Mittwoch, 22. Dezember 2010

Kerzenlicht im Klassenzimmer

In der Vorweihnachtszeit werden manchmal viele Kerzen in den Klassen angezündet. Dies erfordert vom Lehrer nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern auch aus pädagogischen Gründen eine große Ernsthaftigkeit.

Eine Kerze ist heute im Zeitalter der elektrischen Beleuchtung kein notwendiges Mittel, um Licht zu erzeugen, sondern sie dient besonderen Zwecken. Sie bringt Festlichkeit und Feierlichkeit in einen Raum. Deswegen wird sie auch in Gottesdiensten verwendet.

Klicken Sie hier, um das Originalfoto zu sehen

Wenn man in einer Klasse eine oder mehrere Kerzen anzündet, so soll auch immer diese besondere Stimmung für die Kinder fühlbar sein. Und Kerzen sollen auch nur so lange leuchten, als eine festliche, feierliche Stimmung im Klassenraum herrscht. Geht man zu anderen Unterrichtsteilen über, werden die Kerzen vorher gelöscht.

Nie soll etwas Spielerisches oder Unbewusstes im Umgang mit dem Kerzenlicht zur Gewohnheit werden.

Dienstag, 21. Dezember 2010

Wenn das Glöcklein erklingt

Um Ruhe in der Klasse herbeizuführen, verwenden manche Lehrer ein Klanginstrument. Sie lassen ein Glöcklein oder eine Triangel erklingen und erwarten dann, dass die Kinder ruhig werden.
Manchmal gelingt das nicht. Die Kinder werden nicht ruhig.



Man sollte sich einmal fragen, ob das ein richtiger Weg ist; ob man ein so schönes, klingendes Instrument für diesen Zweck einsetzen darf.

Sollte ein Musikinstrument nicht immer erst erklingen, wenn es bereits ruhig ist; wenn sich sein Klang ungestört in einem Raum ausbreiten kann? Der Mensch sollte immer die Schönheit eines musikalischen  Klanges empfinden können. Dieser Klang sollte nicht Mittel zum Zweck sein, sondern immer gleich eine Erquickung und Freude für die Seele. Und das sollen die Kinder lernen.

GOKI Triangel 

Wenn man das bedenkt, dann kommt man zu dem Schluss, dass man zuerst die Klasse beruhigen muss und dann kann man ein Glöcklein oder eine Klangschale erklingen lassen, und man kann sagen: ”Nun hört einmal, wie schön still es in unserer Klasse ist und wie wunderbar nun die Töne erklingen können. ..usw.” 
 

Einmal hatte ich eine Klasse als 5.Klasse übernommen, die vorher von einem anderen Lehrer geführt worden war. Eines Tages fand ich im Schreibtisch eine Glocke. Als ich sie herausnahm, begann die Klasse zu stöhnen und schreien. Es stellte sich heraus, dass die Kinder durch die Anwendung der Glocke für disziplinarische Zwecke in früheren Jahren längst völlig genervt oder gar traumatisiert waren. Die Glocke verschwand daraufhin wieder schnellstens im Schreibtisch.

Montag, 20. Dezember 2010

Klatsch und Tratsch unter Kollegen? Nein!

Zeitungsmeldung:
"In Amerika verbieten manche Unternehmen Klatsch und Tratsch. Sie fordern von ihren Mitarbeitern radikale Offenheit. Ein Vorbild für deutsche Unternehmen?"
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Wie sieht es mit Klatsch und Tratsch in einem Kollegium aus? Es sind nicht die Eltern gemeint, sondern die Kollegen untereinander.

Gibt es die nötige Selbstdisziplin, um jegliche Rederei in Abwesenheit eines Kollegen zu vermeiden? Erkennt man überhaupt, dass man gerade klatscht oder nicht?
Tratscht und klatscht man vielleicht sogar über Schüler?

In einer selbstverwalteten Schule muss alles offen ausgesprochen werden. Dafür gibt es die Konferenzen. Sieht man etwas Problematisches bei einem Kollegen, so sollte man sich eher die Zunge abbeißen, als dass man es außerhalb der Konferenz auch mit dem besten Freud bespricht. Und hat man nicht den Mut, es in der Konferenz zu sagen, so muss man eben schweigen. Oder natürlich, man bespricht es mit dem Menschen selbst, den es betrifft, und braucht noch mehr Mut und Ehrlichkeit. Das gehört selbstverständlich an die erste Stelle.

Es ist schon sehr ungesund, wenn man von Menschen umgeben ist, von denen man weiß, dass sie, wenn sie einem gegenüber stehen, etwas anderes sagen, als wenn sie mit anderen Kollegen zusammen sind. Man empfindet sich von einer Aura von Unwahrhaftigkeit umgeben.

In einem Kollegium muss jeder wissen, was der andere von ihm hält. Es braucht eine radikale Offenheit. Natürlich muss auch das Positive ausgesprochen werden (nicht schweigend nur vorausgesetzt werden) – aber immer mit großer Ehrlichkeit,und nicht nur aus Höflichkeit.

Vor vielen Jahren, in einer für mich schwierigen Lage in der Zusammenarbeit mit meinem Kollegium, stellte ich am Ende der 8.Klasse einmal eine Art „Vertrauensfrage“. (Es war eigentlich eine Vereinbarung bei uns, dass das Kollegium gegen Ende der achten Klasse über den Klassenlehrer berät und dann neu beschließt, ob es ihm die künftige erste Klasse anvertrauen möchte. - Allerdings wurde eine wirklich ehrliche Beratung in der Praxis meistens vermieden. Wenn nichts Gravierendes vorgefallen war, dann hatte der betroffne Klassenlehrer meistens eine solch einflussreiche Lobby in der Konferenz, dass Widerspruch unmöglich war oder dass die Besprechung so eingefädelt wurde, dass es gar kein wirkliches, freies, offenes Gespräch war. Da ich nun wusste, wie viel Ängstlichkeit es im Umgang miteinander gibt und dass bisher alle diese Gespräche über einen Klassenlehrer mehr als Formalität behandelt wurden, stellte ich selber die Frage an das Kollegium, wie es meine Arbeit einschätze und ob es weiterhin mit mir zusammenarbeiten wolle, und beantragte auch eine ausreichende Gesprächszeit zu diesem Thema, damit der Punkt nicht in Kürze abgehandelt würde und man froh wäre, wenn es schnell zum nächsten Konferenzpunkt weiterginge- man hat ja so viel zu besprechen.)

Nun, wie ging die Sache bei mir aus: Es kamen im Prinzip nur positive und freundliche Urteile. Durch eigenes, kritisches Nachfragen versuchte ich ein wenig Tiefe in das Gespräch zu bringen, es gelang nicht. Man blieb an der fast belanglosen, bürgerlichen Oberfläche. Nach ein paar Jahren war die Zusammenarbeit dann doch gescheitert.



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Auszug aus einem Artikel
von Anna Loll - FAZ – 18./19.12.2010 S. C3

…Sam Chapman aus Chicago ...: Als er vor einigen Jahren sein Unternehmen Empower Public Relations gründete, setzte er von Anfang auf eine offene Unternehmenskultur. Doch nach wenigen Monaten beobachtete er, dass Mitarbeiter hinter den Türen tuschelten. "Ich stellte fest, dass ich ein Klatsch‑Problem habe!", erinnert sich der Amerikaner. Er sprach mit allen Mitarbeitern und ließ über eine "klatschfreie Zone" abstimmen. Außer zwei Mitarbeitern hoben alle die Hand. Diese beiden feuerte Chapman am nächsten Tag. Später kam heraus, dass sie über ihn tuschelten. Sie wollten ein eigenes Unternehmen starten.

In seinem Unternehmen sieht Chapman die "Non‑gossip‑Regel" als wichtig für seinen Erfolg an. "Niemand ist perfekt. Auch ich klatsche manchmal", sagt er. Aber ich gehe anschließend sofort zu der Person, über die ich geklatscht habe, und sage ihr oder ihm direkt, was ich denke. Das macht bei uns den Unterschied." Seine Mitarbeiter wüssten so immer genau, was er über sie denke. Gutes wie Schlechtes. Es würden sich sogar gezielt Menschen bewerben, weil sie von der Unternehmensregel gehört hätten. Auch Kunden suchten sein Unternehmen deswegen auf. "Sie wissen, dass sie von mir immer die Wahrheit gesagt bekommen", sagt Chapman, der inzwischen ein Buch über eine klatschfreie Zone im Büro geschrieben hat. Leider, griffen nur wenige Unternehmen diese Regel auf. "Vieles wäre leichter und effektiver, wenn die Menschen radikal offen miteinander reden würden anstatt übereinander." 

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Disziplin

Man steht vor der Situation, dass eine Klasse unruhig ist und nicht durch die Worte des Lehrers zur Ruhe zu bringen ist.
Dann möge man sich eine kleinere Schülergruppe wählen und diese zur Ruhe ermahnen. Man muss mit seiner Aufmerksamkeit aber länger und ganz bei dieser Schülergruppe bleiben, sonst wird garantiert im nächsten Moment einer aus dieser Gruppe wieder zu reden beginnen. Hat man diese Schüler durch seine eigene Kraft zur Ruhe gebracht und die Ruhe dauerhaft befestigt, dann erweitere man dieses Verfahren mit starkem Bewusstsein auf die Schüler, die sich in der Nähe dieser Gruppe befinden, wobei man die erste Gruppe keine Sekunde aus den Augen lässt. Man weitet also den "Ruheherd" aus.
Das bekommen instinktiv alle Schüler mit und gewöhnlich wird von alleine die ganze Klasse ruhig. Nur einzelne wird man dann noch gezielt ansprechen müssen.

Die Klassengröße

Kleine Klassen bringen für den Entwicklungs- und Lernfortschritt der Kinder keinen Vorteil.

Nach meiner Erfahrung treten in kleineren Klassen einzelne Störenfriede viel intensiver auf als in großen Klassen.

Wenn viel Bürokratisches zu bewältigen ist, dann mag eine kleinere Klasse einen Lehrer entlasten. Wenn es aber wie in einer Waldorfschule kaum etwas Bürokratisches gibt, dann kann die Klasse so groß sein, wie es die räumlichen Möglichkeiten eben zulassen. Für den Lehrer wird dadurch überhaupt nichts schwieriger, sondern vieles sogar leichter.

Die Vielfalt der Schüler bereichert den Unterricht; Gesang und Rezitation wird schöner und klangvoller usw.  Die Kinder lernen mehr Sozialität und lernen, sich besser in eine Gemeinschaft einzugliedern. Sie sind gewöhnlich disziplinierter.

Nur darf dann ein Lehrer niemals klagen, dass er dieses oder jenes nicht machen könne, weil die Klasse zu groß sei. Es muss ihm auch hier Freude machen zu unterrichten.

Nach meiner Erfahrung beginnt eine Klasse ein in diesem Sinne tragfähiger Organismus zu werden, wenn 30 und mehr Kinder in der Klasse sind.

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Keine vorschnelle Ritalin-Verordnung

PRESSEMELDUNG:

"Kürzlich hat der Gemeinsame Bundesausschuss neue Vorschriften für die Verordnung von methylphenidathaltigen Medikamenten wie Ritalin beschlossenen.
Die am 16. September beschlossene Änderung der Arzneimittel-Richtlinie erfolgt auf dem Hintergrund eines Risikobewertungsverfahren der Europäischen Union für methylphenidathaltige Arzneimittel, das im vergangenen Jahr abgeschlossen wurde. Nach Inkrafttreten der Änderungen darf Ritalin nur noch von „Spezialisten für Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen“ verordnet werden, wenn nicht-medikamentöse Therapiemöglichkeiten nicht erfolgreich waren oder eine besonders schwere Störung festzustellen ist. Sie darf nur erfolgen nach einer besonders gründlichen Diagnose. Eine medikamentöse Behandlung sollte jedenfalls immer eingebettet sein in ein therapeutisches Gesamtkonzept, das psychotherapeutische, pädagogische oder soziale Interventionen umfasst: Aufklärung und Beratung von Eltern, Kindern und Lehrern, Elterntraining, Veränderung der Familiensituation oder Veränderungen in der Schule, Psychotherapie/Familientherapie."

Artikel auf den Webseiten der Bundespsychotherapeutenkammer: ADHS-Behandlung: Ritalin & Co nur noch zweite Wahl

Zum Schutz von Kindern und Jugendlichen – Verordnung von Stimulantien nur in bestimmten Ausnahmefällen: Ritalin & Co nur noch 2. Wahl

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) als das höchste Gremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im Gesundheitswesen Deutschlands hat am 16. September 2010 die Verordnungsfähigkeit bestimmter Stimulantien aufgrund des Risikos, das vor allem für Kinder und Jugendliche mit der Einnahme dieser Medikamente verbunden ist, künftig noch weiter eingeschränkt, als das bisher der Fall war. Dies betrifft das starke Psychopharmakon Methylphenidat (Ritalin, Medikinet etc.), das bei der Diagnose ADHS (Aufmerksam-keitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) sehr häufig bei Kindern verordnet wird. Nutzen und Risiken dieser Medikamente müssen nun viel sorgfältiger abgewogen werden. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Weinerlichkeit und langfristig ein geringeres Körperwachstum. Stimulantien wie Methylphenidat sind grundsätzlich nicht verordnungsfähig und nur ausnahmsweise im Rahmen eines ganz eng begrenzten Indikationskatalogs zugelassen. Der Befund AD(H)S muss im diagnostischen Prozess künftig noch umfassender als bisher geprüft werden, und die Verordnung dieser Medikamente darf nur noch von Spezialisten für Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen erfolgen. Zudem muss die medikamentöse Behandlung regelmäßig unterbrochen werden, um ihre Auswirkungen auf das Befinden des Kindes beurteilen zu können.
Die Bundespsychotherapeutenlammer (BPtk) hebt hervor:
Die geänderte Arzneimittel-Richtlinie schreibt jetzt vor, dass
  • eine Behandlung von ADHS ohne Medikamente beginnen muss,
  • Methylphenidat erst dann eingesetzt werden darf, wenn die nicht-medikamentöse Behandlung nicht erfolgreich ist,
  • Methylphenidat auch dann nur innerhalb einer therapeutischen multimodalen Gesamtstrategie eingesetzt werden darf, die neben pharmakologischen Maßnahmen insbesondere auch psychologische, pädagogische und soziale Therapiekonzepte nutzt,
  • die Behandlung unter Aufsicht eines Spezialisten für Verhaltensstörungen bei Kindern durchgeführt werden muss,
  • der medikamentöse Einsatz besonders zu dokumentieren ist, insbesondere bei einer Dauertherapie über zwölf Monate,
  • mindestens einmal jährlich die medikamentöse Behandlung unterbrochen und neu beurteilt werden muss,
  • die ADHS-Diagnose auf Kriterien der DSM-IV oder der ICD-10-Klassifikation beruhen muss.
KONFERENZ ADHS hat sich von Anfang an die Verbesserung der Therapie von mit ADHS diagnostizierten Kindern zum Ziel genommen und sieht sich durch die neue Richtlinie des G-BA  in seinen Bemühungen bestätigt. Psychopharmaka müssen immer nur nachrangig, Psychotherapie und Psychoedukation immer erstrangig sein. Leider sah die Praxis bisher viel zu oft genau umgekehrt aus.
Umso mehr begrüßen wir deshalb die nun verbindliche Festlegung einer immer erstrangigen Psychotherapie bzw. Psychoedukation vor einer eventuellen medikamentösen (Mit-) Behandlung.
Ritalin &  Co sind nur noch zweite Wahl.
Verantwortlich für die Pressemitteilung:
Dipl.-Psych. Hans Reinhard Schmidt
Sprecher KONFERENZ ADHS
konferenz-adhs@online.de

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Qualität

Es kann in Waldorfschulen immer nur eine Qualitätsfrage geben: Wird die Menschenkunde ausreichend angewandt?
Nur durch das Studium der Menschenkunde erlangen die Lehrer die Qualifikation, die sie für den Waldorfunterricht brauchen.

Das muss verbunden werden mit einer allgemein menschlichen Fortentwicklung, wie sie z.B. durch das Praktizieren der Nebenübungen erreicht wird. Dadurch wird z.B. eine gesteigerte Aufmerksamkeit erzielt. Oder durch die Posivitätsübung wird man die Kinder immer wieder in einem neuen Licht sehen können.

Alles andere, was die Schulverwaltung angeht, kann sich nur aus der persönlichen Entwicklung der Kollegen ergeben. Was nützt eine immer wieder erneuerte Schulstruktur, wenn sich die moralischen Fähigkeiten der Kollegen nicht entwicklen?

Was nützen alle Powerpoints und Brainstormings und Flipcharts und Qualitätssicherungs-Maßnahmen... (solche Begriffe sind auch in Waldorfkreisen immer häufiger zu hören). Der Unterricht wird nur besser, wenn man sich mit groß- und kleinköpfigen Kindern beschäftigt.

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Berater und Modelle

In Fortsetzung des gestern Geschriebenen...
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Jeder Wissenschaftler oder Berater ist natürlich von seiner Methode oder seinem Modell sehr überzeugt. Er wird darüber einen Artikel, ein Buch oder viele Bücher schreiben. Er wird herum fahren und überall seine Überzeugung vertreten.

Das gilt auch für die Berater von Waldorfschulen, aus welcher Richtung sie auch kommen, um die Schulen in ihrer "Qualität" zu "verbessern".
Niemals sollte eine Schule unmittelbar den Modellen und Methoden solcher "Fachleute" folgen.


Erst durch die Auseinandersetzung mit den Ideen anderer und einer intensiven anthroposophischen Arbeit entstehen in den Kollegien die rechten Kräfte für die Selbstgestaltung der Schule.

Selbst Waldorfliteratur, wie z.B. die anregenden Bücher von Schubert für den Rechenunterricht oder von Tittmann für die Sprachlehre, kann immer nur Modellcharakter haben. Niemals sollte man direkt den Vorschlägen solcher Bücher folgen.
Aber jeder Lehrer wird sie selbstverständlich studieren, genau so wie er die Menschenkunde studiert und übt.
Aus der Verbindung von intensiver, täglicher anthroposophischer Arbeit mit den existierenden Büchern und Methoden ergibt sich dann der eigene Unterricht, der sich an den eigenen Schülern orientiert.

Dienstag, 7. Dezember 2010

Herausforderung unserer Zeit

Der Waldorfunterricht  und die Waldorfschul-Selbstverwaltung stellt die Kollegien vor immer größere Herausforderungen.

Seit einigen Jahren ist innerlich von den Lehrern eine Art Entscheidung gefordert: Folge ich gewissen Methoden oder stelle ich meine Arbeit ganz auf mich selbst.
Erarbeite ich meinen Unterricht selbst oder folge ich Vorbildern. (Wobei ich nicht den Anfänger meine, der durchaus einmal Methoden und Vorbildern folgen darf, aber mit dem Ziel, den eigenen Weg zu finden.)

Unterricht kann nur aus dem eigenen Ich herausquellen; sonst ist man nicht nah genug an den Schülern dran. In Wahrheit erfordert jeder Moment eine neue Methode.
Das gilt auch für die Konferenzen und die Schulverwaltung: Folge ich Beratern und ihren Vorschlägen und Modellen oder entwickle ich selbst, was für meine Schule in einer bestimmten Situation wichtig ist..

Alle Modelle, Verfahren oder Methoden können immer nur Übungscharakter haben. Man wird sie studieren, prüfen und mit ihnen umgehen; aber man wird sie nicht einfach anwenden und übertragen können. Sofort entfällt ihnen das Leben.

Wie man eine Nahrung aufnimmt und dann verdaut, um in den Lebensprozessen kraftvoll darinnen zu stehen; so wird man vielfältige Methoden kennenlernen, verdauen und dann frei und tüchtig in den Lebens- und Arbeitsprozessen stehen.

Heute gilt, dass keine Methode, kein Unterrichtsmodell usw. an einem anderen Ort zu einer anderen Zeit wieder so wirkt wie vorher.
Es erstarrt alles sofort und erstirbt.

Montag, 6. Dezember 2010

Weihnachtsspiele

Allerorten werden an den Waldorfschulen nun wieder die Weihnachtsspiele vorbereitet.

Rudolf Steiner hat die Inhalte der Spiele nie besonders ausführlich erörtert oder kommentiert. Er wies aber sehr stark auf die Gefühlsinnigkeit und Frömmigkeit der damaligen Spieler hin.

Das Oberuferer Christgeburtspiel

Man muss gar nicht viel äußeren Aufwand mit den Spielen betreiben, aber man muss sein Gemüt erwärmen. Mit immer und immer größerer Gemüthaftigkeit sich in die Spiele hineinfinden. Die Frömmigkeit der Menschen, die früher diese Spiele machten, nachzuerleben versuchen. Vielleicht sogar selber ein wenig diese Frömmigkeit wieder erlangen. Dann wird man auch die rechten Bewegungen, Gebärden und Gesten für das Speil finden.

Dann kann man auch das eine oder das andere unverständliche Wort ohne Gewissensbisse auswechseln oder den Text abändern, wenn man nur die rechte Gefühlswärme auszustrahlen versucht.

Samstag, 4. Dezember 2010

Ob ein Kind gehorcht oder nicht, hängt von der Beziehung ab

Henning Köhler packt in der „Erziehungskunst“- 12/2010 wieder einmal ein heißes Eisen an. Aber er verwendet dabei leider dicke Lederhandschuhe, um sich die Finger nicht zu verbrennen. Waldorfpädagogik ist immer etwas Zukünftiges. Sie kann sich nicht mit den autoritären Kräften der Vergangenheit mehr verbünden. Und dennoch wird sie nicht in antiautoritärer Weise, die Kinder führungslos lassen, sondern sie immer in einfühlender, individueller Weise zu führen versuchen:
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"Liebe schmilzt Angst weg
oder: Dressurpädagogik? Nein, danke! 


von Henning Köhler 

„Kinder gehorchen nicht, weil ihre Eltern Disziplin effizient durchsetzen. Ob ein Kind gehorcht oder nicht, hängt von der Beziehung ab.“

Bernhard Buebs »Lob der Disziplin« wird von manchen Waldorfpädagogen sehr geschätzt. Andere schwören auf »Kinderjahre« des Schweizer Kinderarztes Remo Largo. Wie passt das zusammen?

Aus einem »taz«-Interview mit Largo: »Woher kommt die Renaissance des autoritären Erziehungsgedankens?« Largo: »Reine Nostalgie. Ich bin überzeugt: Das autoritäre Zeitalter ist vorbei.« - »Aber schließlich müssen Kindern doch Grenzen gesetzt werden.« Largo: »Eine typisch deutsche Haltung. Ich bin ganz anderer Ansicht. Kinder gehorchen nicht, weil ihre Eltern Disziplin effizient durchsetzen. Erziehung wäre (unter diesen Umständen) ein Albtraum. Ob ein Kind gehorcht oder nicht, hängt von der Beziehung ab.« Für die Lernmotivation gelte dasselbe. »Darüber gibt es Studien. Das ist keine Wohlfühlpädagogik.«






Auch Michael Winterhoffs »Warum unsere Kinder Tyrannen werden« hat in Waldorfkreisen Beifall gefunden. Er regt sich furchtbar über Kinder auf, die nicht unverzüglich jede Anweisung befolgen. Sein Credo: Von früh an mit positiver und negativer Verstärkung - Lob und Tadel - die Psyche des Kindes trainieren! Ein »Angstmogul« sei Winterhoff, befindet Alex Rühle in der »Süddeutschen Zeitung«. Toni Feldner, wie Rühle Vater von zwei Kindern, bekräftigt das Urteil von Rühle über Winterhoff in seinem Buch »Genug erzogen«: »Ich habe mich hart getan mit dem Lesen, es wird einem ganz düster zumute.«

Winterhoff behauptet im Internetportal »Wir Eltern«. vor dem achten Lebensjahr hätten Kinder keine eigene Persönlichkeit, bis zum fünfzehnten, sechzehnten Lebensjahr keinerlei Einsichtsfähigkeit. Largo wirbt dafür, die Individualität des Kindes von Geburt an zu respektieren. So denkt auch der in Waldorfkreisen geschätzte Hirnforscher Gerald Hüther. Beide setzen auf angstfreie Beziehungen und autonomes Lernen. Während Bueb und Winterhoff konsequent auf der Ebene des Machtkampfes argumentieren, sind Largo und Hüther überzeugt: In einem guten sozialen Klima erübrigt sich die Machtfrage. Oder: Die Kunst des Liebens schmilzt die Angst weg.

Miriam Gebhard schreibt in ihrem Buch »Die Angst vor dem kindlichen Tyrannen«: »Wer heute lauthals fordert, Kinder müssten Disziplin und Gehorsam lernen, wer ständig von ‚Grenzen’ spricht, der muss sich gefallen lassen, dass man ihn an die Vergangenheit erinnert: an all die Ratgeberpäpste, die dazu beigetragen haben, dass deutschen Eltern angst und bange wurde vor ihren kindlichen ‚Tyrannen’.« Die Tyrannen-Litanei und die Forderung nach Dressurpädagogik ist freilich kein Spezifikum des 20. Jahrhunderts. Sie hat eine lange, traurige Tradition.

Ist es überhaupt sinnvoll zu fragen, wo »die Waldorfpädagogik« hinsichtlich des leidigen Themas Macht, Disziplin, Autorität historisch und aktuell zu verorten ist? Irgendwo »zwischen« den Fronten? Ich fürchte, das geht nicht. Die Mischung der Farben Bueb und Largo würde ein indifferentes Graubraun ergeben. Mit Sicherheit kein Lila.

Das ist eine Einladung zur Debatte!" 

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Klassenzimmer als Spielwiese

Immer häufiger funktionieren Lehrer das Klassenzimmer um. Es wird zur Turn- und Spielwiese oder gar nebenbei auch noch zur Werkstatt mit einer Werkbank. Das ist ja immer nett gemeint und man meint auch, dass man den Bedürfnissen der Schüler dadurch gerecht würde. Wie oft hört man das Wort: "Sie sollen sich auch einmal austoben dürfen." - "Sie sitzen so viel - im Auto, in der Schule...!"
Das geht auch einher damit, dass man immer häufiger "nette" Dinge macht, die der Auflockerung des Unterrichtes dienen. Z.B. bastelt man dieses oder jenes.
Seit der Unterricht immer weniger menschenkundlich durchdrungen wird, nehmen diese Elemente in den Schulen zu.
Das Klassenzimmer wird zum "Multifunktionsraum".

Das Klassenzimmer sollte aber ein Raum des Lernens sein und bleiben. Für andere Aktivitäten sollten auch andere Räume geschaffen werden. Der Schüler sollte einen Klassenraum mit dem unbewussten Gefühl betreten, dass dies ein Ort des Lernens ist und dass sich seine Seele darauf auch unmittelbar einstellt.

Die Pausen dienen dem Spiel. Der Handarbeitsunterricht dient den Handarbeiten und dem Basteln. Der Turnunterricht ist für die Bewegung da, usw.
So hat jede Sache ihre rechte Zeit und ihren rechten Ort.

Mit dem Austoben lassen und dem Herumspielen im Klassenzimmer tut man den Kindern nur vordergründig etwas Gutes. Natürlich finden sie das toll.
Aber es ist ein viel höheres Lebens-Lern-Ziel, dass man lernt, die Dinge richtig zuzuordnen, zur rechten Zeit das Richtige zu machen.
Wenn ich am Sonntagvormittag schon einen dienstlichen Anruf eines Kollegen bekomme, dann habe ich das Gefühl, dass mich das stört. Das ist für mich keine Schul-Vorbereitungs-Zeit. Wann nimmt sich denn dann dieser Mensch Zeit für die geistige Arbeit, für das Studium von Menschenkundlichem?

So kommt es dann auch zur Verlagerung des Lernens auf den Nachmittag zu Hause. Das wäre aber ein rechter Ort des Spielens, nicht die Zeit des Aufgaben-Machens.
Wenn in der Schule die Ernsthaftigkeit des Lernens im Vordergrund steht, dann braucht es schon gar keine Hausaufgaben für den Hauptunterricht mehr.

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Gemeinschaftsfragen im Kollegium

Ein Kollegium soll aus möglichst freien Individualitäten bestehen. Jeder verantwortet sein Tun selbst.

Es muss aber auch eine Gemeinschaft bilden - in allem, was über den eigenen Unterricht hinaus geschieht. Ein ungünstiges Zeichen ist es, wenn wichtige Schulangelegenheiten nur von wenigen wahrgenommen, durchgeführt oder durchgetragen werden.

Die Weihnachtsspiele haben nur dann eine positive Wirkung auf die Schule, wenn sie von allen mitgetragen werden. (Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel) Wer nicht mitspielen kann, kann ja z.B. auch für das Wohlergehen der Kumpanei bei Proben sorgen. Das wäre auch ein Mittragen.

Die Sonntagshandlungen brauchen die Anteilnahme möglichst vieler Kollegen, wenn sie etwas Gesundes in der Schule sein sollen.

Mitgliederversammlungen sind ein Muss für alle - ohne Ausnahme.

Wenn es eine Schulzeitung gibt, die mit viel Liebe und Einsatz von wenigen erstellt wird, und man bemerkt nach einiger Zeit, dass kaum ein Kollege sie liest, dann ist das auch Symptom für einen Krankheitsherd im Kollegium.

Rudolf Steiner wünschte auch, dass wichtige Forschungen und Arbeiten, die ein Kollege außerhalb des Rahmens der Schule erstellt, von allen mit Interesse wahrgenommen werden.

So kann das Kollegium eine wirkliche Gemeinschaft von freien Individualitäten werden.

Dienstag, 30. November 2010

"Jahresarbeiten"

Unbedingt bedacht werden müsste einmal der pädagogische Wert der "Jahresarbeiten"; besonders in der 8.Klasse:
Wie viele Schüler bewältigen das gut und wie viele sind damit völlig überfordert, so dass die Eltern einen großen Teil der Leistung erbringen?
Wie sieht es mit den gewählten Themen aus? Sind es im Sinne der Waldorfpädagogik wünschenswerte Themen und werden sie in der wünschenswerten Weise ausgearbeitet und vorgetragen?
Wird nicht oft der Ehrgeiz und der Egoismus der Schüler unterstützt? Sie machen etwas für sich, was sie sich vielleicht schon lange wünschten?
Wieviele Arbeiten werden letztendlich doch in einer ganz kurzen Zeit angefertigt und reifen und entwickeln sich nicht wirklich?

Man blickt auf gute Einzelleistungen, die einen beglücken; aber wie ist es mit der Gesamtheit einer Klasse?

Ist nicht das Klassenspiel eine ausreichende "Jahresarbeit? Dazu noch eine gemeinschaftliche?

Man kennt dann auch gleich die Antworten, die kommen: Es ist wichtig und schön, dass die Kinder einmal eine selbstständige Arbeit durchführen, usw. Wie aber ist das durch die Menschenkunde abgedeckt? Wie ist die Entwicklung der Seelenglieder gegen Ende des zweiten Jahrsiebts? Wie bringt man das alles miteinander in Einklang?

Ich habe noch nie an keiner Schule eine befriedigende Vorstellung der 8.Klass-Arbeiten erlebt.

Im Rundbrief der Pädagogischen Sektion Michaeli 2010 schreibt Christoph Wiechert ("Die pädagogische Praxis der Waldorfschulen") im Anschluss an seine Ausführungen zu den 12.-Klass-Arbeiten:


"Bei diesem Thema kann einem die Frage kommen, was ist die pädagogische Relevanz, was ist die pädagogische Redlichkeit, solche Arbeiten auch an das Ende des achten Schuljahres zu legen? Wie ist das Verhältnis von Lernen zum Event? Welcher pädagogische Gewinn liegt in einer Abschlussarbeit eines Achtklässlers...? Wie ist diese Idee entstanden? Im allgemeinen Sog, früh etwas zu tun, was für später vorgesehen war?
Auch hier sind nicht reflektierte Gewohnheiten entstanden, die der pädagogischen Selbstberatung harren. Sehen wir einen Gewinn, eine Zunahme an Selbstständigkeit, sehen wir wirkliche Originalarbeiten oder ist es Abgeschriebenes aus Wikipedia im Internet?"

Montag, 29. November 2010

Die Kinder morgens würdig empfangen

Wenn man zuhause Gäste erwartet, dann bereitet man die Wohnung so vor, dass die Gäste sich wohl fühlen können, wenn sie kommen.

An der Freien Waldorfschule Hannover wurden, wie ich gelegentlich hörte, früher die Kinder an der Schulhaustüre alle von einem Lehrer mit Handschlag begrüßt, wenn sie morgens kamen.

Ein Epochen-, Fach oder Klassenlehrer greift diese Geste in freier Weise auf und überlegt, wie er die Kinder morgens möglichst würdig empfängt. Dazu wird er vor den Kindern im Klassenraum sein. Erfahrungsgemäß muss er dafür mindestens 15 Minuten früher da sein.

Viele Kinder kommen auch noch früher, z.B. weil ihre Eltern auch schon sehr früh zur Arbeit müssen. Sie sollten möglichst nicht vor einem verschlossenen Schulhaus länger stehen müssen. Dafür bräuchte es eine Art Frühdienst: Ein Lehrer, der so früh da ist wie die frühesten Kinder. Das gibt den Kindern und Eltern ein sichereres Gefühl.

Die Zeiten, wo man Kinder vor verschlossenen Türen bis knapp vor Schulbeginn warten lässt, sind vorbei.

Sonntag, 28. November 2010

Das geistige Gegengewicht gegen den Materialismus

Die Schüler leben in zwei Welten. Die eine Welt ist das Leben außerhalb der Schule, die andere ist die Schule selbst. Es war nie die Intention Rudolf Steiners, dass der Lehrer die Aufgabe habe, auf das Leben außerhalb der Schule entscheidend einzuwirken, auch wenn er vieles nicht gut finden kann. (Das kann er mehr als Privatsache betrachten.)

Er wollte, dass die Waldorfpädagogik, den Kindern neben den normalen Lernzielen das mitgäbe, was ihnen das Leben draußen nicht geben könne. Es sollte in den Schulen eine Art Gegengewicht gegen die materialistische, geistlose Welt draußen gebildet werden.

Dem Materialismus solle das Geistdurchdrungene entgegengestellt werden. So erhalten die Kinder in der Schule für ihre Seelen die Nahrung, die ihnen das Leben draußen überwiegend nicht geben kann. So können sie sich gesund entwickeln.

Auch wenn es in den Schulen Anforderungen gibt, die von außen aufgezwungen werden (Prüfungsanforderungen), so kann der Waldorflehrer immer auch diese Anforderungen durch seinen anthroposophisch und menschenkundlich geschulten Geist veredeln, verwandeln oder eben immer etwas Lebendiges daneben stellen. Schon seine sich ständig verwandelnde Persönlichkeit wird dem Schüler bei dem trockensten Stoff etwas mit auf den Lebensweg geben können.

Donnerstag, 25. November 2010

Zur Impffrage: Mumps

Nun ist es wissenschaftlich offiziell: "Mumps schützt wirklich vor Eierstockkrebs". So lautet die Überschrift eines Artikels in der FAZ vom 24.Nov. 2010, Seite N2 .
Nachdem wohl frühere Untersuchungen noch nicht beweiskräftig genug waren:
"Nach einer durchgestandenen Mumpserkrankung verringert sich für Frauen deutlich das Risiko, im späteren Leben an Eierstockkrebs zu erkranken (West R., Cancer 1966, 19:1001-1007). Auch andere Krebsarten sind nach einer Mumpserkrankung seltener (Albonico H.U., Med Hypotheses 1998, 51(4):315-320). Mumps in der Kindheit senkt ausserdem die Wahrscheinlichkeit im späteren Leben an Multiple Sklerose zu erkranken. (Kesselring, J. Schweiz Med Wochenschrift 1990, 120:1083-1090)."
Mal sehen, was weitere Untersuchungen wohl noch bringen werden. Vielleicht muss man bald die Wirkungen von Impfungen ganz anders beurteilen und die Kinderkrankheiten kommen wieder zu ihrem Recht.


Kommentare:


earthwitch hat gesagt…
Ich beurteile die Wirkung von Impfungen tatsächlich ganz anders und bin damit nicht allein. Wir verteufeln Dinge viel zu früh. Das auch Krankheiten ihren Sinn haben könnten, kommt der modernen Medizin nicht unbedingt in selbigem. Persönlich glaube ich auch, dass es gerade beim Impfen hauptsächlich wirtschaftliche Interessen sind, die das Reagenzglas am Brodeln halten. Die Homöopathie ähnelt dem Impfgedanken, verzichtet aber auf das Einbringen bedenklicher Substanzen in den Körper. Wirklich bedauerlich ist, dass Eltern wirklich mit ihrem Gewissen ringen, wie sie es nun richtig machen und vielleicht auf bitterem Wege erfahren, das ihre Entscheidung (ob nun für oder gegen) richtig war, vielleicht sogar nie...

Mittwoch, 24. November 2010

Die unbraven Kinder

Was dem Lehrer das Leben schwer macht, das sind die nicht-braven Kinder. Der Lehrer liebt und wünscht brave Kinder. Die unbraven Kinder stören seinen Unterricht. Sie stören seine Pläne und Vorhaben.

In diesen Kindern aber offenbart sich das wirkliche Leben. Die "Störung" ist das eigentliche Lebenselement des Unterrichts. Nie kann der Lehrer mit dem, was er tut, völlig richtig liegen. Die Korrektur kommt durch die Schüler. Sie kommt durch die unbequemen Schüler.

Weise ich alles zurück, was mir nicht passt, dann kann ich mich als Lehrer nicht entwickeln. Die innere, konstruktive, positive Auseinandersetzung mit den Störelementen, bringt mich weiter. Durch sie nähere ich mich der neuen Geisteswelt der Kinder an.

Jede Störung, jeder Zwischenfall will mir etwas sagen, will mich belehren. Mache ich etwas Gutes daraus, dann erlöse ich die negative Situation und verwandle sie und damit auch den Anteil des Schülers daran in etwas Gutes.

Humorvoll ausgedrückt könnte man sagen: Unterricht ohne Kinder wäre viel einfacher.

Sonntag, 21. November 2010

Zur Stimmung des Lehrers den Kindern gegenüber

Man möge einmal die Situation des Lehrers in Bezug auf seine Klasse vergleichen mit derjenigen eines Vaters oder einer Mutter den eigenen Kindern gegenüber.

Man stelle sich vor, das eigene Kind war einige Stunden nicht zu Hause und es kommt zurück. Welch eine Freude, welche eine Begeisterung, welch ein Ausdruck elterlicher Liebe.

Etwas davon möge der Lehrer täglich neu in sich erwecken, wenn er z.B. morgens die Kinder empfängt. Er wird dabei äußerlich natürlich Zurückhaltung walten lassen, aber innerlich darf er umso bewusster die Freudegefühle erwecken.

Die Kinder, die Schüler sehnen sich nach dieser inneren Form der menschlichen Beziehung.

Donnerstag, 18. November 2010

Termine und Planungen

Termine und Planungen kann man nicht einfach verschieben oder willkürlich verändern.

Die Menschenseele verbindet sich mit Planungen und Verabredung in einer viel tieferen Weise, als man das mit dem oberflächlichen Bewusstsein ahnt.

Seelisch bereitet man sich unbewusst auf alles vor, was der nächste Tag oder die nächsten Tage bringen werden.

Mit einer Verabredung ist eine geistige Tatsache in die Welt gesetzt, die einer unbedingten Einhaltung bedarf. Die Verabredung eines Termins oder einer Planung ist wie ein Versprechen, das man sich gegenseitig gibt.

Veränderungen in diesem Ablauf verwirren und schwächen die menschlichen Seelen.

Es müssen schon sehr starke äußere Einwirkungen oder Notwendigkeiten vorliegen, die einen zwingen, einen Termin oder eine Tagesordnung zu ändern.

Termine immer mit einer ganz exakten Zeitangabe ausmachen; möglichst nicht als Zeitraum angeben: z.B. zwischen 13 und 14 Uhr.  Die Seele findet dann in dem ganzen Zeitraum doch keine Ruhe und Konzentration für eine andere sinnvolle Arbeit.

Auch durch Verspätungen wird eigentlich das ganze Versprechen empfindlich gestört. Ein fruchtbares Gespräch ist wohl kaum mehr zu erwarten.

Mittwoch, 17. November 2010

Pünktlicher Beginn

Ein Gespräch oder eine Konferenz kann nur pünktlich beginnen, wenn alle schon eine ausreichende Zeit vorher da sind.
Ist ein Gesprächstermin um 11 Uhr und die Eltern kommen - wenn man Glück hat - etwa genau um 11 Uhr, dann verzögert sich der eigentliche Beginn des Gesprächs unnötig.

Noch drastischer wird es bei Treffen mit mehreren Menschen, z. B. bei einer Konferenz. Hier gibt es so viele Begrüßungs-Notwendigkeiten, so viel mitzuteilen, dass eine Konferenz niemals pünktlich beginnen kann, wenn nicht alle ein wenig früher kommen.

Für einen ordentlichen, ruhigen, konzentrierten Konferenzbeginn müssten nach meiner Erfahrung alle Teilnehmenden 10-15 Minuten vor dem Termin eintreffen.

Also "unpünktlich" in solchen Zusammenhängen ist man in Wahrheit schon, wenn man auf die Minute im Raum erscheint.
Eine Vorlaufzeit muss persönlich eingeplant werden.

Kürzlich nahm ich an einer Klassenkonferenz teil. Wir waren zu dritt, als die verabredete Uhrzeit erreicht war. Nach und nach, z.T. ohne Entschuldigung, trafen dann weitere Kollegen ein. Scheinbar nimmt man die Dinge auch nicht so sehr wichtig.

Aus dieser Erfahrung heraus gab es an der Uni immer den Vorlesungsbeginn z.B. 8.00 Uhr c.t.; d.h. um 8.15 Uhr.

Dienstag, 16. November 2010

Telefonieren

Durch eine Anregung von Tiki Küstenmacher (Simplify your life) möchte ich doch einmal auf das Thema Telefonieren z.B. unter Kollegen eingehen.

Man bekommt einen Anruf und man weiß, dass der Anruf einem wichtigen Anliegen dient. Nun handelt es sich um einen sehr höflichen, rücksichtsvollen Kollegen, der zunächst einmal fragt, wie es einem denn ginge, und er beginnt über eine nebensächliche Sache zu sprechen. Später kommt er dann mit seinem eigentlichen Anliegen. Da man aber weiß, dass der Anruf eben nur diesem Anliegen dient und nicht der Nachfrage, wie es einem ginge,  kann man während des Vorgeplänkels keine so rechte Freude empfinden.
Deshalb sollte hier folgende Regel gelten:
_______________________________________________________________
Nun das Zitat von Tiki Küstenmacher, Braunschweiger Zeitung, Mo. 15.11. 2010:

Zur Sache bitte!
Nehmen Sie Ihren Gesprächspartner am Telefon als Menschen wahr - aber bitte nicht à la:"Wie geht's denn so?" Kommen Sie nach einem kurzen Gruß sofort zur Sache. Wenn dann noch Zeit ist, können Sie sich kurz über Privates unterhalten....

Montag, 15. November 2010

Konferenzarbeit II

Man wird sicher manche pädagogische Konferenz-Arbeit durchführen, wo es nicht auf ein konkretes Ergebnis ankommt. Aber es wird viele, auch allgemein-pädagogische Themen geben, wo man stark auf Ergebnisse sehen sollte. Man arbeitet z.B. über Temperamente oder über großköpfige und kleinköpfige Kinder, da sollte die Konferenzleitung immer darauf sehen, dass hinterher etwas Ergebnisartiges zusammengefasst wird. Hier sollen die Konferenzteilnehmer wie Schüler richtig etwas lernen. Sie sollen z.B. in der nächsten Konferenz alle wesentlichen Aspekte der 4 Temperamente auswendig wiedergeben können. Solche Dinge sollten wie das Einmaleins mit Klarheit und Sicherheit gewusst werden.

Das ist das Mindeste. Eigentlich sollten die Dinge sogar verdaut werden und in der nächsten Konferenz sollten sogar neue Ideen aus den Kollegen sprießen, wie die frische Saat aus dem Acker. Die eine Konferenz sät, die nächste betrachtet die neuen Sprosse.

Wenn aber alles im Freiwilligen bleibt, bleibt es im Unverbindlichen, im Beliebigen und man kann im Kollegium keinen Erkenntnisfortschritt erleben. Der Geist vieler Kollegen bleibt in der Konferenz passiv.

Auch bei anderen Konferenz-Gesprächen versuche man zielorientiert immer auch das kleinste Ergebnis, das man festhalten kann, gemeinsam zu formulieren oder die Leitung formuliert es für alle.

Samstag, 13. November 2010

Vorbild sein

ZITAT:
"Rubrik: KUNST DES LEBENS -Braunschweiger Zeitung - 12.11.2010
Was Sie Ihrem Kind sagen, hat viel weniger Wirkung, als was Sie ihm vorleben. Ihr Kind erfasst dabei nicht nur, wie Sie sich ihm gegenüber verhalten, sondern es beobachtet auch Ihr Verhalten anderen gegenüber. Leben Sie Ihrem Kind  Ehrlichkeit vor, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Familie. Verlangen Sie von dem Kind keine Alltagslügen.
Tiki Küstenmacher"

Freitag, 12. November 2010

Widersprüchliches Verhalten

Die Menschen verhalten sich widersprüchlich. Man wird erleben, dass manche Menschen, die viel über gesunde Nahrung reden, dennoch auch bei Aldi einkaufen. Dabei wird ihnen das Widersprüchliche nicht bewusst. Sie denken weiterhin, dass sie sich im Grunde treu an ihre Ideen halten würden.

Bei allen Diskussionen und Gesprächen muss man wissen, dass man zunächst meist nur auf einer ganz oberflächlichen Ebene spricht. Das Gespräch bewegt sich in Konventionen und Phrasen. Auch manche Forderungen, die Eltern verbal an die Schule stellen, bewegen sich zunächst meist auf diesem Niveau: Die Schule brauche mehr Transparenz, es müsse mehr Kommunikation geben usw.

Folgt man unmittelbar den Forderungen, ohne darüber nachzudenken, welch tieferer Sinn, welch tiefere, unausgesprochene Sehnsucht hinter den berechtigten Wünschen der Eltern steckt, dann wird man Gefahr laufen, große Fehler zu begehen.

Z.B. findet man dann jede Menge lange Berichte über alle möglichen Sitzungen in den Schulmitteilungen. Um dann mit der Zeit doch nur festzustellen, dass kaum einer diese Berichte liest.

In allen Menschen der Gegenwart stecken tiefere, große Sehnsüchte. Dafür finden sie meist aber keine passende verbale Ausdrucksmöglichkeit. Antworten und Lösungen auf diese Sehnsüchte, Hoffnungen und Erwartungen kann aber die vertiefte Anthroposophie oder Waldorfpädagogik geben.

Man wird also die Meinungs-Äußerungen immer sehr ernst nehmen, bei den Lösungsvorschlägen aber immer zurückhaltend sein und selber nach den geeigneten Lösungen suchen müssen. Meist braucht es dafür ein längeres, vielleicht sogar meditatives Nachdenken.

Die Widersprüchlichkeit der verbalen Äußerungen und der tatsächlichen Wünsche schildert ein Werbefachmann, Clotaire Rapaille in „Brand eins“, Nr.11 - 2010 so:
„ Marktforschung ist absolut wichtig. ...Die Frage ist nur: Können wir wissen, was die Leute wollen, indem wir sie danach fragen? ...Cadillac ...hat versucht, ein Auto nach den Kundenwünschen zu bauen. Dabei ist ein Kleinwagen herausgekommen – genau so, wie es die Leute wollten. ... Das Ding hat niemand gekauft.“

In die größten Irrtümer läuft man hinein, wenn man z.B. in einer Einrichtung des Freien Geisteslebens, einer Waldorfschule das System von Meinungsumfragen anwendet. In einer Waldorfschule wird es immer möglich sein, mit den Eltern zu sprechen. So kann man sich in sie hineinfühlen und ihre tieferen Anliegen erspüren.

Trotz dieser Tatsache, ist mir bekannt, dass es Waldorfschul-Berater gibt, die Schulen eine Meinungsumfrage empfehlen und dies wird auch noch als eine Maßnahme zur Qualitätssicherung betrachtet. Diese Umfrage soll auch noch anonym zu Hause am Computer stattfinden. Hier soll jede menschliche Beziehung ausgeschlossen werden.

Donnerstag, 11. November 2010

Konferenzarbeit I

Viele Lehrer sitzen viele Stunden in vielen Konferenzen.
Vieles wird besprochen, mitgeteilt und geregelt.
Aber findet eine wirkliche Arbeit statt? Diese Frage sollte man sich immer wieder stellen; gerade, wenn es nicht um unmittelbar praktische Regelungen von Alltagsproblemen geht.
Wird durch die Konferenzarbeit etwas Neues geschaffen oder nicht?

Wenn die pädagogische Arbeit am Werk Steiners hinterher nur Ratlosigkeit zurücklässt, weil man vieles nicht versteht oder die Ansprüche als zu hoch empfindet, dann erwachen in den Lehrerseelen auch nicht die Kräfte, die sie für den Unterricht brauchen. Wenn es einige Kluge gibt, die die Inhalte erklären, darüber vielleicht sogar vorbereitete Referate oder Vorträge halten, aber doch im Gedanklichen bleiben oder gleich die handfesten praxisbezogenen Beispiele geben, dann erweckt das auch nicht die individuellen Impulse, die man eigentlich braucht.

Weder das Intellektuelle noch das Praktische darf im Vordergrund stehen. Die Gedanken Steiners müssen durch das Gefühlsmäßige in den Seelen zu wirken beginnen und dann nach und nach die Ideen für die Unterrichtspraxis in den einzelnen Lehrerseelen hervorbringen.
Die Verantwortlichen in einer Schule müssen das Konferenzgespräch so führen, dass Empfindungen entstehen, durch die die Gedanken Steiners sich mit den Seelen aller Lehrer verbinden können. Eine Hilfe sind immer lebendige, gefühlsdurchdrungene Bilder.

Wenn das nicht gelingt, dann wird es an immer weniger Schulen überhaupt noch eine pädagogische Arbeit an den Werken Steiners geben.

Mittwoch, 10. November 2010

Sinnvolle Lebensprozesse oder Bürokratie ?

In Waldorf- oder in anthroposophischen Zusammenhängen sollte man sehr bewusst ein Gefühl dafür entwickeln, ob man systematisch, formal oder eben bürokratisch vorgeht oder eben ganz lebendig, kind- und lebensgemäß.

Es gibt äußere Zwänge, die zu einer bestimmten Bürokratie zwingen: z.B. das Führen eines Klassenbuchs.

Aber es gibt keine Vorschrift, wie die Mitteilungen von Eltern sein sollen, wenn ein Kind krank ist. Verlangt man grundsätzlich eine schriftliche Entschuldigung aus Prinzip und hebt diese auch noch auf? Formal und bürokratisch wäre es, wenn man sich später dann doch nicht mehr für die Mitteilungen interessierte. Ein sinnvoller Lebensprozess ist es, wenn man dann z.B. am Schuljahresende noch einmal alle Entschuldigungen hernimmt und über die Mitteilungen und dabei über das Kind quasi meditiert: Was wollen mir beispielsweise die Erkrankungen neues über das Kind mitteilen?...

Grundsätzlich gehört zur Waldorfpädagogik der weitgehendste Verzicht auf alles Formale, Systematische, Kategorisierende. Bei allem frage man nach dem sinnvollen Lebensprozess.

Gerade, wo nämlich die Kategorisierung und Systematisierung vom Kind durchbrochen wird, zeigt sich etwas von seiner Individualität.
Man kann ja nicht einmal von allen Kindern systematisch die gleiche Hausaufgabe erwarten.

(Ausnahmen vielleicht bei der Verteilung von Heften oder beim Einsammeln eines Geldbetrages. Hier lohnt sich eine übergroße, buchhalterische Genauigkeit, dass man keine Fehler macht. )

Man muss auch bei Elternabenden keine Anwesenheitslisten führen. Wer meistens nicht kommt, das weiß man sehr bald auch so. Und als Druckmittel machen diese Listen sowieso keinen Sinn; da sind die Eltern schnell immun.

Dienstag, 9. November 2010

Pädagogische Probleme

Aus den Konferenzen mit Rudolf Steiner, 15.3. 1922  - GA 300/2


"Eine Sprachlehrerin klagt über Schwierigkeiten im Englisch-Unterricht in der 7b.


Dr. Steiner: Diese Sache ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, wie der Klassenlehrer die Klasse am Bändel hat. Das wird den Vergleich herausfordern. Der weiß, was er will. Wenn sie den nicht hätten, sondern jemand anderen, so hätten Sie (die Sprachlehrerin) es leichter. Es ist bei ihnen ein gewisses unbestimmtes Wesen, es sitzen in den Gedankenformen der Kinder darinnen Ihre eigenen Gedanken. Das würde natürlich nicht in diesem Maße hervortreten, wenn Sie eine Kollegin hätten, wie Sie selbst sind. Der Klassenlehrer, der imponiert der ganzen Klasse, weil er selbst bei der Sache ist. Dieses schrecklich unbestimmt Lyrische, dieses Sentimentale, muß man sich abgewöhnen, wenn man in die Klasse hineingeht. ...


Die Klasse ist ein Spiegelbild unserer Gedanken. Sie müssen selbst bestimmter in Ihren Gedanken werden. Wenn ich in Ihrer Klasse darinnen wäre, würde ich es genau so machen. Ich würde ganz entschieden unartig sein. Ich kenne mich nicht aus. Ich weiß nicht, was Sie wollen. Man muß bestimmter denken. ...


Das ist die Kunst des Lehrers: Stark verwoben sein mit seinem Gegenstand und selbstlos verwoben sein mit seinem Gegenstand. Eigenschaften, die nicht häufig sind.


Die 7a ist eine anständige Klasse geworden, da kann man gut arbeiten. Die Fruchtbarkeit des Unterrichts hängt ab von der Totalität des Eindrucks, den die Lehrer auf die Kinder machen, nicht von kleinen Ungehörigkeiten oder Autoritätswidrigkeiten....


Von der Menschlichkeit des Lehrers hängt das Allermeiste ab."

Montag, 8. November 2010

Bankkredite für die Waldorfschule

Was im Beitrag über die öffentliche Schulfinanzierung (s.u.) geäußert wurde, das gilt auch für das Aufnehmen von Bankkrediten bei normalen Banken.
Da verwendet man ebenfalls Gelder, denen eine andere Intention anhaftet. Hier will der Geldgeber vielleicht nur, dass sein Geld möglichst großen Profit bringt oder dass es sicher angelegt ist. Vielleicht ist auch er in Wirklichkeit Gegner der Waldorfschule. So fließt auch diese Gegnerschaft hinein in die Mauern der Schulgebäude, die damit gebaut werden.

Das Geld für Investitionen der Waldorfschule muss von freundlich gesinnten Menschen stammen, wenn es Segen bringen soll.

s.a.Post: http://joveniden.blogspot.com/2010/11/der-wunsch-der-am-gelde-klebt.html

Kindermund

Fundstücke aus dem Internet:

Hier wird nur wirklich Gesagtes aus unseren Schulen (Gemeindeschulen Büllingen) veröffentlicht!
Am vorletzten Schultag soll auch die Klasse des 1. Schuljahres aufgeräumt werden. Fräulein fordert einen Jungen auf, das Buntpapier zu ordnen. Der prompt: "Fräulein, ich glaube ich bin nicht der Typ dafür!"


Beim Lesen des Morgengebets: "Wir bitten Dich für die Menschen, die sich nicht freuen können, weil sie unter Gewalt, Krieg und Unterricht leiden." (eigentlich Unrecht)


Der Lehrer erkundigt sich im Kindergarten:
"Wie geht es denn deinem Vater?"
Antwort: "Mein Vater ist ganz ungesund!"


Nach dem Crosslauf der Gemeindeschulen:
"Fräulein, ich war sogar schneller als die Japaner!"
"Die Japaner?" - "Na, die Schwarzen!"


Im Kindergarten hat sich ein neues Fräulein präsentiert, das mit den Kindern Französisch übt. Fragt die Mutter zu Hause:
"Und wie heißt das Fräulein?"
"Fräulein Bonscheratos!" (Eigentlich heißt sie Muller und hatte gesagt: "Bonjour à tous!")


"Ist dein Papa denn auch Lehrer?" - "Nein, der geht zur Arbeit!" (Kiga)


"Fräulein, meine Schraube ist los!" (Basteln im 2.)

Samstag, 6. November 2010

Hinaus in die Welt

Ein wichtiges Ziel von Erziehung überhaupt ist das Verbinden der Kinder mit der Welt. Sie sollen in vernünftiger Weise in die äußere Welt hineingeführt werden.

Kinder wollen und sollen sich mit der ganzen Welt verbinden können. Nicht nur mit Teilen der Welt. Sie kommen auf diese Welt und haben eine ungeheuere Sehnsucht, sich mit allen Fasern ihres Wesens in diese Welt hineinzustellen.

Sie können es nicht verstehen, wenn Erwachsene, ihnen Teile dieser Welt vorenthalten, weil sie sie als für das Kind schädlich beurteilen.

Die Familie stellt für diesen Prozess ein Übergangsstadium dar. Mit ihr ist das Kind zunächst auf ganz natürliche Weise verbunden. Ihren Schutzraum braucht und sucht es. Deshalb werden die Eltern alles tun, um einen altersgemäßen, warmen Familien-Innenraum zu pflegen. Von da aus aber will es dann in die Welt hinaus. Sobald der Drang, einen Welt-Gegenstand kennenzulernen, auftritt, ist es wichtig, dass die Eltern angemessen nachgeben und es zulassen.



Viele Eltern haben dabei Angst. Sie empfinden viele Elemente der Welt als etwas Feindliches. Sie versuchen, das Kind abzuhalten, in die Welt hinauszugehen. Das Kind aber soll vor nichts in der Welt Angst haben. Es soll freudig und mutvoll in die Welt hinauseilen.

Man kann diesen Ablösungs-Prozess nur leicht beeinflussen. Dem Streben des Kindes muss man doch zur rechten Zeit nachgeben. Weder ein zu frühes Loslassen, noch ein zu spätes ist gut. Bei jedem Kind ist der richtige Moment zu erspüren.

Jede Kinderseele ist in dieser Hinsicht wie ein Königssohn im Märchen, immer wieder kommt ein Tag, wo es das "Schloss" verlassen will.

Für die Eltern ist es bedeutsam, immer die rechte Begeisterung und Freude am Leben und der ganzen Welt dem Kind vorzuleben. Dann findet es kraftvoll seinen rechten Weg.

Donnerstag, 4. November 2010

Frontalunterricht

Aller wirklicher Unterricht ist Frontalunterricht. Der Lehrer als Unterrichtender zieht die Aufmerksamkeit der Kinder auf sich, um ihnen dann etwas zu vermitteln. Alles, was die Kinder an neuem Stoff lernen sollen, lernen sie zuerst nur durch die Vermittlung der Lehrerperson. Gerade, wenn man auf Schulbücher, vorkopierte Unterrichtsvorlagen usw. verzichtet, wie es zum Prinzip der Waldorfschule gehört. Dann spielt sich ein lebendiger Prozess zwischen Lehrer, Schüler und vielleicht auch Tafel ab.

Für weitere Übprozesse oder für ganz andere Unterrichtsvorgänge ist Frontalunterricht möglicherweise gar nicht nötig oder sinnvoll.

Die negativ belegte Phrase vom "Frontalunterricht" gehört zu den größten Angriffen gegen die berechtigte Autorität des Lehrers, gegen die Lehrerschaft generell und damit gegen das Prinzip der Autorität, welches gerade im zweiten Jahrsiebt, eine wahrhaftige Berechtigung und Notwendigkeit darstellt.

90 Prozent

Sie - diese Phrase- negiert das Prinzip, dass das Lernen einen Prozess von Mensch zu Mensch darstellt. Dass da etwas Besonderes webt zwischen Lehrer und Schüler. Und sobald er ein Kind unterrichtet, geht es nur im Gegenüber, eben nur frontal. Der eine Mensch (Lehrer) steht dem anderen Menschen (Kind) gegenüber, er sorgt für es, er sorgt sich um es, er versucht ihm zu helfen, es zu fördern. Das muss überhaupt nicht kaschiert werden. Das ist berechtigt und sinnvoll. Lehren und lernen sind zunächst keine partnerschaftlichen Prozesse.

Dass der Lehrer sich dabei mit ganzem Herzen und ganzer Seele an seine Kinder hingibt und sich mit ihnen verbindet, steht über jeglicher Unterrichtsform und hat zunächst mit ihr gar nichts zu tun.

Mittwoch, 3. November 2010

Wo gehobelt wird, fallen Späne!

Ein Kind will immer das Gute und das Richtige.

Wenn es einmal etwas tut, was nicht gut oder richtig ist, so ist das niemals sein Wille. Es ist nur die mangelnde Möglichkeit, das Gute oder das Richtige perfekt auszuführen.

Vieles, was ungut ausgeht, liegt an überschäumender Entdeckerlust, Unternehmensfreudigkeit oder an einer anderen Leidenschaft.

Wenn die Kastanien vom Jahreszeitentisch durch mein Klassenzimmer segeln, wie könnte man das lebhaften, interessierten Kindern übel nehmen?

Alles muss angefasst oder ausprobiert werden von einem an der Welt interessierten Kind. Dass dabei manches zu Bruch geht, gehört zu den Notwendigkeiten des Lebens.

Nur den ganz Braven passiert wenig. Werden sie aber im Leben die rechte Tüchtigkeit erlangen? Man kann sich da Sorgen machen.

Um die Lausbuben wird man sich wenig Sorgen für das Leben machen müssen.

Ist das:Trial and Error? Oder learning by doing?

Dienstag, 2. November 2010

Erziehungsprobleme in Schule und Elternhaus

Originalzitate aus wissenschaftlichen Untersuchungen

Jeder kennt es, mit der heutigen Jugend ist es schlecht bestellt. Wie heftig klagen Industrie und Handel über immer mangelhaftere Kenntnisse der Jugendlichen, die in das Berufsleben eintreten. Das Klagen ist nicht neu.
Die Klagen lauteten schon in früheren Jahren so:

„Die Jugend achtet das Alter nicht mehr, zeigt bewusst ein ungepflegtes Aussehen, sinnt auf Umsturz, zeigt keine Lernbereitschaft und ist ablehnend gegen  traditionelle Werte“.

Vor allem die Autorität der Erwachsenen wird immer weniger anerkannt und alles andere als die Schule und das Lernen scheint den Kindern und Jugendlichen wichtig zu sein:

„Sie scheinen nur das Vergnügen zu lieben, haben schlechte Umgangsformen, verachten die Autorität, sind Erwachsenen gegenüber respektlos und verbringen ihre Zeit damit, in der Stadt herumzulungern und miteinander zu schwatzen. Sie widersprechen ihren Eltern, ... essen gierig und...“ nun folgt das Schlimmste von allem: „... tyrannisieren ihre Lehrer.“

Damit ist ein Hauptproblem, das das Erziehungssystem bewegt, angesprochen: Wie sollen die Lehrer in den Schulen mit einer solchen Jugend zurechtkommen? Man will es kaum glauben, aber es ist doch eine Realität, der man ins Auge blicken muss: „Der Lehrer fürchtet unter solchen Verhältnissen die Schüler und schmeichelt ihnen; die Schüler achten Lehrer und Erzieher gering.“

Erziehungswissenschaftler haben das Schülerverhalten empirisch untersucht und kamen zu folgendem Ergebnis: „Die Schüler kämen meistens ungern zur Schule und hielten sich dort nur ungern auf. Sie verwendeten ihre Aufmerksamkeit nur darauf, das Pausenzeichen  nicht zu überhören!“

 Anmerkung:
Das erste Zitat stammt aus dem alten Ägypten vor etwa viertausend Jahren; das zweite und dritte ist viel aktueller und stammt aus dem alten Griechenland vor knapp zweieinhalb Jahrtausenden. Und das vierte Zitat ist schon ziemlich zeitgenössisch, denn es stammt aus dem 18. Jahrhundert (n.Chr.!). Diese und noch viele andere Zitate kann man in dem Buch von Gustav Keller „Das Klagelied vom schlechten Schüler – Eine aufschlussreiche Geschichte der Schulprobleme“ , erschienen im Asanger-Verlag, finden.

D.C.

P.S. 
„Es blühte einst das Studium,
heut kehrt es sich ins Bummeln um.
Die Wissenschaft galt einst als Ziel
doch obenauf ist nun das (Computer-)Spiel.

Die Tugend schlug ins Laster um
und Arbeit ins Faulenzertum,
kurz alles, was geziemend heißt,
ist heut vom rechten Weg entgleist.


(Carmina burana, Anfang 13. Jahrhundert)

Montag, 1. November 2010

Der Wunsch, der am Gelde klebt

Zum letzten Artikel seien hier noch einige weitere Bemerkungen hinzugefügt.

Eine Einrichtung des freien Geisteslebens kann nur gedeihen, wenn sie von Geldern lebt, die von Menschen stammen, die diese Einrichtung befürworten können.
Geld ist geistig betrachtet nicht wirklich anonym oder neutral. An ihm kleben die Wünsche und Intentionen der Menschen, durch deren Hände es gegangen ist.

Nun gibt es in der Welt durchaus noch viele Menschen, die z.B.eine Freie Waldorfschule nicht befürworten können. Diese Menschen zahlen Steuern. Mit diesen Steuergeldern sieht sich der Staat nun gezwungen, auch die Freien Waldorfschulen zu unterstützen. Auch der Staat tut dies nicht, weil er diese Schulen befürwortet, sondern nur, weil ihn der Rechtsstandpunkt der Gleichbehandlung dazu zwingt.

So wird eine Waldorfschule durch Gelder gefördert, an denen ein gegenteiliger Wille klebt; ein Wille, der  diese Schule nicht will.

Geld-Brikett *Euro*------------
Ausrangierte Banknoten werden im Auftrag der Deutschen Bundesbank und der Landeszentralbanken zu Papierschnipseln geschreddert und anschließend im Heizkraftwerk entsorgt. Ein Teil der Schnipsel wurde jedoch zu Briketts gepresst.
------------------
Dies ist äußerlich sinnlich nicht bemerkbar, doch geistig ungeheuer wirksam.
So muss ein Lehrerkollegium intensiv geistig meditativ daran arbeiten, diese negativen geistigen Wirkenskräfte zu überwinden. Sonst würde der gegenteilige Wille innerlich wirksam. Er würde beginnen die Waldorfpädagogik innerlich auszuhöhlen. Er würde sie unbemerkt immer näher an die allgemein anerkannte Pädagogik heranrücken.
 Es würde sogar ein heimlicher Wunsch entstehen, dass es nicht mehr so viel Gegnerschaft geben möge. Man würde beginnen sich mit dem öffentlichen Schulwesen zu vergleichen. Man würde sich freuen über Anerkennung und Zeitungsberichte.

Die letzten Reste einer wirklichen Pädagogik werden dann nur noch dadurch erhalten, dass es Eltern oder andere Menschen gibt, die mit Freude und Begeisterung auch materiell für den Erhalt ihrer Schule sorgen.

So gibt es merkwürdigerweise eine Art Äquivalent zwischen der freudigen finanziellen Unterstützung einer Schule und ihren wahren pädagogischen Möglichkeiten.

Sonntag, 31. Oktober 2010

Vor - weihnachtliche Gedanken zu einem un - weihnachtlichen Thema

Waldorfschule und die mangelnden Finanzen

 Als man in Israel das Kommen des Messias erwartete, hatte man die Vorstellung, dass dieser in Reichtum, Pracht und Herrlichkeit in dieser Welt erscheinen würde und als großer König, Feldherr und Befreier das Volk Israel vom Joche seiner vielen Feinde, Besatzer und Unterdrücker erlösen werde.

Die Geburt eines Kindes  unter den armseligsten Verhältnissen gar in einem Stall hatte niemand erwartet. Dies war auch ein wesentlicher Grund dafür, dass Jesus als Messias nicht die nötige Aufmerksamkeit und Anerkennung gerade durch die Führer des Volkes bekam.

Die armen Hirten, die ja selbst macht- und mittellos geschildert werden, erkannten als erste das wahre Wesen und die Bedeutung dieses neugeborenen Kindes.

Zum Glück kamen dann die fremden Könige, die das Kind beschenkten und ihm und seiner Familie so das Überleben für eine gewisse Zeit der allergrößten Not ermöglichten.
Not und Armut waren immer die Begleiter der Urchristen, die die Idee des Christentums in die Welt hinaus trugen.

Scheinbar ist den Vertretern neuer, zukünftiger Ideen immer wieder ein ähnliches Schicksal beschieden.
So  waren es auch die Pioniere der Waldorfschule gewohnt, neue Schulen unter ziemlich unwirtlichen Umständen zu begründen. Viele Wirte verweigerten die Herberge, da sie auf zahlungskräftigere Gäste warteten. Deshalb zog man weiter, bis einem dann irgendeine stallähnliche Herberge zugewiesen wurde.
Viele „arme Hirten“ – die Eltern-, die in ihren Herzen die Bedeutung dieser neuen Pädagogik erkannten, gesellten sich hinzu, schenkten Wolle, Milch, Lämmchen und Mehl, damit für die Gesundheit des Leibes gesorgt wäre und ihre eigenen Kinder recht gut behütet werden und an Leib und Seele gesund in dieser neuen Schule aufwachsen könnten.

Wenn die Kinder in unserer Schule fragen, warum denn das Garagengebäude so hässlich aussehe oder warum im Eurythmieraum immer wieder so viele schwarze Flecken an den Wänden und Decken aufträten und Eimer dastünden, um das Wasser, das durch die Decke tropft aufzufangen, dann kann man ihnen nur als Antwort geben: Wir sind leider eine arme Schule.

Die Änderungen im Geldstrom

Zu Zeiten der Begründung unserer Braunschweiger Schule vor gut 30 Jahren, da war die Lage und das Bewusstsein in der Stadt und im Land so, dass man die eigenen Schulen gut instandhalten konnte und wollte und auch immer wieder Fördergelder für freie Schulen übrig hatte.
Die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung in den letzten Jahrzehnten hat es dann mit sich gebracht, dass dem Staat immer weniger ausreichende Mittel zur Verfügung standen und er dann da zu kürzen begann, wo sich am wenigsten Widerstand zeigte. Das soll auf keinen Fall irgendwie als Kritik verstanden werden, denn im Staat spiegelt sich ja das wieder, was im Bewusstsein vieler Menschen lebt und was den Forderungen der meisten und mächtigeren Bürgergruppen entspricht.
Das hing nun wiederum damit zusammen, dass das Wirtschaftsleben sich immer mehr in den Vordergrund drängte und kulturelle und soziale Gesichtspunkte zweitrangiger geworden sind.

Früher konnte die öffentliche Hand noch genügend Geld dem Wirtschaftkreislauf entnehmen, um z.B. das  Bildungswesen ausreichend zu finanzieren. Heute dominiert das Gewinnstreben als Hauptziel die Wirtschaft, und man hat den Eindruck, dass alles andere dahinter zurücktreten muss. Im internationalen Finanzsystem entziehen sich ungeheuere Geldmassen ihrer Herkunft aus den einzelnen Gesellschaften und ihrer Verantwortung für die einzelnen Länder und Kulturen. Diese Geldmassen kennen nur noch einen Hauptzweck: Das Geld soll aus sich selbst heraus immer noch mehr Geld gebären. Was natürlich nur zum Schein möglich ist und in Wirklichkeit eine gewaltige Unwahrheit ist, denn wenn sich irgendwo Geld anhäuft, dann fehlt es notwendigerweise an einer anderen Stelle. Großer Reichtum hat immer als Schatten auch große Armut.

Die deutsche Gesellschaft ist nach wie vor so organisiert, dass der Staat als gerechter Ausgleicher und Verteiler, von dem Geld, das an der einen Stelle zu viel vorhanden ist, etwas  abzuschöpfen soll, um es dorthin umzuleiten, wo zu wenig Geld hinfließt oder wo eben gar kein Geld vorhanden ist.

Das Bildungswesen z.B. kann nur von dem Geld leben, das anderswo verdient wird und das der Staat ihm dann zuführt.

Die amerikanische Gesellschaft funktioniert dagegen ganz anders. Hier ist der Staat nicht an erster Stelle der große Fürsorger, der die Gelder dorthin leiten soll, wo sie fehlen. In Amerika gilt überwiegend die Devise: Jeder soll selbst für sich sorgen. Wer reich ist, der hat das eben verdient, und wer arm ist ebenso. Man verehrt und bewundert den Reichtum und strebt danach, auch reich zu werden.

Dafür hat sich aber eine unglaubliche Spendenkultur entwickelt. Ungeheuere Geldsummen werden von einzelnen Industriellen oder von Stiftungen dem kulturellen Leben zugeführt, ohne dass der Staat darauf einen Einfluss hat. Überhaupt muss das Bildungswesen überwiegend privat finanziert werden. Als Ausgleich ist die Abgabenbelastung der einzelnen Haushalte viel geringer.

Man könnte dies - grob vereinfacht – so nebeneinanderstellen:

Amerika:         Aus den Gewinnen des Wirtschaftslebens fließt  Geld je nach den individuellen Gesichtspunkten oder Überzeugungen der kleineren und größeren Geldverdiener direkt in den Bildungsbereich.
                       
                        Wirtschaft  --------------- Bildung
                                               Spende

Deutschland:   Der Staat entnimmt dem Wirtschaftsbereich Geld und verteilt es nach seinen politischen Gesichtspunkten im Bildungsbereich.

                        Wirtschaft     ------------   Staat          ------------------      Bildung
                                                Steuer                                        Vollfinanzierung
                                                                                            und Kontrolle

Heutiges Dilemma

Die heutige Dominanz des Gewinnstrebens in der Volkswirtschaft ist auch eine Folge der Globalisierung, die alle Unternehmen zwingt, sich den internationalen Kriterien zu unterwerfen. Die internationalen Standards des Wirtschaftslebens sind aber eigentlich überwiegend die amerikanischen Gesichtspunkte: Wenig Geld für den Staat und  Anhäufung von Geldmengen in privater Hand oder an vergleichbarer Stelle.

Diese Tendenz hat sich auch in Deutschland durchgesetzt. Was hier aber noch fehlt, das ist das Bewusstsein, dass jetzt unbedingt mehr und mehr private Gelder auf freiwilliger Basis zurück in den Bildungsbereich fließen müssen. Für die Bildung ist das in Zukunft eine Frage des Überlebens. Noch immer fordert man bei uns, dass die öffentliche Hand wie früher Schulen und Universitäten fördern müsse. Das kann sie aber längst nicht mehr ausreichend, da sich im Wirtschaftsbereich die Lage so sehr amerikanisiert hat.

Die Rettung für Kultur und Bildungswesen liegt heute nur noch darin, dass immer mehr private Gelder, in diesen Bereich fließen. Es muss Privatmenschen geben, die empfinden können, welche Bedeutung ein gesundes kulturelles Leben für die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft hat, und die ihr Herz und ihren Geldbeutel öffnen, und uneigennützige Unterstützung gewähren. Wer heute noch denkt, dass der Staat allein das Bildungswesen tragen kann, berücksichtigt nicht die Entwicklung der letzten Jahrzehnte.

Für die Waldorfschulen als ärmstes und schwächstes Glied des  kulturellen Lebens gilt dies in gesteigertem Maße. So wie es heute üblich ist, werden sie nicht mehr lange ein menschenwürdiges Leben führen können. Die öffentliche Hand kann und will auch offenbar nicht mehr helfen, weshalb die Unterversorgung schon als normal gilt. Die Elternhäuser können eher weniger als mehr zum Schulhaushalt beitragen. Und es ist sowieso eine unverständliche soziale und wirtschaftliche Ungerechtigkeit, dass man in unserer deutschen Gesellschaft bei dieser gewaltigen privaten Abgabenbelastung der privaten Haushalte auch noch Schulgeld bezahlen muss.

In Zukunft muss mehr Geld aus Stiftungen und aus den Gewinnen des Wirtschaftslebens in möglichst unbürokratischer Weise direkt besonders auch in die Waldorfschulbewegung hineinfließen, damit die Geldarmut nicht zur alltäglichen Sorge der Waldorflehrer wird, und sie stattdessen noch mehr und besser für ihre Schüler sorgen können.

Die Waldorflehrer spielen gerne zu Weihnachten in ihren Weihnachtsspielen die armen Hirten. Aber man vergesse nicht, dass dazu auch noch ein Dreikönigsspiel gehört. Wenn die Geldkönige dieser Welt das arme Waldorfkind nicht auch beschenken, dann ist noch etwas unvollständig geblieben.