Mittwoch, 16. Dezember 2009

Die "süße" Pädagogik: "Schokoküsse im Unterricht" oder "Mit der Torte Bruchrechnen"?

Lehrer meinen immer wieder, dass sie besondere Anstrengungen unternehmen müssten, um den Kindern einen vielleicht "unschmackhaften" Stoff "schmackhaft" näherzubringen.
Sie kommen dann auf die Idee , solche oder ähnliche Textaufgaben stellen: Wieviele Schokoküsse essen 7 Kinder insgesamt bei einer Geburtstagsfeier, wenn jeder drei bekommt?

Sie meinen dann, dass die Kinder dadurch die Rechenaufgabe viel lieber lösen würden. Das ist unredlich. Dabei hat man die Natur des Rechnens gründlich missverstanden. Jede Rechenaufgabe ist wie ein Rätsel. Sie drängt die menschliche Seele, sie zu lösen. Und es ist immer eine kleinere oder größere Freude, sie gelöst zu haben. Das Rechnen braucht nicht viel drumherum, es ist aus sich selbst heraus schön!
Und wenn man schon das Rechnen mit der Lebenspraxis verbinden will, dann nehme man ein ernsthaftes Element aus einem "großen" Lebensbereich: Man rechne z.B. mit Benzin-Tankfüllungen usw. und bespreche dabei gleichzeitig eine Tankstelle, die Herkunft des Benzins usw. Die Kinder sollen in das Leben der Welt eingeführt werden. Das finden sie interessant.

Man wird nicht ihre Freude beim Feiern von Geburtstagsfesten und am Verzehren von süßen Dingen ausnützen und auch noch die Naschsucht befördern, durch die Art wie man Aufgaben stellt.

Im ungünstigen Fall verdirbt man ihnen noch den Appetit auf Schokoküsse für den Rest ihres Lebens, bloß weil man meinte, sie für Rechenhausaufgaben missbrauchen zu müssen.

Es soll auch schon einmal ein Lehrer eine Bruchrechenepoche damit begonnen haben, dass es eine Torte nahm und sie vor den Augen der Schüler zerschnitt und an sie verteilte.
Ein Kuchen oder eine Torte ist kein Rechengegenstand! Es ist ein wertvolles Lebensmittel; sogar eines, das für festliche Zwecke gedacht ist und nicht für einen Rechenunterricht.

Eine Bruchrechenepoche kann man damit beginnen, dass man ein (rundes) Stück Papier zerteilt. Im Unterricht wird man gewöhnlich immer die Dinge im Bilde behandeln.
Hat man dann drei oder vier Wochen tüchtig an den Brüchen gearbeitet, kann man ja der Meinung sein, dass die Klasse ein Abschlussfest verdient hat, und nun bringt man am letzten Tag eine Torte mit, teilt sie auf und freut sich mit den Kindern über ihren Fleiß, aber man verknüpft die Torte auf keinen Fall mehr mit einer Rechenaufgabe.

Der Lehrer muss für alle Dinge, die er im Unterricht tut ein ganz feines Gespür entwickeln, ob sie so am rechten Platze sind. Es handelt sich dabei immer um feinste moralische Kategorien. Hat er z.B. wirklich Ehrfurcht vor dem Wert eines Lebensmittels, dann wird er ganz bestimmte Dinge gar nicht tun können.

Man kann gar nicht jede Kleinigkeit dem Lehrer vorschreiben, was er wann oder wie machen darf. Aber man kann ihn verpflichten, seine Moral und Selbsterkenntnis zu schulen, dann wird er auch die richtigen Dinge tun und so auch die Kinder zur Moralität führen.