausten Haaren, als wäre er gerade davon überrascht worden, plötzlich gefragt zu sein. Er erklärt, dass in vielen Waldorfeinrichtungen schon jetzt Kindergarten und Schule auf einem Gelände seien und Erzieher und Lehrer eng zusammenarbeiten. Er sagt Sätze, die hier jeder gerne hört: "Jedes Kind ist anders" oder "Das Kind muss im Mittelpunkt stehen". Man müsse die Schüler respektieren, ihre Bedürfnisse, ihr Lerntempo, es dürfe keinen Druck geben, keine Noten, und bei all dem komme man auch fast ohne Unterrichtsmaterial aus. Grundlage ist die anthroposophische Lehre Rudolf Steiners, eine spirituell geprägte Pädagogik mit ganzheitlichem Anspruch. Die Wertschätzung gegenüber den Kindern gründe, so Freitag, im Reinkarnationsgedanken. Wegen dieses ideologischen Hintergrunds sind Waldorfschulen in Deutschland auch weiterhin ausschließlich unter freier Trägerschaft denkbar. Kritiker weisen darauf hin, dass die Kinder dort abgeschottet werden, unvorbereitet ins Berufsleben gehen - umso erstaunlicher, welche Rolle den Pädagogen auf der Didacta zufällt.
"Vom Hinterzimmer der Pädagogik auf den Marktplatz", witzelt eine Lehrerin. Man dürfe das nicht überbewerten, sagt Annette Schmitt, Psychologin an der Universität Bremen. Es gebe Bereiche, in denen die klassische Pädagogik positive Elemente der Waldorf-Pädagogik übernehme, mehr aber nicht. Die Gräben seien weiterhin tief, auch wenn das bei der Didacta auf den ersten Blick anders aussehe. In einem - eher marginalen Punkt - stimme aber auch sie mit den Reformpädagogen überein: "Für guten Unterricht braucht man nicht unbedingt so viel Material."
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Freitag, 6. Februar 2009
"Musik ist Schlüssel zum Lernerfolg"
Wenn solche Dinge einmal in die Welt gesetzt werden, dann besteht immer die Möglichkeit, dass sie sich in irgendwelchen Köpfen festsetzen und irgendwann doch zum Tragen kommen.
Das Lernverhalten der Kinder ist ein ganz anderes, wenn die Schule morgens mit Musik, Gesang und Rezitation beginnt. Das Künstlerische Tun bereitet die Kinder innerlich auf den gedanklichen Lernprozess vor.
An der unten folgenden Meldung kann man erleben, wie waldorfpädagogische Gesichtspunkte in die öffentlichen Schulen einfließen und als belebendes Ferment wirken.
Die Waldorfpädagogik hat immer die Tradition des Musikalischen bewahrt und seine pädagogische Bedeutung ins Bewusstsein gehoben. So kann dieses Element nun in das ganze Schulwesen zurückfließen. Man kann darin auch einen Sinn der Waldorfschulen sehen, dass sie etwas pflegen und entwickeln, was schließlich allen Schülern zugute kommt.
Unter dem Titel:
"Musik ist Schlüssel zum Lernerfolg"
berichtet in der Braunschweiger Zeitung eine in den Ruhestand gehende Grundschul-Rektorin:
>>Schon an der Hans-Würtz-Schule war ihr das Fach Musik, die musikalische Gemeinsamkeit besonders wichtig. "Musik fördert Kompetenzen wie die Feinmotorik und auch die emotionale Entwicklung. Sie ist der Schlüssel zu Lernerfolgen", unterstreicht Heike Zeiss.
"Der Musikunterricht fällt nie aus!" Dieser Satz galt für sie deshalb auch an der Grundschule....
"Mit Freude sehe ich heute, dass viele Kolleginnen durch Fortbildungen und Auffrischen von musikalischen Fähigkeiten das Singen und Musizieren der Kinder weiter fördern werden...<<
Braunschweiger Zeitung - 31.1.2009, Seite 16
Samstag, 31. Januar 2009
Tätige Liebe
unter diesem Titel hielt Frau Barbara Brunnenkant aus Mannheim in Braunschweig einen Vortrag.
In diesem sprach sie davon, dass Kinder natürlich auch die Liebe ihrer Eltern brauchen.
Sie unterschied dabei zwei Formen der Liebe: die seelische Liebe und die tätige Liebe.
Fast alle Eltern sprechen davon, dass sie ihre Kinder lieben; sie meinen damit die seelische Liebe.
Viele Eltern äußern andererseits z.B.: "Ach, was bin ich froh, dass die Kinder jetzt älter sind und ich nicht mehr diese oder jene Mühe habe.."
Die tätige Liebe zeigt sich darin, dass man alle Tätigkeiten liebt, die das geliebte Kind einem abverlangt, ob sie nun mühevoll sind oder nicht.
Die seelische Liebe bewegt sich in einem nebulösen Bereich, man kann sie leicht empfinden, vielleicht auch erträumen.
Die tätige Liebe ist reine Lebenspraxis. An ihr muss sich die seelische Liebe messen lassen, bewähren.
Mittwoch, 28. Januar 2009
Salz des Lebens
Gandhi als Träger eines modernen Bewusstseinselementes in Indien, machte ja auch gerade die Salzfrage zu einem Politikum.
Rudolf Steiner in einem Vortrag zur Kindererziehung:
"Und da handelt es sich darum, dass man ... in der Tat sich klarzumachen hat, dass zum Beispiel auf das Nerven-Sinnessystem in günstiger Weise gewirkt werden kann, wenn man gerade die richtige Kochsalzmenge den Speisen beizubringen weiß, die die Kinder zu genießen haben. So dass also, wenn man bemerkt, ein Kind ist gewissermaßen leicht dazu geneigt, unaufmerksam zu sein, flüchtig hinwegzugehen über dasjenige, was man als Lehrer entwickelt vor dem Kinde - das Kind ist, man könnte auch sagen, zu sehr ein Sanguiniker oder ein Phlegmatiker -, dann wird man auf irgendeine Weise es bewirken müssen, dass das Kind die Bildekräfte angeregt bekommt, die es befähigen, stärker aufmerksam zu sein auf die Außenwelt, und das geschieht durch Beibringung des Salzigen."
GA 300 b, S 258
Bei allen Fragen der Ernährung, muss man immer wieder betonen, dass ein gesund entwickelter Geschmackssinn der beste Ratgeber ist. Der Kopf kann dabei weniger die Richtung weisen. Er kennt nur die Gedanken über die Ernährung. Der Geschmackssinn aber ist der Bote des Organismus, er weiß über die Wirkungen im individuellen Körper Bescheid und gibt die besten Ratschläge.
DIE WELT - WELT ONLINESalz des Lebens
Von Oliver Stenzel 23. Januar 2009, 02:52 Uhr
Der Konsum von Kochsalz ist lebensnotwendig - Auf den Blutdruck wirkt er sich deutlich weniger aus als bislang gedacht
Hohenheim/Dresden
- Ein häufiger Satz zum Frühstücksei: "Salz nicht so viel!" Lange Zeit hieß es, Kochsalz treibe den Blutdruck in die Höhe. Mittlerweile sehen manche Forscher dies skeptisch. Kein Zweifel besteht aber darin: Ohne Salz würde der Wasser- und Nährstoffhaushalt des Körpers nicht funktionieren.
..Salzmangel mache sich etwa durch Müdigkeit, Schwindel und Verwirrung bis hin zu Desorientiertheit bemerkbar. Ein akuter Mangel kann sogar zu einem Kreislaufkollaps führen ...
In Deutschland nimmt ein Mann im Schnitt 8,78 Gramm Salz pro Tag zu sich und eine Frau 6,33 Gramm, ergab die Nationale Verzehrsstudie II des Max-Rubner-Instituts (MRI). ...
"Sehr salzreich sind auch Fertigprodukte, vor allem Konserven", sagt Walter Zidek, Direktor der Klinik für Nephrologie an der Berliner Charité.
Bleibt die Frage, wie viel Salz nun gesund ist. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn nennt sechs Gramm pro Tag für Jugendliche und Erwachsene als Richtwert. Als Obergrenze definiert sind zehn Gramm. "Ab dieser Menge muss man in Einzelfällen damit rechnen, dass es negative gesundheitliche Folgen hat", sagt Antje Gahl von der DGE. Diese Formulierung spiegelt auch wider, dass der Salzkonsum mittlerweile nicht mehr generell als Ursache für Bluthochdruck (Hypertonie) gesehen wird. "Es gibt bis heute keine verlässliche Studie, die nachweist, dass der durchschnittliche Salzverzehr in der gesunden Bevölkerung der Entwicklung eines Bluthochdrucks Vorschub leistet", sagt Resch. Bluthochdruck könne viele Ursachen haben. "Und es gibt viele Möglichkeiten, ihn zu verringern."
Kochsalzreduzierung sei dabei eine der am wenigsten wirksamen. Schon bei einer Gewichtsabnahme von vier bis fünf Kilo sei der Effekt auf den Blutdruck doppelt bis dreimal so groß wie bei allem, was durch Salzreduktion erreichbar sei. ...
Einheitlich sind die Empfehlungen zum Salzkonsum nicht. Während Zidek sagt, dass eine salzreduzierte Ernährung niemandem schade, rät Resch von streng kochsalzarmer Kost ab. "Solange jemand gesund ist und einen einigermaßen normalen Blutdruck hat, muss er sich um den Salzkonsum keine Gedanken machen", sagt Resch. Auf der sicheren Seite scheint man bei einer Ernährung mit vielen frischen Zutaten und wenig Fertigprodukten zu sein - auch wenn man dabei nicht besonders auf das Salz achtet. "Bei einer solchen Ernährung sinkt der Salzkonsum automatisch", sagt Zidek. Darüber hinaus enthalten frisches Obst und Gemüse vermutlich Antioxidantien, die blutdrucksenkend wirken.
Samstag, 24. Januar 2009
Aus Briefen an einen Klassenlehrer
Wie kann es sein, dass hier nicht in großem Umfang die Menschen auf die Barrikaden gehen und eine Wende herbeiführen? Menschlichkeit muss doch als Wert immer gelten; sie ist doch der einzig mögliche Maßstab für all unser Tun. Man kann sie doch nicht nur für Kinder in der 3.Welt oder für die Tiere fordern. Wir brauchen sie doch täglich für unsere Kinder. Was treibt uns dazu das alles einfach hinzunehmen?
Briefe von unglücklichen Eltern und Kindern der öffentlichen Regelschule:
Hier zunächst aus einer ärztlichen Bescheinigung:
„Es bestehen große Schulprobleme...Gleichzeitig beschrieb der Junge psychosomatische Beschwerden wie Bauchschmerzen und Angstgefühle ...Er ist ein organisch gesundes, hochbegabtes Kind....Der Auffälligkeiten wegen in den Bereichen Prüfungsängste, Alltagsängste, Schulunlust sowie der manifesten depressiven Grundstimmung habe ich die Konsultation eines Kinderpsychiaters empfohlen...“
„seelisch angeschlagen, großer Druck von außen durch Schule und Klassenkameraden...“
„Körperliche und seelische Belastung durch die Schule...“
Weiterlesen:
„Stressbedingtes häufiges Kranksein....will immer gut sein, alles gut machen und macht sich einen viel zu großen Druck bei den immer häufiger werdenden Arbeiten, Tests, er kann dann nicht schlafen. Geht mit Bauchschmerzen in die Schule, er wird daraufhin krank, reagiert mit Asthma. Hat immer weniger Lust zur Schule zu gehen. Wenn wir jetzt schon beobachten, was der Stress auslöst, denken wir mit großen Sorgen an die weiterführenden Schulen, wo es ja bekanntlich noch viel auszehrender wird!!
„..zu großer Druck auf die Kinder, offensichtliches Desinteresse der Lehrer ..“
„ er (ist) dem Leistungsdruck in seiner Schule kaum mehr gewachsen. Durch das schlechte Lernklima in seiner Klasse tritt (er) immer lustloser seinen Gang in die Schule an, so dass er nur mit viel Überredungskünsten und Tränen zur Schule geht.
Sonntag, 18. Januar 2009
"Wenn die Abweichung von der Norm zur Störung wird" (ADHS)
Dass man das Verhalten von Kindern medikamentös steuert, gehört zu den einschneidensten Neuerungen in Pädagogik und Medizin in den letzten Jahrzehnten.
Die Verabreichung von Medikamenten in diesem Zusammenhang ist ein schwerwiegender Eingriff in das Wesen eines Kindes.
Man kann schwerlich direkt verstehen oder erklären, was durch diese chemischen Substanzen (z.B. Ritalin) in den Kindern geschieht. Deshalb möchte ich versuchen, es mit einem Vergleich darzustellen:
Der Bauer stellt fest, dass auf seinem Felde übermäßig viel Unkraut wächst. Er weiß sich nicht zu helfen. Nun wird ihm nicht von den Fachleuten geraten, dass er eine Hacke nehmen und sich gefälligst an die Arbeit machen solle, um das Unkraut zu beseitigen. Nein, man sagt zu ihm, er müsse ein Dach über das Feld bauen, damit es möglichst dunkel wird und er würde schon bald feststellen, dass kein Unkraut mehr wächst.
Die Fachleute hatten recht, es wuchs bald kein Unkraut mehr. Aber auch kein Weizen.
Da es sich bei dem Verhalten von Kindern in Wahrheit um seelisch-geistige Vorgänge handelt, bemerkt man leider die Folgen der Verabreichung dieser chemischen Substanzen nicht. Man merkt nicht, dass man die im Menschen-Inneren strahlende Sonne der Ich-Kraft gleichzeitig mit auslöscht und dem Kind für die Zeit der Verabreichung alle wirklichen, Ich-haften Entwicklungsmöglichkeiten nimmt.
Aber dieser Gesichtspunkt entzieht sich dem Verständnishorizont heutiger Wissenschaft. In Wahrheit muss Erziehung und Unterricht das Ich des Kindes erreichen, es wecken, stärken und ernähren. Dann beginnt dieses Ich aktiv zu werden und kann selbst - wenn auch auf einer Ebene, die sich dem Bewusstsein zunächst entzieht - eingreifen in die Psyche, die Seele, den Leib und kann die Maßnahmen ergreifen, die ein Mensch für die Gestaltung eines vernünftigen Lebensweges braucht.
Wenn die Abweichung von der Norm zur Störung wird
- WELT ONLINE
Von Wieland Freund 18. Dezember 2008, 01:52 UhrNach dem Tod eines 16-Jährigen stellt sich die Frage: Wird mit AD(H)S eine Krankheit konstruiert?Skandal oder kein Skandal? .... ein 16-Jähriger aber hat sich im Dezember 2005 tatsächlich umgebracht. Er war nach "Frontal"-Recherchen wegen psychischer Erkrankungen mit Strattera behandelt worden - die Suizidalität dieses Medikaments ist seit Jahren bekannt. Ist das ein Medienskandal? Ein Fall von öffentlich-rechtlichem Alarmismus?
Der GEK-Arzneimittelreport spricht dagegen. Ihm zufolge wird in der Gruppe der Elf- bis 14-Jährigen mittlerweile mehr Geld für ADHS-Medikamente als für Erkältungsmittel ausgegeben. 400 000 Mal sei die Diagnose ADHS in Deutschland bisher gestellt worden, heißt es. Eine andere Quelle besagt, etwa jedes 20. Kind sei betroffen. Sind Aufmerksamkeitsdefizite (AD) und Hyperaktivität (das H in ADHS) die Reaktion der Kinder auf eine überreizte, hyperaktive Welt und damit eine Zivilisationsstörung? Oder ist ADHS womöglich ein gesellschaftlicher Virus - von der Informationsgesellschaft übertragen wie die Schlafkrankheit von der Tsetsefliege? Wohlgemerkt: Das "Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom mit oder ohne Hyperaktivität" wird nicht im Labor, sondern durch Fragebögen diagnostiziert, die für ein und dasselbe Kind - je nachdem, wer die Bögen ausgefüllt hat, Eltern, Lehrer oder Erzieher - zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen führen können. ADS beginnt somit da, wo die Abweichung von einer Verhaltensnorm groß genug scheint, um als Verhaltensstörung gelten zu können. Die Norm selbst allerdings ist, anders als ein Blutwert, nicht absolut, sondern eben relativ - das Ergebnis einer gesellschaftlichen Setzung. Wenn aber jedes 20. Kind als verhaltensauffällig oder verhaltensgestört gilt, liegt dann nicht der Verdacht nahe, dass nicht oder nicht allein die Kinder sich verändert haben, sondern vor allem die Norm eine andere ist?
Die Mainzer Sonderpädagogin Claudia Roggensack spricht in ihrem Buch "Mythos ADHS" von der "Konstruktion einer Krankheit". In einer Zeit "relativ hoher gesellschaftlicher Toleranz von Medikamenten als einfachsten Mitteln zur Problemlösung" scheine es naheliegend, schreibt sie, "eine vermeintliche Abweichung von gesellschaftlich erwünschten Normen auf unproblematische Weise zu regulieren." Das allerdings setze voraus, dass die Abweichung den Status einer Krankheit erhalte. "Denn erst das Vorhandensein einer klar diagnostizierbaren Krankheit erlaubt die Behandlung mit entsprechend medikamentösen Mitteln. Ist aber erst einmal abweichendes Verhalten generell zur Krankheit stilisiert worden, so wird man unschwer aller Orten auf diese Krankheit stoßen." Dem "Deutschen Ärzteblatt" zufolge stieg der Verbrauch von Methylphenidat - besser bekannt als das Psychopharmakon Ritalin - allein zwischen 1993 und 2001 von 34 auf 639 Kilo.
Wie viele der zu einem solchen Mengenverbrauch nötigen Rezepte aber sprechen die Sprache jener "anderen Art des Wahnsinns", die der Philosoph Michel Foucault beschrieben hat - "dieser anderen Art, in der die Menschen miteinander in der Haltung überlegener Vernunft verkehren, die ihren Nachbarn einsperrt, und in der sie an der gandenlosen Sprache des Nicht-Wahnsinns einander erkennen"?
Selbst die "Süddeutsche Zeitung", eigentlich doch einem Medienskandal auf der Spur, gesteht ein, dass die Hälfte der fast 400 000 ADS-Diagnosen in Deutschland nicht belegt ist. Das macht 200 000 auf Verdacht diagnostizierte, zum Teil schwer medikamentierte Kinder und Jugendliche. Ist das Doping für die Bildungsrepublik? Wird "Ritalin oder nicht?" zur elterlichen Gewissensfrage - so wie die auf Spielplätzen vorgetragene irrwitzige Dichotomie der Erziehungsziele "Charakter" oder "Karriere"?
Der Mentalitätswandel scheint radikal. Nach 1945 machte eine gewisse Pippi Langstrumpf Karriere, eine, wie Astrid Lindgren, schreibt, "umtriebige Natur", die weder rechnen will noch rechtschreiben kann, "Plutimikation" sagt und "WAS IR WOLT" meint. Die Ur-Pippi war aus dem Geist des experimentellen Nonsens der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geboren und wurde mit der Kulturrevolution der Sechziger- und Siebzigerjahre zur Ur-Figur kindlicher Freiheit. Heute bekäme eine reale Pippi wohl Ritalin verschrieben - so wie auch Tom Sawyer, Winnie Puhs quirliger Freund Tigger und der berühmte Zappelphilipp aus Heinrich Hoffmanns "Struwwelpter".
Hoffmann übrigens, zu Zeiten der antiautoritären Bewegung verschrien, war Nervenarzt. Dennoch traute er den Kindern die Fähigkeit zur Einsicht und den Eltern den Willen zur Erziehung zu. "Seht, ihr lieben Kinder, seht, / Wie's dem Philipp weiter geht", heißt es im "Struwwelpeter". Vor einer Generation galt dergleichen noch als Raubein-Pädagogik. Heute müsste Hoffmann beinahe als Kümmerer und Erziehungsoptimist gelten, der statt des Pillendöschens den Zeigefinger schwingt.
Keine Frage: Die Nöte von Kindern und Eltern sind real. Nagende Unsicherheit, zerbrochene Familienstrukturen, enge Räume, schnelle Wechsel, grelle Reize und eine in ihrer Komplexität kaum noch überschaubare Gesellschaft machen ihnen schwer zu schaffen.
Sonderpädagogin Claudia Roggensack spricht in diesem Zusammenhang von einer "großen Erziehungsunsicherheit" der Eltern, zu der die antiautoritäre Bewegung auch noch beigetragen haben mag. Und dennoch: Nicht die vielleicht zweifelhafte Recherche eines Fernsehmagazins, sondern 400 000 ADS-Diagnosen sind der Skandal. Denn ADS wird nicht wie die Schlafkrankheit übertragen, sondern eher wie die "weibliche Hysterie" in den Anfängen der Frauenbewegung.
Sonntag, 11. Januar 2009
Computer-Kinder
Aus: The Economist (Großbritannien),
02.01.2009
In einem sehr interessanten Artikel geht es um die "Generation Net" und nicht zuletzt darum, welche Schwierigkeiten die älteren Chefs mit der nachdrängenden Netz-Generation haben: "Die Netz-Generation ist mit Computern aufgewachsen; die 'Generation Net'ler sind voller Selbstvertrauen; und sie finden nichts dabei, hergebrachtes Wissen in Frage zu stellen und eigene Lösungen zu suchen; sie begreifen Arbeit eher als einen Weg zu persönlicher Erfüllung denn nur zum Broterwerb. Das macht den Umgang mit ihnen nicht immer einfach. Chefs beschweren sich, dass die Angehörigen dieser Generation als Kinder immerzu umhegt und gelobt worden sind und jetzt viel öfter Feedback verlangen und die ganz genauen Bedingungen zum beruflichen Aufstieg kennen wollen (ungefähr so wie beim Vorankommen in Computerspielen)."
Quelle:http://www.perlentaucher.de/magazinrundschau/2009-01-06.html
Samstag, 10. Januar 2009
Formales, statt Lebendiges
Alles, was sich dazwischen stellt, was diesen Lebensstrom hemmen will, was diesem Maßstab nicht gerecht wird, versuche man mit heftigster Kraft auszumerzen.
Wo es gilt, eine äußere Form oder Regelung zu erfüllen, stellt sich die ernste Frage, ob man dabei noch dem Kind und auch der Sache wirklich gerecht wird.
Sogar manche gut gemeinte Regeln einer Schulordnung neigen im Leben zu Erstarrung.
Mit jeder neuen Schülergeneration verschärft sich die Frage, wie weit jungen Menschen mit ihren weit fortgeschrittenen Bewusstseinskräften starre, traditionelle Regelungen noch zu vermitteln sind. Man mag sich noch einige Zeit auf Gesetze oder Rechte, Vorschriften usw.berufen, aber innerlich errötet die Seele, aus Scham über viele lebensfremde Vorgänge.
Heftigsten Schmerz wird man verspüren, wenn etwas auftaucht, was nicht in Wahrheit dem Kind und seiner Entwicklung dient, was nicht der Liebe zum Kinde entsprossen ist.
Verdrängung
Das Kind geht trotz vieler Misserfolge gerne zur Schule, läuft fröhlich durch die Welt und meint von sich, dass es im Grunde doch alles könne.
Im Gespräch stellte man fest, dass das Kind ein Meister der Verdrängung sei. Es habe richtiggehend Techniken entwickelt, um Arbeit zu vermeiden. Die Lernrückstände würden so immer größer. Seine Einstellung sei ein Schutz und bewahre ihm so noch immer eine recht glückliche Kindheit.
Die Haltung der Erwachsenen bei diesem Gespräch erschien souverän und gefasst. Man hatte die Sache analysiert und blickte auf das Kind, als hätte es ein besonderes Problem, das man nicht befürworten könne und wo man Abhilfe schaffen müsse.
Auf der Heimfahrt nach diesem Gespräch blickte der Schreiber dieser Zeilen auf das Gespräch zurück und begann immer nachdenklicher zu werden. Zeigte sich an dem Kind nicht eine Angelegenheit, in der wir alle schon Lebensmeister geworden waren: Verdrängung. Wer blickt denn den Aufgaben, die ihm das Leben, der Beruf, die Familie usw. in Wirklichkeit stellt, wachen Sinnes ins Auge? Haben wir nicht auch Wege entwickelt, relativ glücklich zu leben, ohne dass wir viele Dinge anpacken würden, die wir längst hätten bewältigen müssen? Haben wir mit dem Jahreswechsel, das Klassenziel des letzten Jahres erreicht, oder sind wir in Wirklichkeit doch nicht viel weiter, als wir es ein Jahr zuvor waren ?
Mir fiel es wie Schuppen von den Augen. Das Kind, bzw. das Gespräch hatte mich wieder einmal tüchtig belehrt!
Samstag, 20. Dezember 2008
"Ein rechter Lehrer ist"
Ein rechter Lehrer ist,
wer pilgernd alle Stätten
Von Gangas Quellenmund
hat bis ans Meer betreten;
An jedem heil'gen Strom,
der in die Ganga mündet,
Hat im Gebet gekniet
und sich im Bad entsündet!
Und dann zur Einsamkeit
den Duft zurückgebracht
Von Gottes Gnadenfüll'
und seiner Schöpfung Pracht.
Und in der Einsamkeit
das helle Bild entfaltet
Von Gottes Herrlichkeit,
die durch die Schöpfung waltet.
Auf seines Mundes Wort
mag wohl ein Schüler lauschen,
Vereinigt hört' er dort
die heil'gen Ströme rauschen.
Friedrich Rückert, Die Weisheit des Brahmanen
Freitag, 19. Dezember 2008
Jungen lernen durch Ausprobieren und nebenbei
RATGEBER SCHULEJungen lernen durch Ausprobieren und nebenbei
PETER STRUCK
Vor einigen Wochen hat das Bundesbildungsministerium eine Expertise veröffentlicht, in der es um die Frage geht, warum bei uns vor allem Jungen in den Schulen scheitern. Interessant ist, dass Jungen genauso gut wie die Mädchen lernen, wenn es keine Noten gibt, das währt in Bayern ein Jahr, in Hamburg zwei Jahre, in den Rudolf-Steiner-Schulen zehn Jahre, in Dänemark sieben Jahre, in Norwegen und Schweden acht Jahre.
Kaum beginnen die Schulen aber mit Noten, bleiben die Mädchen so gut im Schnitt wie zuvor, die Jungen stürzen jedoch ab. Die Hirnforscher sagen uns, dass alle Tiere vor allem durch Um- und Irrwege lernen. Seit mehr als 100 Jahren sprechen wir vom Lernen durch "trial and error", durch "Versuch und Irrtum". Spannend wird es aber, wenn zugleich festgestellt wird, dass 40 Prozent der Mädchen durchaus "hauptsächlich" lernen können; also durch Zuhören, Lesen und Sehen, während 60 Prozent besser durch "Ausprobieren und nebenbei" lernen können. Mit Intelligenz hat das jedoch gar nichts zu tun.
Bei Jungen ist es dramatischer: 90 Prozent können gut durch Ausprobieren und nebenbei lernen, aber zehn Prozent können auch hauptsächlich lernen. Lernen durch Handeln und Fehler-machen-Dürfen bringt also mehr als Lernen durch Zuhören. Skateboard fahren oder Tore schießen lernen kleine Kinder eben nicht über Lesen oder Vorträge, sondern indem sie es tun. Und deshalb sagen die Hirnforscher, dass mit dem frühen Beginn der Noten in der Schule die Zukunft unserer Gesellschaft weiblich sein werde, mit Angela Merkel und der deutschen Damenfußballnationalmannschaft habe es schon angefangen. Wenn man auch die Jungen zu hochwertigen Schulabschlüssen bringen will, darf man mit den Noten erst in Klasse 9 beginnen, wie es die Norweger und Schweden richtig machen!Info:
Prof. Dr. Peter Struck, Autor des Buchs "Die 15 Gebote des Lernens" ("Primus Verlag") von der Fakultät für Erziehungswissenschaft beantwortet Ihre Fragen. E-Mail erziehung@mopo.de
Samstag, 6. Dezember 2008
Praktische Ausbildung des Denkens
"Aber auch nach anderer Richtung können wir unsere Denkpraxis schulen. Irgendein Ereignis, das heute geschieht, steht auch in Beziehung zu dem, was gestern geschehen ist, zum Beispiel irgendein Junge ist ungezogen gewesen; welches können die Ursachen sein? Wir verfolgen die Ereignisse zurück von heute auf gestern, wir konstruieren uns die Ursachen, die wir nicht wissen. Wir sagen uns: Ich glaube, weil heute dies geschieht, so hat sich das gestern oder vorgestern durch dieses oder jenes vorbereitet.
Man unterrichtet sich dann darüber, was wirklich geschehen ist, und erkennt dadurch, ob man richtig gedacht hat. Hat man die richtige Ursache gefunden, so ist es gut; hat man sich eine falsche Vorstellung gemacht, so versuche man, sich die Fehler klarzumachen und zu finden, wie der Gedankenprozess sich entwickelt hat und wie die Sache in der Wirklichkeit abgelaufen ist."
Freitag, 5. Dezember 2008
Eltern und Waldorfschule
Und wenn die Eltern unserer Kinder das einsehen, dass wir ja eigentlich arbeiten wollen, um in den nächsten Jahrzehnten Menschen hinzustellen, die für das immer schwerer werdende Leben tüchtig sind, die aber auch noch Fragen haben können an das Leben, dann stehen die Eltern in der richtigen Weise zu unserer Schule. Denn wir müssen auf diesem Verständnis der Eltern aufbauen. [...] In dem Bewußtsein können unsere Lehrer am besten unterrichten. Wir hier lieben unsere Kinder, wir unterrichten aus Menschenverständnis und Kinderliebe heraus, und um uns herum baut sich auf eine andere Liebe, die Liebe der Eltern zu diesem unserem Schulwesen. In dieser Gemeinschaft nur können wir gegenüber dem, was heute an Unverstand und auch an bedenklicher Sittenentfaltung vorhanden ist, wirklich weiter arbeiten zu einer gedeihlichen Menschenzukunft. [...]
Aus: Rudolf Steiner, Ansprache am Elternabend, 13.1.1921, GA 298, S. 77-79
Sonntag, 16. November 2008
Die sechs Schwäne
Gestern wurde in der Schule das Märchen von den „Sechs Schwänen“ eurythmisch aufgeführt. Ein besonderer Reiz der Aufführung lag in der Zusammensetzung der Gruppe aus jüngeren und älteren Schülern. Alles war sehr gründlich ausgearbeitet und die Kinder lebten ganz in ihren Rollen.
Die Weisheit, die in dem Märchen steckt, regt zu vielen Überlegungen an. Wieder einmal ist es ein Mädchen, das seine Brüder erlöst.
Man wird auf ein Geheimnis hingewiesen, das zwischen dem Männlichen und dem Weiblichen webt. Wie schnell erliegt das Männliche einer Verzauberung und offenbart dann eine tierische Gestalt. Die Erlösung kommt von der Schwester, der weiblichen Seele. Nicht allein kann sich das Männliche aus der Verzauberung erlösen. Sobald es für eine Viertelstunde seine menschliche Gestalt annehmen darf, findet es sich in einem Räuberhaus wieder. Die Erlösung durch die Schwester erfolgt durch Schweigen. Es arbeitet an einem neuen Gewand, einer neuen Hülle für die Brüder, aber sie muss dabei schweigen - ein schwerer Weg. Durch die Übung dieser Tugend entsteht soviel Kraft, dass die Verzauberung gelöst werden kann.
So webt es auch geheimnisvoll in einer Schulklasse zwischen Jungen und Mädchen. Die Jungen erlebt man verstrickt in vielerlei Schwierigkeiten, ihr wahres Sein kann sich kaum offenbaren. Viele Mädchen ertragen diese Unarten mit schweigender Geduld. So wird der Ausgleich geschaffen. Deshalb ist wohl auch die Ausgewogenheit der Anzahl von Jungen und Mädchen in einer Klasse ideal.
Donnerstag, 13. November 2008
Zum Nikolaus Tag
Bei uns muss der Nikolaus immer über den Schulhof gehen, damit er von einem Gebäude ins andere kommt. Von manchen Klassenzimmern aus kann man den Schulhof sehen. Ein neugieriger, erwartungsvoller Schüler sieht den Nikolaus durchs Fenster und ruft: "Der Papst kommt!"
Freitag, 24. Oktober 2008
Autorität und Rechtschreibung
"...Nun handelt es sich darum, in Bezug auf eine solche Sache vor allem die richtige Gesinnung zu haben. Man kann ja selbstverständlich nicht eine beliebige Orthographie wuchern lassen, aber man kann wenigstens wissen, wie in Bezug auf diesen Gegenstand der eine und der andere Pol sich verhalte. Würden die Leute schreiben können, nachdem sie Schreiben gelernt haben, was sie hören an andern oder an sich selbst, so wie sie es hören, so würden sie sehr verschieden schreiben. Sie würden eine sehr verschiedene Orthographie haben, würden sehr stark individualisieren. Das würde außerordentlich interessant sein, aber es würde den Verkehr erschweren. Auf der andern Seite liegt das vor für uns, dass wir nicht nur unsere Individualität im menschlichen Zusammenleben entwickeln, sondern auch die sozialen Triebe und die sozialen Gefühle. Da handelt es sich darum, dass wir einfach vieles von dem, was in unserer Individualität sich offenbaren könnte, abschleifen an dem, was wir um des Zusammenlebens willen mit den andern entwickeln sollen. Aber wir sollten von dieser Tatsache ein Gefühl haben, und dieses Gefühl sollte mit uns heranerzogen werden, dass wir so etwas nur tun aus sozialen Gründen. Daher werden Sie, indem Sie den Schreibunterricht hindirigieren zum Orthographieunterricht, ausgehen müssen von einem ganz bestimmten Gefühlskomplex. Sie werden das Kind immer wieder und wieder darauf aufmerksam machen müssen ich habe das schon von einem andern Gesichtspunkt aus erwähnt , dass es Achtung, Respekt haben soll vor den Großen, dass es hineinwächst in ein schon fertiges Leben, von dem es aufgenommen werden soll, dass es daher das zu beachten hat, was schon da ist. Von diesem Gesichtspunkte aus muss man versuchen, das Kind auch in so etwas einzuführen, wie es die Orthographie ist. Man muss mit dem Orthographieunterricht parallelgehend ihm entwickeln das Gefühl des Respektes, des Achtens desjenigen, was die Alten festgesetzt haben. Und man muss Orthographie nicht ehren wollen aus irgendeiner Abstraktion heraus, etwa wie wenn die Orthographie durch eine göttliche ...Gesetzmäßigkeit da wäre - gleichsam aus dem Absoluten heraus, sondern Sie müssen in dem Kinde das Gefühl entwickeln: Die Großen, vor denen man Respekt haben soll, die schreiben so, man muss sich nach ihnen richten. Dadurch wird man allerdings eine gewisse Variabilität in die Rechtschreibung hineinbringen; aber das wird nicht überwuchern, sondern es wird eine Anpassung des heranwachsenden Kindes an die Erwachsenen da sein. Und mit dieser Anpassung sollte man rechnen. Man sollte gar nicht den Glauben hervorrufen wollen: So ist es richtig, und so ist es falsch , sondern man sollte nur den Glauben erwecken: So pflegen die Großen zu schreiben , also auch da auf die lebendige Autorität bauen."
Aus: Rudolf Steiner, Erziehungskunst - Methodisch-Didaktisches
Dienstag, 21. Oktober 2008
Zweites Tabu-Wort: Autorität
In Zusammenhang mit der moralischen Erziehung ist auch das Thema "Autorität" zu betrachten. Rudolf Steiner sprach immer von der liebevollen Autorität. Eben nur in dieser Verbindung mit der Liebe kann der Begriff für die heutige Zeit und die heutige Kindheit neu gegriffen werden. Und eine neue Anschauung und Praxis in dieser Hinsicht brauchen wir:
"Kein Unterricht verläuft im richtigen Fahrwasser, der nicht begleitet ist von einer gewissen Pietät gegen die vorangehende Generation. So gefühls und empfindungsmäßig diese Nuance bleiben muss, so muss sie doch mit allen Mitteln bei den Kindern kultiviert werden: dass das Kind mit Achtung, mit Respekt hinschaut auf das, was die älteren Generationen schon erreicht haben und was es auch durch die Schule erreichen soll. Dieses Hinschauen auf die Kultur der Umwelt mit einer gewissen Achtung, das muss in dem Kinde gleich von Anfang an erregt werden, so dass es wirklich –in denjenigen Menschen, die schon älter geworden sind, gewissermaßen etwas höhere Wesen sieht. Ohne die Erweckung dieses Gefühls kommt man im Unterricht und in der Erziehung nicht vorwärts..."
Aus: Rudolf Steiner,Erziehungskunst – Methodisch-Didaktisches, S. 52 f
"Wenn Sie in der 7. und 8. Klasse nur fertig kriegen, dass die Kinder das Autoritätsgefühl nicht verlieren! Das ist das Allernotwendigste. Das erreicht man aber am besten dadurch, dass man auf die Art, wie die Kinder sind, in höchst vorsichtiger Weise eingeht und sich doch wiederum gar nichts vergibt. Also nicht bei den Kindern wie ein Pedant erscheinen, nicht wie einer, der Lieblingsmeinungen hat. Man muß den Kindern scheinbar nachgeben, in Wirklichkeit aber gar nichts nachgeben. Gerade in dem 7. und 8. Schuljahr kommt es sehr, sehr auf die Art der Behandlung an. Da darf man sich in keiner Minute etwas vergeben, so dass die Kinder nicht hinausgehen und über den Lehrer spotten. Die Kinder müssen immer ehrgeizig darauf sehen wenn ich den Ausdruck brauchen darf, er betrifft nicht einen üblen Ehrgeiz, dass sie ihren Lehrer verteidigen und glücklich sind, daß sie diesen Lehrer haben. Das kann man doch bei den stärksten Rangen entwickeln. Man kann nach und nach das entwickeln, dass die Kinder den Drang haben, ihren Lehrer zu verteidigen, weil das ihr Lehrer ist. ...
Aus: Rudolf Steiner, Konf. I , S. 77 25.9. 1919
Sonntag, 28. September 2008
Ein Tabu-Wort: Moralität
Menschen klagen über Gewalt, Respektlosigkeit und schlechtes Benehmen bei Kindern und Jugendlichen. Gleichzeitig ist es fast schon verpönt, davon zu sprechen, dass Kinder eine moralische Erziehung brauchen.
Im Grunde ist diese heute nötiger denn je, da Religion oder Tradition als Lebensrahmen und Verhaltensnormierer keine Rolle mehr spielen. Und die Medien leben davon, negative Verhaltensweisen besonders hervorzuheben.
Die Intelligenz-Entwicklung ist bei den heutigen Generationen im Durchschnitt schon sehr weit fortgeschritten. Die Moral-Entwicklung setzt bei jedem Menschenwesen immer wieder bei Null an und muss sich an den Lebenserfahrungen entwicklen und reifen.
In Haus und Schule sollte deshalb die moralische Erziehung mindestens eine ebenso große Rolle spielen, wie die gesamte praktische, künstlerische und intellektuelle Erziehung.
„...Für Rudolf Steiner gipfeln die Aufgaben der Erzieher und der Unterrichtenden in demjenigen, was sie für die moralische Lebenshaltung der ihnen anvertrauten Jugend erreichen können. Auch er ist der Auffassung, dass der Moralunterricht alles durchdringen müsse und dass eine abgesonderte Moralunterweisung viel weniger erreichen könne als die Orientierung aller übrigen Erziehung und alles übrigen Unterrichts auf das Moralische hin. Man könne, so meint er, eine moralische Grunderziehung nur bewirken, wenn man auf das Gefühlsleben ziele, und auf dieses wirkten nicht abstrakte Maximen und Ideen, sondern Bilder. Darum habe man im Unterricht Bilder des menschlichen Seins und Verhaltens, ja, gleichnisweise sogar des außermenschlichen hinzustellen, an denen sich die moralischen Sympathien und Antipathien erregen ließen. Dieses Gefühlsurteil über das Moralische solle in der Zeit zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife ausgebildet werden. Und dafür sei gerade in diesem Lebensstadium des Kindes die Gesinnung des Pädagogen, die rechte Erziehergesinnung, das Wesentliche in allem pädagogischen Wirken. An dem verehrten Erzieher schaue fühlend das Kind, was gut und böse ist, und für die moralische Kraft, moralische Sicherheit, moralische Haltung des Kindes könne gerade in der Zeit zwischen dessen neuntem und zehnten Geburtstag vom Erzieher unsäglich Wichtiges geleistet werden. Und nach der Geschlechtsreife werde der Wille, der vorher in dem recht gepflegten moralischen Gefühlsurteil gekeimt hat, sich als moralisch stark erweisen. Für die moralische Entwicklung des Kindes habe die Beschäftigung mit der Kunst sowohl der bildende, als auch der dichterisch musikalischen eine große Bedeutung und werde geradezu von der kindlichen Natur verlangt. So reife das Pflichtgefühl, wenn der Tätigkeitsdrang künstlerisch in Freiheit die Materie durchdringe. Das Kind, das noch ungeschickt modelliere oder male, und das Kind, das in das Musikalische und Dichterische eingeführt werde, empfange zu seiner Menschlichkeit eine zweite Gabe, nämlich die moralische, die es erst zum wirklichen Menschen mache. Aber das alles werde nur erreicht, wenn das Künstlerische nicht nur neben der anderen Erziehung und dem anderen Unterricht einhergehe, sondern allem Erziehen und Unterrichten organisch eingegliedert sei, so dass das künstlerische Erleben das Lernen, das Beobachten, das Aneignen von Geschicklichkeit verlange. Werde der junge Mensch so erzogen und unterichtet, so könne er nach der Schulzeit die Empfindung mit sich ins Leben tragen, dass sich in ihm die moralischen Impulse im sozialen Zusammenleben mit den Mitmenschen aus der inneren Kraft seines Menschenwesens zu entfalten vermögen.
Aus: Zeitschrift „Anthroposophie“, Michaeli 2008 – Franz Bischoff, Die Erziehung zur Gerechtigkeit ,Seite 221 f
Donnerstag, 18. September 2008
Dienstag, 9. September 2008
Schlechtere Lernerfolge für Jungen ?
Die dominanten Kulturphänomene wie Fußball und Computerspiele nehmen auch noch hauptsächlich die Jungen in Anspruch und ruinieren ihnen teilweise den ganzen Schulerfolg. Das Pflegen z.B. von sentimentalen Gefühlsempfindungen oder der Aufmerksamkeit auf das eigene äußere Erscheinungsbild bei Mädchen dagegen läuft viel verborgener ab und beeinflusst weniger ihre Leistungen und wird fast als normal angesehen.
Auf Elternabenden wird auch schnell die robustere Umgangsart der Jungen problematisiert. Gleich ist die Rede von "Gewalt". Es wird immer schlimmer! Wenn einer das sagt, dann nickt man zustimmend. Eine andere Meinung zu vertreten ist fast tabu. - Deshalb werde ich das auch hier nicht tun! Sondern ich werde auch sagen: Es wird immer schlimmer! - und meine damit die Urteile der Erwachsenenwelt.
Nun der aktuelle Artikel:
Debatte: "Triumph der Schmetterlinge" - SchulSPIEGEL - SPIEGEL ONLINE - NachrichtenVon Ralf Neukirch
... Jungen werden in der Schule benachteiligt und fallen hinter die Mädchen zurück.
....Dabei sind die Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen in der Schule mittlerweile ein großes Problem. Jungen schneiden in fast allen Bereichen schlechter ab. 47 Prozent der Mädchen gehen auf ein Gymnasium, bei den Jungen sind es nur 41 Prozent. Fast ein Drittel der Mädchen macht Abitur oder Fachabitur, aber nur ein knappes Viertel der Jungen. Die sind im Schnitt eine Note schlechter als die Mädchen. Es gibt deutlich mehr Jungen, die nicht einmal einen Hauptschulabschluss schaffen. Männliche Schüler werden deutlich häufiger an eine Sonderschule überwiesen...........
Es ist eine Sichtweise, mit der sich die Welt sehr einfach erklären lässt. Nachteile von Mädchen etwa bei Hochschulabschlüssen oder in einigen Berufsfeldern werden "als Indikatoren einer noch immer nicht überwundenen Ungleichheit von Mädchen gesehen", wie die Münchner Bildungssoziologin Heike Diefenbach klagt. Der Bildungsvorsprung von Mädchen gelte dagegen als "erfreuliche Verringerung der sozialen Ungleichheit zwischen den Geschlechtern". In der Wirklichkeit kann von Gleichberechtigung an den Schulen keine Rede sein. Der Hallenser Bildungsforscher Jürgen Budde kam in einem Bericht für das Bundesbildungsministerium zu erstaunlichen Schlüssen. So erhalten Jungen in allen Fächern bei gleicher Kompetenz schlechtere Noten. .....Auch ohne Studien lässt sich aber ein relativ offenkundiger Grund für die Ungleichbehandlung der Jungen ausmachen. Es ist die Feminisierung des gesamten Schulwesens. Die Zahl der Lehrerinnen ist gestiegen, an vielen Grundschulen sind Lehrer bereits Exoten. Hinzu kommt, dass einige fragwürdige Annahmen der Geschlechterforschung längst den Schulalltag bestimmen.
Dazu gehört die Überzeugung, dass Verhalten, das typisch männlich ist - oder als solches gilt -, schlecht ist. Jede harmlose Schulhofrangelei steht mittlerweile unter Gewaltverdacht und wird unterbunden. Natürlich ist es sinnvoll, kleinen Jungen zu erklären, dass Schlagen keine Lösung ist. Aber muss bei jeder Rauferei gleich der Konfliktlotse angerannt kommen?
Der Unterricht, schreibt der Frankfurter Bildungsforscher Frank Dammasch, sei eher an weibliche Formen des Lernens und Gestaltens angepasst. Wenn sich Jungen wie Jungen verhalten, wird dies dagegen sanktioniert.
Montag, 18. August 2008
Soll man Mädchen und Knaben ( in der Handarbeit ) getrennt nehmen?

Hier sollen einige weitere Äußerungen Rudolf Steiners im pädagogischen Zusammenhang zu Mädchen und Jungen folgen:
"In diese Zeit fällt dann auch noch dasjenige hinein, was als besonders wichtig gehalten werden muss: der Handarbeitsunterricht; auch zum Teil dasjenige, was man gewöhnlich als den Handfertigkeitsunterricht bezeichnet. Der Handarbeitsunterricht wird gemäß dem Prinzip der Waldorfschule, das ja in einer Klasse Knaben und Mädchen vereinigt, auch für Knaben und Mädchen gleichmäßig getrieben. Und es ist im Handarbeitsunterricht eine große Freude für einen, wenn die Knaben und Mädchen zusammen stricken, häkeln und andere ähnliche Arbeiten machen. Man kann durchaus aus der Schulpraxis heraus die Versicherung geben, obgleich der Knabe etwas anderes hat von dem Stricken als das Mädchen, dass dennoch der Knabe auch viel hat davon, und dass er es vor allen Dingen mit großer Freude tut. Es ist dieses Zusammenarbeiten für die Gesamtentwickelung eines Menschen, wie sich bisher gezeigt hat - ich werde auch das in den Einzelheiten noch besprechen, von einem ganz besonderen Vorteile. In dem Handfertigkeitsunterricht müssen dann wiederum die Mädchen genau dasselbe mitmachen, was die Knaben machen, schwerere Arbeiten, so dass überall auf die Geschicklichkeit, auf das Geschicktwerden des Menschen hingesehen werden kann. ...
Aus: GA 303 Seite 143
"Das einzige, was sich in merkwürdiger Art herausgestellt hat, das ist wir gehen dann in der höchsten Klasse, die wir bis jetzt gebildet hatten, in der die sechzehn , siebzehnjährigen Knaben und Mädchen durcheinander sind, über auch zu Spinnen und Weben, so dass tatsächlich die Menschen ins praktische Leben eingeführt werden, das Leben auch kennenlernen, nun ist das Merkwürdige: spinnen wollen die Knaben nicht, dabei wollen sie nämlich den Mädchen helfen. Die Mädchen sollen spinnen, und die Knaben wollen dann Zuträger sein, sie wollen da eine Art Ritterschaft ausüben. Das ist das einzige, was sich bis jetzt herausgestellt hat, dass beim Spinnen die Knaben die Mädchen bedienen wollen. Aber im übrigen haben wir gesehen, dass die Knaben alle möglichen Handarbeiten machen."
Mädchen und Jungen im gemeinsamen Unterricht
Rudolf Steiner wies schon bei der Begründung der Waldorfschulen auf die Bedeutung des gemeinsamen Unterrichtes von Jungen und Mädchen hin. Damals war ja die Koedukation in den öffentlichen Schulen noch nicht üblich. Ihre Wirkung beschreibt er einmal folgendermaßen:
„Man kann da (in den Lehrerkonferenzen) tatsächlich ungeheuer viel lernen. Wir haben in der Waldorfschule gemischte Klassen, Mädchen und Knaben nebeneinander. Nun, ganz abgesehen von dem, was sich die Knaben und Mädchen sagen oder was sie mit ihrem Bewusstsein miteinander austauschen, kann man einen deutlichen Unterschied bemerken zwischen Klassen, in denen mehr Mädchen als Knaben sind, und Klassen, in denen mehr Knaben als Mädchen sind oder in denen Knaben und Mädchen gleich verteilt sind. jahrelang bin ich dem nachgegangen, und immer hat es sich gezeigt: Es ist etwas ganz anderes, eine Klasse, wo mehr Mädchen als Knaben sind.
In einer Klasse, wo mehr Mädchen als Knaben sind, findet man sehr bald, daß man selber als Lehrer verhältnismäßig weniger müde wird, weil die Mädchen leichter auffassen, aber auch mit einem größeren Eifer auffassen als die Knaben. Aber man findet auch zahlreiche andere Unterschiede. Vor allen Dingen findet man sehr bald heraus, dass die Knaben selber in der Leichtigkeit ihrer Auffassung gewinnen, wenn sie in der Minderzahl sind, während die Mädchen verlieren, wenn sie selbst in der Minderzahl sind Und so sind zahlreiche Unterschiede da, die nicht durch das Mitteilen, nicht durch das gegenseitige Behandeln bestehen, sondern die im Imponderablen bleiben, Imponderabilien sind.
(Aus: Rudolf Steiner, Die Kunst des Erziehens , GA 311, S. 122)
"Mädchen - Mehrheit im Klassenzimmer
In den letzten Jahren ist die Koedukation, der gemeinsame Unterricht von Jungen und Mädchen, immer wieder in die Diskussion gekommen. Manche wollten sie ganz oder teilweise abschaffen, um den Mädchen ein besseres Lernen in den Naturwissenschaften zu ermöglichen. Andere sahen die Jungen als Bildungsverlierer und wollten eine gezielte Förderung von Jungen eventuell in einem speziellen Jungen Unterricht oder einer Jungenschule. Und wieder andere waren aus religiös kulturellen Gründen ohnehin gegen Koedukation.
Jetzt hat ein israelisches Forscherteam die Wirkung von Mädchen auf die Schulleistung aller Schüler im Klassenzimmer untersucht. Das überraschende Ergebnis ihrer unveröffentlichten Studie: Mädchen im Klassenzimmer sind gut für den Schulerfolg aller. Am besten ist sogar, wenn Mädchen die Mehrheit in der Klasse bilden. Eine Mädchen-Mehrheit von 55 Prozent führt insgesamt zu besseren Schulleistungen der ganzen Klasse und zu weniger Gewalt im Klassenzimmer, wie Analia Schlosser und ihr Kollege Victor Lavy bei ihrer Untersuchung von Schulklassen in der Grundschule, der Mittel und Oberstufe feststellten."
Quelle:Erziehungskunst 6/2008
Samstag, 16. August 2008
Mathematik braucht Sachlichkeit
Mathe lernen
Wer kennt nicht die berühmte Torte, mit der den Kindern die Bruchrechnung "schmackhaft" und anschaulich gemacht werden soll. Die Phantasie der Pädagogen in dieser Richtung, um den Mathematikunterricht aufzulockern, ist groß. Aber ist diese Vorgehensweise auch richtig?
Das Rechnen unterscheidet sich doch sehr von anderen Schulfächern. Es lebt von Klarheit und Sachlichkeit. Von daher ist folgende Meldung in der Erziehungskunst durchaus wichtig und ernst zu nehmen:
"Ob Textaufgabe, reales Problem oder praktische Anwendung trockene Mathematik wird Schülern gerne anhand anschaulicher Beispiele näher gebracht. Doch Beispiele helfen nicht unbedingt dabei, mathematische Konzepte zu verinnerlichen und bei der Lösung anderer Aufgaben zu verwenden. Abstrakte Prinzipien dagegen erleichtern es, das Gelernte auch auf neue Situationen zu übertragen, berichten amerikanische Psychologen im Fachblatt "Science". Das Problem bestünde möglicherweise darin, dass ausführliche Informationen die Aufmerksamkeit von der tatsächlichen Mathematik dahinter ablenkten. Zwar raten die Forscher nach ihren Beobachtungen nun nicht, gänzlich auf Beispiele zu verzichten. Doch beim Einführen neuer Konzepte ausschließlich Beispiele zu verwenden, würde die Fähigkeit, sie in anderem Zusammenhang anzuwenden, stark einschränken."
Quelle:Erziehungskunst 6/2008