Sonntag, 24. Mai 2009
Jakob Streit und die Literatur
Angesichts seines umfangreichen Schaffens und auch des Schaffens vieler anderer Autorinnen und Autoren ähnlicher Herkunft stellt sich die Frage nach der Qualität solcher Bücher.
Erzählende Literatur ist Kunst oder soll es sein. Im künstlerischen Prozess gestalten sich die Werke nach einem eigenen inneren geistigen Prinzip. Hilde Domin war ganz ärgerlich als sie gefragt wurde, wie sie denn Gedichte schriebe. Sinngemäß antwortete sie, dass man diese Frage überhaupt nicht beantworten könne, sie sei eigentlich zu dumm - die Frage. Man schreibt Gedichte einfach.
Kunst hängt mit dem Gefühl zusammen. Nicht primär mit Denken oder Wollen. Man kann die großartigsten Gedanken haben und kann sie vielleicht doch nicht künstlerisch zum Ausdruck bringen. Man kann auch etwas schreiben wollen und es geht doch nicht, weil die Inspiration nicht da ist. Diese Erfahrung macht fast jeder Künstler. Man kann auch ein furchtbar fleißiger Schreiber sein und unendlich viele Bücher schreiben, aber auch das ist keine Gewähr für gute Literatur.
Die Inhalte und Sprachbilder eines Buches müssen sich stimmig aneinanderfügen und aufeinander beziehen. Dafür braucht man eine gewisse Empfindungsfähigkeit.
Bei mancher Literatur paart sich nun das Einseitige des Gedanklichen mit dem Fleiß des Schreibenwollens. Das Gedankliche dominiert, wenn man in einem Buch irgendeine Form von Absicht bemerkt: Jetzt schreibt er dieses oder jenes, um z.B. einem Kind eine moralische Belehrung zu erteilen. Oder jetzt will sie eine gute Geisteswissenschaftlerin sein und lässt an dieser oder jener Stelle einen Engel oder ein Elementarwesen auftreten. Da spürt man, dass es gedanklich gewollt ist.
Waldorflehrer sollen ja selber Geschichten erfinden und den Kindern erzählen. In der vertrauten Intimität der eigenen Klasse sind solche Erzählungen Gold wert und stark wirksam. Das Geheimnis liegt dabei besonders auf der Ebene der Imponderabilien: Schon durch die Vorbereitung, die Bemühung, die der Lehrer aufbringt, um seine Geschichte zu erfinden, beginnt er auf die Seelen der Kinder positiv einzuwirken. Am nächsten Tag trägt er mit der Geschichte eine ungeheure Seelenfülle in die Klasse.
Niedergeschrieben verlieren diese Geschichten schon vieles von ihrer Qualität; und gar gedruckt können sie völlig ihren Geist verloren haben.
Alle Gedanken müssen für eine Erzählung solange künstlerisch umgeschmolzen werden, bis sie fast nicht mehr wiederzuerkennen sind. Dann kann daraus Literatur entstehen. Der Stein, dem man in erster Linie noch ansieht, dass er einem Steinbruch entnommen wurde, der ist noch nicht zur Plastik geworden.
Donnerstag, 21. Mai 2009
"veraldar-vefurinn" die „Weltverflechtung“
Formen- und Klangreichtum zeichnen eine junge, lebendige Sprache aus. Sie mag dann wohl für Fremde nicht so leicht zu erlernen sein, aber die Sprache selbst wird zum Erlebnis.
Es folgen einige Auszüge aus einem Artikel von Sebastian Balzter am 13.5.2009 in der FAZ.
"... auf Island ...Kinder werden ... nach ihrem Vater benannt, jede Generation aufs Neue. Was Laien verwirrt, lässt Namenforscher frohlocken: eine Sensation, ein Relikt aus tiefen Schichten der Sprachgeschichte. Auf nach Island!
Das Isländische hat sich – anders als die skandinavischen Schwestersprachen – seine komplizierte Grammatik mit einem voll ausgebildeten Deklinations- und Flexionssystem erhalten, seinen Vokalreichtum auch.
... (Man findet) konsequent einheimische Begriffe: Aus Telefon wird sími („Draht“), aus dem Internet veraldarvefurinn („Weltverflechtung“). So klingt auch das moderne Isländische noch nach den Wikingern, nach altnordischer Sagaliteratur und Charakterköpfen wie Egil Skallagrímsson, einem blutrünstigen und poetischen Helden aus dem rauhen zehnten Jahrhundert.
Skalla-Grímr („Glatzen-Grímr“) war sein Vater. Egil setzte diesen Vornamen, im Genitiv und mit der Endung -son, hinter seinen eigenen Vornamen. Folgerichtig hießen seine eigenen Söhne dann Böðvar, Gunnar und Þorsteinn Egilsson, seine Töchter aber Þorgerðr und Bera Egilsdóttir – die Endung -dóttir signalisiert das weibliche Geschlecht. So funktioniert Patronymik, das „Vaternamensystem“, das es früher auch anderswo gab, etwa in Schottland mit der Vorsilbe „Mac“. Und jede Familie Petersen aus Norddeutschland kann auf einen Ahnen namens Peter schwören. Auf Island aber hat sich der Insellage und der geringen Einwohnerzahl wegen seit Egils Tagen nichts daran geändert. ..."
Samstag, 16. Mai 2009
Relief "Eros und Fabel" - 8.Bildtafel
.. Die Asche meiner Pflegemutter muß ich sammeln, .....
Fabel reichte die Urne, worin die Asche gesammelt war, der heiligen Sophie, die sie zärtlich umarmte.
›Liebliches Kind‹, sagte sie, ›dein Eifer und deine Treue haben dir einen Platz unter den ewigen Sternen erworben. Du hast das Unsterbliche in dir gewählt. ... Du wirst die Seele unsers Lebens sein. Jetzt wecke den Bräutigam (Eros) auf. Der Herold ruft, und Eros soll Freya suchen und aufwecken.‹
...Sie ergriff nun die Urne und schüttete die Asche in die Schale auf dem Altar. Ein sanftes Brausen verkündigte die Auflösung, und ein leiser Wind wehte in den Gewändern und Locken der Umstehenden.
Sophie reichte die Schale dem Eros und dieser den andern. Alle kosteten den göttlichen Trank, und vernahmen die freundliche Begrüßung der Mutter in ihrem Innern, mit unsäglicher Freude. Sie war jedem gegenwärtig, und ihre geheimnisvolle Anwesenheit schien alle zu verklären.
Sie goß in den Altar den Rest aus der Schale hinunter. Die Erde bebte in ihren Tiefen. Sophie sagte: ›Eros, eile mit deiner Schwester zu deiner Geliebten. Bald seht ihr mich wieder.‹
Es war ein mächtiger Frühling über die Erde verbreitet. Alles hob und regte sich. ... Die Königsburg strahlte mit herrlichem Glanze über das Meer, und auf ihren Zinnen stand der König in voller Pracht mit seinem Gefolge. ...
Die Blumen und Bäume wuchsen und grünten mit Macht. Alles schien beseelt. ... Die Tiere nahten sich mit freundlichen Grüßen den erwachten Menschen. Kein Stein lag mehr auf einer Menschenbrust, und alle Lasten waren in sich selbst zu einem festen Fußboden zusammengesunken. Sie kamen an das Meer. Ein Fahrzeug von geschliffenem Stahl lag am Ufer festgebunden. Sie traten hinein und lösten das Tau. Die Spitze richtete sich nach Norden, und das Fahrzeug durchschnitt, wie im Fluge, die buhlenden Wellen.
Verwendung des Fingerhutes
Im Gartenbauunterricht braucht man eine angemessene Fußbekleidung und beim Nähen braucht man einen Fingerhut.
Natürlich klingt das heute furchtbar unzeitgemäß und altmodisch, pedantisch und philisterhaft. Aber wenn man darüber nachdenken würde, dann würde man herausfinden, dass man dadurch zu einer viel größeren Ernsthaftigkeit im Leben erziehen würde, wenn man auf diese Dinge Wert läge:
"Im Handarbeitsunterricht war ich nur wenig darinnen, aber das eine Mal musste ich mir sagen, warum hat das Kind keinen Fingerhut? Ich habe immer gesagt, wir müssen die Kinder daran gewöhnen, mit Fingerhut zu nähen. Es kann das Kind nicht ohne Fingerhut nähen, das geht nicht an."
Quelle: Konferenzen mit Rudolf Steiner, GA 300a, S. 199
Donnerstag, 7. Mai 2009
Erfahrungen beim Schulwechsel auf die Waldorfschule
Eine Studie, die als Dissertation von Dr. Ulrike Luise Keller an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe entstanden ist, untersucht Erwartungen der Eltern und Befindlichkeit der Grundschulkinder vor und nach dem Wechsel an die Waldorfschule. Befragt wurden 478 Elternhäuser im Schuljahr 2004/05. Diese Studie zeigt, wie durch die Methodik des Unterrichts an der Waldorfschule fehlende Motivation, Schulangst oder -verweigerung abgebaut wurden bis hin zur Verminderung psychosomatischer Symptome.
Quelle:
Ulrike Luise Keller "Quereinsteiger - Wechsel von der staatlichen
Regelgrundschule in die Waldorfschule", VS-Verlag Wiesbaden 2008
Samstag, 2. Mai 2009
Das Ideal – und die Wirklichkeit?
http://www.holger-niederhausen.de/
Hier gebe ich den Anfang wieder:
"Schule, auch Waldorfschule, steht immer vor der Gefahr, zu sehr „Schule“ zu werden – also zu sehr das, was Schule immer schon war: eine Einrichtung, an der Kinder etwas zu lernen haben, was Erwachsene ihnen beibringen oder nahebringen müssen. Die Gretchenfrage an eine Waldorfschule ist immer wieder: Inwieweit macht sie diesen Gedanken nicht mit, inwieweit kann sie dem ganz anderen Gedanken folgen, der aus obigen Worten Rudolf Steiners hervorgeht – dass das Kind alles wirklich Wesentliche schon mitbringt und dass es nur darum geht, ob sich dieses auch wahrhaft entfalten kann oder nicht...
Manchmal hört(e) man von Waldorfschulen, dass Kinder traurig sind, wenn es Wochenende wird oder die Ferien anfangen – sie wollen lieber weiter in die Schule gehen...! So etwas wäre ein klares Zeichen dafür, dass das Kind die Waldorfschule unbewusst als jenen Ort erlebt, wo es sein wahres Wesen entwickeln können wird. Aber es ist offensichtlich, dass diese Dinge seltener werden, ja fast völlig der Vergangenheit angehören. Wo gibt es noch diese Kinder, die freitags oder zum Schuljahresende traurig werden? In der Regel gehen die Kinder im ersten, vielleicht auch im zweiten Jahr noch gerne zur Schule – nicht nur gerne, sie lieben die Schule, sie sind voller Begeisterung, lernen zu dürfen. Lernen und Mensch werden ist eins, eine begeisternde Perspektive eröffnet sich...
Doch dann kommt der Zusammenbruch – die tragische Erkenntnis beginnt zu dämmern, dass man nicht lernt, um Mensch zu werden, sondern weil man eben muss; weil Schule eben Schule ist; weil der Lehrer am nächsten Tag die Hausaufgabe kontrolliert; weil die Eltern sich argwöhnisch erkundigen, was man denn heute gemacht habe; weil man es später ja zu etwas bringen soll und und und... Es gelingt also nicht, das Erleben zu erhalten, dass Lernen etwas Wunderbares ist, dass Schule eine Mysterienstätte ist, an der sich das Wesen von Menschen entfalten kann, die die Zukunftsimpulse in sich tragen.
Warum gelingt dies nicht? Hier kommen viele Dinge zusammen, die man zunächst stichwortartig benennen kann: Mangelndes Verständnis für das Wesen der Pädagogik; mangelnde Kraft, dieses Verständnis im Alltag aufrecht zu erhalten und danach zu handeln (eine Fähigkeitsfrage), Überlastung, Konflikte im Kollegium, schwierige Außeneinflüsse aller Art..."
Freitag, 24. April 2009
Rudolf Steiner im Gespräch mit den ersten Waldorflehrern
Donnerstag, 23. April 2009
Der Sprachtheoretiker Henri Meschonnic
| Leider bin ich diesem Wissenschaftler bisher in der Literatur noch nicht begegnet. Von einem vertiefenden Gesichtspunkt aus erscheinen seine Forschungsergebnisse bemerkenswert. Damit stellt er sich auch gegen den ganzen Strom der Wissenschaftentwicklung im vergangenen Jahrhundert. Wir finden bei ihm den Ansatz, der wirklich weiterführt, weil er die Wissenschaft mit dem Leben verbindet. Falls jemand von Ihnen mehr über ihn weiß, so wäre ich über eine Rückmeldung dankbar: | |
Der Sprachtheoretiker Henri Meschonnic ist tot
| |
| Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 16.04.2009 Seite 31 - nicht online | |
Freitag, 17. April 2009
Relief "Eros und Fabel" - 7.Bildtafel
"Hier bringe ich euch Taranteln", sagte Fabel zu den Alten. Sie erschraken. Eine lief mit der Schere auf sie zu, um sie zu erstechen. Da stachen die Taranteln die drei alten Schwestern und sie sprangen wild umher.
Fabel hatte ihnen die Schere, mit der sie immer die Lebensfäden der Menschen abgeschnitten hatten, abgenommen.
Sie sah hinaus und erblickte Perseus mit dem großen, eisernen Schilde. Die Schere flog von selbst dem magnetischen Schilde zu. Er soll damit dem wild herumfliegenden und Schaden anrichtenden Eros die Flügel beschneiden.
Die Lösung für alle pädagogischen Probleme
| (Bank-)Noten für Noten |
| Ein Schweizer Schulexperiment |
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 08.04.2009 Seite N5
In der oberaargauischen Gemeinde Wiedlisbach erhalten Schüler der zweiten Sekundarklasse ein Semester lang Geld für gute Noten in Mathematik und Englisch. Die Initiative zu diesem Versuch kam von einem privaten Fernsehsender. Die Schweizer Zeitungen sind entsetzt, die Bildungsforscher auch, sogar Fachkräfte der Züricher Zentralstelle für Ehe- und Budgetberatung wurden von den Medien beigezogen, um Zweifel an der Motivationssteigerung durch Einkommensanreize zu bekräftigen. Es war sogar zu hören, die Finanzkrise habe doch gezeigt, dass „Boni“ sich nicht bewähren. Im Dorf selber waren aber, nach Auskunft der Klassenlehrerin gegenüber dem Schweizer Magazin „Weltwoche“, bislang nur ein Radiojournalist und eine lokae TV-Station. Alle anderen kennen den Ausgang des Experiments schon vorher. kau
Donnerstag, 9. April 2009
Die erste "Monatsfeier"
In einer bunten Illustrierten, die nicht gerade zu den anspruchsvollsten im Lande zählt, findet sich folgender Artikel über die ersten Erfahrungen einer Mutter mit ihrem Erstklässler in der Waldorfschule. Es wird über den ersten Auftritt bei einer "Monatsfeier" berichtet:
Kiwis Kolumne
Schade, dass Mario Gomez kein Waldorf-Schüler istVon Andrea Kiewel
Der letzte Samstag, liebe Leserinnen und Leser, war für meine Söhne und mich so aufregend wie eine Oscar-Verleihung. Mindestens! Johnny, der kleine, hatte nämlich seinen allerersten Auftritt bei der Monatsfeier seiner Schule. ......
»Frühling« war das alle Klassenstufen verbindende Thema. Es wurde gesungen, musiziert, rezitiert, getanzt und von uns Eltern begeistert geklatscht. Und: Es gab keine Solisten. Immer trug die gesamte Klasse gemeinsam etwas vor, denn die Monatsfeier ist ja keine Mottoshow für »Waldorfschule sucht den nächsten Superstar«, sondern vielmehr die Möglichkeit für die Schüler zu zeigen, was sie gemeinsam gelernt haben und sich mit der versammelten Klasse auf der Bühne sicher und selbstbewusst zu fühlen.
Frei sprechen vor 250 Leuten ist nicht jedermanns Sache, und ich hatte - das muss aber bitte unbedingt unter uns bleiben - richtig Herzklopfen, als mein Johnny Hand in Hand mit seinen Freunden die Bühne betrat, um das verheimlichte Frühlingsgedicht aufzuführen. Es ging um eine kleine braune Blumenzwiebel, die auf Grund des frühlingshaften Gewimmels (Johnny plus fünf weitere Kinder) zum Leben erweckt wird und daraufhin glücklich ihr Blütenköpfchen aus der Erde reckt.
Auch wenn mein Kind nach einem Dreivierteljahr Schule immer noch mit dicken Wachsmalblöcken Buchstaben übt und die Wörter, die er lesen kann, an einer Hand abzuzählen sind - sein Selbstbewusstsein ist dank dieser Aufführungen enorm gewachsen. Oder anders ausgedrückt: Johnny traut sich inzwischen richtig was zu. Er geht da raus auf die Bühne und weiß: Ich kann das!
.... weiter hier..:
http://www.super-illu.de/leute/Kiwis_Kolumne_1148354.html
Freitag, 3. April 2009
Lasst die Kinder raus!
"...Die Risiken sind heute nicht größer als früher
Erwiesenermaßen stimmen die Befürchtungen der Erwachsenen, Kinder seien heute größeren Risiken ausgesetzt als früher, nicht. Auch wenn die Medien uns das suggerieren und offenbar Erfolg damit haben. Beispielsweise hat das Bundesinnenministerium in seinem "Ersten periodischen Sicherheitsbericht 2001" festgestellt, dass in den letzten drei Jahrzehnten weder die Gefährdung durch Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, noch durch Mord und Totschlag zugenommen habe, auch nicht Sexualmorde an Kindern.
Eine verletzungsfreie Kindheit ist sicher nicht möglich oder nur unter Verhinderung jeglicher Entwicklungsmöglichkeit für das Kind. Sind kleine Unfälle, ein paar Schrammen, ein großer Schreck, nicht normale
Begleiterscheinungen des Aufwachsens, anstatt Hinweis auf Erziehungsunfähigkeit und Verantwortungslosigkeit? ...Leider schienen immer mehr Eltern nicht nur vor ihrer eigenen Angst, sondern auch vor der öffentlichen Meinung zu kapitulieren.
Anstatt auf die Widerstandsfähigkeit der Kinder zu vertrauen und das Verletzungsrisiko als
Bestandteil der Freiheit anzusehen, welche die Kinder brauchen, um ihre
Umwelt zu erkunden und mit ihr und mit sich selbst notwendige
Erfahrungen machen zu können, versuchen sie ihre Kinder vor allem zu
bewahren und bewahren sie in erster Linie vor dem Leben selbst.
Wer Kinder überbehütet, raubt ihnen Lebensfreude, Selbstbewusstsein und die Chance, Krisen meistern zu lernen. ..."
Freitag, 27. März 2009
Relief "Eros und Fabel" - 6.Bildtafel
Fabel kletterte aus der Tiefe eine Leiter hinauf und kam in Arcturs himmlischen Palast: Der König saß umringt von seinen Räten. Die Lilie hielt er in der Linken, die Waage in der Rechten. Adler und Löwe saßen zu seinen Füßen. Fabel neigte sich ehrfurchtsvoll vor ihm: "Jetzt gib mir bitte die Leier!" (oben rechts)
Sie lockte fröhliche Musik aus den Saiten.
Eros kam herbeigeflogen. Er flog umher mit silberweißen Flügeln in der Hand den Bogen. 'Sein Bogen richtete überall Verwüstungen an. .. Er zog weiter, ohne Ginnistan (unten, Mitte) einen zärtlichen Blick zu gönnen.'
Sonntag, 22. März 2009
Es geht auch ohne Schule...
In diesem Bericht über einen Menschen, der ohne Schule aufwuchs, sind beide Elternteil Pädagogen. Also Menschen, die das Erziehungssystem besonders gut kennen:
Quelle: www.welt.de
O-Ton Deutschland: Porträt
Ein Leben wie Hans im Glück
Von Aufgezeichnet Von Margita Feldrapp 17. März 2009, 03:02 UhrDer Franzose André Stern (38) wurde weder von Lehrern noch von seinen Eltern unterrichtet. Er war nur getrieben von Lust und Laune. Ja, ist das denn die Möglichkeit?
Ich war nie in der Schule. Nie. Andere erzählen, dass sie Angst vor Schulaufgaben und unangekündigten Tests hatten, dass sie sich den Zitronensäurezyklus oder den Hexameter in den Kopf prügeln mussten und dann auch noch im Sportunterricht als Letzte in eine Mannschaft gewählt wurden. Ich kenne das alles nicht. Ich hatte eine glückliche Kindheit.Niemand hat mich an ein Schulbuch gefesselt, Lektion für Lektion, niemand hat mich nach einem staatlichen oder selbst erdachten Lehrplan unterrichtet. Meine Eltern beantworteten meine Fragen, wenn ich etwas von ihnen wissen wollte, suchten mit mir Bücher oder halfen mir, Leute zu finden, die mir weiterhelfen. Das machte mir Spaß, und ich lernte ausschließlich das, was mich interessierte. Ohne Prüfung, ohne Zertifikat - bis heute. Ich bin 38, Gitarrenbauer, Musiker, Komponist und Journalist, arbeitete als Chefredakteur eines Magazins. Das war mein Weg dorthin:
Ich bin in einer kleinen Wohnung in Paris-Mitte aufgewachsen, mein Vater, ein Franzose deutscher Abstammung, ist Pädagoge, meine Mutter Französin, von Beruf Grundschullehrerin. Sie gab aber ihren Beruf auf, um die Kindheit von mir und meiner jüngeren Schwester nicht zu versäumen und ebenso wie mein Vater in der Nähe zu sein, wenn wir sie brauchten. Je älter wir wurden, desto mehr kümmerte sie sich aber um ihre eigenen Dinge und wir um unsere. In Frankreich geht so etwas, da gibt es keine Schulpflicht, ebenso wie in Österreich und anderen Ländern.
Lesen habe ich schon mit drei gelernt. Ich fand, dass der Buchstabe O wie ein Ei aussah, das C wie ein Eierbecher, ich entdeckte Eier mit Schwänzchen (Q) und Schwänzchen ohne Eier (I). Ich wollte wissen, wie die Buchstaben heißen, fragte wieder und wieder. Buchstaben entziffern, das war ein großer Spaß. Ich begann zu lesen, nur stotternd, aber immerhin. Rechnen begann ich mit vier, erstaunlicherweise über das Dividieren, weil ich merkte, dass fünf Finger an der einen Hand nur halb so viel sind wie zehn. Millionen Kinder lernen in der Schule zuerst die Addition.
Mit neun konnte ich allerdings noch nicht flüssig lesen. Niemand sagte etwas dazu, niemanden besorgte das. Ich glaube, dass es vielen Eltern heute schwerfällt, so geduldig zu sein. Sie haben Angst, dass ihr Kind etwas verpassen, langsamer sein könnte als andere, sie werden panisch und drängeln. Doch in der Schule müssen die Kinder in einem Tempo lernen, das nicht das ihre ist, manche versagen, andere verlieren die Lust. Manchmal ist Schule eben auch schädlich.
Ich hatte meinen eigenen Rhythmus, mit zehn konnte ich plötzlich ordentlich lesen, ich weiß nicht mehr, wie. Aber ich weiß, dass Kinder viel mehr schaffen, als man meint - solange man ihnen Zeit gibt und Freiheit und ihnen vertraut. Meine Eltern waren davon fest überzeugt.
André Stern hat seine Erfahrungen in dem Buch "... und ich war nie in der Schule. Geschichte eines glücklichen Kindes" zusammengefasst. Es erschien jüngst im Zabert Sandmann-Verlag.
Freitag, 20. März 2009
Rudolf Steiner über Phantasie und Pedanterie
"Der Lehrer muss in sich selber lebendig erhalten den Unterrichtsstoff, muss ihn mit Phantasie durchdringen...
Was gesteigert werden muss..., das ist das Zusammenleben, das ganz zusammenstimmende Leben zwischen dem Lehrer und den Schülern. ... Wenn man dasjenige, was man einmal phantasievoll gestaltet hat, nach Jahren genau so wiedergibt, dann ist es verstandesmäßig eingefroren. Die Phantasie muss notwendig fortwährend lebendig erhalten werden, sonst frieren ihre Produkte verstandesmäßig ein.
Wenn jemals im Leben zusammenkommen würden Lehrerberuf und Pedanterie, so gäbe diese Ehe ein größeres Unheil, als sonst irgendwie im Leben entstehen könnte. Ich glaube nicht, meine lieben Freunde, dass man das Absurde anzunehmen hat, dass jemals im leben sich vereinigt haben Lehrerberuf und Pedanterie!
Und wenn du fühlst, dass du pedantisch wirst, dann sage: Pedanterie mag für die anderen Menschen ein Übel sein - für mich ist es eine Schlechtigkeit, eine Unmoral!"
Relief "Eros und Fabel" - 5.Bildtafel
Fabel steigt in die Tiefe hinab und begegnet der Sphinx:
Was suchst du? sagte die Sphinx. -Mein Eigentum, erwiderte Fabel. -Wo kommst du her?- Aus alten Zeiten; - Du bist noch ein Kind? - Und werde ewig ein Kind sein.
Montag, 16. März 2009
"Das Versagen der Lehrer an den Schülern"
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Welt online
Von Birgitta vom Lehn 16. März 2009, 12:48 Uhr
Notenstress, Leistungskontrollen und zu frühe Auslese helfen den Schülern nicht und verhindern stattdessen den Lernerfolg, sagt der renommierte Schulexperte Prof. Kurt Singer. Seit Jahren engagiert er sich für eine "humane Schule", jetzt erschien sein neues Buch "Die Schulkatastrophe". WELT ONLINE sprach mit ihm.
Foto: pa
In Deutschland leiden zwei Millionen Kinder unter der Angst, bloßgestellt zu werden und zu versagen
WELT ONLINE: Sie schildern die Schule als Höhle des Löwen: Kinder werden vorschriftsmäßig gekränkt und Lehrer gehindert, Lernhelfer zu sein. Ist das nicht übertrieben?
Professor Kurt Singer: Ich sehe die Schule aus der Sicht der Kinder, und da ist sie in der Tat für viele Schüler katastrophal. Ich finde es empörend, dass zum Beispiel rund 250.000 jährlich „sitzen gelassen“ werden. Statt von Lehrern Hilfe zu erhalten, lässt man sie „durchfallen“, obwohl sie sich besser weiterentwickeln könnten, wenn Lehrer sie in die nächste Klasse mitnähmen. Die mitgenommenen Schüler lernen nämlich, wie Untersuchungen und Erfahrungen zeigen, in den folgenden Jahren besser als jene, die die Klasse wiederholen. Das Sitzenbleiber-Elend ist nicht nur für die Betroffenen schlimm, sondern auch für die anderen Kinder. Denn sie erleben ein Angst machendes Lernklima.
WELT ONLINE: Man spricht auch von Schulangst.
Singer: Ja, Angst ist so selbstverständlich mit der Schule verbunden, dass es dafür den Begriff „Schulangst“ gibt. Dabei ist nichts dem Lernen abträglicher als Angst; denn sie macht dumm, sie blockiert das Denken. In Deutschland haben etwa zwei Millionen Kinder Angst vor der Schule, das zeigen Studien. Es ist die Angst, aufgerufen, abgefragt, bloßgestellt, überfallartig abgeprüft zu werden und Misserfolg zu erleiden. Aber Kinder brauchen Mut statt Angst. Lehrer ermutigen Kinder, wenn sie diese durch einen individualisierten Unterricht Lernfortschritt erleben lassen.
WELT ONLINE: Wenn Lehrer für Schulangst verantwortlich sind, was läuft dann falsch in der Lehrerausbildung?
.....
Hier weiterlesen: http://www.welt.de/wissenschaft/
Freitag, 13. März 2009
Relief "Eros und Fabel" - 4.Bildtafel
Eros und Ginnistan im Reiche des Mondes:
"Der Alte (Mond) stieß in sein Horn, es dröhnte durch die alte Burg. Ginnistan umarmte ihren alten Vater (Mond). Eros in seiner Rüstung stand gerührt dabei (oben,Mitte). Ein gewaltiges Schauspiel entfaltete sich: Ebbe und Flut, Orkane und Erdbeben, zärtliche Regenschauer, Donner und Blitz, Wetterbäume und Luftschlösser, Herden von silberweißen Schäfchen, sonderbare Tiere, bunteste Blumen, Städte und Burgen, eine schwimmende Blume, Mutter und Kind, ein Heer von Totengerippen, ein liebendes Paar unter schattigen Bäumen..."
Nicht verdorren und nicht versauern
- Der Lehrer sei ein Mensch der Initiative im großen und kleinen Ganzen.
- Der Lehrer sei ein Mensch, der Interesse hat für alles weltliche und menschliche Sein.
- Der Lehrer sei ein Mensch, der nie einen Kompromiss schließt mit dem Unwahren.
- Der Lehrer soll nicht verdorren und nicht versauern.
Freitag, 6. März 2009
Gandhi und das Zuckeressen
'Sage meinem Sohn, er soll aufhören, Zucker zu essen.'.
Der Mahatma besann sich und sagte: 'Gute Frau, komm in zwei Wochen wieder mit deinem Sohn.'
Verwirrt bedankte sich die Frau und sagte, sie würde tun, wie ihr geheißen.
Nach zwei Wochen kam sie wieder mit ihrem Sohn. Gandhi schaute dem Kleinen fest in die Augen und sagte:
'Hör auf, Zucker zu essen.' "
Dankbar, aber ziemlich verwundert, fragte die Frau den Mahatma:
'Warum sollte ich zwei Wochen warten? Damals hättest du ihm dasselbe sagen können.'
'Vor zwei Wochen', antwortete Gandhi, 'habe ich selbst noch Zucker gegessen.'
Quelle: http://anekdoten.rainbownet.ch/mahatma-gandhi.php
Freitag, 27. Februar 2009
Sprich mit der Hand
Gestikulierende Kinder haben größeren Wortschatz
Kleinkinder, die mit 14 Monaten häufig gestikulieren, verfügen im Alter von viereinhalb Jahren über einen größeren Wortschatz als ihre gestikulationsfaulen Altersgenossen. Das haben US-Wissenschaftler in einer Langzeitstudie an fünfzig Familien herausgefunden. Besonders häufig benutzen Kinder aus sozial besser gestelltem Elternhaus ihre Hände, um auf etwas zu zeigen, weil die Eltern mehr über Zeichensprache mit ihnen kommunizierten.
Meredith Rowe und Susan Goldin-Meadow (Universität von Chicago) Science (Bd. 323, S. 951).
ddp/wissenschaft.de – Helmine Braitmaier
Quelle:http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/300502
Relief "Eros und Fabel" - 3.Bildtafel
Von dem Schwert war ein eisernes Stäbchen in den Hof gefallen. Als es der Knabe Eros berührte, sprang er als Jüngling aus der Wiege und hielt das Kleinod, das sich nach Norden ausrichtete, in der Hand.
Ginnistan (rechts) erschrak. Der Schreiber (links) fiel beinah vor Entsetzen von seinem Stuhl.
Sophie sagte zu Eros: Du kannst sogleich reisen. Ginnistan mag dich begleiten. Sie knieten nieder, Sophie segnete sie und gab ein Gefäß voll Wasser aus ihrer Schale mit. Es war Nacht, als sie abreisten. Der Mond stand mit bleichem, abgehärmten Gesicht hoch am Himmel.
Die Mutter war sehr bekümmert (über die Abreise), die kleine Fabel wäre gern mitgegangen. (links, Mitte)
Sonntag, 22. Februar 2009
Der kleine Adler in der Wiederkäuerschule

Christiane Feuerstack
Der kleine Adler in der Wiederkäuerschule
Geleit
Als Gott den Menschen erschuf, nahm er von den mächtigsten Tieren die besten Kräfte: vom Adler den scharfen Blick und kühnen Gedankenflug, vom Löwen Mut und Herzenswärme und vom Stier Kraft und Ausdauer. Er selbst gab dem Menschen Würde und Weisheit, um alle Teile ins rechte Maß zu bringen.
Die Weisheit, das rechte Maß zu finden hatten aber erst ganz Wenige. Den übrigen sah man ihre tierische Herkunft noch an: einige sahen dem Adler ähnlich, andere dem Löwen und wieder andere dem Stier. Erst im Lauf der Jahre nahmen die Menschen ihre heutige Gestalt an, aber in ihrem Inneren sahen sie so verschieden aus wie vorher. Die Weisen, die schon das rechte Maß gefunden hatten, wurden das Vorbild und die Führer der anderen. Damit die Menschen niemals ihre Aufgabe vergessen würden, meißelten sie aus großen Steinen das Abbild ihres Wesens: Die Sphinx; mit einem Menschengesicht, Löwenbrust, Stierleib und Adlerflügeln. Aber immer noch sind nur wenige den ersten Weisen nachgefolgt.... .
Wie hatte sich der kleine Adler auf die Schule gefreut! Endlich würde er alles lernen, was er so brennend gerne wissen wollte: warum Gott die Welt erschaffen hat und ob Gott auch das Böse gemacht hat und wo die Toten hingehen und ob alle Engel gut sind und… und… und… . Doch der Lehrer schüttelte bei jeder Frage des kleinen Adlers den Kopf: „In der Schule darfst du solche unnützen Fragen nicht stellen. Das würde die anderen Schüler nur verwirren, und es gibt niemanden, der auf diese Fragen eine Antwort weiß." Der kleine Adler schaute den Lehrer erstaunt und misstrauisch an. Unnütze Fragen? Ohne Antwort auf diese Fragen war doch das ganze Leben unnütz! Ob der Lehrer wirklich nichts wusste oder ob er nur sein Wissen für sich behalten wollte?
Der kleine Adler spürte, dass der Lehrer unsicher wurde und fragte darum schnell: „Was lernen wir denn sonst in der Schule?"Fortsetzung:http://christiane.feuerstack.net/cf_07.html zu wahre Geschichte
Freitag, 20. Februar 2009
Relief "Eros und Fabel" - 2.Bildtafel
Holzrelief von Peter Lampasiak, Hannover, für die Freie Waldorfschule Braunschweig- 2009
König Arctur und seine Tochter Freya saßen am Tisch. Der König mischte die Blätter mit den Sternbildern. Die Sterne bewegten sich genau nach diesem Spiel. Auf einmal rief der König: "Alles wird gut! Eisen wirf dein Schwert in die Welt."
Zu dieser Zeit lag der schöne Knabe Eros in seiner Wiege. Ginnistan, seine Amme, schaukelte sie und reichte seiner Milchschwester Fabel die Brust. Der Schreiber (ganz links) schriebunverdrossen. Eine göttergleiche Frau (Sophia) tauchte die Finger in eine Schale und spritzte einige Tropfen auf Ginnistan und die Kinder.
Samstag, 14. Februar 2009
Wie sieht Ihr Kopf von innen aus, Mister Tammet?
In folgendem Interview mit einem Autisten, der auch über synästhetische Erfahrungen berichtet, findet man viele nützliche pädagogische Hinweise.
Er schildert, wie man Worte einer fremden Sprache schon allein an ihrer Lautgestalt erkennen kann, ohne ihre Bedeutung zu wissen:
"Nehmen wir zum Beispiel das Adjektiv „pambalaa“ aus der afrikanischen Siwu-Sprache. Meinen Sie, damit ist eine runde Person gemeint oder eine dünne?"
Oder über das Lernen von reinem Fakten-Wissen:
"Viele Menschen haben vergessen, dass die Information nicht so wichtig ist wie die Idee dahinter. Informationen sind eine Ansammlung von Daten, jede Information für sich ist nutzlos, wenn wir sie nicht in einen Zusammenhang setzen und interpretieren können."
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Ein Mann mit erstaunlichen Fähigkeiten: Daniel Tammet
07. Februar 2009
Daniel Tammet ist eine sogenannte Inselbegabung. Er kann sich die Kreiszahl Pi bis auf 22.514 Stellen hinter dem Komma merken, eine Fremdsprache lernt er innerhalb einer Woche, das Autofahren hingegen nie. Ein Gespräch über freundliche und scheue Zahlen, fette und schwere Wörter und das Lernen mit dem Körper.
Mister Tammet, ich wurde am 6. September 1976 geboren. Was für ein Tag ist das gewesen?
Ein Montag.
Sind Sie sich sicher? Sie haben keine drei Sekunden nachgedacht.
Kalender haben ein bestimmtes Muster, eine Woche hat sieben Tage, und die Tage wiederholen sich. Mein Gehirn ist sehr gut darin, sich Muster einzuprägen und zu erinnern...
Ihr Gehirn kann Außergewöhnliches leisten, Sie haben eine phänomenale Begabung für Sprache und Zahlen. Die Kreiszahl Pi zum Beispiel können Sie bis auf 22.514 Stellen nach dem Komma rezitieren. Wie ist das möglich?
Ich bin ein sogenannter „Prodigious Savant“, ein Inselbegabter. Als Kind hatte ich epileptische Anfälle, außerdem diagnostizierten Ärzte bei mir das Asperger-Syndrom, eine Form von Autismus. Wissenschaftler, die mich untersucht haben, glauben, dass beides, die Epilepsie und der Autismus, miteinander verknüpft für meine Fähigkeiten verantwortlich ist. Bei den meisten Menschen ist ein Großteil kognitiver Aufgaben, zum Beispiel Sprache und Zahlenverständnis, hochspezialisiert und wird getrennt voneinander in unterschiedlichen Hirnregionen ausgeführt. Höchstwahrscheinlich gibt es bei mir eineCross-Kommunikation zwischen den Zahlen- und Sprachregionen meines Gehirns.
Wie nehmen Sie Zahlen wahr?
Jede Zahl hat für mich eine bestimmte Form. Zahlen haben auch unterschiedliche Farben und sind von verschiedener Beschaffenheit. Manche sind groß, manche klein, andere schmal. Es gibt auch laute und freundliche Zahlen. Die 7 zum Beispiel ist rund, ein bisschen wie diese Olive hier.
Das klingt nach einer innigen Beziehung. Was bedeuten Ihnen Zahlen?
Ich liebe Zahlen. In der Schule war es schwer für mich, Freunde zu finden, also spielte ich in meinem Kopf mit Zahlen. Die Zahlen wurden meine Freunde, sie waren wie Menschen für mich.
...
Ich spiele mit Zahlen, ich spaziere durch eine Landschaft, die in ununterbrochener Bewegung ist. Es ist wie ein Kunstwerk, das entsteht und sich ständig verändert, ein numerischerVisualisierungsprozess . Zahlen stehen für mich untereinander in semantischen Beziehungen, das hilft mir, sie in Faktoren zu zerlegen. Meine Rechenfähigkeiten laufen intuitiv ab, vergleichbar mit der Syntaxberechnung bei Ihnen, wenn Sie einen Satz bilden.
...
Sie sprechen mehrere Sprachen. Welche sind das?
Englisch, Französisch, Finnisch, Walisisch, Spanisch, Rumänisch, Isländisch, Esperanto, Litauisch und Gälisch.
Stimmt es, dass Sie innerhalb einer Woche eine Sprache so gut lernen können, dass Sie mühelos in der Lage sind, ein Gespräch führen?
Ja, das ist so.
Haben Sie nicht ein paar Tricks für uns, wie wir eine Sprache schneller lernen können?
Ich bin überzeugt, dass jeder von uns von Geburt an einen Instinkt, eine Intuition für Sprache hat. Diese Begabung verlieren wir aber mit der Zeit, wir werden älter, unser Gehirn verändert sich. In der Schule lehrt uns niemand, diese Intuition zu nutzen. Stattdessen bringt man uns langweilige Techniken bei. Wir tun uns schwer, diese zu benutzen und sie in unserem Gedächtnis zu speichern. Deshalb glauben viele Menschen, sie seien unbegabt, und empfinden Angst vor Sprachen.
Was raten Sie uns?
Vergessen Sie, was Sie in der Schule gelernt haben.
Und stattdessen?
Wenn Sie eine Sprache lernen, denken Sie darüber nach, was der Klang eines Wortes bedeuten könnte. Vermuten Sie, um was für eine Art Wort es sich handeln könnte. Ist es ein schmales Wort, ein fettes Wort oder ein schweres Wort?
Das hört sich, ehrlich gesagt, merkwürdig an.
Nehmen wir zum Beispiel das Adjektiv „pambalaa“ aus der afrikanischen Siwu-Sprache. Meinen Sie, damit ist eine runde Person gemeint oder eine dünne?
Eine runde.
Genau. Und bedeuten die japanischen Farbbezeichnungen „aka“ und „midori“ Rot und Grün oder Grün und Rot?
Ich würde sagen: Rot und Grün.
Richtig, diese Intuition existiert. Sie werden staunen, wenn Sie darauf achten, wie viele Verbindungen es gibt. Das macht Spaß! In vielen Sprachen haben Sie übrigens einen hohen Klang bei Wörtern, die etwas Kleines benennen. Im Englischen zum Beispiel „little“, „tiny“, oder „itty-bitty“. Außerdem beschreibt die Lautfolge „gl“ häufig etwas, das mit Licht zu tun hat, wie „glimmer“, „glow“ oder „gleam“. Viele Wörter im Isländischen, die mit „hn“ beginnen, stehen für Rundes. „hné“ bedeutet Knie, „hnúi“ Knöchel und „hnöttur“ Orbit. Wenn wir uns diese Verknüpfungen bewusst machen, fällt uns das Erinnern leichter.
Haben wir auch ein Gefühl für Zahlen?
Ja! Es gibt Tests, die beweisen, dass wir ebenso wie einen Sprach- auch einen Zahleninstinkt haben. Wissenschaftler haben kleine Kinder Folgendes gefragt: Wenn John 15 Süßigkeiten bekommt,July 27 und Ann 51, wer hat dann die meisten Süßigkeiten? Ein Großteil der Kinder hat die Frage richtig beantwortet. Vielleicht fühlt sich in unserem Kopf die 51 schwerer an als die 17 oder die 27. Wir alle haben dieses Gefühl.
Was können wir tun, um unser Gedächtnis zu trainieren?
Egal, was Sie lernen, es geht darum, ein tieferes Verständnis zu entwickeln und sich nicht nur auf die Fakten zu konzentrieren. Um die Daten amerikanischer Präsidenten oder britischer Monarchen zu lernen, kann man sie wieder und wieder aufsagen. Man kann sich aber auch bewusst machen, dassEduard VI. nach Heinrich VIII. kam, dann Maria I. und Elizabeth I., weil Männer immer die Ersten in der Thronfolge sind. Lernen hat nicht nur was mit unseren Köpfen zu tun, es bezieht auch unseren Körper mit ein. Es hängt davon ab, wo wir sind, wie wir uns bewegen. Denken Sie an Schauspieler, die sich große Textmengen merken können, weil sie sich mit ihrem Körper behelfen. Auch Musik kann als Gedächtnisstütze dienen.
Erklären Sie uns das bitte genauer.
Musik arbeitet mit Wiederholungen und mit Rhythmus. Man hat herausgefunden, dass unser Gehirn während des Musikhörens ständig Vorhersagen über den Takt trifft. Diese Vorhersagen basieren auf Lernerfahrungen, und diese Vorhersagefähigkeit ist ausschlaggebend für ein gutes Gedächtnis. Wir können auf diese Weise besser einschätzen, ob wir genügend gelernt haben. Hören wir Musik, während wir lernen, erinnern wir uns später, wenn diese Musik wieder läuft, besser an das Gelernte.
Es macht aber keinen Unterschied, ob wir Bach oder Britney Spears hören.
Nein. Ich weiß, dass es Leute gibt, die behaupten, man müsse Mozart hören, dann werde man klüger. Aber wenn Sie klüger werden wollen, dann müssen Sie lesen, ins Museum gehen, Sie sollten eine Menge dafür tun, aber nicht erwarten, dass eine Sache Sie auf magische Weise schlauer macht.
Und wie können wir unserem Gehirn dabei helfen, sich in der Flut von Informationen zurechtzufinden, also Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden?
Sie müssen eine Beziehung zu Informationen aufbauen, die keinen Zweifel daran lässt, dass Sie die Kontrolle über die Informationen haben und nicht umgekehrt. Dazu gehört auch, nicht andauernd seine E-Mails zu lesen.
Sie meinen, das Internet schadet unserem Denken?
Es hat das Potential, unserem Denkens sehr zu schaden. Viele Menschen haben vergessen, dass die Information nicht so wichtig ist wie die Idee dahinter. Informationen sind eine Ansammlung von Daten, jede Information für sich ist nutzlos, wenn wir sie nicht in einen Zusammenhang setzen und interpretieren können. Informationen als Selbstzweck zu sehen kann sehr gefährlich werden...
...
Zur Person
Daniel Tammet wird am 31. Januar 1979 in London geboren.
Ärzte diagnostizieren bei ihm eine leichte Form von Autismus. Als Kind leidet er unter einer Reihe epileptischer Anfälle, danach tritt plötzlich seine Inselbegabung auf, die ihn befähigt, komplexe Rechenaufgaben zu lösen und innerhalb kürzester Zeit eine neue Sprache zu erlernen.
Menschen wie Daniel Tammet nennt man „Prodigious Savants“. Weltweit gibt es nur etwa fünfzig dieser Genies.
2005 dreht der britische Sender Channel Five einen Dokumentarfilm über Daniel Tammet: „Brainman“ macht ihn bekannt.Heute führt Daniel Tammet ein beinahe normales Leben. Er schreibt Bücher und unterrichtet Englisch. Doch erst ein jahrelanger Lernprozess der sozialen Kodes, die für uns selbstverständlich sind, hat das ermöglicht.
Daniel Tammets neues Buch „Wolkenspringer“ ist kürzlich im Patmos Verlag erschienen.
Freitag, 13. Februar 2009
Relief "Eros und Fabel" - 1.Bildtafel
Das eiskalte, himmlische Reich des König Arctur. Seine Tochter Freya erwacht auf ihrem Lager. Der alte Held schlägt an seinen Schild. Der Vogel Phönix schwebt herab. Die Sternscharen kommen herein.
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"Für guten Unterricht braucht man nicht unbedingt so viel Material."
Es mag schon ein wenig sonderbar anmuten, dass auf einer "Bildungsmesse", auf der es doch hauptsächlich darum geht, dass Firmen, die viel Geld damit verdienen, dass sie die Pädagogen davon überzeugen, möglichst viel teueres Material im Unterricht zu verwenden, dass hier die Waldorfpädagogik plötzlich in den Mittelpunkt rückt. Wo man doch mit ihr kaum Geld verdienen kann:
Den Artikel können Sie hier lesen:
http://www.welt.de/welt_print/article3197070/Vom-Hinterzimmer-ins-Rampenlicht-der-Paedagogik.html
Vom Hinterzimmer ins Rampenlicht der Pädagogik
Von Margita Feldrapp 13. Februar 2009, 03:12 Uhr
Auf der Bildungsmesse Didacta stehen auf einmal die Theorien der Waldorf-Pädagogen im Mittelpunkt
Hannover - Sie können ihren Namen tanzen, jeder Buchstabe eine Bewegung, und sie sagen, für manche Kinder sei das wichtiger, als ihren Namen zu schreiben. Sie halten wenig von Schulbüchern und Computern, nichts von Noten. Bisher wurden sie dafür belächelt, die Waldorf-Pädagogen, und es war ihnen ganz recht. Es gehörte zum Konzept, anders zu sein. Doch plötzlich sind sie diejenigen, die auf der Didacta, der größten Bildungsmesse, einen Weg aus der Bildungsmisere zu wissen scheinen.
Über 700 Verlage und Hersteller von Lernmedien buhlen noch bis Samstag auf 30 000 Quadratmetern in Hannover um die Aufmerksamkeit der Besucher, vor allem Lehrer und Erzieher. ...
Die Didacta bietet dazu einen Themenschwerpunkt der Vereinigung der Waldorfkindergärten an, unterstützt vom Didacta-Verband.
...
Wie eine fremde Welt wirkt dann die von Waldorf-Pädagogen organisierte Sonderschau zu den "Bildungshäusern" im Herzen der Ausstellungsfläche. "Die Zukunft hat begonnen" heißt es auf einem Transparent. Doch die Zukunft kommt reichlich altbacken daher, mit mattgelben Stellwänden und einem Klecks Propolis-Salbe als Werbegeschenk.
Auch bei den Vorträgen liegt ein Schwerpunkt auf der Waldorf-Pädagogik. Als Ansprechpartner trifft man vornehmlich Waldorf-Leute, außerdem Vertreter der Laborschule Bielefeld oder der Sophie-Scholl-Schule Gießen.
Klaus-Peter Freitag, in der Fortbildung für Waldorf-Lehrer tätig, empfängt den Messebesucher mit zerzausten Haaren, als wäre er gerade davon überrascht worden, plötzlich gefragt zu sein. Er erklärt, dass in vielen Waldorfeinrichtungen schon jetzt Kindergarten und Schule auf einem Gelände seien und Erzieher und Lehrer eng zusammenarbeiten. Er sagt Sätze, die hier jeder gerne hört: "Jedes Kind ist anders" oder "Das Kind muss im Mittelpunkt stehen". Man müsse die Schüler respektieren, ihre Bedürfnisse, ihr Lerntempo, es dürfe keinen Druck geben, keine Noten, und bei all dem komme man auch fast ohne Unterrichtsmaterial aus. Grundlage ist die anthroposophische Lehre Rudolf Steiners, eine spirituell geprägte Pädagogik mit ganzheitlichem Anspruch. Die Wertschätzung gegenüber den Kindern gründe, so Freitag, im Reinkarnationsgedanken. Wegen dieses ideologischen Hintergrunds sind Waldorfschulen in Deutschland auch weiterhin ausschließlich unter freier Trägerschaft denkbar. Kritiker weisen darauf hin, dass die Kinder dort abgeschottet werden, unvorbereitet ins Berufsleben gehen - umso erstaunlicher, welche Rolle den Pädagogen auf der Didacta zufällt.
"Vom Hinterzimmer der Pädagogik auf den Marktplatz", witzelt eine Lehrerin. Man dürfe das nicht überbewerten, sagt Annette Schmitt, Psychologin an der Universität Bremen. Es gebe Bereiche, in denen die klassische Pädagogik positive Elemente der Waldorf-Pädagogik übernehme, mehr aber nicht. Die Gräben seien weiterhin tief, auch wenn das bei der Didacta auf den ersten Blick anders aussehe. In einem - eher marginalen Punkt - stimme aber auch sie mit den Reformpädagogen überein: "Für guten Unterricht braucht man nicht unbedingt so viel Material."
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Freitag, 6. Februar 2009
"Musik ist Schlüssel zum Lernerfolg"
Wenn solche Dinge einmal in die Welt gesetzt werden, dann besteht immer die Möglichkeit, dass sie sich in irgendwelchen Köpfen festsetzen und irgendwann doch zum Tragen kommen.
Das Lernverhalten der Kinder ist ein ganz anderes, wenn die Schule morgens mit Musik, Gesang und Rezitation beginnt. Das Künstlerische Tun bereitet die Kinder innerlich auf den gedanklichen Lernprozess vor.
An der unten folgenden Meldung kann man erleben, wie waldorfpädagogische Gesichtspunkte in die öffentlichen Schulen einfließen und als belebendes Ferment wirken.
Die Waldorfpädagogik hat immer die Tradition des Musikalischen bewahrt und seine pädagogische Bedeutung ins Bewusstsein gehoben. So kann dieses Element nun in das ganze Schulwesen zurückfließen. Man kann darin auch einen Sinn der Waldorfschulen sehen, dass sie etwas pflegen und entwickeln, was schließlich allen Schülern zugute kommt.
Unter dem Titel:
"Musik ist Schlüssel zum Lernerfolg"
berichtet in der Braunschweiger Zeitung eine in den Ruhestand gehende Grundschul-Rektorin:
>>Schon an der Hans-Würtz-Schule war ihr das Fach Musik, die musikalische Gemeinsamkeit besonders wichtig. "Musik fördert Kompetenzen wie die Feinmotorik und auch die emotionale Entwicklung. Sie ist der Schlüssel zu Lernerfolgen", unterstreicht Heike Zeiss.
"Der Musikunterricht fällt nie aus!" Dieser Satz galt für sie deshalb auch an der Grundschule....
"Mit Freude sehe ich heute, dass viele Kolleginnen durch Fortbildungen und Auffrischen von musikalischen Fähigkeiten das Singen und Musizieren der Kinder weiter fördern werden...<<
Braunschweiger Zeitung - 31.1.2009, Seite 16
Samstag, 31. Januar 2009
Tätige Liebe
unter diesem Titel hielt Frau Barbara Brunnenkant aus Mannheim in Braunschweig einen Vortrag.
In diesem sprach sie davon, dass Kinder natürlich auch die Liebe ihrer Eltern brauchen.
Sie unterschied dabei zwei Formen der Liebe: die seelische Liebe und die tätige Liebe.
Fast alle Eltern sprechen davon, dass sie ihre Kinder lieben; sie meinen damit die seelische Liebe.
Viele Eltern äußern andererseits z.B.: "Ach, was bin ich froh, dass die Kinder jetzt älter sind und ich nicht mehr diese oder jene Mühe habe.."
Die tätige Liebe zeigt sich darin, dass man alle Tätigkeiten liebt, die das geliebte Kind einem abverlangt, ob sie nun mühevoll sind oder nicht.
Die seelische Liebe bewegt sich in einem nebulösen Bereich, man kann sie leicht empfinden, vielleicht auch erträumen.
Die tätige Liebe ist reine Lebenspraxis. An ihr muss sich die seelische Liebe messen lassen, bewähren.
Mittwoch, 28. Januar 2009
Salz des Lebens
Gandhi als Träger eines modernen Bewusstseinselementes in Indien, machte ja auch gerade die Salzfrage zu einem Politikum.
Rudolf Steiner in einem Vortrag zur Kindererziehung:
"Und da handelt es sich darum, dass man ... in der Tat sich klarzumachen hat, dass zum Beispiel auf das Nerven-Sinnessystem in günstiger Weise gewirkt werden kann, wenn man gerade die richtige Kochsalzmenge den Speisen beizubringen weiß, die die Kinder zu genießen haben. So dass also, wenn man bemerkt, ein Kind ist gewissermaßen leicht dazu geneigt, unaufmerksam zu sein, flüchtig hinwegzugehen über dasjenige, was man als Lehrer entwickelt vor dem Kinde - das Kind ist, man könnte auch sagen, zu sehr ein Sanguiniker oder ein Phlegmatiker -, dann wird man auf irgendeine Weise es bewirken müssen, dass das Kind die Bildekräfte angeregt bekommt, die es befähigen, stärker aufmerksam zu sein auf die Außenwelt, und das geschieht durch Beibringung des Salzigen."
GA 300 b, S 258
Bei allen Fragen der Ernährung, muss man immer wieder betonen, dass ein gesund entwickelter Geschmackssinn der beste Ratgeber ist. Der Kopf kann dabei weniger die Richtung weisen. Er kennt nur die Gedanken über die Ernährung. Der Geschmackssinn aber ist der Bote des Organismus, er weiß über die Wirkungen im individuellen Körper Bescheid und gibt die besten Ratschläge.
DIE WELT - WELT ONLINESalz des Lebens
Von Oliver Stenzel 23. Januar 2009, 02:52 Uhr
Der Konsum von Kochsalz ist lebensnotwendig - Auf den Blutdruck wirkt er sich deutlich weniger aus als bislang gedacht
Hohenheim/Dresden
- Ein häufiger Satz zum Frühstücksei: "Salz nicht so viel!" Lange Zeit hieß es, Kochsalz treibe den Blutdruck in die Höhe. Mittlerweile sehen manche Forscher dies skeptisch. Kein Zweifel besteht aber darin: Ohne Salz würde der Wasser- und Nährstoffhaushalt des Körpers nicht funktionieren.
..Salzmangel mache sich etwa durch Müdigkeit, Schwindel und Verwirrung bis hin zu Desorientiertheit bemerkbar. Ein akuter Mangel kann sogar zu einem Kreislaufkollaps führen ...
In Deutschland nimmt ein Mann im Schnitt 8,78 Gramm Salz pro Tag zu sich und eine Frau 6,33 Gramm, ergab die Nationale Verzehrsstudie II des Max-Rubner-Instituts (MRI). ...
"Sehr salzreich sind auch Fertigprodukte, vor allem Konserven", sagt Walter Zidek, Direktor der Klinik für Nephrologie an der Berliner Charité.
Bleibt die Frage, wie viel Salz nun gesund ist. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn nennt sechs Gramm pro Tag für Jugendliche und Erwachsene als Richtwert. Als Obergrenze definiert sind zehn Gramm. "Ab dieser Menge muss man in Einzelfällen damit rechnen, dass es negative gesundheitliche Folgen hat", sagt Antje Gahl von der DGE. Diese Formulierung spiegelt auch wider, dass der Salzkonsum mittlerweile nicht mehr generell als Ursache für Bluthochdruck (Hypertonie) gesehen wird. "Es gibt bis heute keine verlässliche Studie, die nachweist, dass der durchschnittliche Salzverzehr in der gesunden Bevölkerung der Entwicklung eines Bluthochdrucks Vorschub leistet", sagt Resch. Bluthochdruck könne viele Ursachen haben. "Und es gibt viele Möglichkeiten, ihn zu verringern."
Kochsalzreduzierung sei dabei eine der am wenigsten wirksamen. Schon bei einer Gewichtsabnahme von vier bis fünf Kilo sei der Effekt auf den Blutdruck doppelt bis dreimal so groß wie bei allem, was durch Salzreduktion erreichbar sei. ...
Einheitlich sind die Empfehlungen zum Salzkonsum nicht. Während Zidek sagt, dass eine salzreduzierte Ernährung niemandem schade, rät Resch von streng kochsalzarmer Kost ab. "Solange jemand gesund ist und einen einigermaßen normalen Blutdruck hat, muss er sich um den Salzkonsum keine Gedanken machen", sagt Resch. Auf der sicheren Seite scheint man bei einer Ernährung mit vielen frischen Zutaten und wenig Fertigprodukten zu sein - auch wenn man dabei nicht besonders auf das Salz achtet. "Bei einer solchen Ernährung sinkt der Salzkonsum automatisch", sagt Zidek. Darüber hinaus enthalten frisches Obst und Gemüse vermutlich Antioxidantien, die blutdrucksenkend wirken.
Samstag, 24. Januar 2009
Aus Briefen an einen Klassenlehrer
Wie kann es sein, dass hier nicht in großem Umfang die Menschen auf die Barrikaden gehen und eine Wende herbeiführen? Menschlichkeit muss doch als Wert immer gelten; sie ist doch der einzig mögliche Maßstab für all unser Tun. Man kann sie doch nicht nur für Kinder in der 3.Welt oder für die Tiere fordern. Wir brauchen sie doch täglich für unsere Kinder. Was treibt uns dazu das alles einfach hinzunehmen?
Briefe von unglücklichen Eltern und Kindern der öffentlichen Regelschule:
Hier zunächst aus einer ärztlichen Bescheinigung:
„Es bestehen große Schulprobleme...Gleichzeitig beschrieb der Junge psychosomatische Beschwerden wie Bauchschmerzen und Angstgefühle ...Er ist ein organisch gesundes, hochbegabtes Kind....Der Auffälligkeiten wegen in den Bereichen Prüfungsängste, Alltagsängste, Schulunlust sowie der manifesten depressiven Grundstimmung habe ich die Konsultation eines Kinderpsychiaters empfohlen...“
„seelisch angeschlagen, großer Druck von außen durch Schule und Klassenkameraden...“
„Körperliche und seelische Belastung durch die Schule...“
Weiterlesen:
„Stressbedingtes häufiges Kranksein....will immer gut sein, alles gut machen und macht sich einen viel zu großen Druck bei den immer häufiger werdenden Arbeiten, Tests, er kann dann nicht schlafen. Geht mit Bauchschmerzen in die Schule, er wird daraufhin krank, reagiert mit Asthma. Hat immer weniger Lust zur Schule zu gehen. Wenn wir jetzt schon beobachten, was der Stress auslöst, denken wir mit großen Sorgen an die weiterführenden Schulen, wo es ja bekanntlich noch viel auszehrender wird!!
„..zu großer Druck auf die Kinder, offensichtliches Desinteresse der Lehrer ..“
„ er (ist) dem Leistungsdruck in seiner Schule kaum mehr gewachsen. Durch das schlechte Lernklima in seiner Klasse tritt (er) immer lustloser seinen Gang in die Schule an, so dass er nur mit viel Überredungskünsten und Tränen zur Schule geht.
Sonntag, 18. Januar 2009
"Wenn die Abweichung von der Norm zur Störung wird" (ADHS)
Dass man das Verhalten von Kindern medikamentös steuert, gehört zu den einschneidensten Neuerungen in Pädagogik und Medizin in den letzten Jahrzehnten.
Die Verabreichung von Medikamenten in diesem Zusammenhang ist ein schwerwiegender Eingriff in das Wesen eines Kindes.
Man kann schwerlich direkt verstehen oder erklären, was durch diese chemischen Substanzen (z.B. Ritalin) in den Kindern geschieht. Deshalb möchte ich versuchen, es mit einem Vergleich darzustellen:
Der Bauer stellt fest, dass auf seinem Felde übermäßig viel Unkraut wächst. Er weiß sich nicht zu helfen. Nun wird ihm nicht von den Fachleuten geraten, dass er eine Hacke nehmen und sich gefälligst an die Arbeit machen solle, um das Unkraut zu beseitigen. Nein, man sagt zu ihm, er müsse ein Dach über das Feld bauen, damit es möglichst dunkel wird und er würde schon bald feststellen, dass kein Unkraut mehr wächst.
Die Fachleute hatten recht, es wuchs bald kein Unkraut mehr. Aber auch kein Weizen.
Da es sich bei dem Verhalten von Kindern in Wahrheit um seelisch-geistige Vorgänge handelt, bemerkt man leider die Folgen der Verabreichung dieser chemischen Substanzen nicht. Man merkt nicht, dass man die im Menschen-Inneren strahlende Sonne der Ich-Kraft gleichzeitig mit auslöscht und dem Kind für die Zeit der Verabreichung alle wirklichen, Ich-haften Entwicklungsmöglichkeiten nimmt.
Aber dieser Gesichtspunkt entzieht sich dem Verständnishorizont heutiger Wissenschaft. In Wahrheit muss Erziehung und Unterricht das Ich des Kindes erreichen, es wecken, stärken und ernähren. Dann beginnt dieses Ich aktiv zu werden und kann selbst - wenn auch auf einer Ebene, die sich dem Bewusstsein zunächst entzieht - eingreifen in die Psyche, die Seele, den Leib und kann die Maßnahmen ergreifen, die ein Mensch für die Gestaltung eines vernünftigen Lebensweges braucht.
Wenn die Abweichung von der Norm zur Störung wird
- WELT ONLINE
Von Wieland Freund 18. Dezember 2008, 01:52 UhrNach dem Tod eines 16-Jährigen stellt sich die Frage: Wird mit AD(H)S eine Krankheit konstruiert?Skandal oder kein Skandal? .... ein 16-Jähriger aber hat sich im Dezember 2005 tatsächlich umgebracht. Er war nach "Frontal"-Recherchen wegen psychischer Erkrankungen mit Strattera behandelt worden - die Suizidalität dieses Medikaments ist seit Jahren bekannt. Ist das ein Medienskandal? Ein Fall von öffentlich-rechtlichem Alarmismus?
Der GEK-Arzneimittelreport spricht dagegen. Ihm zufolge wird in der Gruppe der Elf- bis 14-Jährigen mittlerweile mehr Geld für ADHS-Medikamente als für Erkältungsmittel ausgegeben. 400 000 Mal sei die Diagnose ADHS in Deutschland bisher gestellt worden, heißt es. Eine andere Quelle besagt, etwa jedes 20. Kind sei betroffen. Sind Aufmerksamkeitsdefizite (AD) und Hyperaktivität (das H in ADHS) die Reaktion der Kinder auf eine überreizte, hyperaktive Welt und damit eine Zivilisationsstörung? Oder ist ADHS womöglich ein gesellschaftlicher Virus - von der Informationsgesellschaft übertragen wie die Schlafkrankheit von der Tsetsefliege? Wohlgemerkt: Das "Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom mit oder ohne Hyperaktivität" wird nicht im Labor, sondern durch Fragebögen diagnostiziert, die für ein und dasselbe Kind - je nachdem, wer die Bögen ausgefüllt hat, Eltern, Lehrer oder Erzieher - zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen führen können. ADS beginnt somit da, wo die Abweichung von einer Verhaltensnorm groß genug scheint, um als Verhaltensstörung gelten zu können. Die Norm selbst allerdings ist, anders als ein Blutwert, nicht absolut, sondern eben relativ - das Ergebnis einer gesellschaftlichen Setzung. Wenn aber jedes 20. Kind als verhaltensauffällig oder verhaltensgestört gilt, liegt dann nicht der Verdacht nahe, dass nicht oder nicht allein die Kinder sich verändert haben, sondern vor allem die Norm eine andere ist?
Die Mainzer Sonderpädagogin Claudia Roggensack spricht in ihrem Buch "Mythos ADHS" von der "Konstruktion einer Krankheit". In einer Zeit "relativ hoher gesellschaftlicher Toleranz von Medikamenten als einfachsten Mitteln zur Problemlösung" scheine es naheliegend, schreibt sie, "eine vermeintliche Abweichung von gesellschaftlich erwünschten Normen auf unproblematische Weise zu regulieren." Das allerdings setze voraus, dass die Abweichung den Status einer Krankheit erhalte. "Denn erst das Vorhandensein einer klar diagnostizierbaren Krankheit erlaubt die Behandlung mit entsprechend medikamentösen Mitteln. Ist aber erst einmal abweichendes Verhalten generell zur Krankheit stilisiert worden, so wird man unschwer aller Orten auf diese Krankheit stoßen." Dem "Deutschen Ärzteblatt" zufolge stieg der Verbrauch von Methylphenidat - besser bekannt als das Psychopharmakon Ritalin - allein zwischen 1993 und 2001 von 34 auf 639 Kilo.
Wie viele der zu einem solchen Mengenverbrauch nötigen Rezepte aber sprechen die Sprache jener "anderen Art des Wahnsinns", die der Philosoph Michel Foucault beschrieben hat - "dieser anderen Art, in der die Menschen miteinander in der Haltung überlegener Vernunft verkehren, die ihren Nachbarn einsperrt, und in der sie an der gandenlosen Sprache des Nicht-Wahnsinns einander erkennen"?
Selbst die "Süddeutsche Zeitung", eigentlich doch einem Medienskandal auf der Spur, gesteht ein, dass die Hälfte der fast 400 000 ADS-Diagnosen in Deutschland nicht belegt ist. Das macht 200 000 auf Verdacht diagnostizierte, zum Teil schwer medikamentierte Kinder und Jugendliche. Ist das Doping für die Bildungsrepublik? Wird "Ritalin oder nicht?" zur elterlichen Gewissensfrage - so wie die auf Spielplätzen vorgetragene irrwitzige Dichotomie der Erziehungsziele "Charakter" oder "Karriere"?
Der Mentalitätswandel scheint radikal. Nach 1945 machte eine gewisse Pippi Langstrumpf Karriere, eine, wie Astrid Lindgren, schreibt, "umtriebige Natur", die weder rechnen will noch rechtschreiben kann, "Plutimikation" sagt und "WAS IR WOLT" meint. Die Ur-Pippi war aus dem Geist des experimentellen Nonsens der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geboren und wurde mit der Kulturrevolution der Sechziger- und Siebzigerjahre zur Ur-Figur kindlicher Freiheit. Heute bekäme eine reale Pippi wohl Ritalin verschrieben - so wie auch Tom Sawyer, Winnie Puhs quirliger Freund Tigger und der berühmte Zappelphilipp aus Heinrich Hoffmanns "Struwwelpter".
Hoffmann übrigens, zu Zeiten der antiautoritären Bewegung verschrien, war Nervenarzt. Dennoch traute er den Kindern die Fähigkeit zur Einsicht und den Eltern den Willen zur Erziehung zu. "Seht, ihr lieben Kinder, seht, / Wie's dem Philipp weiter geht", heißt es im "Struwwelpeter". Vor einer Generation galt dergleichen noch als Raubein-Pädagogik. Heute müsste Hoffmann beinahe als Kümmerer und Erziehungsoptimist gelten, der statt des Pillendöschens den Zeigefinger schwingt.
Keine Frage: Die Nöte von Kindern und Eltern sind real. Nagende Unsicherheit, zerbrochene Familienstrukturen, enge Räume, schnelle Wechsel, grelle Reize und eine in ihrer Komplexität kaum noch überschaubare Gesellschaft machen ihnen schwer zu schaffen.
Sonderpädagogin Claudia Roggensack spricht in diesem Zusammenhang von einer "großen Erziehungsunsicherheit" der Eltern, zu der die antiautoritäre Bewegung auch noch beigetragen haben mag. Und dennoch: Nicht die vielleicht zweifelhafte Recherche eines Fernsehmagazins, sondern 400 000 ADS-Diagnosen sind der Skandal. Denn ADS wird nicht wie die Schlafkrankheit übertragen, sondern eher wie die "weibliche Hysterie" in den Anfängen der Frauenbewegung.
Sonntag, 11. Januar 2009
Computer-Kinder
Aus: The Economist (Großbritannien),
02.01.2009
In einem sehr interessanten Artikel geht es um die "Generation Net" und nicht zuletzt darum, welche Schwierigkeiten die älteren Chefs mit der nachdrängenden Netz-Generation haben: "Die Netz-Generation ist mit Computern aufgewachsen; die 'Generation Net'ler sind voller Selbstvertrauen; und sie finden nichts dabei, hergebrachtes Wissen in Frage zu stellen und eigene Lösungen zu suchen; sie begreifen Arbeit eher als einen Weg zu persönlicher Erfüllung denn nur zum Broterwerb. Das macht den Umgang mit ihnen nicht immer einfach. Chefs beschweren sich, dass die Angehörigen dieser Generation als Kinder immerzu umhegt und gelobt worden sind und jetzt viel öfter Feedback verlangen und die ganz genauen Bedingungen zum beruflichen Aufstieg kennen wollen (ungefähr so wie beim Vorankommen in Computerspielen)."
Quelle:http://www.perlentaucher.de/magazinrundschau/2009-01-06.html
Samstag, 10. Januar 2009
Formales, statt Lebendiges
Alles, was sich dazwischen stellt, was diesen Lebensstrom hemmen will, was diesem Maßstab nicht gerecht wird, versuche man mit heftigster Kraft auszumerzen.
Wo es gilt, eine äußere Form oder Regelung zu erfüllen, stellt sich die ernste Frage, ob man dabei noch dem Kind und auch der Sache wirklich gerecht wird.
Sogar manche gut gemeinte Regeln einer Schulordnung neigen im Leben zu Erstarrung.
Mit jeder neuen Schülergeneration verschärft sich die Frage, wie weit jungen Menschen mit ihren weit fortgeschrittenen Bewusstseinskräften starre, traditionelle Regelungen noch zu vermitteln sind. Man mag sich noch einige Zeit auf Gesetze oder Rechte, Vorschriften usw.berufen, aber innerlich errötet die Seele, aus Scham über viele lebensfremde Vorgänge.
Heftigsten Schmerz wird man verspüren, wenn etwas auftaucht, was nicht in Wahrheit dem Kind und seiner Entwicklung dient, was nicht der Liebe zum Kinde entsprossen ist.
Verdrängung
Das Kind geht trotz vieler Misserfolge gerne zur Schule, läuft fröhlich durch die Welt und meint von sich, dass es im Grunde doch alles könne.
Im Gespräch stellte man fest, dass das Kind ein Meister der Verdrängung sei. Es habe richtiggehend Techniken entwickelt, um Arbeit zu vermeiden. Die Lernrückstände würden so immer größer. Seine Einstellung sei ein Schutz und bewahre ihm so noch immer eine recht glückliche Kindheit.
Die Haltung der Erwachsenen bei diesem Gespräch erschien souverän und gefasst. Man hatte die Sache analysiert und blickte auf das Kind, als hätte es ein besonderes Problem, das man nicht befürworten könne und wo man Abhilfe schaffen müsse.
Auf der Heimfahrt nach diesem Gespräch blickte der Schreiber dieser Zeilen auf das Gespräch zurück und begann immer nachdenklicher zu werden. Zeigte sich an dem Kind nicht eine Angelegenheit, in der wir alle schon Lebensmeister geworden waren: Verdrängung. Wer blickt denn den Aufgaben, die ihm das Leben, der Beruf, die Familie usw. in Wirklichkeit stellt, wachen Sinnes ins Auge? Haben wir nicht auch Wege entwickelt, relativ glücklich zu leben, ohne dass wir viele Dinge anpacken würden, die wir längst hätten bewältigen müssen? Haben wir mit dem Jahreswechsel, das Klassenziel des letzten Jahres erreicht, oder sind wir in Wirklichkeit doch nicht viel weiter, als wir es ein Jahr zuvor waren ?
Mir fiel es wie Schuppen von den Augen. Das Kind, bzw. das Gespräch hatte mich wieder einmal tüchtig belehrt!