Sonntag, 7. Juni 2009

Kolloquium zur Waldorfschule

Quelle: Seite 12 - Feuilleton Das Goetheanum Nr. 47/ 08

Link:

http://www.freunde-waldorf.de

von Holger Niederhausen

Zukunftsfähigkeit schaffen


Wo steht die Waldorfpädagogik heute, und wie können wir für die Zukunft arbeiten? Mit diesen Fragen beschäftigte sich am 8. November das Kolloquium der Pädagogischen Akademie am Hardenberg Institut in Heidelberg....


...Eine vielleicht noch größere Sorge betraf die Substanz in den Schulen selbst. An vielen Schulen findet anthroposophische Grundlagenarbeit kaum statt und wenn, steht sie oft unverbunden neben dem Organisatorischen. Ein Kollege berichtete, viele Studenten interessierten sich sehr für eine solche Arbeit, fragten sich aber nach den ersten Konferenzen, wo sie denn lebe. Auch die Kinderbesprechung, als ein wesentliches Element der Waldorfpädagogik, wird offenbar in immer weniger Schulen ernsthaft praktiziert.


Dem Schwinden dieser Grundlagen steht ein Anstieg an Schwierigkeiten und Konflikten in der kollegialen Zusammenarbeit gegenüber. Immer mehr Waldorfschulen ziehen Mediatoren und Berater hinzu, um an Problemen im Sozialen zu arbeiten.


Mehrere Lehrer sahen einen Zusammenhang beider Entwicklungen: die anthroposophische Arbeit sei die Grundlage sowohl für die gemeinschaftliche Selbstverwaltung als auch für die Pädagogik. Ohne sie träten auf allen Ebenen vermehrt Probleme auf.


Von Fragen der Dreigliederung oder des Kulturauftrages darf man oftmals gar nicht sprechen, ohne den Unmut der Kollegen auf sich zu ziehen, die darüber klagen, nicht einmal genug Kraft für das Alltägliche zu haben. Doch es ist wichtig, auch nach außen zu wirken, da sonst das Umfeld in kraftraubender Weise auf die Schulen rückwirkt, wie etwa in der Prüfungsfrage.

Kinderbetrachtung und geistige Arbeit

Eine Kollegin erläuterte, warum die Grundlagenarbeit heute notwendiger sei denn je. Was die Kinder ihrem eigenen Wesen nach mitbringen, sei heute aufgrund eines Dickichts an Außeneinflüssen immer schwieriger zu erkennen. Die Jugendlichen wiederum, äußerlich stiller und angepasster als früher, zeigten ein tief beeindruckendes Begegnungsbedürfnis und die Fähigkeit zu einem Tiefgang neuer Qualität. Dem gerecht zu werden, erfordere eine stete innere Schulung des Lehrers.


...Christof Wiechert, Leiter der Pädagogischen Sektion am Goetheanum, betonte ein Gefäß für den Geist müsse auch von ihm gefüllt werden, sonst kämen Gegenwirkungen hinein. Elemente wie Epochen und Nicht Sitzenbleiben ergeben noch keine Waldorfschule und den Geist müsse man in der Kinderbetrachtung wecken .Nun ging Wiechert auf die Übergänge zwischen wachend bildhaftem Erkennen träumend inspiriertem Fühlen und schlafend intuitivem Wollen, wie sie im sechsten Vortrag der von Rudolf Steiner beschrieben werden, ein. Darin weist dieser auf die Notwendigkeit der Entwicklung eines hin, die Fähigkeit im richtigen Moment intuitiv das Richtige zu tun. jeder Lehrer kennt aber die Schwellenerlebnisse der Ohnmacht, die Augenblicke, in denen es nicht gelingt. Aus Angst vor der Schwelle flüchte man sich dann allzu oft in Strukturen - der Eintrag ins Klassenbuch ist dafür ein Beispiel.


Ein Kollege beschrieb aus eigener Erfahrung, wie wesentlich das Bildhafte sei. Wenn es etwa in Chemie um Feuer und Kalk geht, sei es eine Herausforderung, die Kräfte und das Wesen der Prozesse bis in die Geste hineinzubekommen. Dann aber sei der Unterricht nicht intellektuell. Und es ist gar nicht zu überschätzen, wie stark Kinder mit dem mitleben, was die Lehrer im Seelisch Geistigen selbst realisieren.

Es braucht eine Renaissance

Die Waldorfpädagogik bedarf einer steten, geistigen Arbeit und Ich Tätigkeit des Einzelnen, die das Moralisch Geistige immer wieder neu hervorbringen. Was nach Rezept verwirklicht wird, trägt nicht mehr.


Was aber kann man nun in seiner Schule aktiv tun, wenn die anthroposophische Grundlagenarbeit nicht im ganzen Kollegium gleich neu ergriffen wird? Man kann selbst anfangen und sich mit Kollegen zusammentun, die dasselbe Anliegen haben. Eine solche innere Arbeit von drei, vier Menschen hat in jedem Fall ihre Wirkung und zieht auch andere Kollegen an. ...


Christof Wiechert wies auch auf die Problematik des heutigen Freiheitsbegriffes hin. Im Denken ist eine ungeheure Individualisierung der Vorstellungen eingetreten, während im (gerade pädagogischen) Handeln oft große Konformität eintritt: „In der Waldorfschule macht man das so!“ Vom Geiste aus gesehen, müsse es jedoch genau umgekehrt sein: Im Denken wahrhaftig, im Handeln individuell. So erschafft jeder die Waldorfpädagogik täglich neu. ...

Den ganzen Artikel finden Sie auch unter:

http://www.holger-niederhausen.de/

Samstag, 6. Juni 2009

Fremdkörper in den Waldorfschulen

RECHENSCHAFTSBERICHT UND ENTLASTUNG

Inzwischen kann man es auch an Waldorfschulen erleben, dass es im Kollegium "Rechenschaftsberichte" gibt. Bisher war das nur in Mitgliederversammlungen von Vereinen üblich, weil eben die Mitglieder häufig nur wenig oder selten Kontakt mit Vorstand und Geschäftsführung haben.

Immer häufiger überträgt man Elemente aus anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens in unsere Einrichtungen des freien Geisteslebens. Diese Entwicklung geht einher mit den immer mehr werdenden "Beratern", die von Schule zu Schule ziehen, ohne dass sie am Geist und Leben dieser Gemeinschaften verantwortlich beteiligt sind.


Wenn nun schon in Lehrerkollegien untereinander Rechenschaftsberichte abgegeben werden, dann wird damit demonstriert, dass man das Niveau eines Vereins erreicht hat.
Da wo Menschen in wirklichen Lebensbeziehungen stehen, wo sie sich fast täglich begegnen, wo Vertrauen herrscht, da wird man keine Rechenschaftsberichte brauchen.

Wenn man dann einmal so einen Vorgang eines Rechenschaftsberichtes erlebt hat, dann spürte man die ganze Formalisierung, die nun eingezogen ist. Alles tendiert zu Äußerlichkeit, die wirklich dringenden Lebensprobleme kommen gar nicht zur Sprache. Die werden dann wieder anderswo besprochen, wo das Kollegium nicht anwesend ist.

Die Krönung des Ganzen ist dann die sogenannte "Entlastung". Menschen, die täglich mit den anderen zusammen sind, erwarten nun in einer formalen Abstimmung im Kollegium die Bestätigung ihrer Arbeit im Allgemeinen.

Hätte man in dieser Zeit auch nur ein wirklich dringendes Schulproblem sinnvoll besprochen, wäre die ganze Schulgemeinschaft weitergekommen.

Wenn nicht die Geisteswissenschaft ihren nötigen Stellenwert in den Herzen der Lehrerschaft bekommt, dann werden diese Dinge sich immer weiter fortsetzen und ausbreiten. Die Arbeit in den Schulen wird immer übermäßiger und irgendwann kaum mehr zu bewältigen sein.

Wir brauchen selbstgeschaffene Sozialformen, die dem Charakter unserer Gemeinschaften entsprechen und, die dem Zeitalter der Bewusstseinsseele angemessen sind. Wir können nicht an allen Ecken und Enden die Vorbilder anderer einfach übernehmen.

Geistesgegenwart in der alltäglichen kollegialen Arbeit wird es so nicht geben. Und der lebendige Quell, aus dem die Ideen auch für das Zusammenwirken der Lehrer sich ergießen, wird weiterhin versiegt bleiben, und wo doch etwas Neues auftritt, wird man es nicht erkennen können.

Man wird dann weiter klagen über mangelnde Transparenz und mangelnden Informationsfluss, obwohl man doch alles tut, um dem entgegenzusteuern. Aber man nährt nur einen unersättlichen Drachen, der immer neue Opfer fordert - neue Einrichtungen, neue Ämter und .. und ...

Die Kollegen werden andererseits nach mehr Gemeinschafterlebnissen rufen, nach Geselligkeit, Festen und Feiern. Und sie werden nie zufrieden sein können, wenn sie nicht den geistigen Weg beschreiten wollen.

Rechenschaftsberichte, Qualitätssicherung und was man noch so alles inzwischen eingeführt hat oder einführen wird, es ist dem Wesen der Waldorfpädagogik fremd, bei der alles aus dem Menschen für und mit dem Menschen gestaltet sein will.

Wir bekommen "Fremdkörper" in unseren Organismus. Fremdkörper kann man einkapseln, damit sie unschädlich werden. Sie können auch Entzündungen hervorrufen, wenn der Organismus sie bemerkt. Wenn er sie nicht rechtzeitig bemerkt oder zu schwach ist, dann führt es zu Immunschwäche.

Freitag, 5. Juni 2009

Waldorflehrer werden oder sein

Dieser Beruf braucht ein geistiges Fundament


Eine äußerst unbequeme Erfahrung ist die, dass man im Laufe der Jahre feststellen muss, dass man den Waldorflehrerberuf nur für längere Zeit gut und sinnvoll ausüben kann, wenn man ein ausreichendes geistiges, religiöses oder spirituelles Fundament besitzt.

Wer nicht daran arbeitet, wird es sich, der Schule, den Eltern und Kindern schwer machen. Die Folge ist unnötiges Leid auf allen Seiten. Man mag sich durch irgendwelche anderen Aktivitäten, Fähigkeiten oder Initiativen eine gewisse Stellung in der Schule verschaffen. Aber für die Entwicklung der Waldorfschulen und der Waldorfpädagogik tritt durch solche Menschen eine Hemmung auf.

Selbst Menschen mit nicht so herausragenden pädagogischen Fähigkeiten, aber einem sicheren Fundament, haben ihren guten Platz in einer Waldorfschule.

Man kann das bei Einstellungen nicht vorab prüfen. Bei jeder Neueinstellung wird man davon ausgehen müssen, dass der Mensch einen positiven Lebens-Entwicklungsweg gehen wird. Dass er sich mehr und mehr in die Menschenkunde einarbeiten wird und schließlich auch eine gute Beziehung zu den geisteswissenschaftlich- anthroposophischen Hintergründen finden wird.

Auch die Lehrerseminare sind in der gleichen Lage: Man baut auf Entwicklungen, nicht nur auf Voraussetzungen.

Man will den Menschen, die vielleicht noch keine Ahnung von Menschenkunde und Anthroposophie haben, wohl nicht sagen, dass sie in ihrem Beruf nur das Ziel erreichen werden, wenn sie sich mit Anthroposophie dauerhaft und gründlich beschäftigen werden.

Ist das ein Tabu?

Oder kann oder muss man es doch?

Donnerstag, 4. Juni 2009

Einschulungsfeier erste Klasse

Märchen erzählen

In Ergänzung des Eintrags über den "ersten Schultag" soll hier noch kurz auf die Einschulungsfeier für die neuen ersten Klassen eingegangen werden. Eine Tradition in vielen Schulen ist es, dass der neue Klassenlehrer seinen Kindern noch im Saal ein Märchen erzählt oder beginnt ein Märchen zu erzählen, um es dann in der Klasse zu Ende zu führen.

Die Frage ist, in wie weit das sinnvoll ist. Abgesehen davon, dass das restliche Publikum gewöhnlich meistens nicht viel davon versteht und demzufolge immer unruhiger wird. Aber wäre es nicht besser, wenn ein Märchen in einem viel intimeren Rahmen erzählt würde?
Diese Geschichte für die Erstklässler lässt sich wohl auch auf die Worte zur Einschulung, die Rudolf Steiner den Lehrern vorgeschlagen hatte, zurückführen.

In diesem Moment der sehr feierlich und würdig zu haltenden Einschulungsfeier erwarten Kinder und Eltern vom neuen Lehrer gewichtige Worte zu dem, was nun bevorsteht. Es ist einer der größten Momente im Leben eines Kindes und auch einer Familie. Es ist eine der größten Chancen für die Waldorfschule und die Klasenlehrer etwas von den erzieherischen Anliegen aufzugreifen und zu übermitteln.

Ist es wirklich die richtige Antwort auf all die unbewussten Fragen in den Eltern und Schülerherzen, in diesem Moment ein Märchen zu erzählen? Märchen kennen die Kinder auch schon aus dem Kindergarten oder von zu Hause. Es ist eigentlich nicht das, was sie an diesem Tag, der der Startschuss für einen neuen Lebensabschnitt bedeutet, erwarten.

In einer oberen Schicht des Bewusstseins wird man sich freuen, dass dem Kind ein Märchen geschenkt wird, weil man es auch für kindgemäß hält.

In einer tieferen Schicht des Bewusstseins nährt man die leider immer wieder in den Eltern nagende Sorge, ob die Kinder so richtig auf das Leben vorbereitet werden. Das wühlt mehr in den Tiefen und kommt dann an bestimmten Orten und zu bestimmten Zeiten hervor.
Die Eltern suchen immerzu nach Antworten auf die tiefen Fragen. Es ist gut, alle Momente zu nutzen, dem entgegenzukommen.

Mittwoch, 3. Juni 2009

Erziehung aus tieferer Erkenntnis

In "Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten" -Bedingungen zur Geheimschulung - findet man folgenden Hinweis:

"...Bin ich Erzieher und mein Zögling entspricht nicht dem, was ich wünsche, so soll ich mein Gefühl zunächst nicht gegen den Zögling richten, sondern gegen mich selbst. Ich soll mich so weit als eins mit meinem Zögling fühlen, dass ich mich frage:"Ist das, was beim Zögling nicht genügt, nicht die Folge meiner eigenen Tat?" Statt mein Gefühl gegen ihm zu richten, werde ich dann vielmehr darüber nachdenken, wie ich mich selbst verhalten soll, damit in Zukunft der Zögling meinen Forderungen besser entsprechen könne. Aus solcher Gesinnungart heraus ändert sich allmählich die ganze Denkungsart des Menschen, Das gilt für das Kleinste wie für das Größte..."

Was wäre das für eine Freude, wenn man sich darüber in einem Lehrerkollegium austauschen könnte, wenn dann sich Kollegen sogar darum bemühen würden und man dann einmal eine Klassenkonferenz oder Kinderbesprechung aus dieser Gesinnung heraus gestalten könnte.

Dienstag, 2. Juni 2009

Psychologisierende Urteile bei pädagogischen Besprechungen

Heute möcht ich gern auf ein Problem aufmerksam machen , das wir noch gar nicht annähernd erkannt und bearbeitet haben.

Bei einer Klassenbesprechung kürzlich in einer Lehrerkonferenz wurde etwas deutlich, was sich durch fast alle Kinderbesprechungen zieht:
die psychologisierende Beurteilung.

Beispiel: Ein Junge macht dies oder jenes, weil er Anführer sein will...
Fast in jeder Kinderbesprechung findet man solche Aussagen: Er oder sie macht das, weil.... zu Hause das und das ist..., weil er so und so ist.. .


Diese Aussagen wirken, als ob man bereits den Schlüssel für ein Problem gefunden habe. Es hat für alle Zuhörer auch etwas Bestechendes und Erleichterndes, wenn einer solche Schlüsse ziehen kann. Es wirkt wie eine Erkenntnis. Zugleich kann man erleben, dass mit einer solchen Aussage immer etwas schon beendet ist. Man wird als Zuhörender gar nicht angeregt, weiter in eine Kinderseele einzutauchen und sie als ein Rätsel zu empfinden.

Im Grunde haben wir bei psychologischen Rückschlüssen das absolute Gegenteil einer menschenkundlichen Betrachtung vor uns. Die menschenkundliche Betrachtung schildert nur die Phänomene. Wobei unser Blick eben durch unsere menschenkundliche Vorbildung erweitert und vertieft wird. Wir können dadurch bildhafte Bezüge zu vielen unterschiedlichen Ebenen des Menschenwesens herstellen.

Durch die psychologisierende Beurteilung verhindern wir, tiefer in das Wesen eines Menschen einzutauchen. Immer bliebe ja dennoch die Frage offen, warum will einer Anführer sein? Und wenn man dieses wieder auf so einen einfachen Nenner bringen will, so hört man z.B. oft Worte, wie: Sein Vater ist auch so...- Dennoch bliebe die nächste Frage offen: Warum wählte er diese karmische Verbindung?

Niemals kommt man so dem Wesen näher. Man wird förmlich vom Wesen weggeführt, nicht zu ihm hin.
Es geht auch nicht darum, dass einer andere oder bessere kausale Schlussfolgerungen zieht.

Also das Problem liegt überhaupt in der Verknüpfung durch das „Weil“, durch die kausale Verbindung der Phänomene.
Schon durch das Weglassen dieses „Weils“ und das offenlassende Nebeneinanderstellen der Phänomene ergibt sich eine andere Erkenntnisstimmung, die viel weiter führt.

Traditioneller Chinesischer Spiritgarten Chengdue Waldorfschule


Weitere wunderschöne Bilder hier:
Link: http://project-blog.sacred-landscapes.com/2009/05/28/traditioneller-chinesischer-spiritgarten_chengdue-waldorfschule-marz-2009/

Sonntag, 31. Mai 2009

Regeln einhalten

In unserer Zeit der Entwicklung der Bewusstseinsseele ist das Zusammenleben als soziale Gemeinschaft völlig neu zu betrachten und zu gestalten.

Hat sich eine Gemeinschaft eine Regel gegeben: z.B. alle Kollegen sollen zu bestimmten Zeiten ihre Pausenaufsichts-Pflicht wahrnehmen, dann stellt sich die Frage, was bedeutet es, wenn Individualitäten diese Regel nicht einhalten.

Von einem gewissen Standpunkt aus betrachtet, kann man sagen, dass eine Regel außer Kraft gesetzt wird, wenn sie nicht eingehalten wird und diese Nichteinhaltung keine echte Konsequenz hat - wie auch immer diese definiert wird.

Auf jeden Fall muss man konstatieren, dass mit dreimaligem, folgenlosem Bruch einer Regel durch eine Person die Regel in einer sozialen Gemeinschaft keine Gültigkeit mehr hat.

Die Rechtsprechung ist in dieser Hinsicht viel weiter fortgeschritten als das Bewusstsein vieler Menschen.

Aus Tradition heraus folgt gewöhnlich noch ein gewisser Teil der Mitglieder einer Gemeinschaft weiterhin den einmal verabredeten Regeln, aber der Keim zur Unzufriedenheit, zu mangelnder Funktionsfähigkeit der Gemeinschaft ist längst gelegt. Der Keim wird zu wachsen beginnen und viele weitere Probleme aus sich herauswachsen lassen.

Wenn es Teil einer Schulordnung ist, dass Kinder nicht auf Bäume klettern dürfen und es geht ein Erwachsener vorbei und übersieht die kletternden Kinder, dann sagen die Kinder zu dem nächsten Erwachsenen, der vorbei kommt und sie ermahnt herunter zu kommen: "Derjenige Erwachsene, der vorher vorbei gekommen war, der habe ihnen erlaubt (!), auf den Baum zu klettern."

Taten und auch Nichttaten sind in einer freien Gemeinschaft heute sozial wirkende Realitäten.

Mittwoch, 27. Mai 2009

Friedrich Schiller, Geschichte des dreißigjährigen Kriegs

In der 8. Klasse etwa soll man einer Anregung Steiners folgend mit den Schülern Friedrich Schillers "Geschichte des dreißigjährigen Kriegs" lesen.

Eine kleine Leseprobe:

Zweiter Theil. - Drittes Buch.

"...Er ( Gustav Adolph) hatte sich jetzt mit dem größten Heerführer seiner Zeit gemessen, er hatte die Kraft seiner Taktik und den Muth seiner Schweden an dem Kern der kaiserlichen Truppen, den geübtesten Europens, versucht und in diesem Wettkampf überwunden. Von diesem Augenblick an schöpfte er eine feste Zuversicht zu sich selbst, und Zuversicht ist die Mutter großer Thaten. Man bemerkt fortan in allen Kriegsunternehmungen des schwedischen Königs einen kühnern und sicherern Schritt, mehr Entschlossenheit auch in den mißlichsten Lagen, mehr trotzige Verhöhnung der Gefahr, eine stolzere Sprache gegen seinen Feind, mehr Selbstgefühl gegen seine Bundesgenossen und in seiner Milde selbst mehr die Herablassung des Gebieters. Seinem natürlichen Muth kam der andächtige Schwung seiner Einbildung zu Hilfe; gern verwechselte er seine Sache mit der Sache des Himmels, erblickte in Tillys Niederlage ein entscheidendes Urtheil Gottes zum Nachtheil seiner Gegner, in sich selbst aber ein Werkzeug der göttlichen Rache. Seine Krone, seinen vaterländischen Boden weit hinter sich, drang er jetzt auf den Flügeln des Siegs in das Innere von Deutschland, das seit Jahrhunderten keinen auswärtigen Eroberer in seinem Schooße gesehen hatte."

Welch ein charakteristischer Stil! Wie fühlt man in jeder Zeile Schillers Wesen hindurch! Es lohnt sich wirklich, einige Auszüge mit den Schülern zu behandeln.

Sonntag, 24. Mai 2009

Jakob Streit und die Literatur

Am 15.Mai 2009 verstarb Jakob Streit, der wohl bekannteste und fleißigste Bücherschreiber im waldorfpädagogischen Bereich. Seine Bücher sind sogar weit über den Bereich der Waldorfschulen hinaus bekannt und anerkannt. Möglicherweise ist er sogar der beliebsteste Autor aus anthroposophischem Verlag überhaupt.

Angesichts seines umfangreichen Schaffens und auch des Schaffens vieler anderer Autorinnen und Autoren ähnlicher Herkunft stellt sich die Frage nach der Qualität solcher Bücher.

Erzählende Literatur ist Kunst oder soll es sein. Im künstlerischen Prozess gestalten sich die Werke nach einem eigenen inneren geistigen Prinzip. Hilde Domin war ganz ärgerlich als sie gefragt wurde, wie sie denn Gedichte schriebe. Sinngemäß antwortete sie, dass man diese Frage überhaupt nicht beantworten könne, sie sei eigentlich zu dumm - die Frage. Man schreibt Gedichte einfach.

Kunst hängt mit dem Gefühl zusammen. Nicht primär mit Denken oder Wollen. Man kann die großartigsten Gedanken haben und kann sie vielleicht doch nicht künstlerisch zum Ausdruck bringen. Man kann auch etwas schreiben wollen und es geht doch nicht, weil die Inspiration nicht da ist. Diese Erfahrung macht fast jeder Künstler. Man kann auch ein furchtbar fleißiger Schreiber sein und unendlich viele Bücher schreiben, aber auch das ist keine Gewähr für gute Literatur.

Die Inhalte und Sprachbilder eines Buches müssen sich stimmig aneinanderfügen und aufeinander beziehen. Dafür braucht man eine gewisse Empfindungsfähigkeit.

Bei mancher Literatur paart sich nun das Einseitige des Gedanklichen mit dem Fleiß des Schreibenwollens. Das Gedankliche dominiert, wenn man in einem Buch irgendeine Form von Absicht bemerkt: Jetzt schreibt er dieses oder jenes, um z.B. einem Kind eine moralische Belehrung zu erteilen. Oder jetzt will sie eine gute Geisteswissenschaftlerin sein und lässt an dieser oder jener Stelle einen Engel oder ein Elementarwesen auftreten. Da spürt man, dass es gedanklich gewollt ist.

Waldorflehrer sollen ja selber Geschichten erfinden und den Kindern erzählen. In der vertrauten Intimität der eigenen Klasse sind solche Erzählungen Gold wert und stark wirksam. Das Geheimnis liegt dabei besonders auf der Ebene der Imponderabilien: Schon durch die Vorbereitung, die Bemühung, die der Lehrer aufbringt, um seine Geschichte zu erfinden, beginnt er auf die Seelen der Kinder positiv einzuwirken. Am nächsten Tag trägt er mit der Geschichte eine ungeheure Seelenfülle in die Klasse.

Niedergeschrieben verlieren diese Geschichten schon vieles von ihrer Qualität; und gar gedruckt können sie völlig ihren Geist verloren haben.

Alle Gedanken müssen für eine Erzählung solange künstlerisch umgeschmolzen werden, bis sie fast nicht mehr wiederzuerkennen sind. Dann kann daraus Literatur entstehen. Der Stein, dem man in erster Linie noch ansieht, dass er einem Steinbruch entnommen wurde, der ist noch nicht zur Plastik geworden.

Donnerstag, 21. Mai 2009

"veraldar-vefurinn" die „Weltverflechtung“

... Ist das nicht ein wunderbarer Ausdruck für "Internet"? Das Isländische hat sich noch eine außerordentliche Bildekraft und Fantasie erhalten, wie sie früher wohl auch noch in vielen anderen Sprachen wirkte und schaffte, die heute eher alt und hart geworden erscheinen.

Formen- und Klangreichtum zeichnen eine junge, lebendige Sprache aus. Sie mag dann wohl für Fremde nicht so leicht zu erlernen sein, aber die Sprache selbst wird zum Erlebnis.

Es folgen einige Auszüge aus einem Artikel von Sebastian Balzter am 13.5.2009 in der FAZ.

"... auf Island ...Kinder werden ... nach ihrem Vater benannt, jede Generation aufs Neue. Was Laien verwirrt, lässt Namenforscher frohlocken: eine Sensation, ein Relikt aus tiefen Schichten der Sprachgeschichte. Auf nach Island!

Das Isländische hat sich – anders als die skandinavischen Schwestersprachen – seine komplizierte Grammatik mit einem voll ausgebildeten Deklinations- und Flexionssystem erhalten, seinen Vokalreichtum auch.

... (Man findet) konsequent einheimische Begriffe: Aus Telefon wird sími („Draht“), aus dem Internet veraldarvefurinn („Weltverflechtung“). So klingt auch das moderne Isländische noch nach den Wikingern, nach altnordischer Sagaliteratur und Charakterköpfen wie Egil Skallagrímsson, einem blutrünstigen und poetischen Helden aus dem rauhen zehnten Jahrhundert.

Skalla-Grímr („Glatzen-Grímr“) war sein Vater. Egil setzte diesen Vornamen, im Genitiv und mit der Endung -son, hinter seinen eigenen Vornamen. Folgerichtig hießen seine eigenen Söhne dann Böðvar, Gunnar und Þorsteinn Egilsson, seine Töchter aber Þorgerðr und Bera Egilsdóttir – die Endung -dóttir signalisiert das weibliche Geschlecht. So funktioniert Patronymik, das „Vaternamensystem“, das es früher auch anderswo gab, etwa in Schottland mit der Vorsilbe „Mac“. Und jede Familie Petersen aus Norddeutschland kann auf einen Ahnen namens Peter schwören. Auf Island aber hat sich der Insellage und der geringen Einwohnerzahl wegen seit Egils Tagen nichts daran geändert. ..."

Samstag, 16. Mai 2009

Relief "Eros und Fabel" - 8.Bildtafel

Fabel verließ nun das unterirdische Reich, und stieg fröhlich zu Arcturs Palaste.

.. Die Asche meiner Pflegemutter muß ich sammeln, .....

Fabel reichte die Urne, worin die Asche gesammelt war, der heiligen Sophie, die sie zärtlich umarmte.

Liebliches Kind‹, sagte sie, ›dein Eifer und deine Treue haben dir einen Platz unter den ewigen Sternen erworben. Du hast das Unsterbliche in dir gewählt. ... Du wirst die Seele unsers Lebens sein. Jetzt wecke den Bräutigam (Eros) auf. Der Herold ruft, und Eros soll Freya suchen und aufwecken.‹

...Sie ergriff nun die Urne und schüttete die Asche in die Schale auf dem Altar. Ein sanftes Brausen verkündigte die Auflösung, und ein leiser Wind wehte in den Gewändern und Locken der Umstehenden.

Sophie reichte die Schale dem Eros und dieser den andern. Alle kosteten den göttlichen Trank, und vernahmen die freundliche Begrüßung der Mutter in ihrem Innern, mit unsäglicher Freude. Sie war jedem gegenwärtig, und ihre geheimnisvolle Anwesenheit schien alle zu verklären.

Sie goß in den Altar den Rest aus der Schale hinunter. Die Erde bebte in ihren Tiefen. Sophie sagte: ›Eros, eile mit deiner Schwester zu deiner Geliebten. Bald seht ihr mich wieder.‹


Es war ein mächtiger Frühling über die Erde verbreitet. Alles hob und regte sich. ... Die Königsburg strahlte mit herrlichem Glanze über das Meer, und auf ihren Zinnen stand der König in voller Pracht mit seinem Gefolge. ...

Die Blumen und Bäume wuchsen und grünten mit Macht. Alles schien beseelt. ... Die Tiere nahten sich mit freundlichen Grüßen den erwachten Menschen. Kein Stein lag mehr auf einer Menschenbrust, und alle Lasten waren in sich selbst zu einem festen Fußboden zusammengesunken. Sie kamen an das Meer. Ein Fahrzeug von geschliffenem Stahl lag am Ufer festgebunden. Sie traten hinein und lösten das Tau. Die Spitze richtete sich nach Norden, und das Fahrzeug durchschnitt, wie im Fluge, die buhlenden Wellen.





Verwendung des Fingerhutes

Eine der schwierigsten heutigen Erziehungsaufgaben ist es nach meiner Meinung, durchzusetzen, dass Kinder zu bestimmten Arbeiten auch die entsprechenden Werkzeuge und Bekleidungen verwenden. Das geht schon damit los, das man bei Kälte keine Kopfbedeckung tragen will. In der Erwachsenenwelt ist dafür das Bewusstsein verloren gegangen, während es früher durch die Tradition geregelt wurde.

Im Gartenbauunterricht braucht man eine angemessene Fußbekleidung und beim Nähen braucht man einen Fingerhut.

Natürlich klingt das heute furchtbar unzeitgemäß und altmodisch, pedantisch und philisterhaft. Aber wenn man darüber nachdenken würde, dann würde man herausfinden, dass man dadurch zu einer viel größeren Ernsthaftigkeit im Leben erziehen würde, wenn man auf diese Dinge Wert läge:

"Im Handarbeitsunterricht war ich nur wenig darinnen, aber das eine Mal musste ich mir sagen, warum hat das Kind keinen Fingerhut? Ich habe immer gesagt, wir müssen die Kinder daran gewöhnen, mit Fingerhut zu nähen. Es kann das Kind nicht ohne Fingerhut nähen, das geht nicht an."


Quelle: Konferenzen mit Rudolf Steiner, GA 300a, S. 199

Donnerstag, 7. Mai 2009

Erfahrungen beim Schulwechsel auf die Waldorfschule

Eine Studie, die als Dissertation von Dr. Ulrike Luise Keller an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe entstanden ist, untersucht Erwartungen der Eltern und Befindlichkeit der Grundschulkinder vor und nach dem Wechsel an die Waldorfschule. Befragt wurden 478  Elternhäuser im Schuljahr 2004/05. Diese Studie zeigt, wie durch die  Methodik des Unterrichts an der Waldorfschule fehlende Motivation, Schulangst oder -verweigerung abgebaut wurden bis hin zur Verminderung psychosomatischer Symptome.

Quelle:
Ulrike Luise Keller "Quereinsteiger - Wechsel von der staatlichen
Regelgrundschule in die Waldorfschule", VS-Verlag Wiesbaden 2008

Samstag, 2. Mai 2009

Das Ideal – und die Wirklichkeit?

Nachfolgenden Artikel fand ich auf der Internetseite von Holger Niederhausen, Berlin:

http://www.holger-niederhausen.de/

Hier gebe ich den Anfang wieder:

"Schule, auch Waldorfschule, steht immer vor der Gefahr, zu sehr „Schule“ zu werden – also zu sehr das, was Schule immer schon war: eine Einrichtung, an der Kinder etwas zu lernen haben, was Erwachsene ihnen beibringen oder nahebringen müssen. Die Gretchenfrage an eine Waldorfschule ist immer wieder: Inwieweit macht sie diesen Gedanken nicht mit, inwieweit kann sie dem ganz anderen Gedanken folgen, der aus obigen Worten Rudolf Steiners hervorgeht – dass das Kind alles wirklich Wesentliche schon mitbringt und dass es nur darum geht, ob sich dieses auch wahrhaft entfalten kann oder nicht...

Manchmal hört(e) man von Waldorfschulen, dass Kinder traurig sind, wenn es Wochenende wird oder die Ferien anfangen – sie wollen lieber weiter in die Schule gehen...! So etwas wäre ein klares Zeichen dafür, dass das Kind die Waldorfschule unbewusst als jenen Ort erlebt, wo es sein wahres Wesen entwickeln können wird. Aber es ist offensichtlich, dass diese Dinge seltener werden, ja fast völlig der Vergangenheit angehören. Wo gibt es noch diese Kinder, die freitags oder zum Schuljahresende traurig werden? In der Regel gehen die Kinder im ersten, vielleicht auch im zweiten Jahr noch gerne zur Schule – nicht nur gerne, sie lieben die Schule, sie sind voller Begeisterung, lernen zu dürfen. Lernen und Mensch werden ist eins, eine begeisternde Perspektive eröffnet sich...

Doch dann kommt der Zusammenbruch – die tragische Erkenntnis beginnt zu dämmern, dass man nicht lernt, um Mensch zu werden, sondern weil man eben muss; weil Schule eben Schule ist; weil der Lehrer am nächsten Tag die Hausaufgabe kontrolliert; weil die Eltern sich argwöhnisch erkundigen, was man denn heute gemacht habe; weil man es später ja zu etwas bringen soll und und und... Es gelingt also nicht, das Erleben zu erhalten, dass Lernen etwas Wunderbares ist, dass Schule eine Mysterienstätte ist, an der sich das Wesen von Menschen entfalten kann, die die Zukunftsimpulse in sich tragen.

Warum gelingt dies nicht? Hier kommen viele Dinge zusammen, die man zunächst stichwortartig benennen kann: Mangelndes Verständnis für das Wesen der Pädagogik; mangelnde Kraft, dieses Verständnis im Alltag aufrecht zu erhalten und danach zu handeln (eine Fähigkeitsfrage), Überlastung, Konflikte im Kollegium, schwierige Außeneinflüsse aller Art..."

Freitag, 24. April 2009

Rudolf Steiner im Gespräch mit den ersten Waldorflehrern

Es wird nach den Hausaufgaben gefragt:

„Hausaufgaben sollten als freie Aufgaben gegeben werden, nicht als Pflichtaufgaben: 'Wer's machen will!'“

Es wird nach einem Lesebuch gefragt.

„Beim Lesen müssen nicht immer alle Kinder mitlesen. Man kann das Lesestück mitbringen und es herumgebend lesen lassen, ohne dass die anderen mitlesen. Aber es sollte möglichst wenig gelesen werden, was nicht sicher gut verstanden wird. Es wird noch zuviel von den Lehrern vorgelesen. Man dürfte nichts vorlesen, das man nicht bis ins einzelne Wort hinein kennt durch genaue Vorbereitung."

Quelle: Konferenzen mit Rudolf Steiner, GA 300a, S. 118

Donnerstag, 23. April 2009

Der Sprachtheoretiker Henri Meschonnic

Leider bin ich diesem Wissenschaftler bisher in der Literatur noch nicht begegnet. Von einem vertiefenden Gesichtspunkt aus erscheinen seine Forschungsergebnisse bemerkenswert. Damit stellt er sich auch gegen den ganzen Strom der Wissenschaftentwicklung im vergangenen Jahrhundert. Wir finden bei ihm den Ansatz, der wirklich weiterführt, weil er die Wissenschaft mit dem Leben verbindet.

Falls jemand von Ihnen mehr über ihn weiß, so wäre ich über eine Rückmeldung dankbar:

Der Sprachtheoretiker Henri Meschonnic ist tot

Hegel vergessen, sich an Humboldt erinnern“, so schloss vor vier Jahren eines seiner zwei Dutzend Bücher über Sprachtheorie. Der Sprache sich nicht von der Grammatik, Semantik oder der Zeichentheorie her nähern, sondern vom Sprechen als poetischem Akt, dies war das Grundanliegen des Übersetzers, Dichters, Polemikers und sehr unakademischen Linguistikprofessors der ehemaligen Universität Paris-Vincennes, Henri Meschonnic. Noch im letzten seiner Bücher, „Dans le bois de la langue“ (Im Gehölz der Sprache), vom vergangenen Herbst erinnerte er an die Bedeutung Humboldts für ihn und an dessen Hinweis, Sprache liege „nur in der verbundenen Rede“ und wir hätten es „nur immer mit den wirklich sprechenden Menschen“ zu tun.

Mit dieser Auffassung stand Meschonnic quer zu den in Paris triumphierenden Strukturalisten ... In seinen eigenen Übersetzungen, vorab der Bibel aus dem Hebräischen ins Französische, erhob Meschonnic den Anspruch, implizit zugleich eine andere Sprachtheorie mitzuliefern. In jedem einzelnen Wort ist demnach die ganze Sprache enthalten. Ausgehend von Humboldts Begriff des „Sprachsinns“, lehnte er es ab, dem Wortsinn entlang sich zur Gesamtbedeutung vorzutastennicht das Hebräische habe die Bibel hervorgebracht, es sei vielmehr umgekehrt, schrieb er unlängst....


Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 16.04.2009 Seite 31 - nicht online

Freitag, 17. April 2009

Relief "Eros und Fabel" - 7.Bildtafel












"Hier bringe ich euch Taranteln", sagte Fabel zu den Alten. Sie erschraken. Eine lief mit der Schere auf sie zu, um sie zu erstechen. Da stachen die Taranteln die drei alten Schwestern und sie sprangen wild umher.


Fabel hatte ihnen die Schere, mit der sie immer die Lebensfäden der Menschen abgeschnitten hatten, abgenommen.

Sie sah hinaus und erblickte Perseus mit dem großen, eisernen Schilde. Die Schere flog von selbst dem magnetischen Schilde zu. Er soll damit dem wild herumfliegenden und Schaden anrichtenden Eros die Flügel beschneiden.

Die Lösung für alle pädagogischen Probleme

Bekanntlich soll es Eltern geben, die ihren Kindern Belohnungen für gute Zeugnisse versprechen, um sie zu motivieren. Über folgende logische Konsequenz aus dieser Gesinnung regen sich nun plötzlich alle auf:

(Bank-)Noten für Noten
Ein Schweizer Schulexperiment

In der oberaargauischen Gemeinde Wiedlisbach erhalten Schüler der zweiten Sekundarklasse ein Semester lang Geld für gute Noten in Mathematik und Englisch. Die Initiative zu diesem Versuch kam von einem privaten Fernsehsender. Die Schweizer Zeitungen sind entsetzt, die Bildungsforscher auch, sogar Fachkräfte der Züricher Zentralstelle für Ehe- und Budgetberatung wurden von den Medien beigezogen, um Zweifel an der Motivationssteigerung durch Einkommensanreize zu bekräftigen. Es war sogar zu hören, die Finanzkrise habe doch gezeigt, dass „Boni“ sich nicht bewähren. Im Dorf selber waren aber, nach Auskunft der Klassenlehrerin gegenüber dem Schweizer Magazin „Weltwoche“, bislang nur ein Radiojournalist und eine lokae TV-Station. Alle anderen kennen den Ausgang des Experiments schon vorher. kau

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 08.04.2009 Seite N5

Donnerstag, 9. April 2009

Die erste "Monatsfeier"

In einer bunten Illustrierten, die nicht gerade zu den anspruchsvollsten im Lande zählt, findet sich folgender Artikel über die ersten Erfahrungen einer Mutter mit ihrem Erstklässler in der Waldorfschule. Es wird über den ersten Auftritt bei einer "Monatsfeier" berichtet:


Kiwis Kolumne

Schade, dass Mario Gomez kein Waldorf-Schüler ist


Von Andrea Kiewel


Der letzte Samstag, liebe Leserinnen und Leser, war für meine Söhne und mich so aufregend wie eine Oscar-Verleihung. Mindestens! Johnny, der kleine, hatte nämlich seinen allerersten Auftritt bei der Monatsfeier seiner Schule. ......

»Frühling« war das alle Klassenstufen verbindende Thema. Es wurde gesungen, musiziert, rezitiert, getanzt und von uns Eltern begeistert geklatscht. Und: Es gab keine Solisten. Immer trug die gesamte Klasse gemeinsam etwas vor, denn die Monatsfeier ist ja keine Mottoshow für »Waldorfschule sucht den nächsten Superstar«, sondern vielmehr die Möglichkeit für die Schüler zu zeigen, was sie gemeinsam gelernt haben und sich mit der versammelten Klasse auf der Bühne sicher und selbstbewusst zu fühlen.

Frei sprechen vor 250 Leuten ist nicht jedermanns Sache, und ich hatte - das muss aber bitte unbedingt unter uns bleiben - richtig Herzklopfen, als mein Johnny Hand in Hand mit seinen Freunden die Bühne betrat, um das verheimlichte Frühlingsgedicht aufzuführen. Es ging um eine kleine braune Blumenzwiebel, die auf Grund des frühlingshaften Gewimmels (Johnny plus fünf weitere Kinder) zum Leben erweckt wird und daraufhin glücklich ihr Blütenköpfchen aus der Erde reckt.


Auch wenn mein Kind nach einem Dreivierteljahr Schule immer noch mit dicken Wachsmalblöcken Buchstaben übt und die Wörter, die er lesen kann, an einer Hand abzuzählen sind - sein Selbstbewusstsein ist dank dieser Aufführungen enorm gewachsen. Oder anders ausgedrückt: Johnny traut sich inzwischen richtig was zu. Er geht da raus auf die Bühne und weiß: Ich kann das!

.... weiter hier..:
http://www.super-illu.de/leute/Kiwis_Kolumne_1148354.html

Freitag, 3. April 2009

Lasst die Kinder raus!

Aus einem Artikel von Gabriele Pohl in "Erziehungskunst" März 2009, Seite 264:

"...Die Risiken sind heute nicht größer als früher

Erwiesenermaßen stimmen die Befürchtungen der Erwachsenen, Kinder seien heute größeren Risiken ausgesetzt als früher, nicht. Auch wenn die Medien uns das suggerieren und offenbar Erfolg damit haben. Beispielsweise hat das Bundesinnenministerium in seinem "Ersten periodischen Sicherheitsbericht 2001" festgestellt, dass in den letzten drei Jahrzehnten weder die Gefährdung durch Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, noch durch Mord und Totschlag zugenommen habe, auch nicht Sexualmorde an Kindern.

Eine verletzungsfreie Kindheit ist sicher nicht möglich oder nur unter Verhinderung jeglicher Entwicklungsmöglichkeit für das Kind. Sind kleine Unfälle, ein paar Schrammen, ein großer Schreck, nicht normale
Begleiterscheinungen des Aufwachsens, anstatt Hinweis auf Erziehungsunfähigkeit und Verantwortungslosigkeit? ...Leider schienen immer mehr Eltern nicht nur vor ihrer eigenen Angst, sondern auch vor der öffentlichen Meinung zu kapitulieren.

Anstatt auf die Widerstandsfähigkeit der Kinder zu vertrauen und das Verletzungsrisiko als
Bestandteil der Freiheit anzusehen, welche die Kinder brauchen, um ihre
Umwelt zu erkunden und mit ihr und mit sich selbst notwendige
Erfahrungen machen zu können, versuchen sie ihre Kinder vor allem zu
bewahren und bewahren sie in erster Linie vor dem Leben selbst.
Wer Kinder überbehütet, raubt ihnen Lebensfreude, Selbstbewusstsein und die Chance, Krisen meistern zu lernen. ..."


Freitag, 27. März 2009

Relief "Eros und Fabel" - 6.Bildtafel

(Zum Vergrößern auf das Bild klicken)

Fabel kletterte aus der Tiefe eine Leiter hinauf und kam in Arcturs himmlischen Palast: Der König saß umringt von seinen Räten. Die Lilie hielt er in der Linken, die Waage in der Rechten. Adler und Löwe saßen zu seinen Füßen. Fabel neigte sich ehrfurchtsvoll vor ihm: "Jetzt gib mir bitte die Leier!" (oben rechts)
Sie lockte fröhliche Musik aus den Saiten.

Eros kam herbeigeflogen. Er flog umher mit silberweißen Flügeln in der Hand den Bogen. 'Sein Bogen richtete überall Verwüstungen an. .. Er zog weiter, ohne Ginnistan (unten, Mitte) einen zärtlichen Blick zu gönnen.'

Sonntag, 22. März 2009

Es geht auch ohne Schule...

Man traut es sich ja als Lehrer nicht auszusprechen, aber es ist wirklich so: Das schulische Lernen ist nicht lebensentscheidend. Sicher mag es einige Vorteile haben, aber es hat auch viele Nachteile. Der ideale Weg ist erst dann gefunden, wenn sich die Liebe zum Menschen, zum Kind, als Hauptintention durchsetzt. Manchmal möchte man überspitzt ausgedrückt direkt sagen: Zum Glück lernen Kinder trotz Schule etwas. Gerade auch nach dem tragischen Vorfall in unserem Land, muss man beginnen radikal umzudenken.

In diesem Bericht über einen Menschen, der ohne Schule aufwuchs, sind beide Elternteil Pädagogen. Also Menschen, die das Erziehungssystem besonders gut kennen:


Quelle: www.welt.de

O-Ton Deutschland: Porträt

Ein Leben wie Hans im Glück

Von Aufgezeichnet Von Margita Feldrapp 17. März 2009, 03:02 Uhr

Der Franzose André Stern (38) wurde weder von Lehrern noch von seinen Eltern unterrichtet. Er war nur getrieben von Lust und Laune. Ja, ist das denn die Möglichkeit?

Ich war nie in der Schule. Nie. Andere erzählen, dass sie Angst vor Schulaufgaben und unangekündigten Tests hatten, dass sie sich den Zitronensäurezyklus oder den Hexameter in den Kopf prügeln mussten und dann auch noch im Sportunterricht als Letzte in eine Mannschaft gewählt wurden. Ich kenne das alles nicht. Ich hatte eine glückliche Kindheit.Niemand hat mich an ein Schulbuch gefesselt, Lektion für Lektion, niemand hat mich nach einem staatlichen oder selbst erdachten Lehrplan unterrichtet. Meine Eltern beantworteten meine Fragen, wenn ich etwas von ihnen wissen wollte, suchten mit mir Bücher oder halfen mir, Leute zu finden, die mir weiterhelfen. Das machte mir Spaß, und ich lernte ausschließlich das, was mich interessierte. Ohne Prüfung, ohne Zertifikat - bis heute. Ich bin 38, Gitarrenbauer, Musiker, Komponist und Journalist, arbeitete als Chefredakteur eines Magazins. Das war mein Weg dorthin:

Ich bin in einer kleinen Wohnung in Paris-Mitte aufgewachsen, mein Vater, ein Franzose deutscher Abstammung, ist Pädagoge, meine Mutter Französin, von Beruf Grundschullehrerin. Sie gab aber ihren Beruf auf, um die Kindheit von mir und meiner jüngeren Schwester nicht zu versäumen und ebenso wie mein Vater in der Nähe zu sein, wenn wir sie brauchten. Je älter wir wurden, desto mehr kümmerte sie sich aber um ihre eigenen Dinge und wir um unsere. In Frankreich geht so etwas, da gibt es keine Schulpflicht, ebenso wie in Österreich und anderen Ländern.

Lesen habe ich schon mit drei gelernt. Ich fand, dass der Buchstabe O wie ein Ei aussah, das C wie ein Eierbecher, ich entdeckte Eier mit Schwänzchen (Q) und Schwänzchen ohne Eier (I). Ich wollte wissen, wie die Buchstaben heißen, fragte wieder und wieder. Buchstaben entziffern, das war ein großer Spaß. Ich begann zu lesen, nur stotternd, aber immerhin. Rechnen begann ich mit vier, erstaunlicherweise über das Dividieren, weil ich merkte, dass fünf Finger an der einen Hand nur halb so viel sind wie zehn. Millionen Kinder lernen in der Schule zuerst die Addition.

Mit neun konnte ich allerdings noch nicht flüssig lesen. Niemand sagte etwas dazu, niemanden besorgte das. Ich glaube, dass es vielen Eltern heute schwerfällt, so geduldig zu sein. Sie haben Angst, dass ihr Kind etwas verpassen, langsamer sein könnte als andere, sie werden panisch und drängeln. Doch in der Schule müssen die Kinder in einem Tempo lernen, das nicht das ihre ist, manche versagen, andere verlieren die Lust. Manchmal ist Schule eben auch schädlich.

Ich hatte meinen eigenen Rhythmus, mit zehn konnte ich plötzlich ordentlich lesen, ich weiß nicht mehr, wie. Aber ich weiß, dass Kinder viel mehr schaffen, als man meint - solange man ihnen Zeit gibt und Freiheit und ihnen vertraut. Meine Eltern waren davon fest überzeugt.


WEITER..hier..


André Stern hat seine Erfahrungen in dem Buch "... und ich war nie in der Schule. Geschichte eines glücklichen Kindes" zusammengefasst. Es erschien jüngst im Zabert Sandmann-Verlag.

Freitag, 20. März 2009

Rudolf Steiner über Phantasie und Pedanterie

Aus : Menschenkunde von Rudolf Steiner 14.Vortrag


"Der Lehrer muss in sich selber lebendig erhalten den Unterrichtsstoff, muss ihn mit Phantasie durchdringen...
Was gesteigert werden muss..., das ist das Zusammenleben, das ganz zusammenstimmende Leben zwischen dem Lehrer und den Schülern. ... Wenn man dasjenige, was man einmal phantasievoll gestaltet hat, nach Jahren genau so wiedergibt, dann ist es verstandesmäßig eingefroren. Die Phantasie muss notwendig fortwährend lebendig erhalten werden, sonst frieren ihre Produkte verstandesmäßig ein.

Wenn jemals im Leben zusammenkommen würden Lehrerberuf und Pedanterie, so gäbe diese Ehe ein größeres Unheil, als sonst irgendwie im Leben entstehen könnte. Ich glaube nicht, meine lieben Freunde, dass man das Absurde anzunehmen hat, dass jemals im leben sich vereinigt haben Lehrerberuf und Pedanterie!

Und wenn du fühlst, dass du pedantisch wirst, dann sage: Pedanterie mag für die anderen Menschen ein Übel sein - für mich ist es eine Schlechtigkeit, eine Unmoral!"

Relief "Eros und Fabel" - 5.Bildtafel

Der Schreiber hatte zu Hause die Mutter in eiserne Bande gelegt, der Vater erhielt Wasser und Brot. Den Altar zerschlug der Schreiber.

Fabel steigt in die Tiefe hinab und begegnet der Sphinx:
Was suchst du? sagte die Sphinx. -Mein Eigentum, erwiderte Fabel. -Wo kommst du her?- Aus alten Zeiten; - Du bist noch ein Kind? - Und werde ewig ein Kind sein.

Montag, 16. März 2009

"Das Versagen der Lehrer an den Schülern"

Nach dem Attentat von Winnenden kann man Schule nicht mehr weiter so betreiben wie zuvor. Es reicht nicht mehr aus, nur auf einzelne, wahnsinnig gewordene Schüler zu blicken und bei ihnen irgendeine, wie auch immer geartete Schuld zu suchen. Man muss den Blick auf das gesamte System richten. Haben die Schüler das Gefühl, sich in einem "menschlichen" Sytem zu befinden? Wie kann nur der Hass so gewaltig werden? Wenn es nur an den Videos und Computerspielen läge, warum aber wählt man sich immer wieder die eigene Schule als Ziel?

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Welt online

Von Birgitta vom Lehn 16. März 2009, 12:48 Uhr

Notenstress, Leistungskontrollen und zu frühe Auslese helfen den Schülern nicht und verhindern stattdessen den Lernerfolg, sagt der renommierte Schulexperte Prof. Kurt Singer. Seit Jahren engagiert er sich für eine "humane Schule", jetzt erschien sein neues Buch "Die Schulkatastrophe". WELT ONLINE sprach mit ihm.
Foto: pa

In Deutschland leiden zwei Millionen Kinder unter der Angst, bloßgestellt zu werden und zu versagen

WELT ONLINE: Sie schildern die Schule als Höhle des Löwen: Kinder werden vorschriftsmäßig gekränkt und Lehrer gehindert, Lernhelfer zu sein. Ist das nicht übertrieben?

Professor Kurt Singer: Ich sehe die Schule aus der Sicht der Kinder, und da ist sie in der Tat für viele Schüler katastrophal. Ich finde es empörend, dass zum Beispiel rund 250.000 jährlich „sitzen gelassen“ werden. Statt von Lehrern Hilfe zu erhalten, lässt man sie „durchfallen“, obwohl sie sich besser weiterentwickeln könnten, wenn Lehrer sie in die nächste Klasse mitnähmen. Die mitgenommenen Schüler lernen nämlich, wie Untersuchungen und Erfahrungen zeigen, in den folgenden Jahren besser als jene, die die Klasse wiederholen. Das Sitzenbleiber-Elend ist nicht nur für die Betroffenen schlimm, sondern auch für die anderen Kinder. Denn sie erleben ein Angst machendes Lernklima.

WELT ONLINE: Man spricht auch von Schulangst.

Singer: Ja, Angst ist so selbstverständlich mit der Schule verbunden, dass es dafür den Begriff „Schulangst“ gibt. Dabei ist nichts dem Lernen abträglicher als Angst; denn sie macht dumm, sie blockiert das Denken. In Deutschland haben etwa zwei Millionen Kinder Angst vor der Schule, das zeigen Studien. Es ist die Angst, aufgerufen, abgefragt, bloßgestellt, überfallartig abgeprüft zu werden und Misserfolg zu erleiden. Aber Kinder brauchen Mut statt Angst. Lehrer ermutigen Kinder, wenn sie diese durch einen individualisierten Unterricht Lernfortschritt erleben lassen.

WELT ONLINE: Wenn Lehrer für Schulangst verantwortlich sind, was läuft dann falsch in der Lehrerausbildung?

.....

Hier weiterlesen: http://www.welt.de/wissenschaft/

Freitag, 13. März 2009

Relief "Eros und Fabel" - 4.Bildtafel


Eros und Ginnistan im Reiche des Mondes:

"Der Alte (Mond) stieß in sein Horn, es dröhnte durch die alte Burg. Ginnistan umarmte ihren alten Vater (Mond). Eros in seiner Rüstung stand gerührt dabei (oben,Mitte). Ein gewaltiges Schauspiel entfaltete sich: Ebbe und Flut, Orkane und Erdbeben, zärtliche Regenschauer, Donner und Blitz, Wetterbäume und Luftschlösser, Herden von silberweißen Schäfchen, sonderbare Tiere, bunteste Blumen, Städte und Burgen, eine schwimmende Blume, Mutter und Kind, ein Heer von Totengerippen, ein liebendes Paar unter schattigen Bäumen..."

Nicht verdorren und nicht versauern

Leitsätze Rudolf Steiners für den Lehrer und natürlich auch für alle weiteren Menschen:

    • Der Lehrer sei ein Mensch der Initiative im großen und kleinen Ganzen.
    • Der Lehrer sei ein Mensch, der Interesse hat für alles weltliche und menschliche Sein.
    • Der Lehrer sei ein Mensch, der nie einen Kompromiss schließt mit dem Unwahren.
    • Der Lehrer soll nicht verdorren und nicht versauern.

Freitag, 6. März 2009

Gandhi und das Zuckeressen

"Eine Mutter brachte ihren kleinen Sohn zu Mahatma Gandhi. 'Bitte, Mahatma', flehte sie.
'Sage meinem Sohn, er soll aufhören, Zucker zu essen.'.
Der Mahatma besann sich und sagte: 'Gute Frau, komm in zwei Wochen wieder mit deinem Sohn.'
Verwirrt bedankte sich die Frau und sagte, sie würde tun, wie ihr geheißen.

Nach zwei Wochen kam sie wieder mit ihrem Sohn. Gandhi schaute dem Kleinen fest in die Augen und sagte:
'Hör auf, Zucker zu essen.' "

Dankbar, aber ziemlich verwundert, fragte die Frau den Mahatma:
'Warum sollte ich zwei Wochen warten? Damals hättest du ihm dasselbe sagen können.'

'Vor zwei Wochen', antwortete Gandhi, 'habe ich selbst noch Zucker gegessen.'

Quelle: http://anekdoten.rainbownet.ch/mahatma-gandhi.php

Freitag, 27. Februar 2009

Sprich mit der Hand

Der Zusammenhang der inneren kindlichen Fähigkeiten mit seinem äußeren Bewegungsduktus gehört zu den Grundelementen der Waldorfpädagogik. Sprachentwicklung und motorische Fähigkeiten sind miteinander verknüpft. Und doch ist es immer wieder überraschend - wie folgendes Forschungsergebnis zeigt -, wie früh und in welcher Art sich das schon beim Kleinkind zeigt:


Gestikulierende Kinder haben größeren Wortschatz

Kleinkinder, die mit 14 Monaten häufig gestikulieren, verfügen im Alter von viereinhalb Jahren über einen größeren Wortschatz als ihre gestikulationsfaulen Altersgenossen. Das haben US-Wissenschaftler in einer Langzeitstudie an fünfzig Familien herausgefunden. Besonders häufig benutzen Kinder aus sozial besser gestelltem Elternhaus ihre Hände, um auf etwas zu zeigen, weil die Eltern mehr über Zeichensprache mit ihnen kommunizierten.


Meredith Rowe und Susan Goldin-Meadow (Universität von Chicago) Science (Bd. 323, S. 951).

ddp/wissenschaft.de – Helmine Braitmaier

Quelle:http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/300502

Relief "Eros und Fabel" - 3.Bildtafel

Holzrelief von Peter Lampasiak, Hannover, für die Freie Waldorfschule Braunschweig- 2009

Von dem Schwert war ein eisernes
Stäbchen in den Hof gefallen. Als es der Knabe Eros berührte, sprang er als Jüngling aus der Wiege und hielt das Kleinod, das sich nach Norden ausrichtete, in der Hand.

Ginnistan (rechts) erschrak. Der Schreiber (links) fiel beinah vor Entsetzen von seinem Stuhl.

Sophie sagte zu Eros: Du kannst sogleich reisen. Ginnistan mag dich begleiten. Sie knieten nieder, Sophie segnete sie und gab ein Gefäß voll Wasser aus ihrer Schale mit. Es war Nacht, als sie abreisten. Der Mond stand mit bleichem, abgehärmten Gesicht hoch am Himmel.

Die Mutter war sehr bekümmert (über die Abreise), die kleine Fabel wäre gern mitgegangen. (links, Mitte)

Sonntag, 22. Februar 2009

Der kleine Adler in der Wiederkäuerschule


Christiane Feuerstack

Der kleine Adler in der Wiederkäuerschule

Geleit

Als Gott den Menschen erschuf, nahm er von den mächtigsten Tieren die besten Kräfte: vom Adler den scharfen Blick und kühnen Gedankenflug, vom Löwen Mut und Herzenswärme und vom Stier Kraft und Ausdauer. Er selbst gab dem Menschen Würde und Weisheit, um alle Teile ins rechte Maß zu bringen.

Die Weisheit, das rechte Maß zu finden hatten aber erst ganz Wenige. Den übrigen sah man ihre tierische Herkunft noch an: einige sahen dem Adler ähnlich, andere dem Löwen und wieder andere dem Stier. Erst im Lauf der Jahre nahmen die Menschen ihre heutige Gestalt an, aber in ihrem Inneren sahen sie so verschieden aus wie vorher. Die Weisen, die schon das rechte Maß gefunden hatten, wurden das Vorbild und die Führer der anderen. Damit die Menschen niemals ihre Aufgabe vergessen würden, meißelten sie aus großen Steinen das Abbild ihres Wesens: Die Sphinx; mit einem Menschengesicht, Löwenbrust, Stierleib und Adlerflügeln. Aber immer noch sind nur wenige den ersten Weisen nachgefolgt.... .


Wie hatte sich der kleine Adler auf die Schule gefreut! Endlich würde er alles lernen, was er so brennend gerne wissen wollte: warum Gott die Welt erschaffen hat und ob Gott auch das Böse gemacht hat und wo die Toten hingehen und ob alle Engel gut sind und… und… und… . Doch der Lehrer schüttelte bei jeder Frage des kleinen Adlers den Kopf: „In der Schule darfst du solche unnützen Fragen nicht stellen. Das würde die anderen Schüler nur verwirren, und es gibt niemanden, der auf diese Fragen eine Antwort weiß." Der kleine Adler schaute den Lehrer erstaunt und misstrauisch an. Unnütze Fragen? Ohne Antwort auf diese Fragen war doch das ganze Leben unnütz! Ob der Lehrer wirklich nichts wusste oder ob er nur sein Wissen für sich behalten wollte?

Der kleine Adler spürte, dass der Lehrer unsicher wurde und fragte darum schnell: „Was lernen wir denn sonst in der Schule?"

Fortsetzung:
http://christiane.feuerstack.net/cf_07.html zu wahre Geschichte

Freitag, 20. Februar 2009

Relief "Eros und Fabel" - 2.Bildtafel


Holzrelief von Peter Lampasiak, Hannover, für die Freie Waldorfschule Braunschweig- 2009

König Arctur und seine Tochter Freya saßen am Tisch. Der König mischte die Blätter mit den Sternbildern. Die Sterne bewegten sich genau nach diesem Spiel. Auf einmal rief der König: "Alles wird gut! Eisen wirf dein Schwert in die Welt."

Zu dieser Zeit lag der schöne Knabe Eros in seiner Wiege. Ginnistan, seine Amme, schaukelte sie und reichte seiner Milchschwester Fabel die Brust. Der Schreiber (ganz links) schriebunverdrossen. Eine göttergleiche Frau (Sophia) tauchte die Finger in eine Schale und spritzte einige Tropfen auf Ginnistan und die Kinder.

Samstag, 14. Februar 2009

Wie sieht Ihr Kopf von innen aus, Mister Tammet?

In folgendem Interview mit einem Autisten, der auch über synästhetische Erfahrungen berichtet, findet man viele nützliche pädagogische Hinweise.
Er schildert, wie man Worte einer fremden Sprache schon allein an ihrer Lautgestalt erkennen kann, ohne ihre Bedeutung zu wissen:

"Nehmen wir zum Beispiel das Adjektiv „pambalaa“ aus der afrikanischen Siwu-Sprache. Meinen Sie, damit ist eine runde Person gemeint oder eine dünne?"



Oder über das Lernen von reinem Fakten-Wissen:

"Viele Menschen haben vergessen, dass die Information nicht so wichtig ist wie die Idee dahinter. Informationen sind eine Ansammlung von Daten, jede Information für sich ist nutzlos, wenn wir sie nicht in einen Zusammenhang setzen und interpretieren können."


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Ein Mann mit erstaunlichen Fähigkeiten: Daniel Tammet

07. Februar 2009

Daniel Tammet ist eine sogenannte Inselbegabung. Er kann sich die Kreiszahl Pi bis auf 22.514 Stellen hinter dem Komma merken, eine Fremdsprache lernt er innerhalb einer Woche, das Autofahren hingegen nie. Ein Gespräch über freundliche und scheue Zahlen, fette und schwere Wörter und das Lernen mit dem Körper.

Mister Tammet, ich wurde am 6. September 1976 geboren. Was für ein Tag ist das gewesen?

Ein Montag.

Sind Sie sich sicher? Sie haben keine drei Sekunden nachgedacht.

Kalender haben ein bestimmtes Muster, eine Woche hat sieben Tage, und die Tage wiederholen sich. Mein Gehirn ist sehr gut darin, sich Muster einzuprägen und zu erinnern...

Ihr Gehirn kann Außergewöhnliches leisten, Sie haben eine phänomenale Begabung für Sprache und Zahlen. Die Kreiszahl Pi zum Beispiel können Sie bis auf 22.514 Stellen nach dem Komma rezitieren. Wie ist das möglich?

Ich bin ein sogenannter „Prodigious Savant“, ein Inselbegabter. Als Kind hatte ich epileptische Anfälle, außerdem diagnostizierten Ärzte bei mir das Asperger-Syndrom, eine Form von Autismus. Wissenschaftler, die mich untersucht haben, glauben, dass beides, die Epilepsie und der Autismus, miteinander verknüpft für meine Fähigkeiten verantwortlich ist. Bei den meisten Menschen ist ein Großteil kognitiver Aufgaben, zum Beispiel Sprache und Zahlenverständnis, hochspezialisiert und wird getrennt voneinander in unterschiedlichen Hirnregionen ausgeführt. Höchstwahrscheinlich gibt es bei mir eineCross-Kommunikation zwischen den Zahlen- und Sprachregionen meines Gehirns.

Wie nehmen Sie Zahlen wahr?

Jede Zahl hat für mich eine bestimmte Form. Zahlen haben auch unterschiedliche Farben und sind von verschiedener Beschaffenheit. Manche sind groß, manche klein, andere schmal. Es gibt auch laute und freundliche Zahlen. Die 7 zum Beispiel ist rund, ein bisschen wie diese Olive hier.

Das klingt nach einer innigen Beziehung. Was bedeuten Ihnen Zahlen?

Ich liebe Zahlen. In der Schule war es schwer für mich, Freunde zu finden, also spielte ich in meinem Kopf mit Zahlen. Die Zahlen wurden meine Freunde, sie waren wie Menschen für mich.

...

Ich spiele mit Zahlen, ich spaziere durch eine Landschaft, die in ununterbrochener Bewegung ist. Es ist wie ein Kunstwerk, das entsteht und sich ständig verändert, ein numerischerVisualisierungsprozess . Zahlen stehen für mich untereinander in semantischen Beziehungen, das hilft mir, sie in Faktoren zu zerlegen. Meine Rechenfähigkeiten laufen intuitiv ab, vergleichbar mit der Syntaxberechnung bei Ihnen, wenn Sie einen Satz bilden.

...

Sie sprechen mehrere Sprachen. Welche sind das?

Englisch, Französisch, Finnisch, Walisisch, Spanisch, Rumänisch, Isländisch, Esperanto, Litauisch und Gälisch.

Stimmt es, dass Sie innerhalb einer Woche eine Sprache so gut lernen können, dass Sie mühelos in der Lage sind, ein Gespräch führen?

Ja, das ist so.

Haben Sie nicht ein paar Tricks für uns, wie wir eine Sprache schneller lernen können?

Ich bin überzeugt, dass jeder von uns von Geburt an einen Instinkt, eine Intuition für Sprache hat. Diese Begabung verlieren wir aber mit der Zeit, wir werden älter, unser Gehirn verändert sich. In der Schule lehrt uns niemand, diese Intuition zu nutzen. Stattdessen bringt man uns langweilige Techniken bei. Wir tun uns schwer, diese zu benutzen und sie in unserem Gedächtnis zu speichern. Deshalb glauben viele Menschen, sie seien unbegabt, und empfinden Angst vor Sprachen.

Was raten Sie uns?

Vergessen Sie, was Sie in der Schule gelernt haben.

Und stattdessen?

Wenn Sie eine Sprache lernen, denken Sie darüber nach, was der Klang eines Wortes bedeuten könnte. Vermuten Sie, um was für eine Art Wort es sich handeln könnte. Ist es ein schmales Wort, ein fettes Wort oder ein schweres Wort?

Das hört sich, ehrlich gesagt, merkwürdig an.

Nehmen wir zum Beispiel das Adjektiv „pambalaa“ aus der afrikanischen Siwu-Sprache. Meinen Sie, damit ist eine runde Person gemeint oder eine dünne?

Eine runde.

Genau. Und bedeuten die japanischen Farbbezeichnungen „aka“ und „midori“ Rot und Grün oder Grün und Rot?

Ich würde sagen: Rot und Grün.

Richtig, diese Intuition existiert. Sie werden staunen, wenn Sie darauf achten, wie viele Verbindungen es gibt. Das macht Spaß! In vielen Sprachen haben Sie übrigens einen hohen Klang bei Wörtern, die etwas Kleines benennen. Im Englischen zum Beispiel „little“, „tiny“, oder „itty-bitty“. Außerdem beschreibt die Lautfolge „gl“ häufig etwas, das mit Licht zu tun hat, wie „glimmer“, „glow“ oder „gleam“. Viele Wörter im Isländischen, die mit „hn“ beginnen, stehen für Rundes. „hné“ bedeutet Knie, „hnúi“ Knöchel und „hnöttur“ Orbit. Wenn wir uns diese Verknüpfungen bewusst machen, fällt uns das Erinnern leichter.

Haben wir auch ein Gefühl für Zahlen?

Ja! Es gibt Tests, die beweisen, dass wir ebenso wie einen Sprach- auch einen Zahleninstinkt haben. Wissenschaftler haben kleine Kinder Folgendes gefragt: Wenn John 15 Süßigkeiten bekommt,July 27 und Ann 51, wer hat dann die meisten Süßigkeiten? Ein Großteil der Kinder hat die Frage richtig beantwortet. Vielleicht fühlt sich in unserem Kopf die 51 schwerer an als die 17 oder die 27. Wir alle haben dieses Gefühl.

Was können wir tun, um unser Gedächtnis zu trainieren?

Egal, was Sie lernen, es geht darum, ein tieferes Verständnis zu entwickeln und sich nicht nur auf die Fakten zu konzentrieren. Um die Daten amerikanischer Präsidenten oder britischer Monarchen zu lernen, kann man sie wieder und wieder aufsagen. Man kann sich aber auch bewusst machen, dassEduard VI. nach Heinrich VIII. kam, dann Maria I. und Elizabeth I., weil Männer immer die Ersten in der Thronfolge sind. Lernen hat nicht nur was mit unseren Köpfen zu tun, es bezieht auch unseren Körper mit ein. Es hängt davon ab, wo wir sind, wie wir uns bewegen. Denken Sie an Schauspieler, die sich große Textmengen merken können, weil sie sich mit ihrem Körper behelfen. Auch Musik kann als Gedächtnisstütze dienen.

Erklären Sie uns das bitte genauer.

Musik arbeitet mit Wiederholungen und mit Rhythmus. Man hat herausgefunden, dass unser Gehirn während des Musikhörens ständig Vorhersagen über den Takt trifft. Diese Vorhersagen basieren auf Lernerfahrungen, und diese Vorhersagefähigkeit ist ausschlaggebend für ein gutes Gedächtnis. Wir können auf diese Weise besser einschätzen, ob wir genügend gelernt haben. Hören wir Musik, während wir lernen, erinnern wir uns später, wenn diese Musik wieder läuft, besser an das Gelernte.

Es macht aber keinen Unterschied, ob wir Bach oder Britney Spears hören.

Nein. Ich weiß, dass es Leute gibt, die behaupten, man müsse Mozart hören, dann werde man klüger. Aber wenn Sie klüger werden wollen, dann müssen Sie lesen, ins Museum gehen, Sie sollten eine Menge dafür tun, aber nicht erwarten, dass eine Sache Sie auf magische Weise schlauer macht.

Und wie können wir unserem Gehirn dabei helfen, sich in der Flut von Informationen zurechtzufinden, also Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden?

Sie müssen eine Beziehung zu Informationen aufbauen, die keinen Zweifel daran lässt, dass Sie die Kontrolle über die Informationen haben und nicht umgekehrt. Dazu gehört auch, nicht andauernd seine E-Mails zu lesen.

Sie meinen, das Internet schadet unserem Denken?

Es hat das Potential, unserem Denkens sehr zu schaden. Viele Menschen haben vergessen, dass die Information nicht so wichtig ist wie die Idee dahinter. Informationen sind eine Ansammlung von Daten, jede Information für sich ist nutzlos, wenn wir sie nicht in einen Zusammenhang setzen und interpretieren können. Informationen als Selbstzweck zu sehen kann sehr gefährlich werden...

...

Zur Person

Daniel Tammet wird am 31. Januar 1979 in London geboren.

Ärzte diagnostizieren bei ihm eine leichte Form von Autismus. Als Kind leidet er unter einer Reihe epileptischer Anfälle, danach tritt plötzlich seine Inselbegabung auf, die ihn befähigt, komplexe Rechenaufgaben zu lösen und innerhalb kürzester Zeit eine neue Sprache zu erlernen.

Menschen wie Daniel Tammet nennt man „Prodigious Savants“. Weltweit gibt es nur etwa fünfzig dieser Genies.
2005 dreht der britische Sender Channel Five einen Dokumentarfilm über Daniel Tammet: „Brainman“ macht ihn bekannt.

Heute führt Daniel Tammet ein beinahe normales Leben. Er schreibt Bücher und unterrichtet Englisch. Doch erst ein jahrelanger Lernprozess der sozialen Kodes, die für uns selbstverständlich sind, hat das ermöglicht.

Daniel Tammets neues Buch „Wolkenspringer“ ist kürzlich im Patmos Verlag erschienen.


Freitag, 13. Februar 2009

Relief "Eros und Fabel" - 1.Bildtafel

Holzrelief von Peter Lampasiak, Hannover, für die Freie Waldorfschule Braunschweig- 2009

Das eiskalte, himmlische Reich des König Arctur. Seine Tochter Freya erwacht auf ihrem Lager. Der alte Held schlägt an seinen Schild. Der Vogel Phönix schwebt herab. Die Sternscharen kommen herein.
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"Für guten Unterricht braucht man nicht unbedingt so viel Material."

Es mag schon ein wenig sonderbar anmuten, dass auf einer "Bildungsmesse", auf der es doch hauptsächlich darum geht, dass Firmen, die viel Geld damit verdienen, dass sie die Pädagogen davon überzeugen, möglichst viel teueres Material im Unterricht zu verwenden, dass hier die Waldorfpädagogik plötzlich in den Mittelpunkt rückt. Wo man doch mit ihr kaum Geld verdienen kann:

Den Artikel können Sie hier lesen:
http://www.welt.de/welt_print/article3197070/Vom-Hinterzimmer-ins-Rampenlicht-der-Paedagogik.html

Vom Hinterzimmer ins Rampenlicht der Pädagogik

Von Margita Feldrapp 13. Februar 2009, 03:12 Uhr

Auf der Bildungsmesse Didacta stehen auf einmal die Theorien der Waldorf-Pädagogen im Mittelpunkt

Hannover - Sie können ihren Namen tanzen, jeder Buchstabe eine Bewegung, und sie sagen, für manche Kinder sei das wichtiger, als ihren Namen zu schreiben. Sie halten wenig von Schulbüchern und Computern, nichts von Noten. Bisher wurden sie dafür belächelt, die Waldorf-Pädagogen, und es war ihnen ganz recht. Es gehörte zum Konzept, anders zu sein. Doch plötzlich sind sie diejenigen, die auf der Didacta, der größten Bildungsmesse, einen Weg aus der Bildungsmisere zu wissen scheinen.

Über 700 Verlage und Hersteller von Lernmedien buhlen noch bis Samstag auf 30 000 Quadratmetern in Hannover um die Aufmerksamkeit der Besucher, vor allem Lehrer und Erzieher. ...

Die Didacta bietet dazu einen Themenschwerpunkt der Vereinigung der Waldorfkindergärten an, unterstützt vom Didacta-Verband.

...

Wie eine fremde Welt wirkt dann die von Waldorf-Pädagogen organisierte Sonderschau zu den "Bildungshäusern" im Herzen der Ausstellungsfläche. "Die Zukunft hat begonnen" heißt es auf einem Transparent. Doch die Zukunft kommt reichlich altbacken daher, mit mattgelben Stellwänden und einem Klecks Propolis-Salbe als Werbegeschenk.

Auch bei den Vorträgen liegt ein Schwerpunkt auf der Waldorf-Pädagogik. Als Ansprechpartner trifft man vornehmlich Waldorf-Leute, außerdem Vertreter der Laborschule Bielefeld oder der Sophie-Scholl-Schule Gießen.

Klaus-Peter Freitag, in der Fortbildung für Waldorf-Lehrer tätig, empfängt den Messebesucher mit zerzausten Haaren, als wäre er gerade davon überrascht worden, plötzlich gefragt zu sein. Er erklärt, dass in vielen Waldorfeinrichtungen schon jetzt Kindergarten und Schule auf einem Gelände seien und Erzieher und Lehrer eng zusammenarbeiten. Er sagt Sätze, die hier jeder gerne hört: "Jedes Kind ist anders" oder "Das Kind muss im Mittelpunkt stehen". Man müsse die Schüler respektieren, ihre Bedürfnisse, ihr Lerntempo, es dürfe keinen Druck geben, keine Noten, und bei all dem komme man auch fast ohne Unterrichtsmaterial aus. Grundlage ist die anthroposophische Lehre Rudolf Steiners, eine spirituell geprägte Pädagogik mit ganzheitlichem Anspruch. Die Wertschätzung gegenüber den Kindern gründe, so Freitag, im Reinkarnationsgedanken. Wegen dieses ideologischen Hintergrunds sind Waldorfschulen in Deutschland auch weiterhin ausschließlich unter freier Trägerschaft denkbar. Kritiker weisen darauf hin, dass die Kinder dort abgeschottet werden, unvorbereitet ins Berufsleben gehen - umso erstaunlicher, welche Rolle den Pädagogen auf der Didacta zufällt.

"Vom Hinterzimmer der Pädagogik auf den Marktplatz", witzelt eine Lehrerin. Man dürfe das nicht überbewerten, sagt Annette Schmitt, Psychologin an der Universität Bremen. Es gebe Bereiche, in denen die klassische Pädagogik positive Elemente der Waldorf-Pädagogik übernehme, mehr aber nicht. Die Gräben seien weiterhin tief, auch wenn das bei der Didacta auf den ersten Blick anders aussehe. In einem - eher marginalen Punkt - stimme aber auch sie mit den Reformpädagogen überein: "Für guten Unterricht braucht man nicht unbedingt so viel Material."

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Freitag, 6. Februar 2009

"Musik ist Schlüssel zum Lernerfolg"

Zur Zeit gehen "neue" wissenschaftliche Erkenntnisse um die Welt, dass Schüler morgens noch nicht so gut lernen können. Mit der Schlussfolgerung, dass ein späterer Schulbeginn sinnvoll wäre.

Wenn solche Dinge einmal in die Welt gesetzt werden, dann besteht immer die Möglichkeit, dass sie sich in irgendwelchen Köpfen festsetzen und irgendwann doch zum Tragen kommen.


Das Lernverhalten der Kinder ist ein ganz anderes, wenn die Schule morgens mit Musik, Gesang und Rezitation beginnt. Das Künstlerische Tun bereitet die Kinder innerlich auf den gedanklichen Lernprozess vor.


An der unten folgenden Meldung kann man erleben, wie waldorfpädagogische Gesichtspunkte in die öffentlichen Schulen einfließen und als belebendes Ferment wirken.

Die Waldorfpädagogik hat immer die Tradition des Musikalischen bewahrt und seine pädagogische Bedeutung ins Bewusstsein gehoben. So kann dieses Element nun in das ganze Schulwesen zurückfließen.
Man kann darin auch einen Sinn der Waldorfschulen sehen, dass sie etwas pflegen und entwickeln, was schließlich allen Schülern zugute kommt.

Unter dem Titel:
"Musik ist Schlüssel zum Lernerfolg"

berichtet in der Braunschweiger Zeitung eine in den Ruhestand gehende Grundschul-Rektorin:

>>Schon an der Hans-Würtz-Schule war ihr das Fach Musik, die musikalische Gemeinsamkeit besonders wichtig. "Musik fördert Kompetenzen wie die Feinmotorik und auch die emotionale Entwicklung. Sie ist der Schlüssel zu Lernerfolgen", unterstreicht Heike Zeiss.

"Der Musikunterricht fällt nie aus!" Dieser Satz galt für sie deshalb auch an der Grundschule....
"Mit Freude sehe ich heute, dass viele Kolleginnen durch Fortbildungen und Auffrischen von musikalischen Fähigkeiten das Singen und Musizieren der Kinder weiter fördern werden...<<


Braunschweiger Zeitung - 31.1.2009, Seite 16