Dienstag, 1. Dezember 2009
Wie geht es weiter mit der Waldorfpädagogik?
Samstag, 28. November 2009
Das Märchen vom Hans im Glück - oder von einer unglücklichen Entwicklung
Freitag, 27. November 2009
Elternwünsche
Donnerstag, 26. November 2009
Wir fordern: LESEFREIHEIT !
Als Kind habe ich selbst kaum ein Buch gelesen, sondern viel lieber gespielt. Wir haben es mit dieser Forderung, dass Kinder mehr lesen sollen, auch wieder mit einer weitverbreiteten Phrase zu tun:
"Der argentinische Schriftsteller Cesar Aira hält wenig von offizieller Leseförderung:
"Ich glaube, die Literatur ist für die Gesellschaft nicht besonders wichtig. Im Gegenteil, ich glaube, die Literatur war immer schon etwas für eine Minderheit, für ein ganz paar Leute. Und ich finde, was die Literatur angeht, sollte man in seiner Wahl völlig frei sein. Viele meiner Kollegen verkünden lautstark, Literatur müsse einen verbindlichen Charakter haben, man müsse die jungen Leute dazu bringen, dass sie lesen. Mir gefällt das nicht.
In unserer Gesellschaft wird allmählich so gut wie alles zur Pflicht - lassen wir es den Leuten doch freistehen, ob sie sich mit Literatur beschäftigen oder nicht. Es sollen die lesen, die Lust dazu haben. Das wird ihnen viele glückliche Augenblicke in ihrem Leben bescheren, aber auch wer nicht liest, kann sehr glücklich sein. Leseförderung ist in der letzten Zeit sehr in Mode gekommen, es gibt sogar Stiftungen zu diesem Zweck. Mein Verdacht ist, dass diejenigen, die für gutes Geld dort arbeiten, niemals lesen.
Wir, die wirklichen Leser, neigen viel weniger dazu, das Lesen zu propagieren. Vielleicht, weil wir gelernt haben, dass es die freieste Tätigkeit ist, die man überhaupt ausführen kann."
Quelle:http://www.perlentaucher.de/magazinrundschau/2009-11-17.html
Dienstag, 24. November 2009
Klassenspiele in der Waldorfschule
"In vielen Waldorfschulen entsteht zur 8.Klasse hin ein ungeheurer Druck, ein Theaterstück zu inszenieren, das mindestens mit dem letztjährigen Klassenspiel mithalten kann. Ein voller Saal droht zum Maßstab zu werden.Für manche Klassenlehrer... ist das eine enorme Herausforderung. Für viele eine Belastung, der sie sich nicht gewachsen fühlen.Nicht zufällig ist daher wohl ein Trend zu beobachten, die Spiele in der achten und oft auch zwölften Klasse in die Hand von Fachleuten, sprich Menschen mit Schauspiel- oder Regieerfahrung abzugeben, in der Hoffnung, dass dann das Ergebnis auch stimmt. Die Pädagogen sorgen dann für den organisatorischen Rahmen und sind erleichtert!Die Tagung der Pädagogischen Sektion am Goetheanum wollte Mut machen, diese Entwicklung zu hinterfragen: Wer hat ja zwingend festgelegt, dass ein gigantisches Theaterstück am Ende der achten Klasse zwingend und auf welchem Wege auch immer zustande kommen muss?...Fachkundige Unterstützung von Theatermenschen ist dabei ...hilfreich...das Klassenspiel selbst ist aber eigentlich eine pädagogische Aufgabe!....Im Gespräch wurde die Dringlichkeit deutlich, den Rhythmus der Arbeit am aktuellen Epochenthema möglichst wenig zu unterbrechen, um die Schüler nicht aus ihrem Rahmen fallen zu lassen. Proben könnten lange Zeit im rhythmischen Teil des Hauptunterrichts und in Vertretungsstunden stattfinden und so Teil des täglichen Lernens bleiben, wenn die Lehrer diese Arbeit tun. Erst zur Aufführung hin wären dann zusätzliche Arbeitsstunden nötig..."
"Arbeiten" in der Oberstufe
Mittwoch, 18. November 2009
Waldorf-Witz
Mathematikunterricht
Hauptschule:
Ein Bauer verkauft einen Sack
Kartoffeln für 50,- Euro. Die Erzeugerkosten
betragen 40,- Euro. Berechne den Gewinn!
Realschule:
Ein Bauer verkauft einen Sack Kartoffeln
für 50,- Euro. Die Erzeugerkosten betragen
4/5 des Erlöses. Wie hoch ist der Gewinn ?
Gymnasium:
Ein Agrarökonom verkauft eine Menge
subterraner Feldfrüchte für eine Menge
Geld (G). G hat die Mächtigkeit 50. Für die
Elemente aus G gilt: G ist 1. Die Menge
hat die Herstellungskosten (H). H ist um 10
Elemente weniger mächtig als die Menge
G. Zeichnen Sie das Bild der Menge H al s
die
Tilgungsmenge der Menge G und geben sie
die Lösung (L) für die Frage an: Wie mächtig
ist die Gewinnsumme?
Waldorfschule:
Ein Bauer verkauft einen Sack Kartoffeln
für 50,- Euro. Die Erzeugerkosten betragen
40,- Euro und der Gewinn 10,- Euro. Aufgabe:
Unterstreiche das Wort "Kartoffeln"
und singe ein Lied dazu.
Dienstag, 17. November 2009
FUNDSACHE:
Hausaufgabenbetreuung
Braunschweig ( ddp ). Eltern sollten sich nicht zu sehr in die Hausaufgaben ihrer Kinder einmischen. " Mütter und Väter sind keine Nachhilfelehrer ", betont Diplom-Psychologe Frank Hofmann von der Erziehungsberatungsstelle am Domplatz in Braunschweig. Er fügt hinzu : " Wenn Eltern immer danebensitzen, lernen die Kinder nicht, selbstständig zu arbeiten. " Gleichwohl sollten Mütter und Väter ihrem Nachwuchs deutlich signalisieren, dass sie bei Nachfragen jederzeit zur Verfügung stehen.
Problematisch an der elterlichen Hausaufgabenhilfe sei außerdem, dass Vater und Mutter häufig der emotionale Abstand zu ihrem Nachwuchs fehle. " Sie neigen dazu, Antworten zu schnell vorwegzunehmen und Lösungen anzubieten ", sagt Hofmann. Dem Kind bleibe dann keine Zeit, nachzudenken und sich selbst Lösungen zu erarbeiten. " In der Folge verliert es schnell die Motivation, was wiederum Frustrationen bei den Eltern weckt. " Im ungünstigen Fall beeinträchtige dies Lernbereitschaft und Lernverhalten des Schülers.
Ziel der Eltern müsse sein, sich von den Hausaufgaben zurückzuziehen, je älter die Kinder werden, sagt der Erziehungsexperte. Spätestens nach der Grundschule sollten Schüler ihre Hausaufgaben auch ohne direkte Aufsicht der Eltern erledigen.
Hofmann empfiehlt Eltern zudem, sich gerade bei Pubertierenden aus den Hausaufgaben herauszuhalten. Das gelte insbesondere, wenn das Verhältnis zu dem Teenager ohnedies angespannt sei. Man laufe sonst Gefahr, dass altersgemäße Rivalitäten und Reibereien zwischen Eltern und Kind stellvertretend zulasten der Hausaufgaben ausgetragen würden.
Der Erziehungsberater rät daher, lieber auf Nachhilfelehrer zurückzugreifen. Das könnten sowohl professionelle Institute sein als auch ältere Schüler oder Studenten. " Abiturienten haben den Vorteil, dass sie aufgrund ihrer altersmäßigen Nähe eher als Vorbild betrachtet werden ", sagt Hofmann. Eine andere Möglichkeit sei, die Hausaufgaben in Arbeitsgruppen mit Gleichaltrigen erledigen zu lassen.
Hofmann hebt hervor, Eltern müssten sich darüber im Klaren sein, dass Konflikte bei den Schulaufgaben nicht ungewöhnlich sind. " Da brauchen Eltern kein schlechtes Gewissen zu haben – Selbstvorwürfe sind da fehl am Platz. "
Freitag, 13. November 2009
Mieke Mosmuller „Eine Klasse voller Engel“
Ein ernster Blick auf die Waldorfpädagogik
Waldorfpädagogik ist ohne lebendig und aktiv empfundene und erarbeitete Anthroposophie nicht denkbar. Gehört doch die "Allgemeine Menschenkunde" zu den anspruchsvollsten anthroposophischen Inhalten. Die Menschenkunde kann sich in der Seele nur entfalten, wenn sie auf einen geisteswissenschaftlich vorbereiteten und ständig gepflegten Boden fällt. Rudolf Steiner sprach davon, dass man Menschenkunde aufnehme, sie meditiere und dass dann aus der Seele die rechten Eingebungen für den Unterricht quellen.
Dieses wurde und wird nicht immer in der Waldorflehrerschaft mit dem nötigen Ernst empfunden. Die Tragik, die diese Tatsache für die heutige Situation der Waldorfschulen bedeutet, hat die holländische Ärztin und Autorin Mieke Mosmuller veranlasst, das Buch "Eine Klasse voller Engel" zu schreiben.
Darin wendet sie sich an diejenigen, die Rudolf Steiners ureigentliches pädagogisch-geistiges Anliegen ernst nehmen und in seinem Sinne Waldorfpädagogik verwirklichen wollen. Sie sieht, dass die schon von Steiner geschilderte Gefahr, dass das Anthroposophische durch das intellektuelle Denken – auch in den Seelen gut meinender Anthroposophen – zu erstarren und ersterben droht, in starkem Maße eingetreten ist.
Schon in der Ausbildung zum Waldorflehrer nehmen nach ihrer Erkenntnis die Studierenden pädagogische und geistige Inhalte so auf wie andere Wissensinhalte auch. Meist seien die Fähigkeiten für einen lebendigen Umgang mit diesen Wissensinhalten noch gar nicht entwickelt und auch später im aktiven Berufsleben würden diese Fähigkeiten nicht mehr ausreichend ausgebildet.
Mieke Mosmuller entwickelt deshalb in diesem Buch Methoden und Inhalte, die in der Waldorflehrerausbildung hinzu kommen oder verstärkt werden müssen, damit die Seelen der Studierenden die nötigen Empfindungsfähigkeiten entwickeln, bevor anthroposophische und menschenkundliche Inhalte an sie herangebracht werden.
Als Ausgangspunkt nimmt sie z.B. die Notwendigkeit, dass zunächst die Stimmung der Ehrfurcht entwickelt werden solle:
„Die erste Qualität der Seele, diese wunderbare Fähigkeit, die erweckt werden muss, liegt in unserer Zeit tief in der Seele verborgen. Meistens ist sie gar nicht da, scheint nicht angelegt zu sein... Es ist die Stimmung, die in „Wie erlangt man....“ als Grundstimmung gefordert wird, als erste Bedingung. Es ist die Stimmung der Ehrfurcht, … Wer Kinder erziehen will, muss den Pfad der Verehrung gegangen sein....“ (S.33)
Mit klarer, bewusster, geistgetragener Begrifflichkeit und Gedankenführung entwickelt Frau Mosmuller ein umfassendes Bild einer Waldorf-Lehrerausbildung und betrachtet mit konsequenter Urteilskraft Symptome heutiger Waldorfpädagogik. Etwas Vergleichbares wurde bisher aus anthroposophischer Gesinnung heraus nach meiner Kenntnis noch nicht veröffentlicht. Jeder Waldorflehrer, der mit Sorge auf die heutige Situation in den Lehrerkollegien blickt und dem die Zukunft der Waldorfpädagogik am Herzen liegt, sei es empfohlen, dieses Buch zu lesen und selbstkritisch die Inhalte zu bewegen.
Sonntag, 8. November 2009
Selbständiges Arbeiten ist eine Ich-Tätigkeit
Montag, 2. November 2009
Die "Anbiederung" - ein größeres Lehrerproblem
"Jedes Spiel ein Treffer!...Auf einem Schulfest wird ein Glücksrad aufgestellt, wobei die zu gewinnenden Preise... "Und nun der Kommentar der Abiturientin zu dieser Aufgabe: "Niederschmetternd war das! Schlimmer als alles, was Meyer (der Lehrer) je zuvor an Geschichten aufgetischt hatte. Glücksspiel! ... Und dann diese Anbiederung an das gewöhnliche Leben. Glücksrad und Schulfest...." (S.365)
Wenn Eltern zu sehr streben
Eine kleine Anekdote
von Birgitta vom Lehn - Die Welt- 31.10.2009, Seite 8
"Schulferienfreie Zeit, ein Hotel auf einer Nordseeinsel, Mutter gönnt sich ein Auszeit-Wochenende: Eine vierköpfige Familie mit zwei Kleinkindern sitzt neben mir am Frühstückstisch, alle manierlich gekleidet, die Tischsitten - selbst der Jüngsten - beachtlich.
Scherzend werfe ich den Satz herüber: "Das finde ich aber toll, dass Sie sich jetzt hier eine kindergartenfreie Zeit gönnen!" Da antwortet die Mutter schuldbewusst: "Ja, wir arbeiten hier aber auch das Pensum nach, was im Kindergarten gerade versäumt wird." Wie bitte? Passen Sandburgenbauen und Wattwandern nicht mehr zum Etikett "frühkindliche Bildung"? Die Mutter gibt gleich zu erkennen, was sie gemeint hat: "Kennst du ein Tier, das mit O anfängt? Welche Blume fängt mit G an?" Unentwegt traktiert sie ihren vierjährigen Sohn mit "Lernfragen". Das Bürschlein schielt derweil nur zum Büfett hinüber, es scheint die Fragen der Mutter gar nicht wahrzunehmen.
Ein paar Tage später, wieder daheim: Die Mutter eines Klassenkameraden ruft an. Völlig aufgelöst ist sie: Ihr (einziger) Sohn habe "Versagensängste", er habe eine Sache in Mathe noch nicht richtig kapiert, ob unser Ältester das noch mal auf die Schnelle "fernmündlich" erklären könne. Eine Klausur stehe heute an, und es komme doch jetzt auf jeden Punkt an; Medizin wolle Sohnemann studieren, und ein Stipendium, ja, das könne man sich abschminken, wenn nicht alle Noten "erstklassig" seien. Ich bin wieder perplex: Weil die Mutter erstens exakt das Klausurleben ihres 17-jährigen Sohnes verfolgt und zweitens die absehbaren Folgen einer vermeintlichen Niederlage schon im Blick hat. Ihr Sohn ist allerdings ein Einser-, kein Abstiegskandidat. Die Fragen wären also nur die: Schafft er diesmal die Eins oder nur die Zwei? Betreffen die Versagensängste den Sohn oder nur die Mutter? ....
Die Autorin ist freie Journalistin"
Quelle: http://www.welt.de/
Sonntag, 1. November 2009
Was braucht ein Junge?
Aus einem Interview mit Gerald Hüther in der FAZ 1.11.2009:
Freitag, 23. Oktober 2009
Der unsichtbare Spielkamerad
Freitag, 9. Oktober 2009
Haben wir echte Begeisterung?
Dieser Beitrag wurde entnommen aus:
10 Fragen zur Gewissensprüfung der Waldorfschulbewegung von Holger Niederhausen
"Die Waldorfschulen wollen die von Rudolf Steiner begründete Waldorfpädagogik verwirklichen. Gelingt ihnen dies? Werden sie ihrem eigenen Anspruch gerecht? Was wären die Maßstäbe? Was ist das Wesentliche der Waldorfpädagogik? – Zehn Fragen zur Gewissensprüfung. ...
5. Haben wir echte Begeisterung?
Mit welchen Kräften arbeiten wir denn eigentlich, wenn wir pädagogisch arbeiten? [...] Die Beantwortung der Frage: Wie macht man dies, wie macht man jenes? – ist doch nur von geringem Wert. Von größtem Wert aber ist es, daß der Mensch Enthusiasmus hat in seiner Tätigkeit, und diesen Enthusiasmus in seiner Tätigkeit auch voll entwickeln kann, wenn er Pädagoge sein soll. Dieser Enthusiasmus hat eine ansteckende Gewalt; und er ist es allein, der Wunder wirken kann in der Erziehung. Das Kind geht mit dem Enthusiasmus gerne mit, und wenn es nicht mitgeht so ist das meistens ein Zeugnis dafür, daß dieser Enthusiasmus nicht vorhanden ist. [...] Ich möchte sagen, an dem Waldorfschul-Lehrerbewußtsein müssen wir arbeiten.
Rudolf Steiner, 16.10.1923, GA 302a, S. 122-124.
Verkennen Sie nur nicht, daß die Frage vorzugsweise eine Sache des Interesses an den Kindern und den jugendlichen Leuten ist, und eine Sache des Enthusiasmus. Es ist nicht umsonst, daß ich bei jeder Gelegenheit betone, daß wir auf allen Gebieten nicht vorwärtskommen ohne Enthusiasmus, ohne innere Beweglichkeit. Wirklich, wenn ich – ich meine, es ist ja schlimm, aber diesen Enthusiasmus, den sehe ich nicht; ich kann nicht finden, daß Mühe gegeben wird, ihn wirklich hervorzuzaubern. Sehen Sie, wenn ich so alles ausführen könnte, was sich mir aufdrängt, so würde ich zum Beispiel nach einer Lehrerkonferenz probieren, auf wieviel Stühlen Pech klebt, wenn die Lehrerkonferenz zu Ende ist. Es kommt mir vor, Sie kleben auf ihren Sitzen, Sie sind müde. Ein Mensch kann doch nicht müde sein, wenn er im Geiste leben soll, Müde sein ist doch eine Sache der Interesselosigkeit.
Rudolf Steiner, 15.7.1924, GA 300c, S. 189f.
Samstag, 3. Oktober 2009
Schärfere Sinne
"Fingerspitzengefühl ist eine Sache des Trainings
Nicht nur die Muskeln schwinden, wenn man sie vernachlässigt, sondern offenbar auch die Sinne. Der Tastsinn verliert bei unzureichender Stimulation zusehends an Schärfe. Das legen die Ergebnisse einer deutschen Studie nahe. Wissenschaftler um Martin Tegenthoff von der Abteilung für Neurologie und Hubert Dense vom Institut für Neuroinformatik der Ruhr-Universität Bochum sind der Frage nachgegangen, wie sich eine mehrwöchige Ruhigstellung der Hand auf das Fühlvermögen der betroffenen Finger auswirkt.
Beteiligt waren an dem Projekt insgesamt 66 gesunde Männer und Frauen, von denen rund die Hälfte eine Hand – wegen eines Bruchs – in Gips trug, während die andere Hälfte beide Hände frei bewegen konnte. Über den Ausgang ihrer Untersuchungen berichteten die Forscher in der Zeitschrift „Current Biology“. Nach Entfernung des Gipses wiesen die Zeigefinder der ruhiggestellten Hand ein vergleichsweise grobes Empfindungsvermögen auf. Die mangelnde Sensibilität äußerte sich in der unzureichenden Fähigkeit, zwei eng beieinanderliegende Tastreize noch als unterschiedliche Stimuli zu erkennen. Verglichen mit der Norm, betrug der Verlust an Wahrnehmungsschärfe rund einen halben Millimeter. Die Einbuße an Sinnesschärfe auf der einen wurde durch einen Zugewinn an Wahrnehmungskraft auf der anderen Seite allerdings mehr als ausgeglichen: Bedingt durch die vermehrte Nutzung, entwickelte die unversehrte Hand nämlich wahre taktile Bestleistungen, die jene der Vergleichspersonen deutlich übertrafen.
Die Veränderungen im Fingerspitzengefühl spiegelten sich nicht zuletzt auch in der Aktivität der übergeordneten Hirnstrukturen. Wie die Autoren in Untersuchungen mit dem Kernspintomographen zeigen konnten, nahm die Durchblutung der für den Tastsinn zuständigen Hirnareale bei verminderter Nutzung der Hand ab, bei vermehrtem Gebrauch hingegen zu. Allen Gipsträgern zum Trost sei hinzugefügt: Zwei Wochen nach Entfernung des steifen Verbands hatte sich das Feingefühl der vormals ruhiggestellten Hand wieder vollständig normalisiert. Auf der unversehrten Seite blieb der Zugewinn an taktilem Feinsinn sogar teilweise bestehen – aus welchem Grund, geht aus der Studie nicht hervor. Möglicherweise hatten sich die Probanden an die besonders intensive Nutzung der betreffenden Hand so sehr gewöhnt, dass sie auch nach Gipsentnahme daran festhielten, obwohl hierzu eigentlich kein Grund mehr bestand.
Nicola von Lutterotti"
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 13.05.2009 Seite N1
Samstag, 26. September 2009
Gemeinsamkeit
Mittwoch, 16. September 2009
Ganz schön schlau
Jüngere, aber doch schon sehr schlaue Schüler unterhalten sich über die Temperatur in der Wüste:"Man kann Eier auf einem Stein braten!" -
Es wird bezweifelt, dass die Temperatur so hoch sein kann. Ein Stein werde höchstens 50° heiß!
Da meint einer, dann könne man ja zum Kochen zwei Steine nehmen.
Freitag, 11. September 2009
Lesen und Rechtschreibung
Rudolf Steiner:
"[…] Wenn wir so vorgehen, dann wird uns folgendes passieren, was mir so häufig passiert, wenn solche Veranstaltungen sind, wo die Eltern dabei sind. Dann kommen die Eltern heran - wir müssen da nur lernen, wie wir uns zu den Eltern verhalten sollen, wenn sie kommen und sagen: Könnten Sie nicht irgend etwas dazu tun, dass mein Junge in eine andere Klasse kommt, wo er einen Lehrer hat, dann hat er mehr Respekt. Er ist schon 8 Jahre alt und kann noch nicht lesen und schreiben. - Da wird das dem Umstande zugeschrieben, dass da drinnen eine Lehrerin ist. Die Eltern glauben, wenn er einen Lehrer hat, wird der nun eher die Tendenz haben zum besseren Dressieren. Und auf diese Weise bekommt man die durchaus falschen Urteile, die überall herumschleichen und über die wir insbesondere die Elternschaft aufklären müssen. Wir müssen sie nicht frappieren. Wir können nicht dasselbe, was wir unter uns reden, den Eltern sagen. Wir können nicht sagen: Seid froh, dass euer Junge mit 9 Jahren noch nicht lesen und schreiben kann. Er wird um so besser lesen und schreiben, wenn er es mit 9 Jahren nicht gekonnt hat; denn wenn er mit 9 Jahren wunderschön schreiben und lesen kann, dann wird er später ein Automat, weil dem Menschen etwas Fremdes eingeimpft worden ist. Er wird ein Automat. Diejenigen werden aber Vollmenschen, die noch etwas entgegengestellt haben in ihrer Kindheit dem Lesen und Schreiben. - Wir müssen die Menschen, die aus der heutigen Bildung kommen, etwas sanft anfassen und nicht gleich frappieren, sonst würden wir mit unseren Bestrebungen unter die Räder kommen. Aber in aller Sanftheit müssen wir ihnen doch beibringen, dass es wirklich keine Sünde wider den heiligen Geist des Kindes ist, wenn es mit 8, 9 Jahren nicht ordentlich lesen und schreiben kann. […]"
Quelle: Rudolf Steiner, aus der GA 302, 8. Vortrag
Samstag, 5. September 2009
Klassentreffen ehemaliger Waldorfschüler - Was aus ihnen wurde
(Waldorfschule-)SCHWÄBISCH GMÜND (pm).Vor mehr als 15 Jahren wurden die ersten Schulabschlüsse in der Freien Waldorfschule gemacht, vor 14 Jahren die ersten Abiturienten verabschiedet. Ein guter Grund, sich einmal wieder zu treffen.
Wenn man nach 15 Jahren wieder an der alten Lernstätte zusammen kommt, dann werden Emotionen wach. ....
Schüler, Eltern und Lehrer gehörten zur Gründergeneration der Freien Waldorfschule in Gmünd. Und so nahmen sie mit großem Interesse wahr, wie positiv sich ihre Schule weiterentwickelt hat. Eine Frage, die sich jeder Schule, jedem Lehrer stellt: Was wird aus unseren, meinen Schülern? Umso spannender war es zu erfahren, welche Laufbahnen die Schüler eingeschlagen haben. Diese Ehemaligen sind in den unterschiedlichsten Bereichen tätig. Der Bogen spannt sich von Medizin über soziale Berufe, von Verwaltung über Unternehmensberatung bis hin zum künstlerisch kreativen Bereich. Sie arbeiten heute als Arzt, Zahntechniker, Heilerziehungspfleger, Sozialpädagoge, Lehrer, Betriebswirt, Bau- und Wirtschaftsingenieur, Goldschmied und sie sind Eltern Diese Vielfalt an Berufen erfüllt die Schule mit Stolz. Liefert sie doch den Beweis, dass Waldorfpädagogik eine solide Basis für die Entwicklung der persönlichen Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen legt. Aber auch für die Lehrer ist das ein starker Motivationsschub und die beste Bestätigung für ihren täglichen Einsatz im Klassenzimmer. Hauptschul- und Realschulabschluss, Fachhochschulreife und Abitur gehören seit Schulbeginn zu den Abschlüssen der Freien Waldorfschule Schwäbisch Gmünd. ...
Quelle:http://remszeitung.de/2009/7/15/
Samstag, 22. August 2009
Gewissensfragen...
Dieser Beitrag wurde entnommen aus:
10 Fragen zur Gewissensprüfung der Waldorfschulbewegung
von Holger Niederhausen
"Die Waldorfschulen wollen die von Rudolf Steiner begründete Waldorfpädagogik verwirklichen. Gelingt ihnen dies? Werden sie ihrem eigenen Anspruch gerecht? Was wären die Maßstäbe? Was ist das Wesentliche der Waldorfpädagogik? – Zehn Fragen zur Gewissensprüfung. ...
Nehmen wir die Anthroposophie ernst genug?
Sie selbst als Lehrer der Waldorfschule werden sich immer mehr in die Durchschlagskraft des Geistes hineinfinden und die Möglichkeit finden, alle Kompromisse beiseite zu lassen. [...] Wenn solche Leute, die im heutigen pädagogischen Leben drinnenstehen, uns loben, da müssen wir denken, da muß etwas bei uns nicht stimmen. Wir brauchen nicht jeden gleich hinauszuwerfen, der uns lobt, aber wir müssen uns klar sein, daß wir sorgfältig untersuchen, was wir nicht richtig machen, wenn wir gelobt werden von denjenigen, die im heutigen Erziehungswesen drinnenstehen. Das muß unsere gründliche Überzeugung werden. [...] Wir müssen auch innerlich, dem Gemüte nach, tatsächlich Anthroposophen sein im tiefsten Sinne des Wortes als Waldorflehrer [...]
Rudolf Steiner, 24.7.1920, GA 300a, S. 166f.
Wir reden hier viel von Waldorfschul-Prinzip, von neuer Pädagogik. Das Wichtigste ist, daß man im Wachstum bleibt. Jeden Tag ist die Gefahr vorhanden, daß die Dinge sauer werden. Das ist es, worauf es ankommt, daß man nicht vom Kleben an den Gewohnheiten einschläft, wenn man etwas tun soll, wenn man etwas bereiten soll. [...] Es kommt darauf an, daß man eine neue Begeisterung wirklich aufbringt. [...] Innerlich zusammenwachsen mit der Flamme, die sich heute entzündet, auf daß die Michael-Impulse verwirklicht werden!
Rudolf Steiner, 20.7.1924, GA 217a, S. 184."
Donnerstag, 20. August 2009
Geschichten zum ersten Schultag
Die Gewohnheit, dass alle Klassenlehrer/innen und Klassenbetreuer/innen bei uns am ersten Schultag eine Ansprache an ihre Klasse halten, geht auf folgendes Gespräch Rudolf Steiners mit der ersten Waldorflehrerschaft zurück:
„Konferenz vom Freitag 17. Juni 1921, 20 Uhr“ (GA 300/2, S. 36 f)
„...Über die Schuleröffnungsfeier am kommenden Samstag.
Dr. Steiner: Ich kann zuerst sprechen, dann alle Lehrer. Ich denke mir, wir machen es mit den Klassenlehrern jeder Klasse und mit Vertretern der Fachgruppen, der Reihe nach, von oben nach unten. Es kann von oben herunter gemacht werden, dass es bei der 10. anfängt. Auch die Fachlehrer sollen reden. 10., 9., 8., Fachlehrer für Eurythmie, Musik Sprachen, Handarbeitsunterricht,Handfertigkeitsunterricht. ...
Jemand bittet um eine Anregung, in welcher Weise gesprochen werden soll.
Dr. Steiner: Sie werden sich doch am Beginn des Schuljahrs voller Inspiration von Zielen und Absichten mit der Klasse befinden. Ich glaube, dass man da eher eine Anregung gibt, was Sie weglassen könnten. Jeder hat seine Absichten und seine Ziele im Sinn. Es wäre verletzend, zuzumuten, dass er sich anhören sollte, was er sagen soll. Es tut einem leid, dass nicht Originaleurythmie gemacht werden kann. Es wäre schön, wenn es gemacht werden könnte. Die Feier muss sehr würdig sein. Es ist eine Misere, dass wir das im Stadtgartensaal haben müssen. Das ist sehr bitter, daß wir nicht die Möglichkeit haben, die Feier hier abzuhalten. Wir kriegten nicht einmal die Kinder hinein, auch wenn wir verzichten auf andere Menschen. Die könnten nur stehen. Es sollte etwas beim Schulanfang von der Lehrerschaft gemacht werden. Wir werden die Kinder teilen, 1.- 6., 7. -10., das wird man im nächsten Jahr machen müssen.“
Sonntag, 16. August 2009
Zeugnisse mit dem Computer schreiben?
L`Espresso, 7. August –Umberto Eco schreibt seine Kolumne bestimmt nicht mit der Hand. Aber er denktdarin darüber nach, was die Menschheit mit dem Verlust des Schreibens mit einem Stift verliert: die Langsamkeit. „Die Kunst der Kalligraphie erzieht zur Kontrolle der Hand und der Koordination von Fingern und Gehirn. Stefano Bartezzaghi macht in einem Artikel in der Tageszeitung Repubblica darauf aufmerksam, dass es beimSchreiben mit der Hand notwendig ist, sich die Phrase vor dem Schreiben zu überlegen. Auf jeden Fall ermöglicht das manuelle Schreiben durch den Widerstand, den Stift und Papier entgegenbringen, eine reflexive Entschleunigung. Viele Schriftsteller, auch wenn sie das Schreiben mit dem Computer gewöhnt sind, haben bisweilen das Gefühl, dass sie gerne wie die Sumerer auf eine Tontafel meißeln würden, um Ruhe in ihr Denken zu bringen. Die jungen Leute schreibenimmer mehr mit dem Computer und dem Handy. Doch die Menschheit hat es gelernt, jene Tätigkeiten, die die Zivilisation als Notwendigkeit ausgemustert hat,als Tätigkeiten wieder zu entdecken, die sportliche und ästhetische Bedürfnisse befriedigen.“
Sonntag, 12. Juli 2009
Aggressive Kinder brauchen ganz klare Regeln
Um dann damit zurecht zu kommen, sind die Hinweise in diesem Artikel insofern hilfreich, als ein klarer, konsequenter Umgang dem Kinde hilft, wenn man sich nur dabei nicht an den Kopf des Kindes wendet, sondern mit Herz und Liebe mit dem Kind umgeht. Sonst entstehen Verhärtungen oder es wird zur Verhaltensdressur.
Auch das Lob kann nicht so einfach aufgesetzt werden. Ist das Kind wieder in die Spielsituation integriert, dann ist das schon Lob und Belohnung zugleich. Das Kind freut sich, der Erwachsene freut sich: Das reicht! Man muss von zu viel Verbalisierungen weg kommen!
Die Welt, die Umwelt selbst reagiert und erzieht mit. Darauf muss man auch bauen.
"10. Juli 2009
Kindern müssen ihre Grenzen aufgezeigt werden, wenn sie grundlos aggressiv reagieren. Deshalb sollten Regeln aufgestellt werden, die in solchen Fällen greifen. Eltern sollten ihren Kindern jedoch auch erklären, warum sie bestraft werden. Halten sich Kinder an Regeln, so sollten sie durch Lob belohnt werden.
...
„Wichtig ist, dass Kinder, die natürlichen Konsequenzen ihrer Handlungen selbst tragen müssen“, sagt der Vorsitzende des Berufsverbandes für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Maik Herberhold. So könne ein Jugendlicher, der beispielsweise ein Fahrrad beschädigt hat, den Schaden selbst beheben müssen. Ein Kind, das in einem Spiel einen Wutanfall bekommt, kann aus dem Spiel ausgeschlossen werden.
„Die Konsequenz muss dabei möglichst schnell erfolgen und die Eltern müssen die Sanktionen regelmäßig durchsetzen. Das ist einfacher, wenn dem Kind oder Jugendlichen ohne große Diskussion erklärt wird, warum sein Verhalten falsch war“, empfiehlt der Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie.
Nicht reizen lassen
Genauso wichtig ist es demnach jedoch, dass Lob ausgesprochen wird, wenn sich das Kind an die Regeln gehalten hat oder von sich aus in einer kritischen Situation besonnen reagiert hat. „Sagen Sie dann etwas wie 'Das hast Du wirklich gut gemacht!'. Diese positive Zuwendung fördert das gelobte Verhalten. Vorwürfe und Ermahnungen hingegen provozieren eher zu dem Benehmen, das man verhindern möchte“, erklärt Herberhold. „Sehr wirksam reagiert man mit Gelassenheit auf Aggressivität: Werden Sie nicht ärgerlich und lassen Sie sich nicht reizen.“
„Wenn die Probleme mit Ihrem Kind schon längere Zeit bestehen und sie trotz aller Mühe nicht in den Griff zu bekommen sind, dann sollten Sie nicht zögern, einen Kinder- und Jugendpsychiater um Rat zu fragen“, sagt Herberhold. „Er wird mit Ihnen über die Probleme Ihres Kindes sprechen, das Kind untersuchen und gemeinsam mit Ihnen Lösungsvorschläge erarbeiten. So kann das Kind in einer Psychotherapie lernen, seine Aggressionen in schwierigen Situationen besser in den Griff zu bekommen.“
Quelle: http://www.welt.de/wissenschaft/
Freitag, 26. Juni 2009
Entwicklungen
Im vierten Schuljahr werden im Deutschunterricht die Zeiten behandelt. Man spricht über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Nun verstärkt man die Empfindung der Schüler durch die Zuordnung von Farben zu den einzelnen Zeiten.
In einem ersten Durchgang mit einer Klasse zwischen 1980 und 1990 war es etwa so, dass ich den Kindern leicht verständlich machen konnte, dass wir z.B. die Vergangenheit blau empfinden können (Gewordenes), die Gegenwart rot (lebendig, aktiv), die Zukunft gelb ( noch offen, frei strahlend, ungeworden, freudig erwartet).
In einem nächsten Durchgang (ca 1990-2000) gab es darüber schon ein ausführlicheres Gespräch, welche Farben passend wären. Man konnte sich dann gut auf die drei Grundfarben einigen.
In einem weiteren Klassendurchgang - nun im Jahre 2009 - gab es ungeheuer viele individuelle Farbempfindungen der Kinder, die sie auch gerne äußern wollten. Was man als Durchschnitt nur herausfinden konnte, war, dass für die Vergangenheit eher ein dunklerer Farbton empfunden wurde für die Zukunft ein hellerer. Rot kam am häufigsten für die Gegenwart.
Für diese Kinder nun war es nur möglich eine Empfehlung zu geben, dass man gut mit blau-rot-gelb die Zeiten ausdrücken könne, dass aber es jedem Kind freigestellt sei, seine eigenen Farben zu verwenden.
Mit Freude verwendeten dann einige Kinder ihre eigenen Farbvorschläge, andere folgten gern der Empfehlung.
Das ist Ausdruck der Bewusstseinsseele, wie sie heute in den Kindern lebt. Es wird alles individueller, aber die Empfindungen sind auch gesteigert.
(Ich weiß, dass es in der Waldorfliteratur (z.B. bei Tittmann) auch andere Farbzuordnungen gibt. Wichtig erscheint mir aber eher, mit den Kindern überhaupt in eine Empfindung zu gehen, als die "objektiv richtigen" Farben zu definieren.)
Sonntag, 21. Juni 2009
Zeugniszeit - Ferienzeit
"...Und dann sollte es eine Seite geben für jedes Kind in deiner Klasse. Einmal in der Woche ... solltest du eine Beobachtung, egal, wie nebensächlich sie auch scheint, über das Kind notieren. Wie ist es angezogen, mit welchem Ausdruck liest es, wie sind seine Launen, seine neuen Freundschaften, seine neue Begeisterung für das Rechnen? Solche Notizen werden deine Beobachtungskräfte wecken, und am Ende wirst du zutreffende Notizen haben, wenn die Zeugniszeit kommt. (S.29)Quelle: Eugene Schwarz Überlebenshandbuch für Waldorflehrer, Maroverlag, 2000
Jeden Sommer solltest du ein oder zwei Bücher lesen, die Hintergrundmaterial bieten für eine Epoche, die du erst in einigen Jahren unterrichten wirst. Zum Beispiel in dem Sommer vor der zweiten Klasse lies eine Biographie von Martin Luther; in dem Sommer vor der vierten Klasse nimm dir Ernst Lehrs Mensch und Materie vor, um über Naturwissenschaft in der achten Klasse nachzudenken. Auf diese Weise wird dein Interesse wachsen, lange bevor die strenge Notwendigkeit dir befiehlt, neue Wissensgebiete zu entwicklen. .... (S.18)
Man möchte diese Ratschläge noch dadurch ergänzen, dass man empfiehlt, in den Ferien mehr Literatur zu lesen, die das Gefühl anspricht, als jene, die den Kopf anspricht. Also besonders Bücher, die man gut für den Erzählteil brauchen kann oder die in irgendeiner Weise die Phantasie beflügeln und als Hintergrund für verschiedene Epochen dienen können.
Immer noch wird die Bedeutung des Künstlerischen, Literarischen, des Schönen und der Phantasie in der alltäglichen Vorbereitung unterschätzt. Für die meiste Unterrichtsvorbereitung in der Klassenlehrerzeit braucht man viel weniger intellektuelles Wissen als man auch in Waldorfkreisen verbreitet denkt.
Wenn auf einem bescheideneren Wissensfundament eine recht aktive, künstlerische Phantasie des Lehrers sich entzündet, dann wird die Klasse davon mehr Gewinn haben. Ist die Vorbereitung schon intellektuell, dann wird es auch den Unterricht färben und die Kinderseelen werden nur mangelhaft erreicht.
Und wer sich in den Ferien nicht richtig erholt, nicht kräftig Herz und Seele erfrischt, dem wird auch das nächste Schuljahr zu viele Kräfte kosten.
Freitag, 19. Juni 2009
Lehrer-Eltern-Beziehung
Es liegt nach meiner Erfahrung ein erhebliches Konfliktpotenzial vor, wenn ein Klassenlehrer nicht zu allen Eltern eine gleichmäßige, ausgewogene Beziehung zu entwickeln versucht.
Zu viel Kontakt und Nähe zwischen dem Lehrer und einzelnen Eltern wird von den anderen misstrauisch angesehen. Schon droht eine innere Spaltung in der Elternschaft.
Es bräuchte eine Art Ehrenkodex in einem Kollegium, was den Umgang mit Eltern angeht. Wie nah oder freundschaftlich eine solche Beziehung sein kann oder eben nicht.
Es geht dabei immer um Ausgewogenheit.
Lehrer unterschätzen manchmal ihre unbewusste, von außen zugeschriebene Machtstellung. Mancher stellt stellt sich dann gern neben diese Macht und versucht etwas von ihrem Glanz abzubekommen. Die anderen Eltern werden dadurch automatisch zu einer Art Volk. Dieses aber liebt die Macht nicht und beginnt leise zu revoltieren.
Dabei ist es besonders schwierig, wenn man ein jüngerer Klassenlehrer ist, den Müttern gegenüber, die sehr empfänglich für diese Nähe sind; für Kolleginnen, den Vätern gegenüber.
Es ist ja häufig auch so, dass es "schwierigere" und "weniger schwierige" Eltern gibt. Das kann in der Stimmung der Elternschaft eine große Rolle spielen. Hier wäre von Seiten des Lehrers eine ausgleichende Wirkung heilsam. Man versuche z.B. auf Elternabenden, die "Schwierigeren" besonders herzlich innerlich anzunehmen und auch ihren Argumenten Berechtigung zuteilen.
Bei den übermäßig Positiven ist es sinnvoll, dass man sie äußerlich ganz leicht und sachlich auf Distanz hält, innerlich wird man sie genauso herzlich annehmen können. Man kann ihre Beiträge auch einmal weniger stark befürworten, bzw. gleichberechtigt neben die der anderen stellen.
Man wird bemerken, dass oft pädagogische Schwierigkeiten einhergehen mit ungleichmäßiger Verteilung der Sympathien des Lehrers den Eltern gegenüber.
Auch sind die Zeiten der Klassenführung in solchen Fällen häufig begrenzt.
Mittwoch, 17. Juni 2009
Ansprachen halten
In irgendeiner Form kommt jeder immer wieder in die Lage, eine größere oder kleinere Ansprache halten zu sollen oder zu müssen. Da diese Aufgabe nur von wenigen sehr gern wahrgenommen wird, und die anderen froh sind, wenn es jemand macht, ist es auch schwierig, konstruktive Gespräche über dieses Thema zu führen.
Würde man hinterher etwas zum Stil einer Ansprache sagen, so würde dies schnell als Unfreundlichkeit aufgefasst. So bleibt man lieber bei seinem gewohnten Stil , als dass man das "Redenhalten" als ein gemeinschaftliches Lernfeld betrachtet.
Den Rednerkurs Steiners haben die wenigsten gearbeitet; andere Rednerkurse wohl auch nicht.
Einige Dinge fallen immer wieder auf:
Der Redner beginnt damit, dass er sich z.B. über ein zahlreich erschienenes Publikum freut, oder was häufiger ist, über ein weniger zahlreiches Publikum nicht freut. Er spricht seine Empfindungen und Gedanken dazu laut aus.
Das ist schon einmal etwas, was das Publikum überhaupt nicht interessiert, sondern nur den Redner. Der Zuhörer kommt, um etwas über die angeküdigte Sache zu hören, und nicht etwas anderes. Besonders enttäuschend sind solche Worte, gerade weil sie am Anfang stehen, wo man sich doch wünscht gleich deutlich in das Thema hineingeführt zu werden.
In vielen Ansprachen geht es zu wie bei manchen Lehrern in der Klasse:
Der erste Schultag nach den Ferien. Man nimmt ihn "ganz locker" und lässt die Kinder gemütlich aus den Ferien plaudern. Damit beginnt das Schuljahr für die Kinder schon mit der allergrößten Enttäuschung, was das Lernen angeht.
Die Kinder gehen zur Schule und die Zuhörer gehen in eine Veranstaltung, weil sie etwas davon haben wollen. Dem Aufwand muss sofort ein ersichtlicher Ertrag entsprechen. Der erste Schultag ist der wichtigste. So auch der Anfang einer Ansprache.
Viele Redner steigern das Problem z.B. noch dadurch, dass sie lauthals darüber reflektieren, warum sie das Thema ausgewählt haben oder wie sie bei der Vorbereitung vorgegangen seien.
Ganz und gar unglücklich wird der Zuhörer, wenn der Redner gar noch so Dinge wie: Er habe z.B. nicht genügend Zeit gehabt sich vorzubereiten, äußert. Manchmal hört man auch gleich zu Anfang, dass das Thema viel zu groß und umfassend sei, um es an einem Abend zu behandeln.
Bei allen diesen Dingen entsteht ein schales Gefühl beim Zuhörer: Warum hält er dann überhaupt einen Vortrag? Dann sollte er es lieber lassen! Wenn das Thema zu umfangreich ist, dann muss man eben eine Vortragsreihe halten oder die Sache so bearbeiten, dass man an einem Abend etwas Wesentliches lernt. Und dann ist es eben nicht mehr zu umfangreich.
Alle diese Selbstreflektionen interessieren den Zuhörer überhaupt nicht, sie enttäuschen ihn nur.
Der Zuhörer kommt, um über das angekündigte Thema etwas zu hören.
Die Kolleginnen und Kollegen
Bei Ansprachen vor Schülern hört man Lehrer immer wieder davon erzählen, was die "Kollegen und Kolleginnen" oder gar das "Kollegium" alles so meinten oder täten. Man versetze sich einmal in einen Schüler und überlege, was er wohl mit dem Begriff "Kollege" verbindet? Nichts! Für ihn gibt es nur Lehrerinnen und Lehrer. "Kollegen" sind für ihn die Mitschüler.
Samstag, 13. Juni 2009
Zeugniszeit - Schuljahresende - Johanni-Monatsfeier
"Wie der Bauer die Ernte einfährt und im Herbst dann freudig das Erntedankfest feiert, so ist für den Lehrer das Ende eines Schuljahres. Er fährt die Ernte ein, indem er beim Schreiben der Zeugnisse auf die Schüler blickt und ihre Entwicklung im Laufe eines Schuljahres an sich vorüber ziehen lässt.
Es findet gewissermaßen eine Hoch-Zeit statt, eine Vermählung des Lehrers mit der Schülerseele. Eigentlich versucht er das täglich bei seiner Unterrichtsvorbereitung, aber zum Schuljahresende beim Zeugnisschreiben geschieht dies in besonders intensiver Weise. Er erlebt dabei das Wunder der menschlichen Entwicklung. Welche gewaltigen Fortschritte hat im Grunde jede Schülerseele vollzogen. Man mag sich einerseits Sorgen machen, bei den Dingen, die sich noch nicht so wünschenswert entwickelt haben. Anderseits überwiegt aber fast immer die Freude, die Bewunderung über das, was geschehen ist. So wird die Zeit des Zeugnis-Schreibens für den Lehrer zu einer Festeszeit, zu einem Erntedankfest. ..."