Freitag, 12. November 2010

Widersprüchliches Verhalten

Die Menschen verhalten sich widersprüchlich. Man wird erleben, dass manche Menschen, die viel über gesunde Nahrung reden, dennoch auch bei Aldi einkaufen. Dabei wird ihnen das Widersprüchliche nicht bewusst. Sie denken weiterhin, dass sie sich im Grunde treu an ihre Ideen halten würden.

Bei allen Diskussionen und Gesprächen muss man wissen, dass man zunächst meist nur auf einer ganz oberflächlichen Ebene spricht. Das Gespräch bewegt sich in Konventionen und Phrasen. Auch manche Forderungen, die Eltern verbal an die Schule stellen, bewegen sich zunächst meist auf diesem Niveau: Die Schule brauche mehr Transparenz, es müsse mehr Kommunikation geben usw.

Folgt man unmittelbar den Forderungen, ohne darüber nachzudenken, welch tieferer Sinn, welch tiefere, unausgesprochene Sehnsucht hinter den berechtigten Wünschen der Eltern steckt, dann wird man Gefahr laufen, große Fehler zu begehen.

Z.B. findet man dann jede Menge lange Berichte über alle möglichen Sitzungen in den Schulmitteilungen. Um dann mit der Zeit doch nur festzustellen, dass kaum einer diese Berichte liest.

In allen Menschen der Gegenwart stecken tiefere, große Sehnsüchte. Dafür finden sie meist aber keine passende verbale Ausdrucksmöglichkeit. Antworten und Lösungen auf diese Sehnsüchte, Hoffnungen und Erwartungen kann aber die vertiefte Anthroposophie oder Waldorfpädagogik geben.

Man wird also die Meinungs-Äußerungen immer sehr ernst nehmen, bei den Lösungsvorschlägen aber immer zurückhaltend sein und selber nach den geeigneten Lösungen suchen müssen. Meist braucht es dafür ein längeres, vielleicht sogar meditatives Nachdenken.

Die Widersprüchlichkeit der verbalen Äußerungen und der tatsächlichen Wünsche schildert ein Werbefachmann, Clotaire Rapaille in „Brand eins“, Nr.11 - 2010 so:
„ Marktforschung ist absolut wichtig. ...Die Frage ist nur: Können wir wissen, was die Leute wollen, indem wir sie danach fragen? ...Cadillac ...hat versucht, ein Auto nach den Kundenwünschen zu bauen. Dabei ist ein Kleinwagen herausgekommen – genau so, wie es die Leute wollten. ... Das Ding hat niemand gekauft.“

In die größten Irrtümer läuft man hinein, wenn man z.B. in einer Einrichtung des Freien Geisteslebens, einer Waldorfschule das System von Meinungsumfragen anwendet. In einer Waldorfschule wird es immer möglich sein, mit den Eltern zu sprechen. So kann man sich in sie hineinfühlen und ihre tieferen Anliegen erspüren.

Trotz dieser Tatsache, ist mir bekannt, dass es Waldorfschul-Berater gibt, die Schulen eine Meinungsumfrage empfehlen und dies wird auch noch als eine Maßnahme zur Qualitätssicherung betrachtet. Diese Umfrage soll auch noch anonym zu Hause am Computer stattfinden. Hier soll jede menschliche Beziehung ausgeschlossen werden.