Montag, 25. Oktober 2010

Die "Haltung" des Lehrers

Es macht einen großen Unterschied, ob der Lehrer vor der Klasse sitzt oder steht; ob er die Arme verschränkt hat oder geöffnet. Die Haltung des Lehrers ist eine Sprache, die die Schüler unbewusst verstehen.
Man kann einmal andere Menschen beobachten und innerlich studieren, wie eine gewisse Haltung oder Geste seelisch wirkt.
Der Lehrer muss in jeder Sekunde vor den Schülern ganz und gar präsent sein. Er wird mit seinem vollen ICH da sein und wirksam sein. Und er wird versuchen, dies während des ganzen Unterrichtes durchzuhalten; möglichst auch in den Zwischenzeiten (Pausen, Schulweg). Also immer, wenn er mit Schülern zusammen ist.
Dazu gehört eine volle Offenheit, eine Hinwendung und Einfühlung in den Schüler.

Im nachfolgenden Artikel finden sich viele Hinweise, die man durchaus ernst nehmen sollte. Alle unten erwähnten Dinge müssten Teil der Lehrerausbildung sein. Besonders wenn der Student im Praktikum ist, sollte der Betreuer auf diese Dinge hinweisen und sie mit dem Studenten üben:
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Dienstag 26.01.2010, 06:22 · von FOCUS-SCHULE-Redakteurin Simone Scheufler


Mit Körpersprache Aufmerksamkeit erwecken


Stimmt die Körpersprache, klappt die Motivation. Wie Lehrer dank einfacher Tricks die Kommunikation mit der Klasse verbessern.
Auch wenn man nichts sagt, spricht man Bände. Denn der Körper sendet immer Signale darüber aus, was man gerade denkt oder fühlt. Blicke, Mimik, Gesten, Bewegung, Haltung und Spannung des Körpers, aber auch Tonlage der Stimme und Sprachstil übermitteln Informationen.


Diese Signale beeinflussen uns weit mehr, als wir glauben. Experten gehen davon aus, dass zwei Drittel der zwischenmenschlichen Kommunikation nonverbal funktionieren. Besteht ein Widerspruch zwischen dem, was eine Person sagt, und ihrer Körpersprache, vertraut das Gegenüber den Aussagen des Körpers. Denn viele Zeichen, wie rote Stressflecken im Gesicht, sind kaum zu kontrollieren und sagen deshalb unmittelbar, was Sache ist.


Aufmerksamkeit schaffen 
Körpersprache ist ein mächtiges Instrument, wenn man sie bewusst einsetzt. Vor allem für Lehrer: Sie stehen nämlich nie nur als Wissensvermittler vor ihren Klassen, sondern immer auch als Person. Wie sie das tun, entscheidet mit über den Lernerfolg ihrer Schüler. Denn Pädagogen mit wirkungsvoller Körpersprache bringen den Schulstoff nicht nur besser rüber, beim Publikum kommt auch mehr an. Weil sie Aufmerksamkeit schaffen für ihre Worte, die Zuhörer mit nicht sprachlichen Signalen motivieren. Sie machen so nebenbei müde Schüler munter. Oder umgekehrt.


Ein Beispiel: „Hält jemand mit der Körpersprache eines nassen Waschlappens vor einer Gruppe einen Vortrag und fängt an zu gähnen, wird jedes noch so interessierte Publikum müde“, sagt Joachim Bauer, der als Arzt, Neurobiologe und Psychotherapeut am Uniklinikum in Freiburg lehrt und arbeitet. „Denn das Gehirn simuliert, was andere tun oder fühlen.“ Dafür sind die sogenannten Spiegelneuronen verantwortlich. Das sind Nervenzellen im Gehirn, die beim Beobachter die Emotion auslösen, die er bei einem anderen wahrnimmt, zum Beispiel Müdigkeit. Sie spiegeln das Verhalten des Gegenübers.





Nonverbale Signale
Schüler entschlüsseln intuitiv nonverbale Signale ihrer Lehrer. Sie merken sofort, wie engagiert jemand auftritt, ob er bei der Sache ist oder schon während des Unterrichts das Ende der Stunde herbeisehnt. Das hat Folgen für ihre eigene Lernbegeisterung und Motivation. „Die zwischenmenschliche Beziehung von Lehrenden und Lernenden ist von überragender Bedeutung für das Lernen“, betont Joachim Bauer. „Schüler wollen vom Lehrer gesehen werden. Das spornt sie an. Kinder und Jugendliche sind bereit, für Beachtung und Anerkennung eine Menge zu tun.“


Kontakt richtig aufnehmen
Der Lehrer muss von Anfang an präsent sein
Spiegeln Erwachsene durch freundliches, zugewandtes Verhalten mit entsprechender Körpersprache die Lernbemühungen der Kinder positiv wider, erhalten diese wichtige Aussagen über sich selbst: Zeigt ein Pädagoge etwa einem Schüler, dass er ihm zutraut, ein kompliziertes Problem zu lösen, wird dieser sich motivierter der Aufgabe stellen. Gibt der Erwachsene zu verstehen, dass das Kind die Hürde eher nicht nehmen kann, wird es dem Problem anders begegnen. Diese wechselseitige Reaktion ist nicht nur in der Schule wichtig. Sie gilt für alle zwischenmenschlichen Beziehungen, auch zwischen Eltern und ihren Kindern.


Präsent sein von Anfang an ist die Herausforderung an einen Lehrer, der in die Klasse kommt. Die ersten Minuten des Unterrichts entscheiden, ob er mit den Schülern gleich den Faden aufnehmen, eine Kommunikation in Gang bringen kann. Keinesfalls sollte ein Lehrer den Start in die Stunde mit organisatorischen Fragen wie „Wer fehlt?“ oder „Wer hat das Heft vergessen?“ ruinieren.


Pausen gezielt einsetzen
Sofort mit einer Klasse Kontakt aufnehmen – wie geht das? „Ohne Körperspannung und Blickkontakt ist alles andere nichts“, weiß Rudolf Heidemann, Erziehungswissenschaftler an der Universität Tübingen. Erfahrene Redner machen vieles richtig, etwa mit einer dem Publikum zugewandten Körperhaltung. Sie schauen einzelne Zuhörer im Publikum an, während sie sprechen. Pausen setzen sie gezielt ein, variieren Stimmlage und Tonfall. Oft genug aber scheitert der Auftritt an seiner wichtigsten Voraussetzung: Die Körpersprache eines Lehrers kann nur dann wirkungsvoll sein, wenn die Schüler ihn auch sehen können und er sich nicht hinter seinem Pult verschanzt.


Die beste Position im Klassenraum befindet sich in der Nähe des Lehrertischs. Der Pädagoge steht frei, aufrecht, mit Spannung. Die Hände stecken nicht längere Zeit in den Hosentaschen. Sie unterstreichen mit ihren Bewegungen die Aussagen des Vortragenden. Ideal: weite, offene Kontaktgesten in Richtung der 
Schüler. Die Handflächen zeigen dabei nach oben.


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Körpersprache & Begeisterung


Authentisch bleiben
Gelegentlich wechselt der Lehrer während seiner Ausführungen ruhig den Platz. Hastiges Hin-und-her-Laufen aber zieht die Aufmerksamkeit vom Inhalt der Rede ab. Und immer wieder: Blickkontakt mit dem Publikum, sonst fühlt es sich ignoriert. Denn Absichten drücken sich auch durch Blicke aus. Schweift beispielsweise der Blick des Lehrers öfter aus dem Fenster oder zur Tür, scheint er auch in Gedanken schon draußen zu sein.


Bewusste Körpersprache ist keine Schauspielerei. Sie soll die Ausstrahlung einer Person stärken. Je widerspruchsfreier das gelingt, umso glaubwürdiger, authentischer und überzeugender kommt ein Lehrer an – und auch das, was er seinen Schülern vermitteln will.


Die typischen Lehrerposen
Verschränkte Arme gelten als Abwehrhaltung
Die Barriere-Haltung
Vor der Brust straff verschränkte Arme gelten als Abwehrhaltung, die Distanz schafft. Dazu passen der verkniffene Blick und die ausdruckslose Mimik.
Besser: Hände in Höhe des Bauchnabels locker verbunden halten, dabei die Handflächen nach oben drehen. Oberarme nicht an den Körper drücken.






Körpersprache im Unterricht


...
Der Zeigefinger schüchtert eher ein
Die Lehrer-Pistole
Je näher der Lehrer beim Schüler steht, umso bedrohlicher wirkt der ausgefahrene Zeigefinger – und schüchtert damit ein, anstatt zu motivieren.
Besser: den gestreckten Arm etwas beugen, mit allen Fingern leicht aufwärts zeigen, Handfläche nach oben, den Körper dem Schüler zuwenden.

BUCHTIPPS
Der Klassiker „Körpersprache im Unterricht“ (Quelle & Meyer, 19,95 Euro) von Rudolf Heidemann gibt praktische Tipps, wie Lehrer ihre Wirkung vor der Klasse verbessern können.


Hier der ganze Artikel:
http://www.focus.de/schule/lehrerzimmer/schulpraxis/tid-16979/koerpersprache-mit-gesten-fesseln_aid_474031.html