Dienstag, 30. November 2010

"Jahresarbeiten"

Unbedingt bedacht werden müsste einmal der pädagogische Wert der "Jahresarbeiten"; besonders in der 8.Klasse:
Wie viele Schüler bewältigen das gut und wie viele sind damit völlig überfordert, so dass die Eltern einen großen Teil der Leistung erbringen?
Wie sieht es mit den gewählten Themen aus? Sind es im Sinne der Waldorfpädagogik wünschenswerte Themen und werden sie in der wünschenswerten Weise ausgearbeitet und vorgetragen?
Wird nicht oft der Ehrgeiz und der Egoismus der Schüler unterstützt? Sie machen etwas für sich, was sie sich vielleicht schon lange wünschten?
Wieviele Arbeiten werden letztendlich doch in einer ganz kurzen Zeit angefertigt und reifen und entwickeln sich nicht wirklich?

Man blickt auf gute Einzelleistungen, die einen beglücken; aber wie ist es mit der Gesamtheit einer Klasse?

Ist nicht das Klassenspiel eine ausreichende "Jahresarbeit? Dazu noch eine gemeinschaftliche?

Man kennt dann auch gleich die Antworten, die kommen: Es ist wichtig und schön, dass die Kinder einmal eine selbstständige Arbeit durchführen, usw. Wie aber ist das durch die Menschenkunde abgedeckt? Wie ist die Entwicklung der Seelenglieder gegen Ende des zweiten Jahrsiebts? Wie bringt man das alles miteinander in Einklang?

Ich habe noch nie an keiner Schule eine befriedigende Vorstellung der 8.Klass-Arbeiten erlebt.

Im Rundbrief der Pädagogischen Sektion Michaeli 2010 schreibt Christoph Wiechert ("Die pädagogische Praxis der Waldorfschulen") im Anschluss an seine Ausführungen zu den 12.-Klass-Arbeiten:


"Bei diesem Thema kann einem die Frage kommen, was ist die pädagogische Relevanz, was ist die pädagogische Redlichkeit, solche Arbeiten auch an das Ende des achten Schuljahres zu legen? Wie ist das Verhältnis von Lernen zum Event? Welcher pädagogische Gewinn liegt in einer Abschlussarbeit eines Achtklässlers...? Wie ist diese Idee entstanden? Im allgemeinen Sog, früh etwas zu tun, was für später vorgesehen war?
Auch hier sind nicht reflektierte Gewohnheiten entstanden, die der pädagogischen Selbstberatung harren. Sehen wir einen Gewinn, eine Zunahme an Selbstständigkeit, sehen wir wirkliche Originalarbeiten oder ist es Abgeschriebenes aus Wikipedia im Internet?"

Montag, 29. November 2010

Die Kinder morgens würdig empfangen

Wenn man zuhause Gäste erwartet, dann bereitet man die Wohnung so vor, dass die Gäste sich wohl fühlen können, wenn sie kommen.

An der Freien Waldorfschule Hannover wurden, wie ich gelegentlich hörte, früher die Kinder an der Schulhaustüre alle von einem Lehrer mit Handschlag begrüßt, wenn sie morgens kamen.

Ein Epochen-, Fach oder Klassenlehrer greift diese Geste in freier Weise auf und überlegt, wie er die Kinder morgens möglichst würdig empfängt. Dazu wird er vor den Kindern im Klassenraum sein. Erfahrungsgemäß muss er dafür mindestens 15 Minuten früher da sein.

Viele Kinder kommen auch noch früher, z.B. weil ihre Eltern auch schon sehr früh zur Arbeit müssen. Sie sollten möglichst nicht vor einem verschlossenen Schulhaus länger stehen müssen. Dafür bräuchte es eine Art Frühdienst: Ein Lehrer, der so früh da ist wie die frühesten Kinder. Das gibt den Kindern und Eltern ein sichereres Gefühl.

Die Zeiten, wo man Kinder vor verschlossenen Türen bis knapp vor Schulbeginn warten lässt, sind vorbei.

Sonntag, 28. November 2010

Das geistige Gegengewicht gegen den Materialismus

Die Schüler leben in zwei Welten. Die eine Welt ist das Leben außerhalb der Schule, die andere ist die Schule selbst. Es war nie die Intention Rudolf Steiners, dass der Lehrer die Aufgabe habe, auf das Leben außerhalb der Schule entscheidend einzuwirken, auch wenn er vieles nicht gut finden kann. (Das kann er mehr als Privatsache betrachten.)

Er wollte, dass die Waldorfpädagogik, den Kindern neben den normalen Lernzielen das mitgäbe, was ihnen das Leben draußen nicht geben könne. Es sollte in den Schulen eine Art Gegengewicht gegen die materialistische, geistlose Welt draußen gebildet werden.

Dem Materialismus solle das Geistdurchdrungene entgegengestellt werden. So erhalten die Kinder in der Schule für ihre Seelen die Nahrung, die ihnen das Leben draußen überwiegend nicht geben kann. So können sie sich gesund entwickeln.

Auch wenn es in den Schulen Anforderungen gibt, die von außen aufgezwungen werden (Prüfungsanforderungen), so kann der Waldorflehrer immer auch diese Anforderungen durch seinen anthroposophisch und menschenkundlich geschulten Geist veredeln, verwandeln oder eben immer etwas Lebendiges daneben stellen. Schon seine sich ständig verwandelnde Persönlichkeit wird dem Schüler bei dem trockensten Stoff etwas mit auf den Lebensweg geben können.

Donnerstag, 25. November 2010

Zur Impffrage: Mumps

Nun ist es wissenschaftlich offiziell: "Mumps schützt wirklich vor Eierstockkrebs". So lautet die Überschrift eines Artikels in der FAZ vom 24.Nov. 2010, Seite N2 .
Nachdem wohl frühere Untersuchungen noch nicht beweiskräftig genug waren:
"Nach einer durchgestandenen Mumpserkrankung verringert sich für Frauen deutlich das Risiko, im späteren Leben an Eierstockkrebs zu erkranken (West R., Cancer 1966, 19:1001-1007). Auch andere Krebsarten sind nach einer Mumpserkrankung seltener (Albonico H.U., Med Hypotheses 1998, 51(4):315-320). Mumps in der Kindheit senkt ausserdem die Wahrscheinlichkeit im späteren Leben an Multiple Sklerose zu erkranken. (Kesselring, J. Schweiz Med Wochenschrift 1990, 120:1083-1090)."
Mal sehen, was weitere Untersuchungen wohl noch bringen werden. Vielleicht muss man bald die Wirkungen von Impfungen ganz anders beurteilen und die Kinderkrankheiten kommen wieder zu ihrem Recht.


Kommentare:


earthwitch hat gesagt…
Ich beurteile die Wirkung von Impfungen tatsächlich ganz anders und bin damit nicht allein. Wir verteufeln Dinge viel zu früh. Das auch Krankheiten ihren Sinn haben könnten, kommt der modernen Medizin nicht unbedingt in selbigem. Persönlich glaube ich auch, dass es gerade beim Impfen hauptsächlich wirtschaftliche Interessen sind, die das Reagenzglas am Brodeln halten. Die Homöopathie ähnelt dem Impfgedanken, verzichtet aber auf das Einbringen bedenklicher Substanzen in den Körper. Wirklich bedauerlich ist, dass Eltern wirklich mit ihrem Gewissen ringen, wie sie es nun richtig machen und vielleicht auf bitterem Wege erfahren, das ihre Entscheidung (ob nun für oder gegen) richtig war, vielleicht sogar nie...

Mittwoch, 24. November 2010

Die unbraven Kinder

Was dem Lehrer das Leben schwer macht, das sind die nicht-braven Kinder. Der Lehrer liebt und wünscht brave Kinder. Die unbraven Kinder stören seinen Unterricht. Sie stören seine Pläne und Vorhaben.

In diesen Kindern aber offenbart sich das wirkliche Leben. Die "Störung" ist das eigentliche Lebenselement des Unterrichts. Nie kann der Lehrer mit dem, was er tut, völlig richtig liegen. Die Korrektur kommt durch die Schüler. Sie kommt durch die unbequemen Schüler.

Weise ich alles zurück, was mir nicht passt, dann kann ich mich als Lehrer nicht entwickeln. Die innere, konstruktive, positive Auseinandersetzung mit den Störelementen, bringt mich weiter. Durch sie nähere ich mich der neuen Geisteswelt der Kinder an.

Jede Störung, jeder Zwischenfall will mir etwas sagen, will mich belehren. Mache ich etwas Gutes daraus, dann erlöse ich die negative Situation und verwandle sie und damit auch den Anteil des Schülers daran in etwas Gutes.

Humorvoll ausgedrückt könnte man sagen: Unterricht ohne Kinder wäre viel einfacher.

Sonntag, 21. November 2010

Zur Stimmung des Lehrers den Kindern gegenüber

Man möge einmal die Situation des Lehrers in Bezug auf seine Klasse vergleichen mit derjenigen eines Vaters oder einer Mutter den eigenen Kindern gegenüber.

Man stelle sich vor, das eigene Kind war einige Stunden nicht zu Hause und es kommt zurück. Welch eine Freude, welche eine Begeisterung, welch ein Ausdruck elterlicher Liebe.

Etwas davon möge der Lehrer täglich neu in sich erwecken, wenn er z.B. morgens die Kinder empfängt. Er wird dabei äußerlich natürlich Zurückhaltung walten lassen, aber innerlich darf er umso bewusster die Freudegefühle erwecken.

Die Kinder, die Schüler sehnen sich nach dieser inneren Form der menschlichen Beziehung.

Donnerstag, 18. November 2010

Termine und Planungen

Termine und Planungen kann man nicht einfach verschieben oder willkürlich verändern.

Die Menschenseele verbindet sich mit Planungen und Verabredung in einer viel tieferen Weise, als man das mit dem oberflächlichen Bewusstsein ahnt.

Seelisch bereitet man sich unbewusst auf alles vor, was der nächste Tag oder die nächsten Tage bringen werden.

Mit einer Verabredung ist eine geistige Tatsache in die Welt gesetzt, die einer unbedingten Einhaltung bedarf. Die Verabredung eines Termins oder einer Planung ist wie ein Versprechen, das man sich gegenseitig gibt.

Veränderungen in diesem Ablauf verwirren und schwächen die menschlichen Seelen.

Es müssen schon sehr starke äußere Einwirkungen oder Notwendigkeiten vorliegen, die einen zwingen, einen Termin oder eine Tagesordnung zu ändern.

Termine immer mit einer ganz exakten Zeitangabe ausmachen; möglichst nicht als Zeitraum angeben: z.B. zwischen 13 und 14 Uhr.  Die Seele findet dann in dem ganzen Zeitraum doch keine Ruhe und Konzentration für eine andere sinnvolle Arbeit.

Auch durch Verspätungen wird eigentlich das ganze Versprechen empfindlich gestört. Ein fruchtbares Gespräch ist wohl kaum mehr zu erwarten.

Mittwoch, 17. November 2010

Pünktlicher Beginn

Ein Gespräch oder eine Konferenz kann nur pünktlich beginnen, wenn alle schon eine ausreichende Zeit vorher da sind.
Ist ein Gesprächstermin um 11 Uhr und die Eltern kommen - wenn man Glück hat - etwa genau um 11 Uhr, dann verzögert sich der eigentliche Beginn des Gesprächs unnötig.

Noch drastischer wird es bei Treffen mit mehreren Menschen, z. B. bei einer Konferenz. Hier gibt es so viele Begrüßungs-Notwendigkeiten, so viel mitzuteilen, dass eine Konferenz niemals pünktlich beginnen kann, wenn nicht alle ein wenig früher kommen.

Für einen ordentlichen, ruhigen, konzentrierten Konferenzbeginn müssten nach meiner Erfahrung alle Teilnehmenden 10-15 Minuten vor dem Termin eintreffen.

Also "unpünktlich" in solchen Zusammenhängen ist man in Wahrheit schon, wenn man auf die Minute im Raum erscheint.
Eine Vorlaufzeit muss persönlich eingeplant werden.

Kürzlich nahm ich an einer Klassenkonferenz teil. Wir waren zu dritt, als die verabredete Uhrzeit erreicht war. Nach und nach, z.T. ohne Entschuldigung, trafen dann weitere Kollegen ein. Scheinbar nimmt man die Dinge auch nicht so sehr wichtig.

Aus dieser Erfahrung heraus gab es an der Uni immer den Vorlesungsbeginn z.B. 8.00 Uhr c.t.; d.h. um 8.15 Uhr.

Dienstag, 16. November 2010

Telefonieren

Durch eine Anregung von Tiki Küstenmacher (Simplify your life) möchte ich doch einmal auf das Thema Telefonieren z.B. unter Kollegen eingehen.

Man bekommt einen Anruf und man weiß, dass der Anruf einem wichtigen Anliegen dient. Nun handelt es sich um einen sehr höflichen, rücksichtsvollen Kollegen, der zunächst einmal fragt, wie es einem denn ginge, und er beginnt über eine nebensächliche Sache zu sprechen. Später kommt er dann mit seinem eigentlichen Anliegen. Da man aber weiß, dass der Anruf eben nur diesem Anliegen dient und nicht der Nachfrage, wie es einem ginge,  kann man während des Vorgeplänkels keine so rechte Freude empfinden.
Deshalb sollte hier folgende Regel gelten:
_______________________________________________________________
Nun das Zitat von Tiki Küstenmacher, Braunschweiger Zeitung, Mo. 15.11. 2010:

Zur Sache bitte!
Nehmen Sie Ihren Gesprächspartner am Telefon als Menschen wahr - aber bitte nicht à la:"Wie geht's denn so?" Kommen Sie nach einem kurzen Gruß sofort zur Sache. Wenn dann noch Zeit ist, können Sie sich kurz über Privates unterhalten....

Montag, 15. November 2010

Konferenzarbeit II

Man wird sicher manche pädagogische Konferenz-Arbeit durchführen, wo es nicht auf ein konkretes Ergebnis ankommt. Aber es wird viele, auch allgemein-pädagogische Themen geben, wo man stark auf Ergebnisse sehen sollte. Man arbeitet z.B. über Temperamente oder über großköpfige und kleinköpfige Kinder, da sollte die Konferenzleitung immer darauf sehen, dass hinterher etwas Ergebnisartiges zusammengefasst wird. Hier sollen die Konferenzteilnehmer wie Schüler richtig etwas lernen. Sie sollen z.B. in der nächsten Konferenz alle wesentlichen Aspekte der 4 Temperamente auswendig wiedergeben können. Solche Dinge sollten wie das Einmaleins mit Klarheit und Sicherheit gewusst werden.

Das ist das Mindeste. Eigentlich sollten die Dinge sogar verdaut werden und in der nächsten Konferenz sollten sogar neue Ideen aus den Kollegen sprießen, wie die frische Saat aus dem Acker. Die eine Konferenz sät, die nächste betrachtet die neuen Sprosse.

Wenn aber alles im Freiwilligen bleibt, bleibt es im Unverbindlichen, im Beliebigen und man kann im Kollegium keinen Erkenntnisfortschritt erleben. Der Geist vieler Kollegen bleibt in der Konferenz passiv.

Auch bei anderen Konferenz-Gesprächen versuche man zielorientiert immer auch das kleinste Ergebnis, das man festhalten kann, gemeinsam zu formulieren oder die Leitung formuliert es für alle.

Samstag, 13. November 2010

Vorbild sein

ZITAT:
"Rubrik: KUNST DES LEBENS -Braunschweiger Zeitung - 12.11.2010
Was Sie Ihrem Kind sagen, hat viel weniger Wirkung, als was Sie ihm vorleben. Ihr Kind erfasst dabei nicht nur, wie Sie sich ihm gegenüber verhalten, sondern es beobachtet auch Ihr Verhalten anderen gegenüber. Leben Sie Ihrem Kind  Ehrlichkeit vor, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Familie. Verlangen Sie von dem Kind keine Alltagslügen.
Tiki Küstenmacher"

Freitag, 12. November 2010

Widersprüchliches Verhalten

Die Menschen verhalten sich widersprüchlich. Man wird erleben, dass manche Menschen, die viel über gesunde Nahrung reden, dennoch auch bei Aldi einkaufen. Dabei wird ihnen das Widersprüchliche nicht bewusst. Sie denken weiterhin, dass sie sich im Grunde treu an ihre Ideen halten würden.

Bei allen Diskussionen und Gesprächen muss man wissen, dass man zunächst meist nur auf einer ganz oberflächlichen Ebene spricht. Das Gespräch bewegt sich in Konventionen und Phrasen. Auch manche Forderungen, die Eltern verbal an die Schule stellen, bewegen sich zunächst meist auf diesem Niveau: Die Schule brauche mehr Transparenz, es müsse mehr Kommunikation geben usw.

Folgt man unmittelbar den Forderungen, ohne darüber nachzudenken, welch tieferer Sinn, welch tiefere, unausgesprochene Sehnsucht hinter den berechtigten Wünschen der Eltern steckt, dann wird man Gefahr laufen, große Fehler zu begehen.

Z.B. findet man dann jede Menge lange Berichte über alle möglichen Sitzungen in den Schulmitteilungen. Um dann mit der Zeit doch nur festzustellen, dass kaum einer diese Berichte liest.

In allen Menschen der Gegenwart stecken tiefere, große Sehnsüchte. Dafür finden sie vorwiegend aber keine passende verbale Ausdrucksmöglichkeit. Antworten und Lösungen auf diese Sehnsüchte, Hoffnungen und Erwartungen kann aber die vertiefte Anthroposophie oder Waldorfpädagogik geben.

Man wird also die Meinungs-Äußerungen immer sehr ernst nehmen, bei den Lösungsvorschlägen aber immer zurückhaltend sein und selber nach den geeigneten Lösungen suchen müssen. Meist braucht es dafür ein längeres, vielleicht sogar meditatives Nachdenken.

Die Widersprüchlichkeit der verbalen Äußerungen und der tatsächlichen Wünsche schildert ein Werbefachmann, Clotaire Rapaille in „Brand eins“, Nr.11 - 2010 so:
„ Marktforschung ist absolut wichtig. ...Die Frage ist nur: Können wir wissen, was die Leute wollen, indem wir sie danach fragen? ...Cadillac ...hat versucht, ein Auto nach den Kundenwünschen zu bauen. Dabei ist ein Kleinwagen herausgekommen – genau so, wie es die Leute wollten. ... Das Ding hat niemand gekauft.“

In die größten Irrtümer läuft man hinein, wenn man z.B. in einer Einrichtung des Freien Geisteslebens, einer Waldorfschule das System von Meinungsumfragen anwendet. In einer Waldorfschule wird es immer möglich sein, mit den Eltern zu sprechen. So kann man sich in sie hineinfühlen und ihre tieferen Anliegen erspüren.

Trotz dieser Tatsache, ist mir bekannt, dass es Waldorfschul-Berater gibt, die Schulen eine Meinungsumfrage empfehlen und dies wird auch noch als eine Maßnahme zur Qualitätssicherung betrachtet. Diese Umfrage soll auch noch anonym zu Hause am Computer stattfinden. Hier soll jede menschliche Beziehung ausgeschlossen werden.

Donnerstag, 11. November 2010

Konferenzarbeit I

Viele Lehrer sitzen viele Stunden in vielen Konferenzen.
Vieles wird besprochen, mitgeteilt und geregelt.
Aber findet eine wirkliche Arbeit statt? Diese Frage sollte man sich immer wieder stellen; gerade, wenn es nicht um unmittelbar praktische Regelungen von Alltagsproblemen geht.
Wird durch die Konferenzarbeit etwas Neues geschaffen oder nicht?

Wenn die pädagogische Arbeit am Werk Steiners hinterher nur Ratlosigkeit zurücklässt, weil man vieles nicht versteht oder die Ansprüche als zu hoch empfindet, dann erwachen in den Lehrerseelen auch nicht die Kräfte, die sie für den Unterricht brauchen. Wenn es einige Kluge gibt, die die Inhalte erklären, darüber vielleicht sogar vorbereitete Referate oder Vorträge halten, aber doch im Gedanklichen bleiben oder gleich die handfesten praxisbezogenen Beispiele geben, dann erweckt das auch nicht die individuellen Impulse, die man eigentlich braucht.

Weder das Intellektuelle noch das Praktische darf im Vordergrund stehen. Die Gedanken Steiners müssen durch das Gefühlsmäßige in den Seelen zu wirken beginnen und dann nach und nach die Ideen für die Unterrichtspraxis in den einzelnen Lehrerseelen hervorbringen.
Die Verantwortlichen in einer Schule müssen das Konferenzgespräch so führen, dass Empfindungen entstehen, durch die die Gedanken Steiners sich mit den Seelen aller Lehrer verbinden können. Eine Hilfe sind immer lebendige, gefühlsdurchdrungene Bilder.

Wenn das nicht gelingt, dann wird es an immer weniger Schulen überhaupt noch eine pädagogische Arbeit an den Werken Steiners geben.

Mittwoch, 10. November 2010

Sinnvolle Lebensprozesse oder Bürokratie ?

In Waldorf- oder in anthroposophischen Zusammenhängen sollte man sehr bewusst ein Gefühl dafür entwickeln, ob man systematisch, formal oder eben bürokratisch vorgeht oder eben ganz lebendig, kind- und lebensgemäß.

Es gibt äußere Zwänge, die zu einer bestimmten Bürokratie zwingen: z.B. das Führen eines Klassenbuchs.

Aber es gibt keine Vorschrift, wie die Mitteilungen von Eltern sein sollen, wenn ein Kind krank ist. Verlangt man grundsätzlich eine schriftliche Entschuldigung aus Prinzip und hebt diese auch noch auf? Formal und bürokratisch wäre es, wenn man sich später dann doch nicht mehr für die Mitteilungen interessierte. Ein sinnvoller Lebensprozess ist es, wenn man dann z.B. am Schuljahresende noch einmal alle Entschuldigungen hernimmt und über die Mitteilungen und dabei über das Kind quasi meditiert: Was wollen mir beispielsweise die Erkrankungen neues über das Kind mitteilen?...

Grundsätzlich gehört zur Waldorfpädagogik der weitgehendste Verzicht auf alles Formale, Systematische, Kategorisierende. Bei allem frage man nach dem sinnvollen Lebensprozess.

Gerade, wo nämlich die Kategorisierung und Systematisierung vom Kind durchbrochen wird, zeigt sich etwas von seiner Individualität.
Man kann ja nicht einmal von allen Kindern systematisch die gleiche Hausaufgabe erwarten.

(Ausnahmen vielleicht bei der Verteilung von Heften oder beim Einsammeln eines Geldbetrages. Hier lohnt sich eine übergroße, buchhalterische Genauigkeit, dass man keine Fehler macht. )

Man muss auch bei Elternabenden keine Anwesenheitslisten führen. Wer meistens nicht kommt, das weiß man sehr bald auch so. Und als Druckmittel machen diese Listen sowieso keinen Sinn; da sind die Eltern schnell immun.

Dienstag, 9. November 2010

Pädagogische Probleme

Aus den Konferenzen mit Rudolf Steiner, 15.3. 1922  - GA 300/2


"Eine Sprachlehrerin klagt über Schwierigkeiten im Englisch-Unterricht in der 7b.


Dr. Steiner: Diese Sache ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, wie der Klassenlehrer die Klasse am Bändel hat. Das wird den Vergleich herausfordern. Der weiß, was er will. Wenn sie den nicht hätten, sondern jemand anderen, so hätten Sie (die Sprachlehrerin) es leichter. Es ist bei ihnen ein gewisses unbestimmtes Wesen, es sitzen in den Gedankenformen der Kinder darinnen Ihre eigenen Gedanken. Das würde natürlich nicht in diesem Maße hervortreten, wenn Sie eine Kollegin hätten, wie Sie selbst sind. Der Klassenlehrer, der imponiert der ganzen Klasse, weil er selbst bei der Sache ist. Dieses schrecklich unbestimmt Lyrische, dieses Sentimentale, muß man sich abgewöhnen, wenn man in die Klasse hineingeht. ...


Die Klasse ist ein Spiegelbild unserer Gedanken. Sie müssen selbst bestimmter in Ihren Gedanken werden. Wenn ich in Ihrer Klasse darinnen wäre, würde ich es genau so machen. Ich würde ganz entschieden unartig sein. Ich kenne mich nicht aus. Ich weiß nicht, was Sie wollen. Man muß bestimmter denken. ...


Das ist die Kunst des Lehrers: Stark verwoben sein mit seinem Gegenstand und selbstlos verwoben sein mit seinem Gegenstand. Eigenschaften, die nicht häufig sind.


Die 7a ist eine anständige Klasse geworden, da kann man gut arbeiten. Die Fruchtbarkeit des Unterrichts hängt ab von der Totalität des Eindrucks, den die Lehrer auf die Kinder machen, nicht von kleinen Ungehörigkeiten oder Autoritätswidrigkeiten....


Von der Menschlichkeit des Lehrers hängt das Allermeiste ab."

Montag, 8. November 2010

Bankkredite für die Waldorfschule

Was im Beitrag über die öffentliche Schulfinanzierung (s.u.) geäußert wurde, das gilt auch für das Aufnehmen von Bankkrediten bei normalen Banken.
Da verwendet man ebenfalls Gelder, denen eine andere Intention anhaftet. Hier will der Geldgeber vielleicht nur, dass sein Geld möglichst großen Profit bringt oder dass es sicher angelegt ist. Vielleicht ist auch er in Wirklichkeit Gegner der Waldorfschule. So fließt auch diese Gegnerschaft hinein in die Mauern der Schulgebäude, die damit gebaut werden.

Das Geld für Investitionen der Waldorfschule muss von freundlich gesinnten Menschen stammen, wenn es Segen bringen soll.

s.a.Post: http://joveniden.blogspot.com/2010/11/der-wunsch-der-am-gelde-klebt.html

Kindermund

Fundstücke aus dem Internet:

Hier wird nur wirklich Gesagtes aus unseren Schulen (Gemeindeschulen Büllingen) veröffentlicht!
Am vorletzten Schultag soll auch die Klasse des 1. Schuljahres aufgeräumt werden. Fräulein fordert einen Jungen auf, das Buntpapier zu ordnen. Der prompt: "Fräulein, ich glaube ich bin nicht der Typ dafür!"


Beim Lesen des Morgengebets: "Wir bitten Dich für die Menschen, die sich nicht freuen können, weil sie unter Gewalt, Krieg und Unterricht leiden." (eigentlich Unrecht)


Der Lehrer erkundigt sich im Kindergarten:
"Wie geht es denn deinem Vater?"
Antwort: "Mein Vater ist ganz ungesund!"


Nach dem Crosslauf der Gemeindeschulen:
"Fräulein, ich war sogar schneller als die Japaner!"
"Die Japaner?" - "Na, die Schwarzen!"


Im Kindergarten hat sich ein neues Fräulein präsentiert, das mit den Kindern Französisch übt. Fragt die Mutter zu Hause:
"Und wie heißt das Fräulein?"
"Fräulein Bonscheratos!" (Eigentlich heißt sie Muller und hatte gesagt: "Bonjour à tous!")


"Ist dein Papa denn auch Lehrer?" - "Nein, der geht zur Arbeit!" (Kiga)


"Fräulein, meine Schraube ist los!" (Basteln im 2.)

Samstag, 6. November 2010

Hinaus in die Welt

Ein wichtiges Ziel von Erziehung überhaupt ist das Verbinden der Kinder mit der Welt. Sie sollen in vernünftiger Weise in die äußere Welt hineingeführt werden.

Kinder wollen und sollen sich mit der ganzen Welt verbinden können. Nicht nur mit Teilen der Welt. Sie kommen auf diese Welt und haben eine ungeheuere Sehnsucht, sich mit allen Fasern ihres Wesens in diese Welt hineinzustellen.

Sie können es nicht verstehen, wenn Erwachsene, ihnen Teile dieser Welt vorenthalten, weil sie sie als für das Kind schädlich beurteilen.

Die Familie stellt für diesen Prozess ein Übergangsstadium dar. Mit ihr ist das Kind zunächst auf ganz natürliche Weise verbunden. Ihren Schutzraum braucht und sucht es. Deshalb werden die Eltern alles tun, um einen altersgemäßen, warmen Familien-Innenraum zu pflegen. Von da aus aber will es dann in die Welt hinaus. Sobald der Drang, einen Welt-Gegenstand kennenzulernen, auftritt, ist es wichtig, dass die Eltern angemessen nachgeben und es zulassen.



Viele Eltern haben dabei Angst. Sie empfinden viele Elemente der Welt als etwas Feindliches. Sie versuchen, das Kind abzuhalten, in die Welt hinauszugehen. Das Kind aber soll vor nichts in der Welt Angst haben. Es soll freudig und mutvoll in die Welt hinauseilen.

Man kann diesen Ablösungs-Prozess nur leicht beeinflussen. Dem Streben des Kindes muss man doch zur rechten Zeit nachgeben. Weder ein zu frühes Loslassen, noch ein zu spätes ist gut. Bei jedem Kind ist der richtige Moment zu erspüren.

Jede Kinderseele ist in dieser Hinsicht wie ein Königssohn im Märchen, immer wieder kommt ein Tag, wo es das "Schloss" verlassen will.

Für die Eltern ist es bedeutsam, immer die rechte Begeisterung und Freude am Leben und der ganzen Welt dem Kind vorzuleben. Dann findet es kraftvoll seinen rechten Weg.

Donnerstag, 4. November 2010

Frontalunterricht

Aller wirklicher Unterricht ist Frontalunterricht. Der Lehrer als Unterrichtender zieht die Aufmerksamkeit der Kinder auf sich, um ihnen dann etwas zu vermitteln. Alles, was die Kinder an neuem Stoff lernen sollen, lernen sie zuerst nur durch die Vermittlung der Lehrerperson. Gerade, wenn man auf Schulbücher, vorkopierte Unterrichtsvorlagen usw. verzichtet, wie es zum Prinzip der Waldorfschule gehört. Dann spielt sich ein lebendiger Prozess zwischen Lehrer, Schüler und vielleicht auch Tafel ab.

Für weitere Übprozesse oder für ganz andere Unterrichtsvorgänge ist Frontalunterricht möglicherweise gar nicht nötig oder sinnvoll.

Die negativ belegte Phrase vom "Frontalunterricht" gehört zu den größten Angriffen gegen die berechtigte Autorität des Lehrers, gegen die Lehrerschaft generell und damit gegen das Prinzip der Autorität, welches gerade im zweiten Jahrsiebt, eine wahrhaftige Berechtigung und Notwendigkeit darstellt.



Sie - diese Phrase- negiert das Prinzip, dass das Lernen einen Prozess von Mensch zu Mensch darstellt. Dass da etwas Besonderes webt zwischen Lehrer und Schüler. Und sobald er ein Kind unterrichtet, geht es nur im Gegenüber, eben nur frontal. Der eine Mensch (Lehrer) steht dem anderen Menschen (Kind) gegenüber, er sorgt für es, er sorgt sich um es, er versucht ihm zu helfen, es zu fördern. Das muss überhaupt nicht kaschiert werden. Das ist berechtigt und sinnvoll. Lehren und lernen sind zunächst keine partnerschaftlichen Prozesse.

Dass der Lehrer sich dabei mit ganzem Herzen und ganzer Seele an seine Kinder hingibt und sich mit ihnen verbindet, steht über jeglicher Unterrichtsform und hat zunächst mit ihr gar nichts zu tun.

Mittwoch, 3. November 2010

Wo gehobelt wird, fallen Späne!

Ein Kind will immer das Gute und das Richtige.

Wenn es einmal etwas tut, was nicht gut oder richtig ist, so ist das niemals sein Wille. Es ist nur die mangelnde Möglichkeit, das Gute oder das Richtige perfekt auszuführen.

Vieles, was ungut ausgeht, liegt an überschäumender Entdeckerlust, Unternehmensfreudigkeit oder an einer anderen Leidenschaft.

Wenn die Kastanien vom Jahreszeitentisch durch mein Klassenzimmer segeln, wie könnte man das lebhaften, interessierten Kindern übel nehmen?

Alles muss angefasst oder ausprobiert werden von einem an der Welt interessierten Kind. Dass dabei manches zu Bruch geht, gehört zu den Notwendigkeiten des Lebens.

Nur den ganz Braven passiert wenig. Werden sie aber im Leben die rechte Tüchtigkeit erlangen? Man kann sich da Sorgen machen.

Um die Lausbuben wird man sich wenig Sorgen für das Leben machen müssen.

Ist das:Trial and Error? Oder learning by doing?

Dienstag, 2. November 2010

Erziehungsprobleme in Schule und Elternhaus

Originalzitate aus wissenschaftlichen Untersuchungen

Jeder kennt es, mit der heutigen Jugend ist es schlecht bestellt. Wie heftig klagen Industrie und Handel über immer mangelhaftere Kenntnisse der Jugendlichen, die in das Berufsleben eintreten. Das Klagen ist nicht neu.
Die Klagen lauteten schon in früheren Jahren so:

„Die Jugend achtet das Alter nicht mehr, zeigt bewusst ein ungepflegtes Aussehen, sinnt auf Umsturz, zeigt keine Lernbereitschaft und ist ablehnend gegen  traditionelle Werte“.

Vor allem die Autorität der Erwachsenen wird immer weniger anerkannt und alles andere als die Schule und das Lernen scheint den Kindern und Jugendlichen wichtig zu sein:

„Sie scheinen nur das Vergnügen zu lieben, haben schlechte Umgangsformen, verachten die Autorität, sind Erwachsenen gegenüber respektlos und verbringen ihre Zeit damit, in der Stadt herumzulungern und miteinander zu schwatzen. Sie widersprechen ihren Eltern, ... essen gierig und...“ nun folgt das Schlimmste von allem: „... tyrannisieren ihre Lehrer.“

Damit ist ein Hauptproblem, das das Erziehungssystem bewegt, angesprochen: Wie sollen die Lehrer in den Schulen mit einer solchen Jugend zurechtkommen? Man will es kaum glauben, aber es ist doch eine Realität, der man ins Auge blicken muss: „Der Lehrer fürchtet unter solchen Verhältnissen die Schüler und schmeichelt ihnen; die Schüler achten Lehrer und Erzieher gering.“

Erziehungswissenschaftler haben das Schülerverhalten empirisch untersucht und kamen zu folgendem Ergebnis: „Die Schüler kämen meistens ungern zur Schule und hielten sich dort nur ungern auf. Sie verwendeten ihre Aufmerksamkeit nur darauf, das Pausenzeichen  nicht zu überhören!“

 Anmerkung:
Das erste Zitat stammt aus dem alten Ägypten vor etwa viertausend Jahren; das zweite und dritte ist viel aktueller und stammt aus dem alten Griechenland vor knapp zweieinhalb Jahrtausenden. Und das vierte Zitat ist schon ziemlich zeitgenössisch, denn es stammt aus dem 18. Jahrhundert (n.Chr.!). Diese und noch viele andere Zitate kann man in dem Buch von Gustav Keller „Das Klagelied vom schlechten Schüler – Eine aufschlussreiche Geschichte der Schulprobleme“ , erschienen im Asanger-Verlag, finden.

D.C.

P.S. 
„Es blühte einst das Studium,
heut kehrt es sich ins Bummeln um.
Die Wissenschaft galt einst als Ziel
doch obenauf ist nun das (Computer-)Spiel.

Die Tugend schlug ins Laster um
und Arbeit ins Faulenzertum,
kurz alles, was geziemend heißt,
ist heut vom rechten Weg entgleist.


(Carmina burana, Anfang 13. Jahrhundert)

Montag, 1. November 2010

Der Wunsch, der am Gelde klebt

Zum letzten Artikel seien hier noch einige weitere Bemerkungen hinzugefügt.

Eine Einrichtung des freien Geisteslebens kann nur gedeihen, wenn sie von Geldern lebt, die von Menschen stammen, die diese Einrichtung befürworten können.
Geld ist geistig betrachtet nicht wirklich anonym oder neutral. An ihm kleben die Wünsche und Intentionen der Menschen, durch deren Hände es gegangen ist.

Nun gibt es in der Welt durchaus noch viele Menschen, die z.B.eine Freie Waldorfschule nicht befürworten können. Diese Menschen zahlen Steuern. Mit diesen Steuergeldern sieht sich der Staat nun gezwungen, auch die Freien Waldorfschulen zu unterstützen. Auch der Staat tut dies nicht, weil er diese Schulen befürwortet, sondern nur, weil ihn der Rechtsstandpunkt der Gleichbehandlung dazu zwingt.

So wird eine Waldorfschule durch Gelder gefördert, an denen ein gegenteiliger Wille klebt; ein Wille, der  diese Schule nicht will.

Dies ist äußerlich sinnlich nicht bemerkbar, doch geistig ungeheuer wirksam.
So muss ein Lehrerkollegium intensiv geistig meditativ daran arbeiten, diese negativen geistigen Wirkenskräfte zu überwinden. Sonst würde der gegenteilige Wille innerlich wirksam. Er würde beginnen die Waldorfpädagogik innerlich auszuhöhlen. Er würde sie unbemerkt immer näher an die allgemein anerkannte Pädagogik heranrücken.
 Es würde sogar ein heimlicher Wunsch entstehen, dass es nicht mehr so viel Gegnerschaft geben möge. Man würde beginnen sich mit dem öffentlichen Schulwesen zu vergleichen. Man würde sich freuen über Anerkennung und Zeitungsberichte.

Die letzten Reste einer wirklichen Pädagogik werden dann nur noch dadurch erhalten, dass es Eltern oder andere Menschen gibt, die mit Freude und Begeisterung auch materiell für den Erhalt ihrer Schule sorgen.

So gibt es merkwürdigerweise eine Art Äquivalent zwischen der freudigen finanziellen Unterstützung einer Schule und ihren wahren pädagogischen Möglichkeiten.

Sonntag, 31. Oktober 2010

Vor - weihnachtliche Gedanken zu einem un - weihnachtlichen Thema

Waldorfschule und die mangelnden Finanzen

 Als man in Israel das Kommen des Messias erwartete, hatte man die Vorstellung, dass dieser in Reichtum, Pracht und Herrlichkeit in dieser Welt erscheinen würde und als großer König, Feldherr und Befreier das Volk Israel vom Joche seiner vielen Feinde, Besatzer und Unterdrücker erlösen werde.

Die Geburt eines Kindes  unter den armseligsten Verhältnissen gar in einem Stall hatte niemand erwartet. Dies war auch ein wesentlicher Grund dafür, dass Jesus als Messias nicht die nötige Aufmerksamkeit und Anerkennung gerade durch die Führer des Volkes bekam.

Die armen Hirten, die ja selbst macht- und mittellos geschildert werden, erkannten als erste das wahre Wesen und die Bedeutung dieses neugeborenen Kindes.

Zum Glück kamen dann die fremden Könige, die das Kind beschenkten und ihm und seiner Familie so das Überleben für eine gewisse Zeit der allergrößten Not ermöglichten.
Not und Armut waren immer die Begleiter der Urchristen, die die Idee des Christentums in die Welt hinaus trugen.

Scheinbar ist den Vertretern neuer, zukünftiger Ideen immer wieder ein ähnliches Schicksal beschieden.
So  waren es auch die Pioniere der Waldorfschule gewohnt, neue Schulen unter ziemlich unwirtlichen Umständen zu begründen. Viele Wirte verweigerten die Herberge, da sie auf zahlungskräftigere Gäste warteten. Deshalb zog man weiter, bis einem dann irgendeine stallähnliche Herberge zugewiesen wurde.
Viele „arme Hirten“ – die Eltern-, die in ihren Herzen die Bedeutung dieser neuen Pädagogik erkannten, gesellten sich hinzu, schenkten Wolle, Milch, Lämmchen und Mehl, damit für die Gesundheit des Leibes gesorgt wäre und ihre eigenen Kinder recht gut behütet werden und an Leib und Seele gesund in dieser neuen Schule aufwachsen könnten.

Wenn die Kinder in unserer Schule fragen, warum denn das Garagengebäude so hässlich aussehe oder warum im Eurythmieraum immer wieder so viele schwarze Flecken an den Wänden und Decken aufträten und Eimer dastünden, um das Wasser, das durch die Decke tropft aufzufangen, dann kann man ihnen nur als Antwort geben: Wir sind leider eine arme Schule.

Die Änderungen im Geldstrom

Zu Zeiten der Begründung unserer Braunschweiger Schule vor gut 30 Jahren, da war die Lage und das Bewusstsein in der Stadt und im Land so, dass man die eigenen Schulen gut instandhalten konnte und wollte und auch immer wieder Fördergelder für freie Schulen übrig hatte.
Die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung in den letzten Jahrzehnten hat es dann mit sich gebracht, dass dem Staat immer weniger ausreichende Mittel zur Verfügung standen und er dann da zu kürzen begann, wo sich am wenigsten Widerstand zeigte. Das soll auf keinen Fall irgendwie als Kritik verstanden werden, denn im Staat spiegelt sich ja das wieder, was im Bewusstsein vieler Menschen lebt und was den Forderungen der meisten und mächtigeren Bürgergruppen entspricht.
Das hing nun wiederum damit zusammen, dass das Wirtschaftsleben sich immer mehr in den Vordergrund drängte und kulturelle und soziale Gesichtspunkte zweitrangiger geworden sind.

Früher konnte die öffentliche Hand noch genügend Geld dem Wirtschaftkreislauf entnehmen, um z.B. das  Bildungswesen ausreichend zu finanzieren. Heute dominiert das Gewinnstreben als Hauptziel die Wirtschaft, und man hat den Eindruck, dass alles andere dahinter zurücktreten muss. Im internationalen Finanzsystem entziehen sich ungeheuere Geldmassen ihrer Herkunft aus den einzelnen Gesellschaften und ihrer Verantwortung für die einzelnen Länder und Kulturen. Diese Geldmassen kennen nur noch einen Hauptzweck: Das Geld soll aus sich selbst heraus immer noch mehr Geld gebären. Was natürlich nur zum Schein möglich ist und in Wirklichkeit eine gewaltige Unwahrheit ist, denn wenn sich irgendwo Geld anhäuft, dann fehlt es notwendigerweise an einer anderen Stelle. Großer Reichtum hat immer als Schatten auch große Armut.

Die deutsche Gesellschaft ist nach wie vor so organisiert, dass der Staat als gerechter Ausgleicher und Verteiler, von dem Geld, das an der einen Stelle zu viel vorhanden ist, etwas  abzuschöpfen soll, um es dorthin umzuleiten, wo zu wenig Geld hinfließt oder wo eben gar kein Geld vorhanden ist.

Das Bildungswesen z.B. kann nur von dem Geld leben, das anderswo verdient wird und das der Staat ihm dann zuführt.

Die amerikanische Gesellschaft funktioniert dagegen ganz anders. Hier ist der Staat nicht an erster Stelle der große Fürsorger, der die Gelder dorthin leiten soll, wo sie fehlen. In Amerika gilt überwiegend die Devise: Jeder soll selbst für sich sorgen. Wer reich ist, der hat das eben verdient, und wer arm ist ebenso. Man verehrt und bewundert den Reichtum und strebt danach, auch reich zu werden.

Dafür hat sich aber eine unglaubliche Spendenkultur entwickelt. Ungeheuere Geldsummen werden von einzelnen Industriellen oder von Stiftungen dem kulturellen Leben zugeführt, ohne dass der Staat darauf einen Einfluss hat. Überhaupt muss das Bildungswesen überwiegend privat finanziert werden. Als Ausgleich ist die Abgabenbelastung der einzelnen Haushalte viel geringer.

Man könnte dies - grob vereinfacht – so nebeneinanderstellen:

Amerika:         Aus den Gewinnen des Wirtschaftslebens fließt  Geld je nach den individuellen Gesichtspunkten oder Überzeugungen der kleineren und größeren Geldverdiener direkt in den Bildungsbereich.
                       
                        Wirtschaft  --------------- Bildung
                                               Spende

Deutschland:   Der Staat entnimmt dem Wirtschaftsbereich Geld und verteilt es nach seinen politischen Gesichtspunkten im Bildungsbereich.

                        Wirtschaft     ------------   Staat          ------------------      Bildung
                                                Steuer                                        Vollfinanzierung
                                                                                            und Kontrolle

Heutiges Dilemma

Die heutige Dominanz des Gewinnstrebens in der Volkswirtschaft ist auch eine Folge der Globalisierung, die alle Unternehmen zwingt, sich den internationalen Kriterien zu unterwerfen. Die internationalen Standards des Wirtschaftslebens sind aber eigentlich überwiegend die amerikanischen Gesichtspunkte: Wenig Geld für den Staat und  Anhäufung von Geldmengen in privater Hand oder an vergleichbarer Stelle.

Diese Tendenz hat sich auch in Deutschland durchgesetzt. Was hier aber noch fehlt, das ist das Bewusstsein, dass jetzt unbedingt mehr und mehr private Gelder auf freiwilliger Basis zurück in den Bildungsbereich fließen müssen. Für die Bildung ist das in Zukunft eine Frage des Überlebens. Noch immer fordert man bei uns, dass die öffentliche Hand wie früher Schulen und Universitäten fördern müsse. Das kann sie aber längst nicht mehr ausreichend, da sich im Wirtschaftsbereich die Lage so sehr amerikanisiert hat.

Die Rettung für Kultur und Bildungswesen liegt heute nur noch darin, dass immer mehr private Gelder, in diesen Bereich fließen. Es muss Privatmenschen geben, die empfinden können, welche Bedeutung ein gesundes kulturelles Leben für die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft hat, und die ihr Herz und ihren Geldbeutel öffnen, und uneigennützige Unterstützung gewähren. Wer heute noch denkt, dass der Staat allein das Bildungswesen tragen kann, berücksichtigt nicht die Entwicklung der letzten Jahrzehnte.

Für die Waldorfschulen als ärmstes und schwächstes Glied des  kulturellen Lebens gilt dies in gesteigertem Maße. So wie es heute üblich ist, werden sie nicht mehr lange ein menschenwürdiges Leben führen können. Die öffentliche Hand kann und will auch offenbar nicht mehr helfen, weshalb die Unterversorgung schon als normal gilt. Die Elternhäuser können eher weniger als mehr zum Schulhaushalt beitragen. Und es ist sowieso eine unverständliche soziale und wirtschaftliche Ungerechtigkeit, dass man in unserer deutschen Gesellschaft bei dieser gewaltigen privaten Abgabenbelastung der privaten Haushalte auch noch Schulgeld bezahlen muss.

In Zukunft muss mehr Geld aus Stiftungen und aus den Gewinnen des Wirtschaftslebens in möglichst unbürokratischer Weise direkt besonders auch in die Waldorfschulbewegung hineinfließen, damit die Geldarmut nicht zur alltäglichen Sorge der Waldorflehrer wird, und sie stattdessen noch mehr und besser für ihre Schüler sorgen können.

Die Waldorflehrer spielen gerne zu Weihnachten in ihren Weihnachtsspielen die armen Hirten. Aber man vergesse nicht, dass dazu auch noch ein Dreikönigsspiel gehört. Wenn die Geldkönige dieser Welt das arme Waldorfkind nicht auch beschenken, dann ist noch etwas unvollständig geblieben.


Donnerstag, 28. Oktober 2010

Es weiß nicht, was es tut oder tat

Wenn Kinder etwas taten, was der Erwachsenenwelt missfällt - vielleicht haben sie etwas gestohlen oder ein anderes Kind geschlagen -, dann kann es sein, dass sie hinterher diese Tat ableugnen.

Je nach Temperament kann es sein, dass diese Kinder dann wirklich lügen. Es kann aber auch sein, dass sie ihre Tat nicht mehr erinnern.

Man hört das ja auch von Erwachsenen, dass sie schlimme Taten ihres Lebens z.B. im Krieg angeblich nicht mehr erinnern.

Vielleicht kann man sich das so vorstellen, dass der handelnde Mensch selber wie unter einem Schock steht und das Bewusstsein sich ganz herauszieht.

Auch ein Kind hat schon viele Verhaltensnormen verinnerlicht. Begeht es nun eine Tat, die diesen Verhaltensnormen widerspricht, dann denkt es sich unbewusst: Das kann doch gar nicht sein, dass ich eine solche Tat begangen habe. So etwas tun nur andere Kinder. - Es schiebt dann die Schuld auf andere.

Dieses kann man auch bei Erwachsenen erleben, gerade auch wenn sie starke Moralisten sind. Sie halten es für unmöglich, dass sie etwas tun, was sie sonst immer bewusst bei anderen ablehnen. Sie merken es dann gar nicht, wenn sie selber in einen Abgrund hineinschlittern. Bzw. sie können es hinterher nicht mit ihrer eigenen Identität verbinden. So behaupten sie, dass sie nie so etwas getan hätten.

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Anliegen von Kindern

Jedes Anliegen eines Kindes ist bedeutsam.
Auch wenn es nur mit leiser Stimme und nur nebenbei etwas äußert, so sei man immer wachsam, aufgerufen, sich des Anliegens anzunehmen.

Auch das kleinste Kinderanliegen hat mindestens die Bedeutung eines amtlichen Briefes von einer Behörde.
Niemals ein Anliegen als unberechtigt oder unwichtig zurückweisen.

Eine der häufigsten Klagen von Kindern über Eltern oder Lehrer sind:
Er hört mir nicht zu!
Sie macht dann doch nichts!
Das habe ich schon oft gesagt!

Dienstag, 26. Oktober 2010

"Ranzenpost"

...so nennt man das bei uns, wenn man den Schülern schriftliche Informationen für die Eltern mit nach Hause gibt.


Manchmal werden auch Mitteilungen mitgeschickt, die den Schüler selbst betreffen. Kleinere Schüler werden sich da vielleicht nicht viele Gedanken machen, größere schon. Der Schüler wird gern gute Nachrichten zu seinen Eltern bringen. Aber ungern schlechte.


Ahnt ein Schüler, dass in der Ranzenpost eine ihn selbst betreffende Nachricht ist, die für ihn selbst nicht sehr günstig ist, so wird er sie nicht gern an seine Eltern weiterreichen. Er wird sie dann leicht im Ranzen "vergessen"! Vielleicht wird sie auch "verschwinden".



Z.B war bei uns der Zahnarzt (vom Gesundheitsamt), um die Zähne anzusehen. Die schriftlichen Rückmeldungen über kariöse Zähne, mussten offen durch die Schüler an die Eltern  übergeben werden. Welcher Schüler würde das gerne tun?


Solche Nachrichten kann man eigentlich nur per Post an die Familien schicken. Man bringt sonst die Schüler immer wieder in eine denkbar unglückliche Lage.


P.S. 
In diesem Zusammenhang ist auch der Hinweis Rudolf Steiners noch einmal erwähnenswert, dass das damals übliche Zeugnisheft – alle Zeugnisformulare für die kommenden Schuljahre waren in einem Heft bereits vorgedruckt zusammenfasst und wurden Jahr für Jahr ausgefüllt – perforierte Seiten enthalten sollte. Warum? Das Kind sollte die Möglichkeit haben, weniger schmeichelhafte, alte Zeugnisse herauszulösen und verschwinden zu lassen.

Montag, 25. Oktober 2010

Die "Haltung" des Lehrers

Es macht einen großen Unterschied, ob der Lehrer vor der Klasse sitzt oder steht; ob er die Arme verschränkt hat oder geöffnet. Die Haltung des Lehrers ist eine Sprache, die die Schüler unbewusst verstehen.
Man kann einmal andere Menschen beobachten und innerlich studieren, wie eine gewisse Haltung oder Geste seelisch wirkt.
Der Lehrer muss in jeder Sekunde vor den Schülern ganz und gar präsent sein. Er wird mit seinem vollen ICH da sein und wirksam sein. Und er wird versuchen, dies während des ganzen Unterrichtes durchzuhalten; möglichst auch in den Zwischenzeiten (Pausen, Schulweg). Also immer, wenn er mit Schülern zusammen ist.
Dazu gehört eine volle Offenheit, eine Hinwendung und Einfühlung in den Schüler.

Im nachfolgenden Artikel finden sich viele Hinweise, die man durchaus ernst nehmen sollte. Alle unten erwähnten Dinge müssten Teil der Lehrerausbildung sein. Besonders wenn der Student im Praktikum ist, sollte der Betreuer auf diese Dinge hinweisen und sie mit dem Studenten üben:
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Dienstag 26.01.2010, 06:22 · von FOCUS-SCHULE-Redakteurin Simone Scheufler


Mit Körpersprache Aufmerksamkeit erwecken


Stimmt die Körpersprache, klappt die Motivation. Wie Lehrer dank einfacher Tricks die Kommunikation mit der Klasse verbessern.
Auch wenn man nichts sagt, spricht man Bände. Denn der Körper sendet immer Signale darüber aus, was man gerade denkt oder fühlt. Blicke, Mimik, Gesten, Bewegung, Haltung und Spannung des Körpers, aber auch Tonlage der Stimme und Sprachstil übermitteln Informationen.


Diese Signale beeinflussen uns weit mehr, als wir glauben. Experten gehen davon aus, dass zwei Drittel der zwischenmenschlichen Kommunikation nonverbal funktionieren. Besteht ein Widerspruch zwischen dem, was eine Person sagt, und ihrer Körpersprache, vertraut das Gegenüber den Aussagen des Körpers. Denn viele Zeichen, wie rote Stressflecken im Gesicht, sind kaum zu kontrollieren und sagen deshalb unmittelbar, was Sache ist.


Aufmerksamkeit schaffen 
Körpersprache ist ein mächtiges Instrument, wenn man sie bewusst einsetzt. Vor allem für Lehrer: Sie stehen nämlich nie nur als Wissensvermittler vor ihren Klassen, sondern immer auch als Person. Wie sie das tun, entscheidet mit über den Lernerfolg ihrer Schüler. Denn Pädagogen mit wirkungsvoller Körpersprache bringen den Schulstoff nicht nur besser rüber, beim Publikum kommt auch mehr an. Weil sie Aufmerksamkeit schaffen für ihre Worte, die Zuhörer mit nicht sprachlichen Signalen motivieren. Sie machen so nebenbei müde Schüler munter. Oder umgekehrt.


Ein Beispiel: „Hält jemand mit der Körpersprache eines nassen Waschlappens vor einer Gruppe einen Vortrag und fängt an zu gähnen, wird jedes noch so interessierte Publikum müde“, sagt Joachim Bauer, der als Arzt, Neurobiologe und Psychotherapeut am Uniklinikum in Freiburg lehrt und arbeitet. „Denn das Gehirn simuliert, was andere tun oder fühlen.“ Dafür sind die sogenannten Spiegelneuronen verantwortlich. Das sind Nervenzellen im Gehirn, die beim Beobachter die Emotion auslösen, die er bei einem anderen wahrnimmt, zum Beispiel Müdigkeit. Sie spiegeln das Verhalten des Gegenübers.





Nonverbale Signale
Schüler entschlüsseln intuitiv nonverbale Signale ihrer Lehrer. Sie merken sofort, wie engagiert jemand auftritt, ob er bei der Sache ist oder schon während des Unterrichts das Ende der Stunde herbeisehnt. Das hat Folgen für ihre eigene Lernbegeisterung und Motivation. „Die zwischenmenschliche Beziehung von Lehrenden und Lernenden ist von überragender Bedeutung für das Lernen“, betont Joachim Bauer. „Schüler wollen vom Lehrer gesehen werden. Das spornt sie an. Kinder und Jugendliche sind bereit, für Beachtung und Anerkennung eine Menge zu tun.“


Kontakt richtig aufnehmen
Der Lehrer muss von Anfang an präsent sein
Spiegeln Erwachsene durch freundliches, zugewandtes Verhalten mit entsprechender Körpersprache die Lernbemühungen der Kinder positiv wider, erhalten diese wichtige Aussagen über sich selbst: Zeigt ein Pädagoge etwa einem Schüler, dass er ihm zutraut, ein kompliziertes Problem zu lösen, wird dieser sich motivierter der Aufgabe stellen. Gibt der Erwachsene zu verstehen, dass das Kind die Hürde eher nicht nehmen kann, wird es dem Problem anders begegnen. Diese wechselseitige Reaktion ist nicht nur in der Schule wichtig. Sie gilt für alle zwischenmenschlichen Beziehungen, auch zwischen Eltern und ihren Kindern.


Präsent sein von Anfang an ist die Herausforderung an einen Lehrer, der in die Klasse kommt. Die ersten Minuten des Unterrichts entscheiden, ob er mit den Schülern gleich den Faden aufnehmen, eine Kommunikation in Gang bringen kann. Keinesfalls sollte ein Lehrer den Start in die Stunde mit organisatorischen Fragen wie „Wer fehlt?“ oder „Wer hat das Heft vergessen?“ ruinieren.


Pausen gezielt einsetzen
Sofort mit einer Klasse Kontakt aufnehmen – wie geht das? „Ohne Körperspannung und Blickkontakt ist alles andere nichts“, weiß Rudolf Heidemann, Erziehungswissenschaftler an der Universität Tübingen. Erfahrene Redner machen vieles richtig, etwa mit einer dem Publikum zugewandten Körperhaltung. Sie schauen einzelne Zuhörer im Publikum an, während sie sprechen. Pausen setzen sie gezielt ein, variieren Stimmlage und Tonfall. Oft genug aber scheitert der Auftritt an seiner wichtigsten Voraussetzung: Die Körpersprache eines Lehrers kann nur dann wirkungsvoll sein, wenn die Schüler ihn auch sehen können und er sich nicht hinter seinem Pult verschanzt.


Die beste Position im Klassenraum befindet sich in der Nähe des Lehrertischs. Der Pädagoge steht frei, aufrecht, mit Spannung. Die Hände stecken nicht längere Zeit in den Hosentaschen. Sie unterstreichen mit ihren Bewegungen die Aussagen des Vortragenden. Ideal: weite, offene Kontaktgesten in Richtung der 
Schüler. Die Handflächen zeigen dabei nach oben.


         .
Körpersprache & Begeisterung


Authentisch bleiben
Gelegentlich wechselt der Lehrer während seiner Ausführungen ruhig den Platz. Hastiges Hin-und-her-Laufen aber zieht die Aufmerksamkeit vom Inhalt der Rede ab. Und immer wieder: Blickkontakt mit dem Publikum, sonst fühlt es sich ignoriert. Denn Absichten drücken sich auch durch Blicke aus. Schweift beispielsweise der Blick des Lehrers öfter aus dem Fenster oder zur Tür, scheint er auch in Gedanken schon draußen zu sein.


Bewusste Körpersprache ist keine Schauspielerei. Sie soll die Ausstrahlung einer Person stärken. Je widerspruchsfreier das gelingt, umso glaubwürdiger, authentischer und überzeugender kommt ein Lehrer an – und auch das, was er seinen Schülern vermitteln will.


Die typischen Lehrerposen
Verschränkte Arme gelten als Abwehrhaltung
Die Barriere-Haltung
Vor der Brust straff verschränkte Arme gelten als Abwehrhaltung, die Distanz schafft. Dazu passen der verkniffene Blick und die ausdruckslose Mimik.
Besser: Hände in Höhe des Bauchnabels locker verbunden halten, dabei die Handflächen nach oben drehen. Oberarme nicht an den Körper drücken.






Körpersprache im Unterricht


...
Der Zeigefinger schüchtert eher ein
Die Lehrer-Pistole
Je näher der Lehrer beim Schüler steht, umso bedrohlicher wirkt der ausgefahrene Zeigefinger – und schüchtert damit ein, anstatt zu motivieren.
Besser: den gestreckten Arm etwas beugen, mit allen Fingern leicht aufwärts zeigen, Handfläche nach oben, den Körper dem Schüler zuwenden.

BUCHTIPPS
Der Klassiker „Körpersprache im Unterricht“ (Quelle & Meyer, 19,95 Euro) von Rudolf Heidemann gibt praktische Tipps, wie Lehrer ihre Wirkung vor der Klasse verbessern können.


Hier der ganze Artikel:
http://www.focus.de/schule/lehrerzimmer/schulpraxis/tid-16979/koerpersprache-mit-gesten-fesseln_aid_474031.html

Freitag, 22. Oktober 2010

Schule überfordert Eltern

Schule muss so organisiert sein, dass die Lehrenden den ganzen schulischen Teil der Erziehung völlig selbst verantworten. Was als schulisches Bildungsziel definiert wird, muss auch ganz und gar durch den schulischen Lernprozess erarbeitet werden. Alles was z.B. bei einer Prüfung erfragt wird, das wird im Unterrichtsprozess gelernt.
Alles andere ist unwahr und ungesund. Die Verlagerung von Lernprozessen nach außen als Zuarbeit für die Schule fördert Fehlentwicklung im Schulsystem und in der ganzen Bildungslandschaft.

Die erste Stufe der Verlagerung von Schule nach draußen sind die Hausaufgaben. Schon hier beginnen die Krankheitsprozesse des Lernens. (Wenn Sie hier auf dieser Seite, links, in der Sparte "Suchen" das Stichwort "Hausaufgaben" eingeben, werden Sie weitere Artikel zu diesem Thema finden. Oder SIe klicken unter "Spezielle Themen" auf den Punkt "Hausaufgaben").
Hier folgt nun ein Text aus "FOCUS-SCHULE":
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"Bildungsstudie


Mittwoch 08.09.2010, 11:30 · von FOCUS-SCHULE-Autorin Julia Haug


Weil Schulen ihre Aufgaben nicht erfüllen, müssen Mama und Papa Nachhilfelehrer spielen – auf Kosten des Familienlebens. So geht´s nicht, klagen Eltern in einer repräsentativen Umfrage


Viele Eltern müssen häufig als Nachhilfelehrer einspringen


Was Kinder im Klassenzimmer lernen, reicht nicht aus. 94 Prozent der Eltern fühlen sich verpflichtet, sich zu Hause intensiv um die Leistungen ihrer Kinder zu kümmern. Zwei von drei Eltern (67 Prozent) halten das aber gar nicht für ihre Aufgabe. Sie haben das Gefühl, dort einspringen zu müssen, wo die Schule versagt hat. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid im Auftrag von Jako-o, bei der 3000 Eltern von Kindern zwischen drei und 16 Jahren befragt wurden. Das Ärgerliche aus Elternsicht: Der Einsatz für den Schulerfolg der Kinder geht auf Kosten des Familienlebens. 55 Prozent der Eltern beschweren sich über Zeitdruck, 24 Prozent gaben sogar an, dass sie sich im Zusammenhang mit dem Schulbesuch ihrer Kinder oft überfordert fühlen.


Hoher Druck an Grundschulen


Müssen Eltern sich wirklich als Nachhilfelehrer zur Verfügung stellen, um den Schulerfolg ihrer Kinder zu sichern? „In erster Linie sollte das tatsächlich die Schule leisten“, sagt Uta Streit, Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche. „Die Schule setzt aber voraus, dass Kinder zu Hause Hilfestellung erhalten.“

Mehr hier: http://www.focus.de/schule/familie/schule/bildungsstudie-schule-ueberfordert-eltern_aid_549584.html

Samstag, 9. Oktober 2010

Rudolf Steiner: Der Staat hat die Schule ganz in seine Gewalt gebracht

Aus: Aufsätze über die Dreigliederung des sozialen Organismus und zur Zeitlage 1915 - 1921
S. 35
"Die öffentliche Pflege des Geisteslebens in Erziehung und Schule ist in der neueren Zeit immer mehr zur Staatssache geworden. Dass das Schulwesen eine vom Staat zu besorgende Angelegenheit sei, wurzelt gegenwärtig so tief im Bewusstsein der Menschen, dass, wer an diesem Urteil rütteln zu müssen vermeint, als ein weltfremder «Ideologe» angesehen wird. Und doch liegt gerade auf diesem Lebensgebiete etwas vor, das der allerernstesten Erwägung bedarf. Denn diejenigen, die in der angedeuteten Art über «Weltfremdheit» denken, ahnen gar nicht, welch eine weltfremde Sache sie selbst verteidigen. 
Unser Schulwesen trägt ganz besonders die Charakterzüge an sich, die ein Abbild sind der niedergehenden Strömungen im Kulturleben der gegenwärtigen Menschheit. Die neueren Staatsgebilde sind mit ihrer sozialen Struktur den Anforderungen des Lebens nicht gefolgt. Sie zeigen zum Beispiel eine Gestaltung, die den wirtschaftlichen Forderungen der neueren Menschheit nicht genügt. Sie haben diese Rückständigkeit auch dem Schulwesen aufgedruckt, das sie, nachdem sie es den Religionsgemeinschaften entrissen, ganz in Abhängigkeit von sich gebracht haben. 
Die Schule auf allen ihren Stufen bildet die Menschen so aus, wie sie der Staat für die Leistungen braucht, die er für notwendig hält. In den Einrichtungen der Schulen spiegeln sich die Bedürfnisse des Staates. Man redet zwar viel von allgemeiner Menschenbildung und ähnlichem, das man anstreben will; aber der neuere Mensch fühlt sich unbewusst so stark als ein Glied der staatlichen Ordnung, dass er gar nicht bemerkt, wie er von der allgemeinen Menschenbildung redet und eigentlich die Ausbildung zum brauchbaren Staatsdiener meint."

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Interview: Über das Fremdsprachen-Lernen in den ersten Schuljahren

Projektgruppe: Fine Behrens, Sina Liers, Katerina Papamichael
Datum: 27. Juni 2010
Interview mit Dieter Centmayer

Auszug:
"Warum gibt es in den ersten Jahren nur mündlichen Sprachunterricht?

Das kleine Kind lernt seine Muttersprache aus seiner Umgebung heraus, es ahmt nach,was ihm an Sprache entgegen klingt und ergreift sie mit seinem Gefühl. Dieses Prinzip macht sich die Waldorfpädagogik zunutze, indem sie bereits in der ersten Klasse die 6-7jährigen an zwei Fremdsprachen heranführt: Englisch und Französisch.
Gerade in der ersten Klasse sind die Kinder noch offen für alles Neue. Freudig ahmen sie nach, was ihnen vorgesprochen wird und wiederholen im Vertrauen auf den Lehrer ganze Sätze. Statt einzelne Wörter herauszupicken, die sie nicht verstehen, lassen sich die Jungen und Mädchen von Klang und Schönheit der fremden Sprache mitreißen.

Die Kinder sprechen kleine Reime, Dialoge, Fingerspiele, singen Lieder im Chor und tauchen dabei wie selbstverständlich in den Sprachenstrom ein, ohne Wort für Wort zu verstehen. Der Sinn der Sätze erschließt sich durch die Gestik und Mimik des Lehrers,durch das Miterleben im Spiel..."


Hier weiter: http://www.sprachenstadtbraunschweig.eu/centmayer.pdf


Zwölfjährige

Mathias Albert, Autor der neuen Shell-Studie, erklärt im Interview mit SPIEGEL ONLINE - http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,717504,00.html :


"Bei Zwölfjährigen ist oft nichts mehr zu retten"

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Auf diese Ansicht stoße ich in letzter Zeit häufiger. Mir selbst war das in schulischem Zusammenhang bisher nicht so deutlich. Allerdings habe ich zu Hause an meinen eigenen Kinder auch erlebt, dass gewisse Erziehungsmöglichkeiten ab diesem Lebensalter nicht mehr gegeben sind. 


Ab jetzt darf man nicht mehr so deutlich und bewusst auf den Willen der Kinder einwirken. Auch vorher sollte man das ja nicht - wenn man die Gesichtspunkte der Bewusstseinsseele kennt - , aber die Kinder folgten den Eltern oder Erziehern meist doch relativ willig. Nun kann sich das umkehren: Man erreicht das Gegenteil, wenn man auf den Handlungswillen der Kinder einwirkt. Auseinandersetzungen und Konfrontationen können nun schädlich wirken. Jetzt muss man unbedingt beginnen, ganz durch sein Beispiel zu wirken und die neuen Lebensschritte der Kinder mit Liebe, Vertrauen, Fürsorge und Zuversicht zu begleiten.

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Religiosität

Es wird immer wieder gesagt und festgestellt, dass die Kinder heute immer unreligiöser seien und würden.
In den Familien und in der Gesellschaft ist das religiöse Leben am Verschwinden. Die meisten Kinder wachsen ohne religiöse Pflege ihres Seelenlebens auf. Wobei damit eine stetige, rhythmische Wiederholung von gewissen Handlungen gemeint ist.

Die religiösen Kräfte aber sind in den Kindern noch vorhanden. Sie sind sogar besonders stark. Viele Kinder-Seelen hungern und dürsten nach religiösen Gedanken und Gefühlen. Diese Sehnsüchte verhärten und verkümmern, wenn sie keine Erfüllung finden.

So wird man also in der Schule umso mehr Gewicht darauf legen können, den Kinderseelen da entgegenzukommen. Es muss sehr geschickt angestellt werden, denn alles was früher einmal ging, geht heute nicht mehr. Man muss selbst ganz von Religiosität durchdrungen sein und darf nicht dogmatisch oder belehrend darüber sprechen.

Das Religiös-Geistige wirkt besonders stark, wenn es mit vergleichenden Bildern dargestellt wird; man denke an das Beispiel Rudolf Steiners mit dem Schmetterling, der aus der Puppe schlüpft, als Bild für die Seele, die nach dem Tode aus dem Leibe sich hinauf schwingt. In der Bibel findet man ja auch ständig "Gleichnisse" als Bilder für das Geistige. Diesen Weg beschreiten wir ebenfalls. Wir schaffen selbst die Gleichnis-Bilder, dann kommen sie aus unserer eigenen Seele und die Kinder nehmen sie gerne an.

Montag, 4. Oktober 2010

Erziehung sei Betreuung plus Liebe ...

Man wagt es ja fast nicht auszusprechen, aber Kinder können auch zu Hause gesund aufwachsen. Es gibt noch immer keine Kindergartenpflicht! Es ist wirklich erlaubt, ein Kind ganz ohne Kindergarten aufwachsen zu lassen. Oh, ich weiß, wie viele Gegenargumente nun kommen!


„Die Entwicklung eines Kindes wird umso mehr gelingen, je weniger Sie es fördern...“ meint Ute Raschke in einer Rezension eines neuen Buches -  Ralf Dawirs, Gunther Moll: Die zehn größten Erziehungsirrtümer. (FAZ, 2.10.2010) 


Es heißt dort weiter: “Die über viele Stunden am Tag fehlende Elternliebe ist ihr entscheidendes Argument gegen Krippen: Erziehung, so ihre Gleichung, sei Betreuung plus Liebe. Die institutionelle Betreuung aber sei Erziehung ohne Liebe - denn keine Erzieherin könne (und solle) ein Kind so lieben wie die Eltern.“

Die öffentliche Dogmatik oder Ideologie, will die Kinder immer mehr der Familie entziehen und sie immer weiter der Erziehung durch öffentliche Einrichtungen unterstellen. Ein Heer von Wissenschaftlern und Politikern arbeitet daran, mit immer neuen Argumenten, das Kind aus der Wärme und Geborgenheit der Familie immer früher herauszunehmen.

Auch die Selbstbestimmung der Frauen wird als Waffe eingesetzt, der man sich unterordnen muss. Die Frau soll in den Beruf, sie soll nicht die Kinder aufziehen, das sei minderwertig. Im Beruf muss sie sich den Mechanismen der Arbeitswelt unterwerfen, die Kinder kann man dann gleichzeitig den Mechanismen eine „wissenschaftlichen Erziehung“ unterwerfen. In Kindergärten gibt es dann auch gleich vorschulische Bildung, Früh-Englisch usw.

Aus dem Artikel:

„Erziehung in der Familie hat derzeit keinen guten Leumund. In der öffentlichen Wahrnehmung werden ihre Risiken betont; sie gilt als defizitär und problembehaftet.

... die Tendenz, die Effekte der außerhäuslichen Betreuung kleiner Kinder zu beschönigen, zeigen, dass der Stellenwert der Erziehung innerhalb der Familie im Sinken begriffen ist.

Beinahe schon wird Eltern eingeredet, dass sie ihren Kindern Bildungschancen vorenthielten, wenn sie sie nicht in eine Krippe brächten. Natürlich gibt es Eltern, die es nicht schaffen, ihre Kinder nach bürgerlichen Maßstäben zu erziehen - aber ob, das der "Familienlotse" beim Arbeitsamt besser kann? Natürlich müssen Misshandlungen verhindert werden -, doch eine Minderheit überforderter Eltern darf nicht als Vorwand gelten, die Grundrechte anderer Eltern einzuschränken.

Auf diese Fehlentwicklung in der öffentlichen Debatte machen Ralph Dawirs und Gunther Moll in ihrem neuen EIternratgeber aufmerksam. Für sie sind Eltern die wahren Leistungsträger einer Gesellschaft. Beide Autoren wehren sich gegen den Anspruch des Staates, der bessere Erzieher zu sein. ...

Doch die Autoren wissen aus ihrer Berufspraxis, dass Elternliebe und Urvertrauen die Grundlage aller späteren Entwicklung sind. Beide sind Spezialisten für psychische Störungen: Dawirs ist Professor für Neurobiologie und forscht am Universitätsklinikum Erlangen, Gunther Moll leitet die dortige Kinder- und Jugendpsychiatrie. In ihrem Buch versuchen sie, Prävention - zu betreiben und das Verständnis für die Bedingungen gesunden Aufwachsens zu stärken.

Die über viele Stunden am Tag fehlende Elternliebe ist ihr entscheidendes Argument gegen Krippen: Erziehung, so ihre Gleichung, sei Betreuung plus Liebe. Die institutionelle Betreuung aber sei Erziehung ohne Liebe - denn keine Erzieherin könne (und solle) ein Kind so lieben wie die Eltern....

Mit einer weiteren Mär räumen die Autoren auf: der Idee der Frühförderung gesunder Kinder. Allein der Ausdruck pathologisiere die freie Entwicklung des Menschen. Bis zu ihrem sechsten Geburtstag brauchten Kinder vor allem Zeit, zu spielen, sich zu bewegen und ungestört die Umwelt zu erkunden. "Eine glückliche Kindheit im Ranzen" sei die beste Voraussetzung für eine gelingende Schullaufbahn. Dazu gehören garantiert nicht, so ihre Meinung, Kurse in Englisch, Mathematik oder Naturwissenschaften für unter. Sechsjährige. "Die Entwicklung eines Kindes wird umso mehr gelingen, je weniger sie es methodisch fördern oder gar trainieren." Viele Kinder lernten dadurch lediglich, nur über ihre Leistung wahrgenommen zu werden, fühlten sich überfordert oder als Versager. Die "Starkmacher" Eigenständigkeit und Selbstbewusstsein könnten sich so nur schwer entwickeln. Mittlerweile leidet jedes zehnte Kind an Schulangst, 40 Prozent der Eltern gaben in einer Forsa-Umfraäe an, dass ihre Kinder oft traurig, gereizt, aggressiv oder zurückgezogen seien. Die Autoren führen das darauf zurück, dass sich das Leistungsdenken der Erwachsenenwelt zu sehr der Kindheit bemächtigt habe. ..“

Samstag, 2. Oktober 2010

Hilfe, Urlaub! - Vorsicht vor Ferien!

 TAGEBUCH


Viele Themen wagt man ja nicht anzusprechen (oder hier “anzuschreiben“), weil sie zu sehr den allgemein üblichen Überzeugungen widersprechen und man deshalb Gefahr läuft, dass einen selbst die Menschen nicht verstehen, denen man sich ansonsten vielleicht sogar geistes- oder seelenverwandt fühlt.

Ein solches Thema ist der „Urlaub“ oder die „Ferien“. Das Verhältnis sehr vieler Bürger zu ihrem Alltag und zu ihrem Beruf ist ein durchaus schwieriges. Seit dies so ist, haben Urlaub, Ferien oder Reisen eine geradezu allmächtige Bedeutung gewonnen. Schon der Gedanke an freie Tage oder an besondere Reisen versetzt heute die Menschen in erhobene Stimmung. ... 

 

(weiter hier: http://perseiden.blogspot.com/2010/10/hilfe-urlaub-vorsicht-vor-ferien.html)