Mittwoch, 22. Dezember 2010

Kerzenlicht im Klassenzimmer

In der Vorweihnachtszeit werden manchmal viele Kerzen in den Klassen angezündet. Dies erfordert vom Lehrer nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern auch aus pädagogischen Gründen eine große Ernsthaftigkeit.

Eine Kerze ist heute im Zeitalter der elektrischen Beleuchtung kein notwendiges Mittel, um Licht zu erzeugen, sondern sie dient besonderen Zwecken. Sie bringt Festlichkeit und Feierlichkeit in einen Raum. Deswegen wird sie auch in Gottesdiensten verwendet.

Klicken Sie hier, um das Originalfoto zu sehen

Wenn man in einer Klasse eine oder mehrere Kerzen anzündet, so soll auch immer diese besondere Stimmung für die Kinder fühlbar sein. Und Kerzen sollen auch nur so lange leuchten, als eine festliche, feierliche Stimmung im Klassenraum herrscht. Geht man zu anderen Unterrichtsteilen über, werden die Kerzen vorher gelöscht.

Nie soll etwas Spielerisches oder Unbewusstes im Umgang mit dem Kerzenlicht zur Gewohnheit werden.

Dienstag, 21. Dezember 2010

Wenn das Glöcklein erklingt

Um Ruhe in der Klasse herbeizuführen, verwenden manche Lehrer ein Klanginstrument. Sie lassen ein Glöcklein oder eine Triangel erklingen und erwarten dann, dass die Kinder ruhig werden.
Manchmal gelingt das nicht. Die Kinder werden nicht ruhig.



Man sollte sich einmal fragen, ob das ein richtiger Weg ist; ob man ein so schönes, klingendes Instrument für diesen Zweck einsetzen darf.

Sollte ein Musikinstrument nicht immer erst erklingen, wenn es bereits ruhig ist; wenn sich sein Klang ungestört in einem Raum ausbreiten kann? Der Mensch sollte immer die Schönheit eines musikalischen  Klanges empfinden können. Dieser Klang sollte nicht Mittel zum Zweck sein, sondern immer gleich eine Erquickung und Freude für die Seele. Und das sollen die Kinder lernen.

GOKI Triangel 

Wenn man das bedenkt, dann kommt man zu dem Schluss, dass man zuerst die Klasse beruhigen muss und dann kann man ein Glöcklein oder eine Klangschale erklingen lassen, und man kann sagen: ”Nun hört einmal, wie schön still es in unserer Klasse ist und wie wunderbar nun die Töne erklingen können. ..usw.” 
 

Einmal hatte ich eine Klasse als 5.Klasse übernommen, die vorher von einem anderen Lehrer geführt worden war. Eines Tages fand ich im Schreibtisch eine Glocke. Als ich sie herausnahm, begann die Klasse zu stöhnen und schreien. Es stellte sich heraus, dass die Kinder durch die Anwendung der Glocke für disziplinarische Zwecke in früheren Jahren längst völlig genervt oder gar traumatisiert waren. Die Glocke verschwand daraufhin wieder schnellstens im Schreibtisch.

Montag, 20. Dezember 2010

Klatsch und Tratsch unter Kollegen? Nein!

Zeitungsmeldung:
"In Amerika verbieten manche Unternehmen Klatsch und Tratsch. Sie fordern von ihren Mitarbeitern radikale Offenheit. Ein Vorbild für deutsche Unternehmen?"
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Wie sieht es mit Klatsch und Tratsch in einem Kollegium aus? Es sind nicht die Eltern gemeint, sondern die Kollegen untereinander.

Gibt es die nötige Selbstdisziplin, um jegliche Rederei in Abwesenheit eines Kollegen zu vermeiden? Erkennt man überhaupt, dass man gerade klatscht oder nicht?
Tratscht und klatscht man vielleicht sogar über Schüler?

In einer selbstverwalteten Schule muss alles offen ausgesprochen werden. Dafür gibt es die Konferenzen. Sieht man etwas Problematisches bei einem Kollegen, so sollte man sich eher die Zunge abbeißen, als dass man es außerhalb der Konferenz auch mit dem besten Freud bespricht. Und hat man nicht den Mut, es in der Konferenz zu sagen, so muss man eben schweigen. Oder natürlich, man bespricht es mit dem Menschen selbst, den es betrifft, und braucht noch mehr Mut und Ehrlichkeit. Das gehört selbstverständlich an die erste Stelle.

Es ist schon sehr ungesund, wenn man von Menschen umgeben ist, von denen man weiß, dass sie, wenn sie einem gegenüber stehen, etwas anderes sagen, als wenn sie mit anderen Kollegen zusammen sind. Man empfindet sich von einer Aura von Unwahrhaftigkeit umgeben.

In einem Kollegium muss jeder wissen, was der andere von ihm hält. Es braucht eine radikale Offenheit. Natürlich muss auch das Positive ausgesprochen werden (nicht schweigend nur vorausgesetzt werden) – aber immer mit großer Ehrlichkeit,und nicht nur aus Höflichkeit.

Vor vielen Jahren, in einer für mich schwierigen Lage in der Zusammenarbeit mit meinem Kollegium, stellte ich am Ende der 8.Klasse einmal eine Art „Vertrauensfrage“. (Es war eigentlich eine Vereinbarung bei uns, dass das Kollegium gegen Ende der achten Klasse über den Klassenlehrer berät und dann neu beschließt, ob es ihm die künftige erste Klasse anvertrauen möchte. - Allerdings wurde eine wirklich ehrliche Beratung in der Praxis meistens vermieden. Wenn nichts Gravierendes vorgefallen war, dann hatte der betroffne Klassenlehrer meistens eine solch einflussreiche Lobby in der Konferenz, dass Widerspruch unmöglich war oder dass die Besprechung so eingefädelt wurde, dass es gar kein wirkliches, freies, offenes Gespräch war. Da ich nun wusste, wie viel Ängstlichkeit es im Umgang miteinander gibt und dass bisher alle diese Gespräche über einen Klassenlehrer mehr als Formalität behandelt wurden, stellte ich selber die Frage an das Kollegium, wie es meine Arbeit einschätze und ob es weiterhin mit mir zusammenarbeiten wolle, und beantragte auch eine ausreichende Gesprächszeit zu diesem Thema, damit der Punkt nicht in Kürze abgehandelt würde und man froh wäre, wenn es schnell zum nächsten Konferenzpunkt weiterginge- man hat ja so viel zu besprechen.)

Nun, wie ging die Sache bei mir aus: Es kamen im Prinzip nur positive und freundliche Urteile. Durch eigenes, kritisches Nachfragen versuchte ich ein wenig Tiefe in das Gespräch zu bringen, es gelang nicht. Man blieb an der fast belanglosen, bürgerlichen Oberfläche. Nach ein paar Jahren war die Zusammenarbeit dann doch gescheitert.



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Auszug aus einem Artikel
von Anna Loll - FAZ – 18./19.12.2010 S. C3

…Sam Chapman aus Chicago ...: Als er vor einigen Jahren sein Unternehmen Empower Public Relations gründete, setzte er von Anfang auf eine offene Unternehmenskultur. Doch nach wenigen Monaten beobachtete er, dass Mitarbeiter hinter den Türen tuschelten. "Ich stellte fest, dass ich ein Klatsch‑Problem habe!", erinnert sich der Amerikaner. Er sprach mit allen Mitarbeitern und ließ über eine "klatschfreie Zone" abstimmen. Außer zwei Mitarbeitern hoben alle die Hand. Diese beiden feuerte Chapman am nächsten Tag. Später kam heraus, dass sie über ihn tuschelten. Sie wollten ein eigenes Unternehmen starten.

In seinem Unternehmen sieht Chapman die "Non‑gossip‑Regel" als wichtig für seinen Erfolg an. "Niemand ist perfekt. Auch ich klatsche manchmal", sagt er. Aber ich gehe anschließend sofort zu der Person, über die ich geklatscht habe, und sage ihr oder ihm direkt, was ich denke. Das macht bei uns den Unterschied." Seine Mitarbeiter wüssten so immer genau, was er über sie denke. Gutes wie Schlechtes. Es würden sich sogar gezielt Menschen bewerben, weil sie von der Unternehmensregel gehört hätten. Auch Kunden suchten sein Unternehmen deswegen auf. "Sie wissen, dass sie von mir immer die Wahrheit gesagt bekommen", sagt Chapman, der inzwischen ein Buch über eine klatschfreie Zone im Büro geschrieben hat. Leider, griffen nur wenige Unternehmen diese Regel auf. "Vieles wäre leichter und effektiver, wenn die Menschen radikal offen miteinander reden würden anstatt übereinander." 

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Disziplin

Man steht vor der Situation, dass eine Klasse unruhig ist und nicht durch die Worte des Lehrers zur Ruhe zu bringen ist.
Dann möge man sich eine kleinere Schülergruppe wählen und diese zur Ruhe ermahnen. Man muss mit seiner Aufmerksamkeit aber länger und ganz bei dieser Schülergruppe bleiben, sonst wird garantiert im nächsten Moment einer aus dieser Gruppe wieder zu reden beginnen. Hat man diese Schüler durch seine eigene Kraft zur Ruhe gebracht und die Ruhe dauerhaft befestigt, dann erweitere man dieses Verfahren mit starkem Bewusstsein auf die Schüler, die sich in der Nähe dieser Gruppe befinden, wobei man die erste Gruppe keine Sekunde aus den Augen lässt. Man weitet also den "Ruheherd" aus.
Das bekommen instinktiv alle Schüler mit und gewöhnlich wird von alleine die ganze Klasse ruhig. Nur einzelne wird man dann noch gezielt ansprechen müssen.

Die Klassengröße

Kleine Klassen bringen für den Entwicklungs- und Lernfortschritt der Kinder keinen Vorteil.

Nach meiner Erfahrung treten in kleineren Klassen einzelne Störenfriede viel intensiver auf als in großen Klassen.

Wenn viel Bürokratisches zu bewältigen ist, dann mag eine kleinere Klasse einen Lehrer entlasten. Wenn es aber wie in einer Waldorfschule kaum etwas Bürokratisches gibt, dann kann die Klasse so groß sein, wie es die räumlichen Möglichkeiten eben zulassen. Für den Lehrer wird dadurch überhaupt nichts schwieriger, sondern vieles sogar leichter.

Die Vielfalt der Schüler bereichert den Unterricht; Gesang und Rezitation wird schöner und klangvoller usw.  Die Kinder lernen mehr Sozialität und lernen, sich besser in eine Gemeinschaft einzugliedern. Sie sind gewöhnlich disziplinierter.

Nur darf dann ein Lehrer niemals klagen, dass er dieses oder jenes nicht machen könne, weil die Klasse zu groß sei. Es muss ihm auch hier Freude machen zu unterrichten.

Nach meiner Erfahrung beginnt eine Klasse ein in diesem Sinne tragfähiger Organismus zu werden, wenn 30 und mehr Kinder in der Klasse sind.

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Keine vorschnelle Ritalin-Verordnung

PRESSEMELDUNG:

"Kürzlich hat der Gemeinsame Bundesausschuss neue Vorschriften für die Verordnung von methylphenidathaltigen Medikamenten wie Ritalin beschlossenen.
Die am 16. September beschlossene Änderung der Arzneimittel-Richtlinie erfolgt auf dem Hintergrund eines Risikobewertungsverfahren der Europäischen Union für methylphenidathaltige Arzneimittel, das im vergangenen Jahr abgeschlossen wurde. Nach Inkrafttreten der Änderungen darf Ritalin nur noch von „Spezialisten für Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen“ verordnet werden, wenn nicht-medikamentöse Therapiemöglichkeiten nicht erfolgreich waren oder eine besonders schwere Störung festzustellen ist. Sie darf nur erfolgen nach einer besonders gründlichen Diagnose. Eine medikamentöse Behandlung sollte jedenfalls immer eingebettet sein in ein therapeutisches Gesamtkonzept, das psychotherapeutische, pädagogische oder soziale Interventionen umfasst: Aufklärung und Beratung von Eltern, Kindern und Lehrern, Elterntraining, Veränderung der Familiensituation oder Veränderungen in der Schule, Psychotherapie/Familientherapie."

Artikel auf den Webseiten der Bundespsychotherapeutenkammer: ADHS-Behandlung: Ritalin & Co nur noch zweite Wahl

Zum Schutz von Kindern und Jugendlichen – Verordnung von Stimulantien nur in bestimmten Ausnahmefällen: Ritalin & Co nur noch 2. Wahl

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) als das höchste Gremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im Gesundheitswesen Deutschlands hat am 16. September 2010 die Verordnungsfähigkeit bestimmter Stimulantien aufgrund des Risikos, das vor allem für Kinder und Jugendliche mit der Einnahme dieser Medikamente verbunden ist, künftig noch weiter eingeschränkt, als das bisher der Fall war. Dies betrifft das starke Psychopharmakon Methylphenidat (Ritalin, Medikinet etc.), das bei der Diagnose ADHS (Aufmerksam-keitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) sehr häufig bei Kindern verordnet wird. Nutzen und Risiken dieser Medikamente müssen nun viel sorgfältiger abgewogen werden. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Weinerlichkeit und langfristig ein geringeres Körperwachstum. Stimulantien wie Methylphenidat sind grundsätzlich nicht verordnungsfähig und nur ausnahmsweise im Rahmen eines ganz eng begrenzten Indikationskatalogs zugelassen. Der Befund AD(H)S muss im diagnostischen Prozess künftig noch umfassender als bisher geprüft werden, und die Verordnung dieser Medikamente darf nur noch von Spezialisten für Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen erfolgen. Zudem muss die medikamentöse Behandlung regelmäßig unterbrochen werden, um ihre Auswirkungen auf das Befinden des Kindes beurteilen zu können.
Die Bundespsychotherapeutenlammer (BPtk) hebt hervor:
Die geänderte Arzneimittel-Richtlinie schreibt jetzt vor, dass
  • eine Behandlung von ADHS ohne Medikamente beginnen muss,
  • Methylphenidat erst dann eingesetzt werden darf, wenn die nicht-medikamentöse Behandlung nicht erfolgreich ist,
  • Methylphenidat auch dann nur innerhalb einer therapeutischen multimodalen Gesamtstrategie eingesetzt werden darf, die neben pharmakologischen Maßnahmen insbesondere auch psychologische, pädagogische und soziale Therapiekonzepte nutzt,
  • die Behandlung unter Aufsicht eines Spezialisten für Verhaltensstörungen bei Kindern durchgeführt werden muss,
  • der medikamentöse Einsatz besonders zu dokumentieren ist, insbesondere bei einer Dauertherapie über zwölf Monate,
  • mindestens einmal jährlich die medikamentöse Behandlung unterbrochen und neu beurteilt werden muss,
  • die ADHS-Diagnose auf Kriterien der DSM-IV oder der ICD-10-Klassifikation beruhen muss.
KONFERENZ ADHS hat sich von Anfang an die Verbesserung der Therapie von mit ADHS diagnostizierten Kindern zum Ziel genommen und sieht sich durch die neue Richtlinie des G-BA  in seinen Bemühungen bestätigt. Psychopharmaka müssen immer nur nachrangig, Psychotherapie und Psychoedukation immer erstrangig sein. Leider sah die Praxis bisher viel zu oft genau umgekehrt aus.
Umso mehr begrüßen wir deshalb die nun verbindliche Festlegung einer immer erstrangigen Psychotherapie bzw. Psychoedukation vor einer eventuellen medikamentösen (Mit-) Behandlung.
Ritalin &  Co sind nur noch zweite Wahl.
Verantwortlich für die Pressemitteilung:
Dipl.-Psych. Hans Reinhard Schmidt
Sprecher KONFERENZ ADHS
konferenz-adhs@online.de

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Qualität

Es kann in Waldorfschulen immer nur eine Qualitätsfrage geben: Wird die Menschenkunde ausreichend angewandt?
Nur durch das Studium der Menschenkunde erlangen die Lehrer die Qualifikation, die sie für den Waldorfunterricht brauchen.

Das muss verbunden werden mit einer allgemein menschlichen Fortentwicklung, wie sie z.B. durch das Praktizieren der Nebenübungen erreicht wird. Dadurch wird z.B. eine gesteigerte Aufmerksamkeit erzielt. Oder durch die Posivitätsübung wird man die Kinder immer wieder in einem neuen Licht sehen können.

Alles andere, was die Schulverwaltung angeht, kann sich nur aus der persönlichen Entwicklung der Kollegen ergeben. Was nützt eine immer wieder erneuerte Schulstruktur, wenn sich die moralischen Fähigkeiten der Kollegen nicht entwicklen?

Was nützen alle Powerpoints und Brainstormings und Flipcharts und Qualitätssicherungs-Maßnahmen... (solche Begriffe sind auch in Waldorfkreisen immer häufiger zu hören). Der Unterricht wird nur besser, wenn man sich mit groß- und kleinköpfigen Kindern beschäftigt.

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Berater und Modelle

In Fortsetzung des gestern Geschriebenen...
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Jeder Wissenschaftler oder Berater ist natürlich von seiner Methode oder seinem Modell sehr überzeugt. Er wird darüber einen Artikel, ein Buch oder viele Bücher schreiben. Er wird herum fahren und überall seine Überzeugung vertreten.

Das gilt auch für die Berater von Waldorfschulen, aus welcher Richtung sie auch kommen, um die Schulen in ihrer "Qualität" zu "verbessern".
Niemals sollte eine Schule unmittelbar den Modellen und Methoden solcher "Fachleute" folgen.


Erst durch die Auseinandersetzung mit den Ideen anderer und einer intensiven anthroposophischen Arbeit entstehen in den Kollegien die rechten Kräfte für die Selbstgestaltung der Schule.

Selbst Waldorfliteratur, wie z.B. die anregenden Bücher von Schubert für den Rechenunterricht oder von Tittmann für die Sprachlehre, kann immer nur Modellcharakter haben. Niemals sollte man direkt den Vorschlägen solcher Bücher folgen.
Aber jeder Lehrer wird sie selbstverständlich studieren, genau so wie er die Menschenkunde studiert und übt.
Aus der Verbindung von intensiver, täglicher anthroposophischer Arbeit mit den existierenden Büchern und Methoden ergibt sich dann der eigene Unterricht, der sich an den eigenen Schülern orientiert.

Dienstag, 7. Dezember 2010

Herausforderung unserer Zeit

Der Waldorfunterricht  und die Waldorfschul-Selbstverwaltung stellt die Kollegien vor immer größere Herausforderungen.

Seit einigen Jahren ist innerlich von den Lehrern eine Art Entscheidung gefordert: Folge ich gewissen Methoden oder stelle ich meine Arbeit ganz auf mich selbst.
Erarbeite ich meinen Unterricht selbst oder folge ich Vorbildern. (Wobei ich nicht den Anfänger meine, der durchaus einmal Methoden und Vorbildern folgen darf, aber mit dem Ziel, den eigenen Weg zu finden.)

Unterricht kann nur aus dem eigenen Ich herausquellen; sonst ist man nicht nah genug an den Schülern dran. In Wahrheit erfordert jeder Moment eine neue Methode.
Das gilt auch für die Konferenzen und die Schulverwaltung: Folge ich Beratern und ihren Vorschlägen und Modellen oder entwickle ich selbst, was für meine Schule in einer bestimmten Situation wichtig ist..

Alle Modelle, Verfahren oder Methoden können immer nur Übungscharakter haben. Man wird sie studieren, prüfen und mit ihnen umgehen; aber man wird sie nicht einfach anwenden und übertragen können. Sofort entfällt ihnen das Leben.

Wie man eine Nahrung aufnimmt und dann verdaut, um in den Lebensprozessen kraftvoll darinnen zu stehen; so wird man vielfältige Methoden kennenlernen, verdauen und dann frei und tüchtig in den Lebens- und Arbeitsprozessen stehen.

Heute gilt, dass keine Methode, kein Unterrichtsmodell usw. an einem anderen Ort zu einer anderen Zeit wieder so wirkt wie vorher.
Es erstarrt alles sofort und erstirbt.

Montag, 6. Dezember 2010

Weihnachtsspiele

Allerorten werden an den Waldorfschulen nun wieder die Weihnachtsspiele vorbereitet.

Rudolf Steiner hat die Inhalte der Spiele nie besonders ausführlich erörtert oder kommentiert. Er wies aber sehr stark auf die Gefühlsinnigkeit und Frömmigkeit der damaligen Spieler hin.

Das Oberuferer Christgeburtspiel

Man muss gar nicht viel äußeren Aufwand mit den Spielen betreiben, aber man muss sein Gemüt erwärmen. Mit immer und immer größerer Gemüthaftigkeit sich in die Spiele hineinfinden. Die Frömmigkeit der Menschen, die früher diese Spiele machten, nachzuerleben versuchen. Vielleicht sogar selber ein wenig diese Frömmigkeit wieder erlangen. Dann wird man auch die rechten Bewegungen, Gebärden und Gesten für das Speil finden.

Dann kann man auch das eine oder das andere unverständliche Wort ohne Gewissensbisse auswechseln oder den Text abändern, wenn man nur die rechte Gefühlswärme auszustrahlen versucht.

Samstag, 4. Dezember 2010

Ob ein Kind gehorcht oder nicht, hängt von der Beziehung ab

Henning Köhler packt in der „Erziehungskunst“- 12/2010 wieder einmal ein heißes Eisen an. Aber er verwendet dabei leider dicke Lederhandschuhe, um sich die Finger nicht zu verbrennen. Waldorfpädagogik ist immer etwas Zukünftiges. Sie kann sich nicht mit den autoritären Kräften der Vergangenheit mehr verbünden. Und dennoch wird sie nicht in antiautoritärer Weise, die Kinder führungslos lassen, sondern sie immer in einfühlender, individueller Weise zu führen versuchen:
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"Liebe schmilzt Angst weg
oder: Dressurpädagogik? Nein, danke! 


von Henning Köhler 

„Kinder gehorchen nicht, weil ihre Eltern Disziplin effizient durchsetzen. Ob ein Kind gehorcht oder nicht, hängt von der Beziehung ab.“

Bernhard Buebs »Lob der Disziplin« wird von manchen Waldorfpädagogen sehr geschätzt. Andere schwören auf »Kinderjahre« des Schweizer Kinderarztes Remo Largo. Wie passt das zusammen?

Aus einem »taz«-Interview mit Largo: »Woher kommt die Renaissance des autoritären Erziehungsgedankens?« Largo: »Reine Nostalgie. Ich bin überzeugt: Das autoritäre Zeitalter ist vorbei.« - »Aber schließlich müssen Kindern doch Grenzen gesetzt werden.« Largo: »Eine typisch deutsche Haltung. Ich bin ganz anderer Ansicht. Kinder gehorchen nicht, weil ihre Eltern Disziplin effizient durchsetzen. Erziehung wäre (unter diesen Umständen) ein Albtraum. Ob ein Kind gehorcht oder nicht, hängt von der Beziehung ab.« Für die Lernmotivation gelte dasselbe. »Darüber gibt es Studien. Das ist keine Wohlfühlpädagogik.«






Auch Michael Winterhoffs »Warum unsere Kinder Tyrannen werden« hat in Waldorfkreisen Beifall gefunden. Er regt sich furchtbar über Kinder auf, die nicht unverzüglich jede Anweisung befolgen. Sein Credo: Von früh an mit positiver und negativer Verstärkung - Lob und Tadel - die Psyche des Kindes trainieren! Ein »Angstmogul« sei Winterhoff, befindet Alex Rühle in der »Süddeutschen Zeitung«. Toni Feldner, wie Rühle Vater von zwei Kindern, bekräftigt das Urteil von Rühle über Winterhoff in seinem Buch »Genug erzogen«: »Ich habe mich hart getan mit dem Lesen, es wird einem ganz düster zumute.«

Winterhoff behauptet im Internetportal »Wir Eltern«. vor dem achten Lebensjahr hätten Kinder keine eigene Persönlichkeit, bis zum fünfzehnten, sechzehnten Lebensjahr keinerlei Einsichtsfähigkeit. Largo wirbt dafür, die Individualität des Kindes von Geburt an zu respektieren. So denkt auch der in Waldorfkreisen geschätzte Hirnforscher Gerald Hüther. Beide setzen auf angstfreie Beziehungen und autonomes Lernen. Während Bueb und Winterhoff konsequent auf der Ebene des Machtkampfes argumentieren, sind Largo und Hüther überzeugt: In einem guten sozialen Klima erübrigt sich die Machtfrage. Oder: Die Kunst des Liebens schmilzt die Angst weg.

Miriam Gebhard schreibt in ihrem Buch »Die Angst vor dem kindlichen Tyrannen«: »Wer heute lauthals fordert, Kinder müssten Disziplin und Gehorsam lernen, wer ständig von ‚Grenzen’ spricht, der muss sich gefallen lassen, dass man ihn an die Vergangenheit erinnert: an all die Ratgeberpäpste, die dazu beigetragen haben, dass deutschen Eltern angst und bange wurde vor ihren kindlichen ‚Tyrannen’.« Die Tyrannen-Litanei und die Forderung nach Dressurpädagogik ist freilich kein Spezifikum des 20. Jahrhunderts. Sie hat eine lange, traurige Tradition.

Ist es überhaupt sinnvoll zu fragen, wo »die Waldorfpädagogik« hinsichtlich des leidigen Themas Macht, Disziplin, Autorität historisch und aktuell zu verorten ist? Irgendwo »zwischen« den Fronten? Ich fürchte, das geht nicht. Die Mischung der Farben Bueb und Largo würde ein indifferentes Graubraun ergeben. Mit Sicherheit kein Lila.

Das ist eine Einladung zur Debatte!" 

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Klassenzimmer als Spielwiese

Immer häufiger funktionieren Lehrer das Klassenzimmer um. Es wird zur Turn- und Spielwiese oder gar nebenbei auch noch zur Werkstatt mit einer Werkbank. Das ist ja immer nett gemeint und man meint auch, dass man den Bedürfnissen der Schüler dadurch gerecht würde. Wie oft hört man das Wort: "Sie sollen sich auch einmal austoben dürfen." - "Sie sitzen so viel - im Auto, in der Schule...!"
Das geht auch einher damit, dass man immer häufiger "nette" Dinge macht, die der Auflockerung des Unterrichtes dienen. Z.B. bastelt man dieses oder jenes.
Seit der Unterricht immer weniger menschenkundlich durchdrungen wird, nehmen diese Elemente in den Schulen zu.
Das Klassenzimmer wird zum "Multifunktionsraum".

Das Klassenzimmer sollte aber ein Raum des Lernens sein und bleiben. Für andere Aktivitäten sollten auch andere Räume geschaffen werden. Der Schüler sollte einen Klassenraum mit dem unbewussten Gefühl betreten, dass dies ein Ort des Lernens ist und dass sich seine Seele darauf auch unmittelbar einstellt.

Die Pausen dienen dem Spiel. Der Handarbeitsunterricht dient den Handarbeiten und dem Basteln. Der Turnunterricht ist für die Bewegung da, usw.
So hat jede Sache ihre rechte Zeit und ihren rechten Ort.

Mit dem Austoben lassen und dem Herumspielen im Klassenzimmer tut man den Kindern nur vordergründig etwas Gutes. Natürlich finden sie das toll.
Aber es ist ein viel höheres Lebens-Lern-Ziel, dass man lernt, die Dinge richtig zuzuordnen, zur rechten Zeit das Richtige zu machen.
Wenn ich am Sonntagvormittag schon einen dienstlichen Anruf eines Kollegen bekomme, dann habe ich das Gefühl, dass mich das stört. Das ist für mich keine Schul-Vorbereitungs-Zeit. Wann nimmt sich denn dann dieser Mensch Zeit für die geistige Arbeit, für das Studium von Menschenkundlichem?

So kommt es dann auch zur Verlagerung des Lernens auf den Nachmittag zu Hause. Das wäre aber ein rechter Ort des Spielens, nicht die Zeit des Aufgaben-Machens.
Wenn in der Schule die Ernsthaftigkeit des Lernens im Vordergrund steht, dann braucht es schon gar keine Hausaufgaben für den Hauptunterricht mehr.

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Gemeinschaftsfragen im Kollegium

Ein Kollegium soll aus möglichst freien Individualitäten bestehen. Jeder verantwortet sein Tun selbst.

Es muss aber auch eine Gemeinschaft bilden - in allem, was über den eigenen Unterricht hinaus geschieht. Ein ungünstiges Zeichen ist es, wenn wichtige Schulangelegenheiten nur von wenigen wahrgenommen, durchgeführt oder durchgetragen werden.

Die Weihnachtsspiele haben nur dann eine positive Wirkung auf die Schule, wenn sie von allen mitgetragen werden. (Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel) Wer nicht mitspielen kann, kann ja z.B. auch für das Wohlergehen der Kumpanei bei Proben sorgen. Das wäre auch ein Mittragen.

Die Sonntagshandlungen brauchen die Anteilnahme möglichst vieler Kollegen, wenn sie etwas Gesundes in der Schule sein sollen.

Mitgliederversammlungen sind ein Muss für alle - ohne Ausnahme.

Wenn es eine Schulzeitung gibt, die mit viel Liebe und Einsatz von wenigen erstellt wird, und man bemerkt nach einiger Zeit, dass kaum ein Kollege sie liest, dann ist das auch Symptom für einen Krankheitsherd im Kollegium.

Rudolf Steiner wünschte auch, dass wichtige Forschungen und Arbeiten, die ein Kollege außerhalb des Rahmens der Schule erstellt, von allen mit Interesse wahrgenommen werden.

So kann das Kollegium eine wirkliche Gemeinschaft von freien Individualitäten werden.